Reizdarm

Eine Frau mit Bauchschmerzen hält sich die Arme schützend vor den Bauch.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Reizdarmsyndrom (RDS)

Der Reizdarm gehört zu den häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen in den westlichen Industriennationen. Man versteht darunter eine funktionelle Darmstörung ohne organische Ursachen.


Wie entsteht ein Reizdarm?

Die genauen Ursachen für das Reizdarmsyndrom (RDS) sind bisher noch nicht geklärt. Bekannt ist, dass die Abläufe im Verdauungstrakt bei den Reizdarm-Patienten erheblich gestört werden, jedoch ohne körperliche Ursache. Die Betroffenen leiden unter einer Dysfunktion zwischen dem ENS (enterisches Nervensystem) und dem ZNS (zentrales Nervensystem). Das bedeutet, dass bei Patienten mit RDS der Darm wesentlich mehr auf Einflüsse, wie Stress, Angst oder ähnliches reagiert, als bei gesunden Menschen.

(Bild: Doris Heinrichs/fotolia.com)
Plötzlicher Druck auf dem Bauch und starker Stuhldrang sind typische Anzeichen des Reizdarm-Syndroms. (Bild: Doris Heinrichs/fotolia.com)

Reizdarm: Symptome

Es kommt zu wiederkehrenden, in der Stärke wechselnden Bauchschmerzen, die sowohl stechend als auch krampfartig sein können. Zusätzlich leiden die Betroffenen häufig an Blähungen. Die Stuhlfrequenz ist unterschiedlich. Im Wechsel können Obstipation (Verstopfung) und Diarrhö (Durchfall) auftreten. Die Patienten sind oft nach dem Stuhlgang von dem Gefühl der unvollständigen Entleerung geplagt, wobei der Stuhlgang meist zuerst eine Erleichterung mit sich bringt. Häufig kommt es zu Schleimauflagerungen. Auch laute Darmgeräusche gehören zu der RDS-Symptomatik. Des weiteren ist festzustellen, dass die Beschwerden meist über die Jahre hinweg zunehmen.

Zu den verdauungsspezifischen Symptomen kommen meist unspezifische Allgemeinsymptome hinzu, wie

Das Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich, jedoch beeinträchtigen die Symptome bei vielen Patienten deutlich deren Lebensqualität. Auch scheint RDS die Stimmung deutlich zu beeinflussen und das Risiko für Depressionen und Angststörungen zu erhöhen.

Auslöser

Als mögliche Auslöser des RDS werden genannt:

  • genetische Disposition,
  • Stress,
  • ein geschwächtes Immunsystem,
  • falsche Ernährungsgewohnheiten,
  • gestörtes Darmmikrobiom (Darmflora),
  • Hormonelle Einflüsse.

Ursachen

Die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms sind nach heutigem Wissensstand unbekannt. Es wurden jedoch Faktoren entdeckt, die mit der Entstehung in Verbindung stehen:

  • Muskelkontraktionen im Darm: Beim RDS wurden Muskelkontraktionen der Darmwände beobachtet, die länger andauern und stärker sind als gewöhnlich. Diese übermäßigen Kontraktionen können zu Blähungen und Durchfall führen.
  • Nervensystem: Bei einigen Betroffenen wurden Anomalien im Nervensystem festgestellt. Dies führt zu einer schlechteren Koordination von Signalen zwischen Gehirn und Darm. Folglich reagiert der Körper anders auf Veränderungen im Verdauungssystem.
  • Darmentzündungen: Betroffene mit RDS haben mitunter eine erhöhte Anzahl von Immunsystemzellen im Darm. Reaktionen des Immunsystem wirken sich deshalb besonders heftig auf den Darm aus.
  • Infektionen: Schwere Infektionskrankheiten mit Viren oder Bakterien können zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora führen. So können sich beispielsweise bestimmte Bakterienarten übermäßig ausbreiten.
  • Gestörtes Darmmikrobiom: Neueste Studien weisen darauf hin, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora bei gesunden Personen von dem Mikrobiom von kranken Personen unterscheidet. Dies könnte auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung von RDS spielen.
Eine Frau mit Bauchschmerzen hält sich die Arme schützend vor den Bauch.
Das Reizdarm-Syndrom ist weit verbreitet. Dennoch sind die genauen Ursachen unklar. (Bild: Animaflora PicsStock/fotolia.com)

Diagnose

Der Reizdarm gehört zu den Ausschlussdiagnosen. Das heißt, RDS kann erst diagnostiziert werden, wenn andere organische Krankheiten durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen wurden. Um die Diagnose zu stellen ist eine ausführliche Anamnese wichtig. Auf eine körperliche Untersuchung und das Abtasten des Bauches folgte gegebenenfalls eine rektale Untersuchung. Außerdem werden häufig weitere Untersuchungsmethoden, wie Ultraschall, Magen- Darmspiegelungen und eventuell Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten eingesetzt, um die Ursachen der gestörten Abläufe im Verdauungstrakt zu ermitteln.

Reizdarm: Was hilft? Vorbeugung und Linderung

Um sich vor dem Reizdarmsyndrom zu schützen oder die Symptome zu lindern, haben sich folgende Maßnahmen bewährt:

  • Psychotherapie: In einer Therapie kann erlernt werden, wie man auf Stress reagiert und wie man am besten damit umgeht. Dies kann eine dauerhafte Reduktion der Symptome bewirken.
  • Entspannungstechniken: Das Erlernen und Anwenden von Entspannungsmethoden wie progressive Muskelrelaxation und autogenes Training kann zum Stressabbau beitragen.
  • Biofeedback: Elektrische Sensoren helfen dabei, Informationen über die Körperfunktionen zu erhalten, um so ein besseres Verständnis für den Körper zu bekommen. So können beispielsweise Schwachstellen oder Auslöser aufgedeckt werden.
  • Achtsamkeitstraining: Diese Technik hilft dabei, sich auf den Moment zu konzentrieren und Sorgen sowie Ablenkungen loszulassen.
  • Lebensstiländerungen: Ein gesunder Lebensstil mit ballaststoffreicher Nahrung, viel ungezuckerter Flüssigkeitszufuhr, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf wirkt einem Reizdarm entgegen.

Reizdarm: Behandlung

Bisher besteht keine Standardtherapie zur Behandlung des Reizdarmsyndroms. So werden in der Allopathie (Schulmedizin) Mittel gegen Koliken, Obstipation oder Diarrhö eingesetzt. Teilweise werden auch Psychopharmaka zur Reizdarm-Behandlung verwendet.

Die naturheilkundliche Behandlung kann zwar mitunter langwierig, jedoch häufig erfolgversprechend sein. So wird ein großes Augenmerk auf die Ernährung gerichtet. Häufig reagieren Patienten, die unter einem Reizdarmsyndrom leiden, auf bestimmte Nahrungsmittel mit verstärkten Symptomen. Hier ist ein Tagebuch zu empfehlen. in das die Betroffenen die zugeführten Speisen und die daraufhin entstandenen Beschwerden eintragen, um diese Nahrungsmittel dann in Zukunft meiden zu können.

Wichtig ist es, sich Zeit für die Mahlzeiten zu nehmen und diese gründlich zu kauen. Hektik beim Essen verstärkt relativ häufig die Symptomatik. Anis, Fenchel, Kümmel Koriander und die Pfefferminze werden eingesetzt um, den aufgewühlten Darm zu beruhigen. Die antroposophische Medizin hält ebenso einige Behandlungsansätze parat, die äußerst hilfreich sind, wie z.B. ein Präparat aus verschiedenen Weidenarten, die die Verdauungsorgane in ein Gleichgewicht bringen sollen. Stress und Ängste, die meist zu der Reizdarmsymptomatik gehören müssen abgebaut werden. Hier helfen Entspannungstechniken und Massagen. Auch wenn die klassische Homöopathie wissenschaftlich als umstritten gilt, vertrauen einige Patientinnen und Patienten mit Reizdarmsyndrom auf die Wirkung. (vb, sw)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Mayo Clinic: Irritable bowel syndrome (Abruf: 30.09.2019), mayoclinic.org
  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: Reizdarm (Abruf: 30.09.2019), internisten-im-netz.de
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Reizdarmsyndrom (Abruf: 30.09.2019), gesundheitsinformation.de

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.