Olivenblattextrakt – Wirkung und Anwendung

Dass Olivenöl unter allen Speiseölen einen besonders großen Gesundheitswert besitzt, ist kein Geheimnis. Noch wirksamer als reines Olivenöl ist allerdings hochkonzentriertes Olivenblattextrakt. Wie der Name schon sagt, wird es aus den Blättern des Olivenbaums gewonnen und stellt im Gegensatz zu den überwiegend als Lebensmittel genutzten Olivenfrüchten sowie deren Ölauszügen ein naturheilkundliches Heilmittel dar. Eingesetzt wird es unter anderem bei Verdauungsbeschwerden, Lebererkrankungen und Hautproblemen. Doch warum ist Olivenblattextrakt so viel wirksamer als andere Auszüge des Olivenbaums? Unser Beitrag zum Thema gibt Aufschluss.

Olivenblattextrakt – Anwendungsgebiete

Als Tee oder Vitalkapseln eingenommen, wirkt das Extrakt der Olivenblätter gegen eine Vielzahl von Krankheiten, darunter:

  • Entzündungen,
  • Infektionen,
  • Haut- und Haarprobleme,
  • Lebererkrankungen,
  • Verdauungsbeschwerden,
  • Herz- und Gefäßkrankheiten
  • und Stoffwechselstörungen.

Ähnliche Effekte hat natürlich auch das Ölextrakt der Olivenfrüchte. Jedoch ist die Heilwirkung hier eher präventiv auf die Ernährung ausgerichtet, wohingegen das Extrakt der Olivenblätter als echter medizinischer Wirkstoff fungiert.

Mehrere Olivenbäume stehen dicht beieinander auf trockenem Boden.
Archäologische Funde lassen vermuten, dass die Kultivierung des Olivenbaumes schon um 4000 vor Christus begann. (Bild: tech_studio/stock.adobe.com)

Das Olivenblatt

Die immergrünen Blätter des Olivenbaums sind bis zu zehn Zentimeter lang und besitzen eine unverwechselbare, elliptische Form, die in der Blattmitte auf beiden Seiten durch eine auffällige Mittelrippe unterteilt wird. Während die Blattoberseite dabei den klassischen dunkel- bis graugrünen Farbton der Olivenblätter besitzt, ist die Unterseite silbrig grau gefärbt und mit kleinen Blatthärchen versehen.

Olivenblätter fallen durch eine vergleichsweise ledrige und harte Oberfläche auf. Diese ist für die Blätter unabdingbar, um im heißen, trockenen und sonnigen Klima der Herkunftsregionen des Olivenbaums dauerhaft bestehen zu können. Allzu dünne und weiche Blätter würden hier im Handumdrehen verbrennen. Darüber hinaus wird die Beschaffenheit der Olivenblätter auch durch deren Inhaltsstoffe mitbestimmt. Diese bestehen zu großen Teilen aus ätherischen Ölen mit geringem Wassergehalt, was ebenfalls zur zähen Blattkonsistenz beiträgt.

Der Olivenbaum ist als Nutzpflanze bekanntlich schon sehr lange in Kultur. Die ältesten Funde, welche die kulturelle Nutzung des Baums belegen, gehen dabei bis ins vierte Jahrtausend vor Christus zurück. Allerdings handelte es sich hier vorwiegend um die Verwendung von Oliven und Olivenöl.

Die Heilwirkung von Olivenblättern erlangte dagegen erst relativ spät größere Aufmerksamkeit. Zwar ist heute bekannt, dass schon die alten Ägypter bei der Mumifizierung von Leichen auf die desinfizierende Wirkung von gepressten Olivenblättern setzten, medizinisch bedeutsam wurden diese jedoch erst im Mittelalter.

Eine der Erstbeschreiberinnen war diesbezüglich die berühmte Kräuterkundige Hildegard von Bingen. Sie empfahl Olivenblättertee im 12. Jahrhundert bei Beschwerden und Erkrankungen des Verdauungstraktes sowie bei Bluthochdruck und verhalf so auch dem Olivenblattextrakt zu mehr internationalem Ansehen.

Heutzutage ist Olivenblättertee vor allem im Mittelmeerraum ein beliebtes Heilmittel. Doch auch in Deutschland und dem Rest Europas entdeckt man die Vorzüge von Olivenblattextrakt mehr und mehr neu. Inzwischen wird es sogar in Kapselform vertrieben und soll so eine unkompliziertere Einnahme des Extraktes gewährleisten, die ohne den für Olivenblättertee typischen Bittergeschmack auskommt.

Auf einem Holzbrettchen steht eine Tasse Olivenblättertee neben einigen losen Olivenblättern.
Olivenblättertee wird in den Mittelmeerländern schon seit Jahrhunderten als natürliches Heilmittel eingesetzt. (Bild: Heike Rau/stock.adobe.com)

Olivenblattextrakt – Heilwirkung

Im Großen und Ganzen besitzen Olivenblätter die selben Inhaltsstoffe wie alle übrigen Pflanzenteile des Olivenbaums. Allerdings sind einige Pflanzenstoffe im Blatt des Nutzgehölzes besonders hoch konzentriert, was auch erklärt, weshalb Olivenblattextrakt so viel stärker wirkt als Olivenöl. Allen voran ist es der Pflanzenstoff Oleuropein, der im Olivenblatt in etwa 3000 Mal höherer Konzentration vorkommt als im Olivenöl und damit eine vielfach gesteigerte Heilwirkung hervorbringt.

Oleuropein gehört zu den sogenannten Terpenen und hier speziell zu den Bitterstoffen. Diese sind von Haus aus für ihre verdauungsfördernde Wirkung bekannt, weshalb Olivenblattextrakt gezielt bei Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Blähungen hilft. Zusätzlich hat aber gerade Oleuropein auch einen intensiven

  • antimikrobiellen,
  • antiviralen,
  • entzündungshemmenden
  • und immunstärkenden

Effekt, sodass selbst im Magen-Darm-Trakt lokalisierte Infektionen mitbehandelt werden können, wie sie zum Beispiel bei Gastritis oder Formen der Colitis gegeben sind. Auch andere entzündliche Infektionskrankheiten, wie etwa Atemwegs-, Harnwegs- und Hautinfektionen, können in diesem Zusammenhang von den Wirkstoffen im Olivenblattextrakt profitieren.

Sogar bei Entzündungskrankheiten des Bewegungs- und Stützapparates wie Rheuma oder der Gelenkentzündung Arthritis kann das Extrakt positive Wirkungen zeigen.

Eine weitere heilsame Eigenschaft von Oleuropein findet sich in dessen antioxidativer Wirkung. Sie spielt mit Blick auf Herz- und Gefäßkrankheiten eine wichtige Rolle, da diese vielfach durch Oxidationsprozesse von Schadstoffen oder der Ablagerung von Gefäßplaque entstehen.

Die Verabreichung von Olivenblättertee an Patienten mit Bluthochdruck oder Arteriosklerose durch Hildegard von Bingen hatte also Methode. Und selbst Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder erhöhtes Cholesterin indizieren eine Anwendung der oleuropeinhaltigen Olivenblätter, die insgesamt

  • blutzuckersenkend,
  • cholesterinsenkend,
  • entgiftend,
  • gefäßschützend
  • sowie herz- und kreislaufstärkend

wirken. Es lassen sich noch eine Reihe weiterer Wirkstoffe in Olivenblättern finden, die insgesamt die Heilwirkung von Oleuropein teilen bzw. verstärken. Vor allem weitere Terpene aus der Klasse der Iridoide wie

  • Elenolsäure,
  • Maslinsäure
  • und Oleanolsäure,

aber auch diverse Flavonoide, die dem Olivenblattextrakt zusätzlich seine typische goldgelbe Farbe verleihen, sind diesbezüglich nennenswert. Das Aroma, das somit im Olivenblattextrakt wie auch im Olivenblättertee zustande kommt, gestaltet sich inhaltsstoffbedingt bitter-süß mit einer grün-naturellen Note.

Übrigens: Wissenschaftler der Universität Leipzig konnten durch eine Studie zeigen, dass die in Olivenblattextrakt enthaltenen Wirkstoffe in der Lage sind, das Enzym Xanthinoxidase zu hemmen. Dieses ist für die Entstehung von Gicht verantwortlich, weshalb selbst Gichtpatienten unter Umständen von der Anwendung des Extraktes profitieren können.

Olivenblätter als Heilkräuter

Die traditionelle Anwendung von Olivenblattextrakt ist die in Form von Tee. Es wird empfohlen, frische oder zuvor am Zweig getrocknete Blätter zu verwenden.

Ein Sträußchen mit Olivenzweigen.
Für den Aufguss sollten Sie die Olivenbaumblätter entweder frisch verwenden oder zuvor am Zweig trocknen lassen, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten. (Bild: mickyso/stock.adobe.com)

Für die Zubereitung einer Tasse nimmt man etwa einen Esslöffel (EL) der Olivenblätter, übergießt sie mit 250 Milliliter kochendem Wasser und lässt den Tee danach etwa 20 Minuten lang ziehen. Die lange Ziehzeit ist wichtig, da nur so die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe aus den harten Blattkräutern gelöst werden können. Nachdem der Tee durchgezogen ist, werden die Blätter abgesiebt und der Tee in kleinen Schlucken getrunken. Täglich können bis zu drei Tassen des Olivenblättertees eingenommen werden.

Tipp: Olivenblättertee ist eine gute Alternative für Menschen, die aus Unverträglichkeitsgründen kein Olivenöl vertragen. Das ist zum Beispiel bei manchen Pollenallergikern der Fall.

Es gibt eine Reihe weiterer Extraktionsverfahren sowie diverse interessante Rezepte. Beispielsweise kann man die Blätter in hochprozentigen Alkohol einlegen und so eine Olivenblatttinktur erhalten. Zu diesem Zweck füllt man ein großes Schraubglas randvoll mit Olivenblättern und übergießt sie anschließend mit Vodka oder Branntwein.

Gut verschlossen muss der Behälter dann für zwei bis vier Wochen im Sonnenlicht auf der Fensterbank reifen. Danach werden die Olivenblätter abgefiltert und die Tinktur kann in einer dunklen Flasche lichtgeschützt aufbewahrt werden. Mit Wasser verdünnt wird eine solche Tinktur unter anderem zur Herstellung von Kapseln aus Olivenblattextrakt verwendet. Ein paar weitere interessante Rezepte haben wir nachstehend für Sie festgehalten.

Magenbitter mit Olivenblättern

Um die Verdauung anzuregen oder bei bestehenden Magen-Darm-Erkrankungen unerwünschte Begleitsymptome zu lindern, kann ein Verdauungsschnaps nach dem Essen hilfreich sein. Neben zahlreichen Rezepturen für Magenbitter aus Kräutern wie Anis oder Fenchel lassen sich hierfür auch die Heilkräfte von Olivenblattextrakt nutzen.

Die Zutaten:

  • 700 Milliliter Vodka
  • 100 Gramm Rohrzucker
  • 50 Gramm Olivenblättertee
  • Eine halbe Zitrone

Zubereitung:

  1. Geben Sie die Olivenblätter zusammen mit dem Vodka, dem Rohrzucker sowie dem Schalenabrieb einer halben Zitrone in ein zuvor sauber gereinigtes Einmachglas.
  2. Der Liköransatz muss danach für vier Wochen kühl und dunkel gelagert werden. Schütteln Sie den Behälter täglich gut durch, damit sich der Zucker vollständig auflösen kann.
  3. Sobald die vier Wochen Reifezeit verstrichen sind, filtern Sie die groben Bestandteile heraus und lagern den Magenbitter fortan bis zum Gebrauch im Kühlschrank.
Eine Frau in Bademantel und mit Handtuchturban tupft sich Creme auf ihre Wange.
Eine selbst hergestellte Creme mit Olivenblättertee kann bei guter Verträglichkeit für die tägliche Pflege der Haut genutzt werden. (Bild: bilderstoeckchen/stock.adobe.com)

Alternativ zum Vodka können Sie auch andere Alkoholarten wie Branntwein, Rum oder Weingeist nutzen, je nachdem, welcher Geschmack Ihnen besser zusagt.

Tagescreme aus Olivenblattextrakt

Zur Hautpflege, wie auch zur Behandlung von Hautkrankheiten, sind Cremes und Salben aus Olivenblattextrakt natürlich besonders gut geeignet. Da Cremes zusätzlich zu Olivenblattauszügen weitere hautaktive Zusätze beinhalten, können sie sogar für die tägliche Pflege verwendet werden.

Unser Rezept:

  • 35 Gramm (g) gut abgekochter Olivenblättertee
  • 7 g Jojobaöl
  • 3 g Sheabutter
  • 2,5 g Lanette O
  • 2 g Harnstoff
  • 0,5 g Rokonsal BSB-N
  • ein Tropfen Milchsäure

Zubereitung:

  1. Die Herstellung von Cremes erfordert immer die separate Zubereitung fetthaltiger Zutaten (Fettphase) und wasserhaltiger Zutaten (Wasserphase). Erwärmen Sie für die Fettphase deshalb zunächst die fetthaltige Sheabutter bei circa 40 Grad Celsius im Wasserbad und warten Sie ab, bis diese vollständig geschmolzen ist.
  2. Als nächstes werden unter stetigem Rühren mit einem Schneebesen das Jojobaöl und Lanette O untergemischt. Bei letzterem handelt es sich um einen Emulgator, der dafür sorgt, dass sich die Fettphase später gut mit der Wasserphase vermischt.
  3. Für die Wasserphase wird ein separates Wasserbad vorbereitet, in dem Sie nacheinander den Olivenblättertee, den Harnstoff sowie die Milchsäure und den Konservierungsstoff Rokonsal BSB-N miteinander vermischen. Harnstoff ist hier bekannterweise ein äußerst wertvoller Wirkstoff zur Hautpflege, während Milchsäure als Feuchthaltemittel und pH-Regulator dient.
  4. Nach der Zubereitung der beiden Phasen werden diese von der Kochstelle genommen und sollten für einige Minuten etwas abkühlen. Am Ende müssen sowohl die Fett- als auch die Wasserphase eine Temperatur von 40 Grad Celsius aufweisen, bevor sie zusammengemischt werden. Dies erfolgt unter tropfenweisem Untermischen der Wasserphase unter die Fettphase. Nutzen Sie hierfür am besten einen Stabmixer, um sich die Arbeit zu erleichtern.
  5. Sobald die Creme fertig angerührt ist, wird sie in einen sauberen und dunklen Cremetiegel abgefüllt. Verschließen Sie den Tiegel luftdicht und bewahren Sie ihn am besten im Kühlschrank auf, solange Sie die Creme nicht benötigen. Die kühle und lichtgeschützte Umgebung verlängert die Haltbarkeit der Olivenblatt-Tagescreme nämlich ungemein.
  6. Nebenwirkungen von Olivenblattextrakt

    Wie beim Olivenöl kann es auch beim Olivenblattextrakt hin und wieder zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen, und zwar dann, wenn beim Anwender eine entsprechende Pollenallergie vorliegt. Denkbare Nebenwirkungen bestehen dann vor allem aus Durchfall und allergischen Hautreaktionen. Wir raten Allergikern deshalb dazu, vorab nur geringe Mengen des Extraktes zu testen, um sicherzustellen, dass keine Unverträglichkeit besteht. (ma)

    Autoren- und Quelleninformationen

    Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

    Autor:
    Miriam Adam
    Quellen:
    • Iming, Sophia: Olivenblattextrakte: Altbewährte Heilmittel in der Praxis, Double-U Verlag, 2005
    • Frohn, Birgit: Die Heilkraft der Olive, Mankau Verlag, 2012
    • Flemmig, J.; Kuchta, K.; Arnhold, J.; Rauwald, H.W.: Olea europaea leaf (Ph.Eur.) extract as well as several of its isolated phenolics inhibit the gout-related enzyme xanthine oxidase, in: Phytomedicine, 18/7: 561-566, Mai 2011 , ScienceDirect
    • Susalit, Endang; Agus, Nafrialdi; Effendi, Imam; Tjandrawinata, Raymond R. et al.: Olive (Olea europaea) leaf extract effective in patients with stage-1 hypertension: Comparison with Captopril, in: Phytomedicine, 18/4: 251-258, Februar 2011, ScienceDirect
    • Vezza, Teresa; Rodriguez-Nogales, Alba; Algieri, Francesca; Garrido-Mesa, José et al.: The metabolic and vascular protective effects of Olive (Olea europaea L.) leaf extract in diet-induced obesity in mice are related to the amelioration of gut microbiota dysbiosis and to its immunomodulatory properties, in: Pharmacological Research, online verfügbar seit 11. Oktober 2019, ScienceDirect

    Wichtiger Hinweis:
    Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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