Atemtechnik – Störungen, Beruhigung, Technik

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Unsere Atmung ist ein äußerst komplexer Vorgang, an dem Muskeln und Nerven, verschiedene Knochen und auch andere innere Organe als die Lunge beteiligt sind. Dabei können zahlreiche Gesundheitsbeschwerden zu einer gestörten oder gar zum Komplettausfall der Atmung führen.


Es ist wichtig, Wert auf eine richtige Atemtechnik zu legen und diese von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Worauf es hierbei ankommt und welche Maßnahmen zum Erhalt einer gesunden Atmung zu unternehmen sind, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag.

Die Atmung ist der Antrieb unseres Lebens. (Bild: RFBSIP/fotolia.com)

Atmung ist Kennzeichen des Lebens

Die Atmung hat im Körper zwei grundlegende Aufgaben. Zum einen dient sie der Aufnahme von Sauerstoff, welcher durch Einatmen (Inspiration) der Luft zunächst in die Lungenflügel gelangt und hier über die Lungenbläschen in den Blutkreislauf eingeschleust wird. Der Sauerstoff ist wichtig, um die Funktionalität der Körperorgane aufrecht zu erhalten, weshalb alle Körperzellen auf eine kontinuierliche Sauerstoffversorgung angewiesen sind.

Die zweite Aufgabe der Atmung ist es, Kohlendioxid als Abbauprodukt verbrauchten Sauerstoffs aus dem Körper zu transportieren. Dieser Kohlendioxidabtransport erfolgt durch das Ausatmen (Expiration) und ist nicht weniger wichtig als die Aufnahme von frischem Sauerstoff. Denn wenn sich zu viel Kohlendioxid im Körper ansammelt, kann dies verheerende Folgen haben. Neben stofflichen Ungleichgewichten im Blut ist hier insbesondere auch die Herz- und Gehirnfunktionalität gefährdet, weshalb eine gestörte Atmung auf Dauer lebensgefährliche Konsequenzen mit sich bringen kann.

Gesteuert und reguliert wird unsere Atmung vom Atemzentrum des Gehirns. Es handelt sich hierbei um eine besondere Gruppe von Neuronen, die früher auch als Lebensknoten bezeichnet wurden und im verlängerten Rückenmark (Medulla oblongata) befindlich sind. Verschiedene gehirneigene Sensoren messen hier unter anderem den Kohlendioxid- und Sauerstoffgehalt, aber auch den pH-Wert im Blut und tauschen die Informationen untereinander aus. Werden dabei bestimmte Normwerte – die im Übrigen sehr streng definiert sind – unter- oder überschritten, greift das Atemzentrum regulierend ein und lässt beispielsweise die Atemzüge der Lunge tiefer werden oder erhöht deren Frequenz.

Wie der Puls, der Blutdruck und die Körpertemperatur zählt die Atmung zu den grundlegenden Vitalzeichen und wird daher als Kennzeichen des Lebens bezeichnet. Ein Mensch ohne Atmung wird unbehandelt folglich innerhalb weniger Minuten sterben, da alle lebenswichtigen Organe nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden und sie deshalb früher oder später ihre Funktion einstellen. Und selbst ein vorübergehender Atemstillstand, der noch rechtzeitig behoben wurde, kann bereits zu bleibenden Organschäden führen. Dies betrifft insbesondere das Gehirn, dessen Leistung ab einer bestimmten Zeitspanne ohne Sauerstoff lebenslänglich verringert sein kann.

Atmung soll Sauerstoff in den und CO2 aus dem Körper befördern. (Bild: Rido/fotolia.com)

Wie funktioniert die Atmung?

Gesteuert wird die Atmung wie schon weiter oben erwähnt durch das gehirneigene Atemzentrum. Die Atemmechanik der Lunge selbst ist dann ein hochkomplexer physikalischer Prozess, der vorwiegend auf unterschiedlichen Druckverhältnissen innerhalb und außerhalb des Körpers sowie muskulären Kontraktionsabläufen beruht. Das Atemzentrum sendet hierzu zunächst entsprechende Impulse an das Nervensystem, welches die Signale dann an die Muskulatur übermittelt. Der Atmungsvorgang gestaltet sich anschließend wie folgt:

Das Einatmen

  • Zwerchfell (Diaphragma) – Die Nervensignale des Atemzentrums bewirken zunächst Kontraktionen des Zwerchfells. Dieses besteht aus einer Muskel-Sehnen-Platte und ist kuppelförmig zwischen dem Brust- und Bauchraum aufgespannt. Die Atmungskontraktionen führen dabei im Zuge der Inspiration dazu, dass sich das Zwerchfell nach unten absenkt. Hierdurch entsteht eine Sogwirkung, welche die Atemluft in die Lunge einsaugt.
  • Zwischenrippenmuskulatur (Musculi intercostales) – Zum Einleiten einer Inspiration ist eine wechselseitige Kontraktion zwischen Zwerchfell und äußeren Anteilen der Zwischenrippenmuskulatur notwendig. Die Kontraktionen der Musculi intercostales bewirkt dabei eine Anhebung der Rippen und somit eine Erweiterung des Brustkorbs (Thorax). Da das Lungengewebe durch das Brustfell (Pleura) mit der Thoraxwand verklebt ist, erhöht sich durch die Brustkorberweiterung darüber hinaus auch das Lungenvolumen und es entsteht ein Unterdruck in der Lunge. Die sauerstoffreiche Luft außerhalb des Körpers folgt nun diesem Druckgefälle und strömt über die Nase und/oder den Mund in die Lunge ein.
  • Atemhilfsmuskulatur Die Anzahl der Hilfsmuskeln, welche den oben beschriebenen Vorgang der Einatmung unterstützen, ist äußerst umfangreich. Sie dienen maßgeblich einer Intensivierung bzw. Vervollständigung der Muskelkontraktionen und werden von folgenden Muskelabschnitten gestellt:
    1. Kleiner Brustmuskel (Musculi pectorialis minor) – Dieser Muskelabschnitt auf Brusthöhe richtet beim Einatmen die Schultern aus.
    2. Kopfwender (Musculus sternocleidomastoideus) – Für gewöhnlich sind die Kopfwender für die Seitenneigung des Kopfes verantwortlich. Im Rahmen der Inspiration dienen sie dagegen als leichte Streckungsmuskeln für den Kopfbereich.
    3. Rippenheber (Musculi levatores) – Anders als es der Name vermuten lassen mag, sind die Rippenheber nicht für das Anheben der Rippen im eigentlichen Sinne zuständig. Vielmehr ziehen sie die Wirbelkörper der Wirbelsäule nach unten und bewirken so eine Wirbelsäulenaufrichtung, welche zu einer Hebung der Rippen führt.
    4. Sägemuskeln (Musculi serrati) – Eine besonders wichtige Muskelgruppe, von denr sich ein Teil im Bereich der Lendenwirbel, ein weiterer im seitlichen Rippenbereich und ein dritter im Bereich des Nackens befindet. Hauptaufgabe der Musculi serrati ist es, unterstützend bei der Erweiterung des Brustkorbs zu helfen. Die entsprechenden Sägemuskeln werden wie folgt genannt:
      • Vorderer Sägemuskel (Musculus serratus anterior)
      • Hinterer oberer Sägemuskel (Musculus serratus posterior superior)
      • Hinterer unterer Sägemuskel (Musculus serratus posterior inferior)
      • Treppenmuskeln (Musculi scaleni) – Diese Skelettmuskeln koordinieren im Zuge der Inspiration die Hals- und Rumpfbewegungen
    5. Wirbelsäulenaufrichter (Musculus erector spinae) – Eine Muskelgruppe, welche die Wirbelsäulenbewegung während des Einatmens koordiniert.
    Beim Atmen sind zahlreiche Muskeln beteiligt. (Bild: magicmine/fotolia.com)

    Das Ausatmen

    • Zwerchfell (Diaphragma) – Bei der Exspiration kommt es zu einer Entspannung der zuvor kontrahierten Muskelgruppen. Das Zwerchfell hebt sich bei diesem Vorgang also wieder an, woraus eine Verringerung des Lungenvolumens resultiert. Hierdurch entsteht ein Überdruck in der Lunge, weshalb nun im Sinne eines Druckausgleiches verbrauchte und kohlendioxidreiche Atemluft über die Luftröhre wieder nach außen strömt.
    • Zwischenrippenmuskulatur (Musculi intercostales) – Abermals behilflich sind dem Zwerchfell beim Ausatmen die Zwischenrippenmuskeln. Auch sie entspannen sich im Zuge der Exspiration, sodass es über eine Verringerung des Brustkorbvolumens zu einer Verkleinerung der Lungenflügel kommen kann.
    • Atemhilfs- und Bauchmuskulatur – Sowohl die Bauch- als auch die Atemhilfsmuskulatur sind bei einem physiologischen Exspirationszug nur in sehr geringem Maße beteiligt. Die Atemhilfsmuskulatur greift diesbezüglich erst ein, wenn der Atmungsvorgang aufgrund gesundheitlicher Störungen deutliche Defizite aufweist. In solch einem Fall unterstützt sie durch eigene Kontraktionen das Heben- und Absenken der Thoraxwand. Ähnliches gilt für die Bauchmuskulatur, welche ausschließlich bei defizitärer Ausatmung analog zur Atemhilfsmuskulatur unterstützend eingreift.

    Ein gesunder Erwachsener tätigt bei einem störungsfreien Atmungsablauf wie eben beschrieben ganze 12 bis 18 Atemzüge pro Minute, wobei uns dieser Vorgang für gewöhnlich relativ unbewusst von der Hand geht. Erst wenn es Störungen gibt, fällt uns auf, wie abhängig wir doch von einer ungestörten Atmung sind und wie schnell wir es mit der Angst zu tun bekommen, wenn diese ausbleibt.

    Erst wenn die Atmung ausbleibt, bemerken wir ihre Bedeutung. (Bild: RFBSIP/fotolia.com)

    Dabei können zahlreiche Gesundheitsbeschwerden dazu führen, dass der Atemvorgang von einer gesunden Technik abweicht. Hieraus kann sich binnen weniger Minuten ein lebensbedrohlicher Zustand für die Betroffenen ergeben, der sich üblicher Weise durch

    bemerkbar macht. Besonders tückisch sind Atemprobleme, wenn sie sich schleichend entwickeln, da Betroffene die gestörte Atmung hier nicht immer sofort wahrnehmen. Der Sauerstoffgehalt des Blutes ist in solchen Fällen zwar unscheinbar, nimmt jedoch kontinuierlich ab und kann dann sehr plötzlich und unerwartet entsprechende Beschwerden auslösen.

    Grund dafür, dass Menschen geringfügige bis stetig wachsende Atemprobleme oftmals nicht erkennen, ist einerseits der Umstand, dass der Körper einen geringfügigen Sauerstoffmangel zunächst versucht, durch eine veränderte Atemtechnik zu kompensieren. Ein kritischer Wert wird so vorerst vermieden, schlägt später aber umso intensiver aus. Andererseits ist die Atmung ein solch essenzieller Vorgang, dass sie kaum bewusst wahrgenommen wird und Ungereimtheiten darum oft nicht die nötige Beachtung finden.

    Ursachen für Störungen und Probleme der Atemtechnik

    Wir wissen nun, dass für eine störungsfreie Atmung das Ineinandergreifen verschiedener Muskel-, Nerven- und Knochenstrukturen notwendig ist. Nachdem die neuronalen Strukturen des Atemzentrums im Gehirn entsprechende Signalreize an die Atemmuskeln sowie die Atemhilfsmuskulatur gesendet haben, leiten diese spezielle Muskelkontraktionen ein, durch welche sich die knöchernen Strukturen der Thoraxwand (Wirbelsäule, Rippen und Brustbein) erweitern bzw. verringern. Auf diese Weise kommt es dann zur Ausdehnung bzw. Verkleinerung der Lunge, was in Folge das Ein- und Ausatmen ermöglicht.

    Anhand dieses komplexen Mechanismus lässt sich auch erahnen, dass die Ursachen für eine gestörte Atemtechnik relativ vielseitig sein können. Zur vereinfachten Übersicht ist es hier am leichtesten, die Ursachenfelder in die daran beteiligten Strukturen zu untergliedern, also:

    • Erkrankungen des Lungengewebes,
    • Erkrankungen des Brustkorbs,
    • Erkrankungen der Atemmuskulatur,
    • Erkrankungen des Atemzentrums.
    Asthma ist eine der häufigsten Ursachen für Atemnot. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

    Lungengewebserkrankungen als Hauptursache

    Das Lungengewebe selbst kann bereits durch eine Vielzahl an Ursachen für eine gestörte Atmung bzw. falsche Atemtechnik sorgen. Das geschieht in der Regel immer dann, wenn die Atemfunktion der Lunge durch bestehende Gesundheitsbeschwerden eingeschränkt ist. Beispielsweise kann sich das Lungengewebe bedingt durch eindringende Krankheitserreger oder Allergene entzünden, wodurch die Schleimhaut des Respirationstraktes anschwillt und übermäßig viel Entzündungssekret produziert.

    Hierdurch ist das Lungengewebe nicht mehr in gewohntem Maße dazu befähigt, den notwendigen Gasaustausch durchzuführen. Die Folge sind dann oft unzureichend tiefe Atemzüge und damit eine flache Atmung. Auch eine Schonatmung, beispielsweise aufgrund von entzündungsbedingten Schmerzen, ist möglich und flacht die Atmung dann zusätzlich ab. Mögliche Krankheitsbilder, die mit dieser Komplikation verbunden sind und mitunter am häufigsten zu einer Atemstörung führen, betreffen diesbezüglich nicht ausschließlich die Lunge selbst, sondern können auch aus anderen Bereichen der Atemwege in das Lungengewebe einwandern, wie die nachstehende Übersicht zeigt:

    Die meisten dieser Entzündungskrankheiten lassen sich bei rechtzeitiger Gegenbehandlung vollständig beheben, sodass eine falsche bzw. gestörte Atmung nur vorübergehend ist. Allerdings kann sich das Lungengewebe auch soweit in seiner Struktur und seinem histologischen Aufbau verändern, dass damit nachhaltige Funktionsverluste verbunden sein können und falsche Atemtechniken zu einem dauerhaften Problem werden.

    Schon eine verstopfte Nase erschwert die Atmung unangenehm. (Bild: Pavlo/fotolia.com)

    Ursächlich für derartige Umbauprozesse sind unter anderem Umweltgifte und giftige Aerosole, die über einen längeren Zeitraum eingeatmet werden und so die Gewebestrukturen der Lunge massiv angreifen. Beispiele für entsprechende Schadstoffe sind Nikotin, Teer, Asbest oder chemische Lösungsmittel. Ebenso können autoimmunologische und genetische Prozesse entsprechende Umbauvorgänge im Lungengewebe hervorrufen. Das Resultat sind Zellen, die:

    • entartet sind wie zum Beispiel bei Lungenkrebs,
    • nicht mehr elastisch genug sind wie zum Beispiel bei Fibrose, Asbestose,
    • den Gasaustausch behindern wie zum Beispiel bei einem Lungenemphysem,
    • übermäßig Schleim produzieren wie zum Beispiel bei Mukoviszidose,
    • Gewebsknötchen ausbilden wie zum Beispiel bei Sarkoidose,
    • oder für eine Verengung der Atemwege sorgen wie zum Beispiel bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)

    Wichtig: Gerade wenn es um Schadstoffeinflüsse geht, die entsprechende Atembeschwerden hervorrufen, wird häufig nur Nikotinkonsum als denkbare Ursache erwähnt. Allerdings gibt es auch bestimmte Risikoberufe, wie zum Beispiel im Bereich des Straßenbaus. Das Arbeiten mit Teer, wie auch der dauerhafte Aufenthalt im abgasreichen Straßenverkehr, erhöhen hier das Risiko von chronischen Veränderungen am Lungengewebe enorm. Gleiches gilt für Industrieberufe, in denen mit giftigen Dämpfen gearbeitet wird. Es ist deshalb wichtig, dass Personen in einschlägigen Berufsfeldern immer eine Atemmaske tragen, um sich vor schweren Atemwegserkrankungen und damit einer anhaltend gestörten Atmung zu schützen.

    Atemstörungen und Erkrankungen des Brustkorbs

    Auch die Pleura, also die Gewebsstruktur, die das Lungengewebe mit der Thoraxwand verklebt und damit ein Ausdehnen bzw. Zusammenziehen der Lunge überhaupt erst ermöglicht, kann sich krankheitsbedingt verändern und so zu einer Störung der Atmung führen. Sehr häufig kommt es hierzu beispielsweise in Folge von Unfällen, die sich im Bereich des Brustkorbs ereignen. Schwere Unfallverletzungen sorgen in solch einem Fall nicht selten dafür, dass Blut oder Luft in den Pleuraspalt eintritt und damit die verklebende Eigenschaft der Pleura herabsetzt oder ganz aufhebt. Folglich fällt das Lungengewebe zusammen und kann sich nicht mehr in vollem Maße ausdehnen.

    Lungenkrebs ist die gefährlichste aller Atemnot-Ursachen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

    Ein ähnliches Geschehen kann sich auch im Rahmen von Tumorerkrankungen, sehr schweren Entzündungen und Herzerkrankungen ereignen, wobei es hier oft Gewebeflüssigkeit oder Wundwasser ist, dass sich im Pleuraspalt ansammelt. Die drei typischen Krankheitsbilder, die bei derartigen Luft- bzw. Flüssigkeitsansammlungen entstehen, sind:

    • Hämatothorax (bei Blutansammlung im Pleuraspalt),
    • Pneumothorax (bei Luftansammlung im Pleuraspalt),
    • Pleuraerguss (bei Wasseransammlung im Pleuraspalt).

    Atemstörungen durch Muskel- und Knochenkrankheiten

    Wer schon einmal starke Rückenschmerzen hatte, wird festgestellt haben, dass hiermit durchaus auch eine erschwerte Atmung verbunden sein kann. Sowohl Muskelverspannungen der Rückenmuskulatur, als auch der Zwischenrippen- und Bauchmuskulatur können in nicht unerheblichem Maße eine ungestörte Atmung verhindern. Aber auch die knöchernen Anteile der Thoraxwand sind störanfällig und damit empfänglich für Komplikationen, welche die Atemtechnik negativ beeinflussen. Als mögliche Beschwerdebilder kommen hierfür in Frage:

    • Interkostalneuralgie,
    • Lumbalsyndrom (besser bekannt als „Hexenschuss“),
    • Nackenverspannung,
    • Schulterbeschwerden,
    • Bandscheibenvorfälle,
    • Knochen- bzw. Rippenbrüche,
    • Degenerative Vorgänge im Rippen-, Hals- oder Brustwirbelsäulenbereich.

    Ein besonderes Augenmerk sei hier noch auf Rippenbrüche und Schlüsselbeinbrüche gelegt. Sie erschweren die Atmung schon allein aufgrund ihrer Schmerzhaftigkeit und der damit verbundenen eingeschränkten Fähigkeit, den Thorax zu heben und zu senken. Eine zusätzliche Gefahr geht bei Rippen- und Schlüsselbeinbrüchen darüber hinaus auf die unmittelbare Nähe dieser knöchernen Strukturen zur Pleura und der Lunge zurück. Sollten sich Knochenfragmente nämlich infolge von Stürzen oder Unfällen verschieben, besteht immer die Gefahr eines Pneumo- oder Hämatothorax, da die entstehenden Knochenspitzen der Bruchfragmente in die Pleura oder das Lungengewebe eindringen können.

    Störungen der Atemtechnik durch Fehlfunktionen der Nerven

    Nervenstörungen im Bereich der Atemorgane (z.B. im Atemzentrum des Gehirns) ereignen sich insbesondere im Rahmen von Tumorerkrankungen oder Unfällen mit einem Schädelhirntrauma. Als Folgeerscheinung von Hirnblutungen oder einer Hirnschwellung (Hirnödem) kommt es hier häufig zu einem übermäßigen Druck auf das Atemzentrum, welches anschließend mit Funktionsstörungen oder gar Funktionsausfällen reagiert.

    Intubation lässt nach einem Unfall das Gehirn abschwellen. (Bild: benjaminnolte/fotolia.com)

    Nicht selten werden Unfallopfer darum intubiert und künstlich beatmet, bis das Hirn wieder abgeschwollen ist. Zu einer Lähmung des Atemzentrums kann es ferner infolge von degenerativen oder autoimmunologischen Prozessen im Gehirn und den peripheren Nerven kommen, wie beispielsweise bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) oder der Myasthenia gravis.

    Eine gewisse Sonderstellung im Bereich der nervlich bedingten Ursachen für eine gestörte Atemtechnik nimmt die Zwerchfelllähmung ein. Betroffen ist hier der Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus), welcher die Atemkontraktionen der Zwerchfellmuskulatur iniziiert und auf Höhe der Halswirbelsäule dem Rückenmark entspringt. Im Rahmen von degenerativen Prozessen und Bandscheibenvorfällen der Halswirbelsäule, aber auch durch Tumorerkrankungen ist es denkbar, dass der Zwerchfellnerv ungünstig eingeklemmt oder abgedrückt wird, wodurch er in seiner Funktion eingeschränkt ist.

    Oftmals kommt es nur zu einer einseitigen Schädigung oder Lähmung des Zwerchfellnervs, weshalb auch nur eine Seite des Zwerchfells von den Funktionseinbußen betroffen ist und nicht mehr adäquat kontrahieren kann. Eine einseitige Zwerchfelllähmung führt diesbezüglich zu einem einseitigen Zwerchfellhochstand und macht sich häufig nur in geringen Atemstörungen bemerkbar. Eine zweiseitige Zwerchfelllähmung hingegen, wie sie unter anderem bei einer Querschnittslähmung auftreten kann, ist mit einer erheblichen Störung der Atemtechnik verbunden.

    Übrigens: Auch Stresseinflüsse können die an der Atmung beteiligten Nerven erheblich beeinträchtigen. Menschen, die dauerhaft einem hektischen Alltag ausgesetzt sind, neigen darum ebenfalls zu einer falschen Atemtechnik.

    Sonderfall: Haltungsschäden

    Eine Ursache, die immer häufiger für Atemprobleme sorgt und die sowohl die Muskeln, als auch die Nerven und Knochenstrukturen im Bereich der Atemorgane betrifft, ist eine falsche Körperhaltung. Natürlich gibt es seltene Erbkrankheiten und Unfallverletzungen, die ohne Zutun der Betroffenen für Fehlhaltungen im Bereich des Brustkorbs sorgen und somit die Atmung erschweren. Wesentlich öfter sind haltungsbedingte Atemprobleme jedoch

    • Übergewicht,
    • Bewegungsmangel
    • oder einer falschen Sitzposition

    geschuldet. Unser moderner Alltag befördert diese Risikofaktoren noch zusätzlich, wobei insbesondere das Sitzen in gekrümmter Haltung (z.B. durch Computerarbeit) mehr und mehr Fälle produziert, in denen Patienten eine haltungsbedingte Schonatmung einnehmen. Ein gefährlicher Trend, der nur durch eine bewusstere Lebensweise und Selbstkontrolle der eigenen Körperhaltung entschärft werden kann.

    Gerade bei Stress ist eine ruhige Atmung entscheidend. (Bild: fizkes/fotolia.com)

    Tipps für eine gute Atemtechnik

    Maßnahmen, die dabei helfen, die eigene Atmung in gesunde Routine zu überführen bzw. diese zu wahren gibt es so einige. An erster Stelle steht hierbei, der eigenen Atmung und Einflussfaktoren, welche diese beeinträchtigen können, mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Abschließend deshalb unsere Tipps zur Verbesserung der persönlichen Atemtechnik:

    Durch die Nase atmen: Ein stressiger Alltag, aber auch Übergewicht und falsche Körperhaltung provozieren häufig eine Mundatmung. Diese ist nicht nur ungesünder, weil durch sie ungefilterte Atemluft in die Atemwege gelangt und so das Einwandern von Infektionserregern begünstigt wird. Auch sind Atemzüge, die durch den Mund getätigt werden, erfahrungsgemäß weniger tief, sodass langfristig nur unzureichend Sauerstoff in die Lunge gelangt. Es ist deshalb wichtig, primär durch die Nase zu atmen. Die feinen Nasenhärchen filtern vorab Schmutz, Schadstoffe und Keime aus der Luft. Zusätzlich wird die Luft erwärmt und befeuchtet, was gerade bei kalten Temperaturen und trockener Heizungsluft im Winter wichtig ist, um Atemwegsentzündungen vorzubeugen.

    Gesunde Körperhaltung einnehmen: Gerade für Menschen, die sitzgebundenen oder anderweitig auf die Körperhaltung einwirkenden Berufstätigkeiten nachgehen, ist es wichtig, die eigenen Haltungsgewohnheiten regelmäßig zu überprüfen. Um einer Schonatmung vorzubeugen, ist es hierbei am sinnvollsten, zwischendurch kleinere Bewegungseinheiten mit in den Alltag einzubauen und so einer gefährlichen Haltungsroutine (z.B. dauerhafte Rückenkrümmung) präventiv zu begegnen. In der Freizeit sind zusätzlich Kursangebote wie Yoga eine gute Hilfe, um Atmung und Körperhaltung nachhaltig zu verbessern.

    Atemtechnik durch Sport verbessern: Bei ausnahmslos jeder Sportart kommt es auch auf eine richtige Atmung an. Diese erlernt man schon relativ früh von einem zuständigen Trainer oder Coach, weshalb professionelle Anleitung für Sportneulinge zu Beginn unbedingt zu empfehlen ist. Langfristig können ein gutes Coaching sowie das Adaptieren der aufgezeigten Atemtechnik dann auch die Atmung im Alltag positiv beeinflussen. Ein besonderer Tipp ist diesbezüglich übrigens Trampolinspringen. Die Sprung- bzw. Hüpfbewegung kurbelt nicht nur den Stoffwechsel an, sondern stimuliert auch Zwerchfell, Muskeln und Lunge, was deren Funktionalität verbessern kann. Als weitere Sportarten, die der Atmung in besonderem Maße dienlich sind, zählen Kraftsport, Fahrradfahren, Nordic Walking, Wassergymnastik und Schwimmen.

    Schädliche Alltagsgewohnheiten einstellen: Egal, ob es um für die Atmung schädlichen Stress oder um Gewohnheiten wie das Rauchen geht: Wer eine richtige Atemtechnik anstrebt, der sollte sich von derartigen Angewohnheiten definitiv trennen. Stattdessen sind tägliche Atemrituale, wie zum Beispiel Aromatherapien oder Saunagänge sinnvoll. Wer für die Lunge schädlichen Einflüssen berufsbedingt nicht entkommen kann, dem ist ein effizienter Atemschutz und, langfristig, eventuell auch ein Berufswechsel zu empfehlen, sofern die Atmung bereits unter den Arbeitsbedingungen leidet.

    Kräutertherapie erwägen: Es gibt unzählige Kräuter, die bei Atembeschwerden gute Hilfe leisten. Sie können zum Beispiel für Aromatherapien, Dampfbäder, Saunaaufgüsse oder Tees verwendet werden, und das meist auch ohne eine bestehende Atemwegserkrankung. Dabei sei ausnahmsweise auch ein Kraut erwähnt, dass sich bislang noch immer eines zweifelhaften Rufes erfreut. Die Rede ist von Cannabis. Hierzulande teils noch immer als illegale Droge verschrien, setzt die Medizin in anderen Ländern mittlerweile schon serienmäßig auf die heilsamen Effekte der im Cannabinoid der Marihuanapflanze enthaltenen ätherischen Öle. Insbesondere Atemwegserkrankungen wie Asthma und verschleimte Atemwege reagieren äußerst positiv auf Cannabis. Und selbst bei Lungenkrebs zeigte Cannabis in verschiedenen Studien ein außergewöhnliches Heilungspotential.

    Das Aroma bestimmter Kräuter beruhigt die Atmung. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

    Wer es dagegen lieber mit rechtlich weniger strittigen Heilpflanzen versuchen möchte, für den sind folgende Kräuter zu empfehlen:

    • Alant,
    • Curcuma,
    • Eukalyptus,
    • Huflattich,
    • Kamille,
    • Königskerze,
    • Lungenkraut,
    • Melisse,
    • Oregano,
    • Pfefferminze,
    • Salbei,
    • Spitzwegerich,
    • Süßholzwurzel,
    • Thymian.
    • Auf bewusste Ernährung achten: Auch die richtige Ernährung spielt für die gesunde Atmung eine wichtige Rolle. Dies fängt schon beim eigentlichen Essvorgang an sich an. Denn wer hektisch isst, der atmet dabei auch falsch, was dann zu einer ungesunden Atemroutine beitragen kann. Sich beim Essen Zeit zu nehmen, sorgfältig zu kauen und die Mahlzeiten wohl zu portionieren, unterstützt dagegen auch eine wünschenswerte Atemtechnik. Darüber hinaus beugt eine gesunde Ernährung auch Risikofaktoren wie Übergewicht und Nervenstörungen vor. Wichtige Nährstoffe, welche die Atemfunktion in besonderem Maße unterstützen, sind:

      • Vitamin A,
      • Vitamin B,
      • Vitamin C,
      • Magnesium,
      • Selen,
      • Zink,
      • Omega-3-Fettsäuren,
      • Antioxidantien.

      Als besonders gesunde Lebensmittel für Lunge und Atemwege gelten diesbezüglich Äpfel, Beerenfrüchte, Chili, Fisch, Grapefruits, Ingwer, Knoblauch, Kohlgemüse, Meerrettich, Melonen, Möhren, Orangen und Zwiebeln.

      Atemrhythmus kontrollieren: Dass man nicht rund um die Uhr auf eine richtige Atmung achten kann, ist völlig klar. Es kann jedoch helfen, zumindest einmal pro Tag den Rhythmus der Atmung zu beobachten und gegebenenfalls „nach zu justieren“. Eine gute Empfehlung ist es, täglich etwa fünf Minuten bewusst tief ein und aus zu atmen. Dabei sollte nach jedem eine kleine Pause eingelegt werden. Der Mechanismus hilft nicht nur, eine gesunde Atemtechnik beizubehalten, sondern kann zudem auch beim Stressabbau und bei der Entspannung helfen. (ma)