Akelei (Aquilegia vulgaris) – Wirkung und Verwendung

Die Akelei, eine eher unbekannte Heilpflanze, ist nichts für die Hausapotheke, da sie giftig ist. Obwohl sie in den Kräuter- und Heilpflanzenbüchern äußert selten zu Wort kommt, sollte sie doch nicht ganz in Vergessenheit geraten. Vielleicht kann sie zusammen mit anderen Pflanzen ihr Können zeigen.

Steckbrief zur Akelei

  • Wissenschaftlicher Name: Aquilegia vulgaris
  • Pflanzenfamilie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
  • Volkstümliche Namen: Elfenschuh, Elfenhandschuh, Columbine, Glockenblume, Adlerblume, Narrenkappen, Schlotterhose, Weiberkappen, Taubenblume, Tauberln, Fünf Vögerl zusamm, Kapuzinerhütli, Pfaffenkäpple, Venuswagen, Handschuh, Harlekinsblume, Hoselätzli
  • Vorkommen: an gemäßigten Standorten der Nordhalbkugel
  • Anwendungsgebiete:
  • Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Wurzel, Samen
  • Inhaltsstoffe: Blausäure, Blausäureglycosid, Magnoflorin, Myristinsäure, Linolsäure

Heilwirkung

Die wirksamen Inhaltsstoffe der Akelei haben

  • blutreinigende,
  • harn- und schweißtreibende,
  • entzündungshemmende,
  • hautreinigende
  • und stoffwechselanregende

Heilwirkungen. Im Mittelalter setzte die Volksmedizin die Akelei aufgrund ihrer stoffwechselanregenden Wirkung bei Ödemen, Gelbsucht, Rheuma und Gicht ein. Zur äußerlichen Anwendung kam sie bei Geschwüren, Fisteln, Ekzemen, unreiner Haut und offenen Wunden zum Einsatz. Vorsicht ist geboten aufgrund ihrer Blausäure, deren größter Anteil jedoch durch Trocknen und Erhitzen verloren geht. Trotzdem stehen Schulmedizin und auch Naturheilkundige dem Einsatz der Pflanze skeptisch gegenüber.

Die Akelei wird heutzutage als Heilkraut sehr selten verwendet. Erstens aufgrund der bereits erwähnten Giftigkeit und zweitens, weil viele andere ungiftige Pflanzen eine ähnliche oder gar höhere Wirksamkeit besitzen als sie. Jedoch sollte sie trotzdem nicht ganz vergessen werden. Gerade in Mischungen, fachkundig verabreicht, hätte sie ihr Einsatzgebiet. In der Heilkunst wird sie heute nahezu ausschließlich in der Homöopathie benutzt, wobei sie auch dort ein seltenes Mittel ist.

Globuli
Akelei wird häufig in der Homöopathie verwendet und zur Herstellung des homöopathischen Mittels wird die frische Pflanze genutzt. (Bild: Martina Osmy/stock.adobe.com)

Als Tee verwendet hilft die Akelei bei Verdauungsstörungen und zur Reinigung des Blutes. Wie bereits beschrieben regt sie den Stoffwechsel an, was bei Gicht und Rheuma angezeigt ist. Äußerlich wird sie angewandt, in Form von Auflagen oder Umschlägen, bei juckender, trockener Haut. Für die Heilwirkung auf der Haut ist der Inhaltsstoff Linolsäure verantwortlich. Früher wurden die getrockneten Samen zerstampft und bei Hautparasiten eingesetzt.

Nach Rezeptur der Hildegard von Bingen sind Akelei-Honig, zu verwenden bei verschleimendem Husten, und Akelei-Kräutertropfen im Handel erhältlich. Letztere werden bei Grippe, Masern, Röteln, Windpocken, Herpes, Angina, Lymphknotenschwellungen, zur Lymphdrainage und bei Fieber nach dem Wissen von Hildegard von Bingen empfohlen.

Homöopathie

Für die Zubereitung des homöopathischen Mittels wird die Akelei als frische, blühende Pflanze verwendet. Sie steht in der Homöopathie für Hysterie, Globus hystericus (das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben), Schlaflosigkeit und morgendliches Erbrechen, grüner Flüssigkeit bei Frauen in der Menopause. Des Weiteren gehören dazu nervöses Zittern des Körpers, Lichtempfindlichkeit und Geräusche und Dysmenorrhoe (schmerzhafte Periode) junger Mädchen.

Mehrere Gartenakeleien
Die gemeine Akelei ist in Wäldern und Gärten Süddeutschlands weit verbreitet. (Bild: alisseja/stock.adobe.com)

Geschichtliches, Erzählungen

Die Akelei ist, wenn sie in der Kunst gesucht wird, selten vertreten. Von Albrecht Dürer ist ein Bild bekannt, das dieses Heilkraut zeigt. In Handbüchern und Ikonen wird sie nicht genannt. Hildegard von Bingen beschreibt sie zwar in ihrer Physika von 1150, aber nur im Zusammenhang mit anderen Pflanzen.

In der mittelalterlichen Medizin wird die allgemeine Akelei als Mittel zur Reinigung genutzt. Goethe beschrieb sie folgendermaßen: “Schön erhebt sich der Aglei und senkt das Köpfchen herunter. Ist es Gefühl? Oder ist´s Mutwill? Ihr ratet es nicht.“ Symbolisch gesehen soll die Akelei, durch den nickenden Kopf ihrer Blüten, an die Melancholie der Mutter Gottes erinnern. Einer der vielen Volksnamen ist „Pfaffenkäpple“. Dies erinnert an Demut und Frömmigkeit.

Vor Christus war sie bekannt als Aphrodisiakum. Die Meskaki-Indianer bereiteten Liebestränke aus diesem Kraut zu. Des Weiteren wird erzählt, dass sie in Europa in sogenannten Hexensalben enthalten war. Die Akelei wurde Männern im Mittelalter empfohlen, wenn ihnen durch Hexerei die Potenz abhanden gekommen war. Auch war sie bei den Germanen Freya, der Fruchtbarkeitsgöttin, geweiht. Dieses Heilkraut spielte in Fruchtbarkeitsritualen eine Rolle. So wurde sie bei Unfruchtbarkeit ins Bettstroh gelegt.

Nebenwirkungen

Sowohl eine falsche Herstellung als auch eine Überdosierung der Akelei kann zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen. Mögliche Vergiftungssymptome sind eine hellrosa gefärbte Haut, ein beschleunigter Puls, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Atemnot und Bewusstseinstrübungen. In der Akelei ist Blausäure enthalten, die als krebserregend gilt. Demnach sind bei längerer Anwendung Zellentartungen möglich.

Allgemeines

In Süddeutschland ist die gemeine Akelei recht verbreitet, vor allem in Gärten als schön anzusehende Zierde. Auch wächst sie im Wald an Lichtungen. Sie ist mehrjährig und mag am liebsten sandige Böden. Von April bis Juli werden ihre wunderschönen blauen oder violetten Blüten sichtbar, die verspielt, wie kleine Elfen aussehen. Was sie so niedlich macht, ist ihr ständiges Nicken.

Die Akelei ist ein wunderschönes Gartenblümlein. Sie besitzt, wie erwähnt, Heilwirkungen, wird jedoch aufgrund ihrer leichten Giftigkeit und der krebserregenden Blausäure, die sie enthält, heute nicht mehr angewandt. Eine Ausnahme ist die Homöopathie. Aber auch hierbei sollte ein erfahrener Therapeut / eine erfahrene Therapeutin das Mittel und die Dosis bestimmen. Für den Hausgebrauch ist sie nicht geeignet. (sw)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Knobloch, Gerold: Natürliche Heilmittel von A – Z, Verlag neobooks, 2013
  • Fritz, Rolf: Die symbolische Bedeutung der Akelei, Journal Artikel, Wallraf-Richartz-Jahrbuch, Bd. 14, S. 99-110, 1952, jstor.org
  • Boericke, William: Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen, Materia Medica und Repertorium, 5. erweiterte und verbesserte Auflage, Wissenschaftlicher Autorenverlag, 1995

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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