Generalisierte Angststörung – Symptome, Ursachen und Therapie

Angststörungen gibt es bekanntlich sehr viele. Von spezifischen Ängsten vor Objekten oder Tierphobien, wie etwa der Angst vor Spinnen, über Versagensängste bis hin zur Furcht vor Menschen und sozialen Ereignissen sind die Formen der Angststörung sehr vielseitig, können aber zumindest in ihrem Charakter recht genau benannt werden. Anders sieht es bei der generalisierten Angststörung (GAS) aus. Sie gestaltet sich relativ kompliziert und erfolgt nicht besonders zielgerichtet auf einen bestimmten Trigger, sondern richtet sich eher unspezifisch gegen alle möglichen Dinge.

Dementsprechend ist es für Betroffene äußerst schwierig, entsprechenden Konfliktsituationen aus dem Weg zu gehen, da praktisch jede Alltagssituation ihre Angst befeuert. Wie die generalisierte Angststörung entsteht und welche Möglichkeiten zur Behandlung es gibt, erklären wir in unserem Beitrag zum Thema.

Silhouette eines nach unten blickenden Kopfes und viele zerknüllte Papierkugeln in verschiedenen Größen darüber.
Menschen mit einer generalisierten Angststörung fürchten sich nicht vor konkreten Dingen oder Situationen, sondern haben vor allem Möglichen Angst. (Bild: tadamichi/stock.adobe.com)

Was sind Angststörungen?

Die Bezeichnung „Angststörung“ ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl verschiedener psychischer Störungen, denen gemeinsam ist, dass sie mit einer tiefsitzenden Angst vor etwas oder jemandem einhergehen. Unterschieden werden hier maßgeblich zwei Hauptformen: die spezifische Angststörung beziehungsweise Phobie und die generalisierte Angststörung.

Spezifische Angststörung – Phobie

Bei der ersten Form handelt es sich um die spezifische beziehungsweise konkrete Angststörung (phobische Störung). Die Angst richtet sich hier gezielt gegen bestimmte Objekte, Personen, Personenkreise oder Situationen und tritt ausschließlich dann auf, wenn die Betroffenen mit besagten Angstauslösern (“Trigger”) oder zumindest mit Gedanken an ebendiese konfrontiert werden. Typische Beispiele für entsprechende Trigger sind:

Tiere (bei Tierphobien) wie zum Beispiel bei

  • Angst vor Bienen (Apiphobie),
  • Angst vor Hunden (Kynophobie),
  • Angst vor Insekten (Entomophobie),
  • Angst vor Schlangen (Ophidiophobie)
  • und Angst vor Spinnen (Arachnophobie).

Situationen (situative Phobien) wie zum Beispiel bei

  • Flugangst (Aviophobie),
  • Höhenangst (Akrophobie)
  • und Platzangst (Agoraphobie).

Soziale Interaktionen (soziale Phobien) wie zum Beispiel bei

  • Angst vor dem Erröten in der Öffentlichkeit (Erythrophobie),
  • Angst vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit (Logophobie)
  • und Angst vor dem Urinieren in der Öffentlichkeit (Paruresis).

Unspezifische Angststörung

Diese Form der Angststörung tritt spontan (frei flottierend) auf und hat somit keinen spezifischen Triggerfaktor. Aus diesem Grund ist die Ursachenfindung bei unspezifischen Angststörungen oftmals sehr kompliziert. Anders als bei spezifischen Phobien gibt es keinen angstauslösenden Trigger, der eventuell auf ein konkretes traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit hindeutet. Genauer einteilen lassen sich diffuse Angststörungen in drei Unterformen:

Panikstörung: Bei Panikstörungen handelt es sich um Angstattacken, die spontan auftreten und so unvermittelt enden, wie sie begonnen haben. Die Dauer einer einzelnen Panikattacke ist mit wenigen Minuten eher kurz.

Depressive Angststörung: Auch im Rahmen einer Depression treten häufig unspezifische sowie unbegründete Ängste auf. Die Ängste sind hier meist einer unverhältnismäßigen, emotionalen Verstimmung oder einer depressiven Grübelneigung geschuldet. Für gewöhnlich legt sich die Angststörung hier nach einem akuten depressiven Schub wieder.

Generalisierte Angststörung: Die wohl schlimmste aller unspezifischen Angststörungen kann sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis hin zu Jahren erstrecken, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Dies bedeutet, dass Betroffene dauerhaft in einem Zustand der Angst leben, was nicht nur seelisch, sondern auch körperlich sehr belastend sein kann.

Es wird ersichtlich, dass mit einer generalisierten Angst nicht zu spaßen ist. Betroffene haben kaum Kontrolle über das Auftreten ihrer Ängste, die mit fortwährender Anspannung, Sorgen und Panik einhergehen. Dies kann sich nicht nur durch psychische Symptome wie Schreckhaftigkeit, chronische innere Unruhe oder gestörten Schlaf beziehungsweise Schlafprobleme bemerkbar machen.

Ein traurig blickender Mann liegt wach im Bett.
Die generalisierte Angststörung ist psychisch sehr belastend und führt meist auch zu körperlichen Symptomen wie beispielsweise Schlafstörungen, Zittern oder Herzrasen. (Bild: Paolese/stock.adobe.com)

Ebenso bedeutet die generalisierte Angst eine enorme körperliche Belastung, die sich insbesondere auf die Nerven und das Herz auswirkt, etwa in Form von Zittern, Bluthochdruck oder Herzrasen. Die Gesundheit der Betroffenen wird hierdurch massiv gefährdet. Im schlimmsten Fall kann es auf diese Weise sogar zu einem Kreislaufkollaps oder Herzinfarkt kommen. Umso wichtiger ist eine zeitnahe Behandlung der generalisierten Angststörung. Diese wiederum erfordert eine sorgfältige Ursachenforschung, was nicht immer allzu leicht zu bewerkstelligen ist.

Generalisierte Angststörung – Ursachen

Auch wenn die generalisierte Angststörung aufgrund ihres unspezifischen Charakters klar von phobischen Störungen wie der sozialen Phobie abzugrenzen ist, so hat sie doch gerade mit letzterer zumindest im Bereich der Ursachen einiges gemeinsam. In beiden Fällen tragen soziale Stressfaktoren und traumatische Alltagserlebnisse im sozialen Umfeld nämlich sehr häufig zur Manifestation der Angststörung bei. Während derartige Erlebnisse bei Sozialphobien jedoch häufig als alleiniger Verursacher in Erscheinung treten, bilden sie bei der generalisierten Angststörung nur eine von mehreren Einflussfaktoren, deren Zusammenspiel das Störungsbild ergibt.

Genetische Faktoren

Eigentlich ist Angst eine völlig natürliche Empfindung, die den Menschen seit Beginn seiner Evolutionsgeschichte begleitet. Sie hat eine mehr als wichtige Funktion, denn sie kann uns vor gefährlichen Situationen bewahren und lebensgefährliche Bedrohungen abwenden. Angst ist also ein essenzieller Bestandteil unseres körpereigenen Überlebensinstinktes. Hierzu ist es allerdings wichtig, dass diese in einem gut ausbalancierten Maße entsteht. Hierzu gibt es im Gehirn spezielle Regulierungsmechanismen, die von bestimmten Hormonen gesteuert werden.

Sobald ein Mensch sich in einer akuten Stress oder Angst auslösenden Situation befindet, also zum Beispiel unerwartete Geräusche oder Gerüche wahrnimmt, schüttet der Körper vermehrt Adrenalin aus. Das Stresshormon sorgt beim Betroffenen für eine erhöhte Aufmerksamkeit. Um mögliche Gefahren im Umkreis besser wahrnehmen zu können, weiten sich die Pupillen und das Gehör wird sensibler. Weiterhin kommt es unter anderem zu

  • beschleunigtem Herzschlag,
  • auf schnelle Körperreaktionen ausgerichteter Flachatmung,
  • erhöhter Muskelspannung, die schnelle Flucht- oder Abwehrreflexe erlaubt,
  • erhöhter Energiebereitstellung für die Muskeln
  • und der Absonderung von Schweiß, dessen Geruch Artgenossen alarmiert.

Sollte eine augenscheinlich gefährliche Situation vom Gehirn nachträglich als harmlos eingestuft werden, so sinkt der Adrenalinausstoß wieder ab. Bleibt die angstauslösende Situation dagegen weiter bestehen, setzt ab einem gewissen Zeitpunkt die Ausschüttung eines weiteren Stresshormons ein, nämlich Cortisol. Es ist insbesondere für die langfristige Umstellung des Stoffwechsels auf eine chronische Gefahren- beziehungsweise Stresssituation verantwortlich, wirkt gleichzeitig aber auch entzündungshemmend, weil es das Immunsystem dämpft. Ein Effekt, der in der Medizin gerne genutzt wird, um überschießende Immunreaktionen zu unterdrücken wie sie zum Beispiel für Allergien typisch sind.

Es ist unschwer zu erahnen, dass die Ausschüttung von Stresshormonen bei Menschen mit Angststörungen massiv gestört ist. Vor allem eine konstante Ausschüttung an Adrenalin beziehungsweise Noradrenalin kann das Angstempfinden hier enorm eskalieren lassen. Mediziner gehen davon aus, dass besagtes Ungleichgewicht im Hormonhaushalt mit einer besonderen, erblich bedingten biologischen Anfälligkeit zur Entwicklung krankhafter Angst (sogenannter pathologischer Angst) in Verbindung steht.

Dabei sorgt eine verminderte Tätigkeit von gehirneigenen Neurotransmittern zur Hemmung von Stresshormonen für eine unverhältnismäßige Ausschüttung ebendieser. Die Folge ist eine anhaltende Erregung des Gehirns, die generalisierte Ängste fördert.

Eine besondere Rolle scheint hier der Neurotransmitter y-Aminobuttersäure zu spielen. Interessant hieran ist, dass der im Englischen “gamma-Aminobutyric acid” (kurz: GABA) genannte Neurotransmitter im Erwachsenenalter zwar eine hemmende Wirkung hat, während der fetalen Reifung im Mutterleib jedoch eher erregend auf die Entwicklung der gehirneigenen Synapsen wirkt. Inwiefern genetische Störungen während dieser Reifungsprozesse auch auf die Ausbildung von Angststörungen Einfluss nehmen, bleibt zu erforschen.

Soziale Faktoren

Grundsätzlich kann Angst nur dann dauerhaft aufrecht erhalten werden, wenn sie durch empfundenen psychischen Stress genährt wird. Auch hier scheint bei Patientinnen und Patienten mit generalisierter Angststörung eine Anfälligkeit für besondere Stressempfindlichkeit zu bestehen. Bestimmte Alltagssituationen werden im Rahmen der Erkrankung also über ein übliches Maß hinaus als stressreich empfunden, weshalb die pathologische Angst zumeist in für Außenstehende eher banalen Situationen aufkommt.

Eine Frau steht mit verschränkten Armen und ängstlichem Blick vor einer Gruppe von Männern und Frauen.
Alltägliche Situationen wie das Kennenlernen neuer Leute kann bei Menschen mit generalisierter Angststörung massive Furcht hervorrufen. (Bild: Africa Studio/stock.adobe.com)

Nun wird diese Hypersensibilität in Sachen Stress jedoch zumeist extern provoziert und zwar durch soziale Faktoren. Dies bedeutet, dass soziale Konfrontationen mit kritischem Stresspotential zur Manifestation der generalisierten Angststörung beitragen. Entsprechende soziale Ereignisse können zum Beispiel sein:

  • Auftritte vor Publikum,
  • Beziehungsstreitigkeiten,
  • familiäre Konflikte,
  • neue soziale Kontakte,
  • Prüfungssituationen,
  • Sterbefälle in der Familie oder im Bekanntenkreis
  • oder tätliche Auseinandersetzungen.

Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf soziale Situationen zu legen, die für Betroffene einen Kontrollverlust bedeuten. Ein gutes Beispiel ist eine unsichere Bindung zu den nahen Bezugspersonen (zum Beispiel den Eltern) im Kindesalter. Sie entsteht insbesondere dann, wenn die Bezugsperson dem Kind kein ausreichendes Urvertrauen vermitteln konnte, etwa aufgrund emotionaler Abwesenheit oder im Rahmen häuslicher Gewalt. Das Kind erlebt das Verhalten der Bezugsperson hier zunehmend als unkontrollierbar beziehungsweise unvorhersehbar, was die Angst vor einem Kontrollverlust in sozialen Situationen fördert.

Neben anderen psychischen Störungen wie Bindungsangst kann es hierdurch auch zu einer generalisierten Angst vor Ereignissen kommen, welche die Gefahr eines Kontrollverlustes bergen. Das können schon banale Tätigkeiten wie Schwimmen sein, bei dem Betroffene buchstäblich den Boden unter den Füßen verlieren und keine Möglichkeit haben, sich durch Festhalten an einem Fixpunkt Kontrolle über die Situation zu verschaffen. Denkbar sind ebenfalls Situationen wie das Bewerben um einen Arbeitsplatz, bei dem Betroffene keinen oder nur bedingt Einfluss auf das Ergebnis der Bewerbung haben.

Es wird ersichtlich, dass generalisierte Angststörungen mit enormen Beeinträchtigungen im sozialen Alltag einhergehen, weil zahlreiche Tätigkeiten aufgrund der beständigen und unverhältnismäßigen Angst nicht ausgeführt werden können.

Wichtig: Generalisierte Angst manifestiert sich meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Medizinerinnen und Mediziner vermuten, dass ein besonderer Leidensdruck des weiblichen Geschlechts, etwa durch soziale Ungleichbehandlung, Diskriminierung oder auch das mitunter stark belastende weibliche Zyklusgeschehen, für diese geschlechtliche Häufig verantwortlich ist.

Kognitive Faktoren

Im Normalfall ist unser Gehirn dazu in der Lage, das Gefahrenpotential einer Situation objektiv zu bewerten und folglich eine Angst zu begründen oder zu widerlegen. Bei Personen mit generalisierter Angst kommt es hier jedoch zu einer Fehleinschätzung, die maßgeblich darauf beruht, dass die Betroffenen nicht die Situation an sich, sondern die Veränderungen des eigenen Körpers bewerten.

Begleiterscheinungen stressreicher Situationen wie ein beschleunigter Herzschlag, Aufgeregtheit oder ein Verlust der Konzentrationsfähigkeit sorgen so für enorme Unruhe und verstärken durch ihren nicht zu steuernden Charakter das Gefühl eines Kontrollverlustes. Auch angstfördernde kognitive Verhaltensweisen wie Sorgen oder innere Unruhe nehmen im Zuge der Fehleinschätzung zu, weshalb die Angst zu einem wahren Teufelskreis wird.

Übrigens: Das Sich-Sorgen bei generalisierter Angst wird von Psychologen und Psychologinnen als ein gezieltes Vermeidungsverhalten angesehen, das die emotionale Verarbeitung der eigentlichen Angst verhindert. Eine derartige Verarbeitung stellt bei vielen Betroffenen eine weitere Unbekannte dar, die womöglich damit enden könnte, auch die Kontrolle über die eigenen Emotionen zu verlieren. Die Vermeidung des bewussten Durchlebens von angstauslösenden Reizen sorgt damit also ungewollt für eine Aufrechterhaltung der Angstzustände.

Allgemeine Stressfaktoren

Neben sozialen Stressfaktoren können bei generalisierter Angst auch weitere Stress verursachende Grübeleien und Sorgen den chronischen Angstzustand weiter befeuern. Denkbar sind zum Beispiel Sorgen um die persönliche finanzielle Situation oder die eigene Gesundheit. Insbesondere letztere kann dabei auch zu einer Überschneidung mit herkömmlichen Triggern spezifischer Phobien führen, etwa wenn es um die Angst vor Keimen oder giftigen Tieren geht.

Nichtsdestotrotz muss hier eine entschiedene Differenzierung zwischen generalisierten Ängsten und Phobien erfolgen, denn die zusätzlichen Stressfaktoren sind wie aufgezeigt nur eine von vielen Komponenten, die bei generalisierter Angststörung zum Tragen kommen.

Eine angespannt wirkende Frau stützt ihren Kopf mit den Händen ab.
Die chronische Anspannung stellt eine starke Belastung für das Immunsystem dar. (Bild: Nutlegal/stock.adobe.com)

Generalisierte Angststörung – Symptome

Wie bereits erwähnt, verursacht eine generalisierte Angststörung zunächst genau jene Symptome, die auch in natürlichen Fällen von Angst auftreten. Allerdings halten diese im Krankheitsfall unverhältnismäßig lange und ohne übliche Regulierung nach Beendigung eines Angstzustandes an. Beschwerden wie

werden somit zu einem chronischen Problem. Dies hat unweigerlich weitere Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen. Anhaltendes Herzrasen und Herzrhythmusstörungen erhöhen zum Beispiel den Blutdruck sowie das Risiko eines Herzinfarktes. Eine unentwegte Anspannung begünstigt ferner

  • Atembeschwerden,
  • innere Unruhe,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Leistungseinbußen,
  • Nervosität,
  • erhöhte Reizbarkeit
  • und Schlafstörungen.

Insgesamt ist eine chronische Anspannung durch nicht abflauende Angst eine enorme Belastung für das Immunsystem, das in solch einem Fall ebenfalls in dauerhafte Alarmbereitschaft versetzt wird. Ein erhöhtes Infektionsrisiko sowie überschießende Immunreaktionen in Form einer Allergie lassen sich daher nicht ausschließen.

Auch kann es zu Muskel- und Nervenverspannungen und damit einhergehend zu Missempfindungen (zum Beispiel Kribbeln in den Gliedern oder Taubheitsgefühle) oder Haltungsschäden kommen. Letztere äußern sich bei Menschen mit generalisierter Angst nicht selten in einer gekrümmten Körperhaltung. Ferner sind bestimmte Verhaltensauffälligkeiten, wie

  • Depersonalisation,
  • besondere Schreckhaftigkeit,
  • übertriebene Schüchternheit
  • oder sehr leises Sprechen,

bei Patientinnen und Patienten mit generalisierter Angst zu beobachten. Das Sozialverhalten wird darüber hinaus zunehmend durch Vermeidungsverhalten geprägt, das sich im Meiden öffentlicher Plätze, sozialer Kontakte oder bestimmter Alltagssituationen (zum Beispiel dem Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Einkaufen) äußert. Die Angst selbst kann sich im weiteren Verlauf der Krankheit soweit steigern, dass eine völlig unbegründete Todesangst eintritt, die dann eine besonders große Beeinträchtigung im Alltag der Betroffenen bedeutet.

Achtung: Menschen mit generalisierter Angst neigen aufgrund ihres oftmals unerträglichen Leidensdrucks in hohem Maße zu Depressionen und unter einer erhöhten Suizidgefahr! In vielen Fällen sind sogar psychosomatisch bedingte Schmerzsymptome zu beobachten, welche das Patientenleid zusätzlich verschlimmern.

Diagnose

Sofern der Verdacht besteht, dass eine Person unter einer generalisierten Angststörung leidet, ist ein Gespräch mit einer/m fachkundigen Psychotherapeutin/en optionslos. Allgemeinärztinnen und -ärzte sowie Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker können zwar gewisse Auffälligkeiten feststellen und später auch in der Therapie gewisse Hilfestellungen geben, eine gesicherte Diagnose kann jedoch nur im Rahmen psychotherapeutischer Untersuchungskriterien erfolgen.

Ein junger Mann sitzt einer Psychotherapeutin gegenüber, die sich Notizen auf einem Klemmbrett macht.
Durch ausführliche Gespräche und standardisierte Fragebögen kann die Therapeutin beziehungsweise der Therapeut feststellen, ob eine generalisierte Angststörung vorliegt. (Bild: VadimGuzhva/stock.adobe.com)

Wie bei anderen Gesundheitsbeschwerden auch, deretwegen Patientinnen und Patienten bei einer Ärztin oder einem Arzt vorstellig werden, steht am Anfang einer Diagnose zunächst das persönliche Patientengespräch. Hier werden einerseits die bestehenden Symptome und mögliche Vorerkrankungen erfragt. Zum anderen beleuchtet ein/e Psychotherapeut/in auch den familiären Hintergrund der/des Betroffenen sowie etwaige traumatische Erlebnisse, die möglicherweise zur Entstehung der Angststörung beigetragen haben. In vielen Fällen wenden Therapeutinnen beziehungsweise Therapeuten auch standardisierte Fragebögen an, die eigens zur Feststellung von Angststörungen entwickelt wurden.

Es sei darauf hingewiesen, dass psychische Langzeitbeschwerden in der Diagnose häufig eine längere Untersuchungszeit in Anspruch nehmen. Demzufolge kann es mehrere Gesprächssitzungen benötigen, bis der/die Psychotherapeut/in seine/ihre Diagnosestellung abschließen kann. Wichtig ist diese sorgfältige Untersuchung der psychischen Gesundheit vor allem deshalb, weil geklärt werden muss, ob neben der eigentlichen Angststörung noch weitere psychische Beschwerden vorliegen. Erst wenn die Untersuchung hier umfassend und restlos abgeschlossen ist, kann eine zielgerichtete Behandlung eingeleitet werden.

Generalisierte Angststörung – Therapie

Bei der Behandlung einer generalisierten Angststörung kommen sowohl medikamentöse als auch psychotherapeutische Maßnahmen zur Anwendung. Daneben können bestimmte alternativmedizinische Therapieansätze sowie das bewusste Mitwirken des Patienten beziehungsweise der Patientin an der Therapiegestaltung den Genesungsprozess erheblich beschleunigen. Einzelheiten zur Therapie bei generalisierter Angststörung entnehmen sie bitte der nachstehenden Übersicht.

Verhaltenstherapie

Oberstes Ziel einer Therapie bei generalisierter Angst muss es sein, die Denkmuster der/des Patientin/en so zu verändern, dass er/sie nicht jede potentielle Stresssituation als angstauslösend ansieht. Er oder sie muss sich also bewusst den inneren Ängsten stellen und alternative Bewältigungsstrategien erlernen. Hierzu wird in der kognitiven Verhaltenstherapie meist zunächst gedanklich mit möglichen Angstsituationen gespielt und theoretische Verhaltensweisen besprochen. Danach folgen Konfrontationen unter realen Bedingungen.

Durch das Schaffen von Konfliktsituationen im Alltag sowie dem erfolgreichen Bewältigen ebendieser lassen sich die unbegründeten Sorgen und Ängste der/des Patientin/en an handfesten Beispielen widerlegen, wodurch das Denkmuster der Betroffenen dahingehend umstrukturiert wird, dass es sich an das erfolgreiche Meistern einer schwierigen Situation erinnert und damit ein angstauslösender Faktor weniger im Gedächtnis verbleibt.

Durch stete Konditionierung kann so langfristig eine völlig neue Sicht auf das Leben und seine Herausforderungen erlangt werden. Zudem werden die Patienten und Patientinnen zur steten Realitätsprüfung angehalten, die als erste Antwort auf aufkommende Ängste erfolgen muss, um beurteilen zu können, ob die Ängste begründet oder unbegründet sind.

Eine weitere psychotherapeutische Herangehensweise ist die sogenannte metakognitive Therapie. Dabei soll trainiert werden, Sorgen und ständiges Grübeln bewusst zurückzuweisen und so das Denkverhalten der Betroffenen zu verändern.

Eine von zwei Varianten ist diesbezüglich die Gedankenstopp-Technik. Die oder der Betroffene soll hier durch bewusstes “Stoppsagen” im Geiste ungesunde Gedanken zurückweisen beziehungsweise verschieben. Der Aufschub beträgt im Training zumeist 15 Minuten, wodurch der Patientin beziehungsweise dem Patienten gezeigt werden soll, dass ihre/seine Denkprozesse durchaus kontrollierbar sind. Nach Verstreichen der 15 Minuten darf sie/er dann wie gewohnt grübeln und sich sorgen, was im Idealfall dazu führt, dass Betroffene realisieren, wie sehr sie selbst ihre Angstzustände durch überflüssige Gedankenspiele motivieren.

Die zweite Variante der metakognitiven Therapie ist das Aufmerksamkeitstraining. Hier wird trainiert, die Aufmerksamkeit in akuten Fällen von Sorgen und Grübeleien bewusst auf ein anderes Thema zu lenken. Das kann zum Beispiel durch Aufgaben wie das Fokussieren auf Raumgeräusche oder Raumfarben geschehen.

Als Detached Mindfulness wird weiterhin eine Methode bezeichnet, bei der sich die Betroffenen auf verschiedene Wörter konzentrieren und sich diese dann bildhaft vorstellen sollen. Alle der genannten metakognitiven Maßnahmen zeigten in verschiedenen Studien bereits deutliche Erfolge. Das bewusste Entscheiden zur Veränderung des Aufmerksamkeitsfokus in Momenten akuter Angst kann also durchaus das Aufkommen von Angstzuständen reduzieren oder zumindest abschwächen.

Entspannungstherapie

Unterstützend zur psychotherapeutischen Behandlung sollten Patientinnen und Patienten privat gezielt Entspannungsmaßnahmen in die Wege leiten, um sich auch selbst zu mehr Beruhigung zu verhelfen. Einerseits kommen hierfür Entspannungsverfahren wie Yoga, autogenes Training, progressive Muskelrelaxation oder eine Klangschalentherapie in Betracht. Andererseits können auch persönliche Entspannungsrituale wie Spazierengehen, das Hören von beruhigender Musik, eine stressfreie Alltagsplanung und geregelte Bettzeiten zum Stressabbau beitragen.

Heilpflanzliche Therapie

Ebenfalls sehr empfehlenswert bei einer Angststörungen ist die Aromatherapie. Hier werden mittels Duftölständern oder Räucherwerk beruhigende Aromen verströmt, welche die Sinne der Betroffenen in besonderem Maße ansprechen sollen. Alternativ können entsprechende Kräuteröle auch zur Massage genutzt oder auf die Haut gerieben werden (zum Beispiel unter die Nase oder auf die Schläfen). Weitere Möglichkeiten sind Entspannungsbäder mit Kräuterzusätzen oder das Trinken beruhigender Kräutertees.

Die besten Kräuter zur Angstlösung und Entspannung sind diesbezüglich:

Eine Tasse mit Lavendeltee und einige Lavendelblüten.
Ein Tee mit Lavendel wirkt beruhigend und kann beim Einschlafen helfen. (Bild: Hetizia/stock.adobe.com)

Generalisierte Angststörung – Medikamente

Um die angstfördernde Wirkung des Stresshormons Noradrenalin im Gehirn zu hemmen, arbeiten Ärztinnen beziehungsweise Ärzte bei generalisierter Angst mit sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (englisch: Serotonin Reuptake Inhibitor, kurz: SRI). Serotonin ist ein natürliches Gewebshormon, das zur Beruhigung und Entspannung beiträgt. Im Gehirn gilt der Neurotransmitter deshalb als Gegenspieler von Adrenalin und Noradrenalin, was bei generalisierten Angststörungen sehr von Vorteil sein kann.

Außerdem wird Serotonin in der Medizin auch immer wieder als Glückshormon bezeichnet, da es das Wohlbefinden steigert und Glücksgefühle hervorruft. Abermals eine Wirkung, die bei konstanten Angstgefühlen sehr wünschenswert ist und die SRI auch zu wichtigen Antidepressiva macht.

Ergänzend zur Langzeittherapie mit angstreduzierenden Antidepressiva besteht kurzfristig die Möglichkeit, Benzodiazepine zu verabreichen. Sie besitzen ebenfalls eine angstlösende und beruhigende sowie zusätzlich muskelentspannende Wirkung. Allerdings ist von einem allzuhäufigen Gebrauch benzodiazepinhaltiger Präparate abzuraten, da der starke Gewöhnungseffekt dieser Medikamente ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko birgt. Sie sollten deshalb wirklich nur im äußersten Notfall Anwendung finden. Besser sind in der begleitenden Therapie zur Symptombehandlung heilpflanzliche Beruhigungsmittel aus den bereits genannten Heilkräutern. (ma)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • Becker, Eni S.; Hoyer, Jürgen: Generalisierte Angststörung, Hogrefe Verlag, 2005
  • Max-Planck-Institut für Psychiatrie: Angsterkrankungen (Abruf am 3.12.2019), Max-Planck-Institut
  • Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz (Hrsg.): Panikattacken, soziale Phobie, generalisierte Ängste: Krankhafte Angst ist gut therapierbar (Abruf: 4.12.2019), Neurologen und Psychiater im Netz
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  • Wells, Adrian; King, Paul: Metacognitive therapy for generalized anxiety disorder: An open trial, in: Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 37/3: 206-212, ScienceDirect
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  • Maron, Eduard; Nutt, David: Biological markers of generalized anxiety disorder, in: Dialogues in clinical neuroscience, 19(2): 147-158, Juni 2017 , PMC

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

ICD-Codes für diese Krankheit: F41.1 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

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