Lumbago (Hexenschuss) – Ursachen, Symptome und Therapie

Wenn uns plötzlich der Schmerz in den Rücken „schießt“, dann nennen wir das Hexenschuss. Von einem Moment auf den anderen können wir uns nicht mehr bewegen. Die Medizin spricht von Lumbago. Hier die wichtigsten Fakten:

  • Der Lumbago ist ein akuter Kreuzschmerz.
  • Oft ist er nach einer Woche vergangen, fast immer nach sechs Wochen.
  • 85 Prozent aller Deutschen erleben zumindest einmal im Leben einen solchen Schmerz.
  • Ältere sind weniger betroffen als Jüngere im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.
  • Bei akuten Kreuzschmerzen handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um ein Beschwerdebild.
  • Er heißt „Hexenschuss“, weil die Menschen früher glaubten, dass eine Hexe mit einem Zauber den Schmerz verursacht.

Die Ursachen

Oft gehen dem akuten Kreuzschmerz funktionelle Störungen voraus. Das können verspannte Muskeln sein oder eine schwache Muskulatur im Rücken. Jetzt reicht ein harmloser Auslöser wie das ruckartige Anheben einer vollen Bierkiste aus, damit die verkürzten Muskeln sich zusammen ziehen und den Rücken blockieren.

Wenn uns ein plötzlicher Schmerz in den Rücken „schießt“, spricht man von einem Hexenschuss. 85 Prozent der Deutschen haben eine solche Erfahrung in ihrem Leben. (Bild: astrosystem/fotolia.com)

„Die“ Ursache für einen Lumbago gibt es nicht. Psychische Faktoren, feuchte Kälte, falsche Körperhaltungen oder ungewohnte Bewegungen kommen in Frage. Neben einer Verspannung der Rückenmuskeln können sich auch die Wirbelgelenke oder die Gelenke zwischen Wirbelsäule und Becken verschieben. Oder es liegt ein Einriss in der Bandscheibe vor. Auch ein Bandscheibenvorfall ist möglich. Der Zusammenhang mit Verschiebungen der Wirbelgelenke erklärt auch das scheinbare Paradoxon, dass jüngere, also beweglichere Menschen, öfter einen akuten Kreuzschmerz erleiden als ältere. Gerade weil bei den Jungen die Gelenke noch nicht versteift sind, können sie sich verschieben. Bei älteren Menschen sind zudem die Bandscheiben zum Teil eingetrocknet, und dadurch können sie weniger reißen.

Faktor Bewegungsmangel

Bei mangelnder Bewegung schwächeln die Rückenmuskeln, weil sie nicht trainiert werden. Muskeln verkürzen oder verhärten, Bänder überlasten, Nervenfasern sind gereizt. Bestimmte Bewegungen führen jetzt zu einem sehr schmerzhaften Blockieren. Übrigens kann das gleiche Problem auch an anderen Stellen des Körpers auftreten, wenn Sie zum Beispiel Krafttraining absolvieren, ohne ihre Muskeln Schritt für Schritt darauf vorzubereiten.

Symptome

Der akute Kreuzschmerz kommt plötzlich und stark und zwar im Bereich der Lendenwirbel. Er zieht, bohrt oder sticht. Meist kommt er so stark, dass die Betroffenen sich kaum aufrichten können.

Wann Sie unbedingt zum Arzt sollten

Ein akuter Kreuzschmerz ist meist kein Grund, zum Arzt zu gehen. Doch wegen der intensiven Schmerzen können Sie es tun. Jedenfalls sollten Sie zum Arzt gehen, wenn die Schmerzen nach mehreren Tagen nicht nachlassen.

Unbedingt zum Arzt müssen Sie, wenn die Schmerzen in das Bein ausstrahlen und Taubheitsgefühle sowie ein Kribbeln mit sich bringen. Es kann sich um einem Bandscheibenvorfall handeln, der den Ischiasnerv einklemmt.

Haben Sie hohes Fieber und Schüttelfrost zusätzlich zum Kreuzschmerz? Dann rufen Sie sofort unter 112 den Notarzt. Das gleiche gilt, wenn der Schmerz auftritt und sie an einer chronischen Krankheit wie Diabetes, Osteoporose oder Krebs leiden.

Sind Beine gelähmt, fühlen Sie Taubheit im Genitalbereich, müssen Sie vermehrt Wasser lassen oder können es nicht oder leiden Sie an Inkontinenz? Dann müssen Sie sofort den Notarzt anrufen. Bei Lähmungen dürfen Sie sich keinesfalls in Sicherheit wähnen, wenn der Schmerz nachlässt.

Gesellen sich ernstere Beschwerden, wie zum Beispiel hohes Fieber oder Schüttelfrost, zum Kreuzschmerz, sollten Sie unbedingt und dringend einen Arzt aufsuchen. (Bild: mma23/fotolia.com)

Diagnose

Einen Lumbago stellt ein Arzt meist schon bei einer einfachen Anamnese fest, also wenn er ihnen bestimmte Fragen nach den Beschwerden stellt. Bei der Diagnose „akuter Kreuzschmerz“ ist eine detaillierte Kenntnis der Ursachen nicht notwendig, da es sich um eine vorübergehende Beschwerde ohne Folgen handelt.

Der Arzt fragt Sie, wann und bei welcher Tätigkeit der Schmerz auftrat, ob Sie Vorerkrankungen wie Diabetes oder Osteoporose haben und ob Sie Probleme beim Stuhlgang oder Wasserlassen haben. Dann bittet der Arzt Sie, auf den Zehenspitzen und Fersen zu laufen und überprüft in dieser Stellung alle wichtigen Muskelgruppen der Beine, die Muskelreflexe und die Empfindlichkeit der Haut.

Mit einer Sensibilitätsprüfung erkennt der Arzt, ob Nerven geschädigt sind. Dafür streicht er mit einem spitzen Gegenstand über Füße und Beine. Die Betroffenen sagen jetzt, was sie spüren und in welcher Intensität sie es spüren. Ergeben sich Hinweise auf eine Sensibilitätsstörung, ist eine Überweisung zum Facharzt angesagt.

Um die genaue Ursache herauszufinden, bedarf es Erfahrung, denn der Schmerz kann von Bandscheibe, Wirbelgelenken oder Rückenmuskeln ausgehen. Liegt das Schmerzzentrum vier Zentimeter neben der Mittellinie der Wirbelsäule, sind es mutmaßlich die Rückenmuskeln, zweieinhalb Zentimeter darunter eher ein Wirbelgelenk. Sitzt der Schmerz tief, könnte es die Bandscheibe sein.

Wenn nötig, kommen jetzt noch eine Röntgenuntersuchung oder eine Kernspintomographie dazu, eine neurologische Untersuchung und/oder Labortests. Vermutet der Hausarzt einen ernsten Hintergrund, dann verweist er Sie zur genauen Diagnose an einen Fachmediziner.

Was Sie selbst machen können

Früher wusste das „Volkswissen“, dass man sich bei einem Hexenschuss schonen soll, also im Bett liegen bleiben. Die Medizin weiß heute, dass das falsch ist. Sie sollten sich so schnell wie möglich wieder bewegen.

Sie können zum Beispiel eine Stufenlagerung probieren, um den akuten Schmerz zu lindern. Dabei liegen Kopf und Rücken gestreckt auf einer stabilen Liege. Hals wie Kreuz stützen Sie durch ein zusammengerolltes Handtuch, Knie und Unterschenkel durch ein Polster, das das Knie in einen rechten Winkel drückt. Die Oberschenkel sollten senkrecht nach oben stehen, Knie und Unterschenkel waagerecht auf dem Polster ruhen. Sie entspannen jetzt die Rumpfmuskeln.

Wärme verbessert die Durchblutung und mindert so oft den Schmerz, zum Beispiel in Form einer Wärmedecke, die sie unter den Rücken legen. Doch vergessen Sie darüber nicht, sich zu bewegen, auch wenn es weh tut.

Akutem Kreuzschmerz vorbeugen

Einem akuten Kreuzschmerz beugen Sie am besten vor, indem Sie sich bewegen. Je schwerer Sie sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, einen Lumbago zu erleide – je leichter Sie sind und je mehr Sie sich bewegen, umso kleiner ist sie. Wirbelsäulengymnastik und eine Rückenschule helfen ebenfalls.
Am Arbeitsplatz sorgen Sie dafür, dass Sie eine gerade Rückenlehne im Stuhl haben und so den Rücken nicht krümmen. Eine kaum beachtete, aber effektive Übung, um Kreuzschmerzen entgegenzuwirken, ist Treppensteigen, bei dem Sie den Oberkörper gerade halten. Also schlicht statt den Fahrstuhl zu benutzen zu Fuß gehen.

Geeignet sind Sportarten wie Schwimmen, Wandern, Klettern und Radfahren, die den Rücken gleichmäßig beanspruchen. Weniger geeignet sind beispielsweise Golf oder Tennis, die die Muskeln einseitig belasten.

Bewegung ist das A und O – nicht nur bei Hexenschuss. Eine gute Möglichkeit im Alltag ist, die Treppe stattden Fahrstuhl zu benutzen, wenn es möglich ist. (Bild: beeboys/fotolia.com)

Der Schuss der Hexe

Die Schmerzen kommen plötzlich und sie stechen – als würde sich ein Pfeil in den Rücken bohren. Und als unsere Vorfahren noch keine wissenschaftlichen Erklärungen für dieses Phänomen hatten, glaubten Sie dies tatsächlich: Fabelwesen wie Elfen oder zaubernden Hexen, die mit unsichtbare Pfeile gegen die Betroffenen schießen, galten als Ursache. Eine Hexe sollte diesen Schuss allein durch ihren „Bösen Blick“ ausüben können. An dieses „Evil Eye“ glauben unzählige Menschen heute noch, im Iran genauso wie in Italien, in Marokko und in Papua.

Elfen und Hexen

Diese Vorstellung ist sehr alt, denn bereits im Altenglischen (450 bis 1000 nach unserer Zeitrechnung) hieß das Phänomen haegtessan – Hexenschuss, aber auch ylfagescot, also Elfenschuss. Im 16. Jahrhundert erschien im deutschen Sprachraum der Begriff Hexenschuss, und zwar nicht als Metapher. Zehntausende von unschuldigen Frauen wurden auf Scheiterhaufen verbrannt, weil sie Gewitter herbeigezaubert, den Kühen magisch die Milch gestohlen oder Menschen krank gemacht haben sollten – zum Beispiel in Form eines Hexenschusses.

Auch das altdeutsche Wort „Alpschuss“ leitet sich von den Elfen ab. Diese waren im Glauben Mitteleuropas keine zarten Wesen mit Libellenflügeln, sondern garstige Nachbarn, die unter der Erde oder im Wald lebten, ihre hässlichen Kinder mit menschlichen Babys austauschten (Wechselbälger) und den Menschen realen Schaden zufügten. Sie machten das Vieh scheu, verursachten Krankheiten oder brachten Menschen vom Weg im Moor ab, so dass diese ertranken. Unser Alptraum kommt von diesen Alben, Alpen, Elben oder Elfen. Dahinter steckt die Vorstellung, dass sich ein solches böses Wesen nachts auf den Brustkorb setzte, darauf drückte und uns die schlimmen Träume einflüsterte.

Falscher Verdacht und echter Tod

Im Zauberglaube lag der Verdacht des „bösen Fluches“ nahe, wenn ein Bauer, der gerade einen Streit mit einer Nachbarin hinter sich hatte, beim Heuschichten mit der Mistgabel auf einmal diesen stechenden Schmerz im Rücken verspürte. Jetzt „erinnerte er sich“, dass die Nachbarin etwas gemurmelt hatte, bevor die beiden sich trennten oder sogar schimpfte „dich soll der Teufel holen“. Denunzierte das vermeintliche Opfer nun die angebliche Hexe vor Gericht, gab es für diese kaum einen Ausweg. Ziel des Prozesses war das Geständnis und um dieses zu bekommen, setzte der Scharfrichter auch die Folter ein. Irgendwann gestanden die Angeklagten alles. Die Zeitgenossen verspürten oft kein Mitgefühl mit den „Hexen“. Durch das Geständnis, so glaubten sie, wäre es möglich, die Dämonen aus ihrem Leib zu vertreiben und ihre Seele zu retten. Fromme Christen glaubten also sogar, durch die Folter und das lebendige Verbrennen von in Wirklichkeit gänzlich unschuldigen Menschen ein gottgefälliges Werk zu tun.

Umso wichtiger ist es heute, in der Esoterikszene verbreiteten Märchen entgegenzutreten, nach denen ein „Hexenschuss“ tatsächlich etwas mit einer angeblichen „Energieübertragung“ zu tun haben könnte. Es handelt sich ganz banal um eine Störung der Muskeln, Nerven, Bandscheiben oder Gelenke. (Dr. Utz Anhalt)