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Forscher: Wie entstehen die Nervenschäden bei Multipler Sklerose?

Fabian Peters
Verfasst von Fabian Peters
24. April 2019
in News
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Schädliche Proteinansammlungen ein wichtiger Faktor bei MS

Multiple Sklerose (MS) ist eine bislang unheilbare Erkrankung, bei der die Nervenzellen zunehmend geschädigt werden. Einer aktuellen Studie zufolge spielen hierbei offenbar schädliche Proteinablagerungen eine entscheidende Rolle. Eine Erkenntnis, die auch neue Ansätze für die Therapie eröffnet.

Auf die Entzündung bei MS reagieren die Nervenzellen mit der Anhäufung von schädlichen Proteinaggregaten im Zellkörper, welche letztendliche ein Absterben der Nervenzellen zur Folge haben können, berichtet das Forschungsteam um Professor Dr. Manuel Friese vom Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). In ihren Versuchen ist es den Forschenden auch gelungen, die Proteinablagerungen zu beseitigen und so die Nervenzellen vor dem Absterben zu bewahren. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin „Nature Neuroscience“ veröffentlicht.

Veränderungen bei den ablaufenden genetischen Programmen

Kennzeichnend für die Multiple Sklerose ist eine Entzündung im Hirngewebe, die zu einer fortschreitenden Schädigung der Nervenzellen führt. Doch sei es bisher nur schwierig möglich gewesen, zu untersuchen, wie genau die Nervenzellen auf eine Entzündung reagieren, berichtet Professor Friese, dessen Forschung sich auf die Mechanismen des Nervenzelluntergangs bei MS konzentriert. Neue molekularbiologische Methoden haben dem Forschungsteam nun einen Einblick in die Reaktionsmuster von Nervenzellen, die einem entzündlichen Stress ausgesetzt sind, ermöglicht. Mit Hilfe zellspezifischer Genexpressionsanalysen konnten die Forschenden Veränderungen in einer Reihe von genetischen Programmen feststellen.

Ansammlung des Bassoon-Proteins

Infolge der Entzündung zeigte sich als zentrale Reaktion der Nervenzellen die Aktivierung der zelleigenen Maschinerie zur Abfallbeseitigung, berichtet Dr. Dr. Jan Broder Engler, der die bioinformatischen Analysen im Rahmen der aktuellen Studie durchführte. So versuche der Körper Ansammlungen von beschädigten oder fehlgefalteten Proteinen abzubauen, die andernfalls zu einer Zellschädigung führen können. Gleichzeitig konnten die Forschenden eine Ansammlung des Proteins Bassoon in den Nervenzellkörpern beobachten, was eine schlüssige Erklärung für die Aktivierung der Abfallbeseitigung wäre.

Ähnliche toxische Proteinanhäufungen wie bei Alzheimer

Grundsätzlich lasse sich „Bassoon auch natürlicherweise in Nervenzellen“ nachweisen, eine Entzündung führe jedoch zu einer Umverteilung und einer massiven Anhäufung des Proteins, berichtet das Forschungsteam. „Ähnliche toxische Proteinanhäufungen waren bereits in neurogenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson bekannt“, ergänzt Dr. Benjamin Schattling vom Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose. Es sei überraschend gewesen, solche Veränderungen nun auch in der MS zu finden und dies habe gleichzeitig einen neuen therapeutischen Ansatzpunkt eröffnet.

Proteinablagerungen konnten beseitigt werden

Nachdem die Proteinablagerungen nachgewiesen wurden, war es das Ziel des Forschungsteams, diese toxischen Proteinaggregate zu beseitigen, erläutert Professor Friese. Dies sei schließlich mit einer Substanz gelungen, welche die Entsorgung der zum Abbau markierten Proteine verbesserte. So konnten die Nervenzellen vor dem Untergang bewahrt werden, was eine vielversprechende neue Behandlungsoption bei MS eröffnet.

Neue Behandlungsmöglichkeiten in Sicht

Auf Basis der neu gewonnenen Erkenntnissen hoffen die Forschenden in einem nächsten Schritt neue Behandlungsmethoden gegen Multiple Sklerose entwickeln zu können, welche auch in der späten Phase der Erkrankung Hilfe bieten, in der gängige Immuntherapien nicht mehr wirksam sind. Neben den Forschenden des UKE waren an der aktuellen Studie auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leibniz-Institute für Neurobiologie in Magdeburg, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität Genf beteiligt. (fp)

Autoren- und Quelleninformationen

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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