Huflattich – Anwendung, Wirkung und Risiken

Huflattich (Tussilago farfara), eine Wiesenpflanze aus der Familie der Korbblütler, trägt seinen Gebrauch als Heilpflanze im Namen. Das lateinische „tussis“ bedeutet Husten und „ago“ „Ich vertreibe“. Als Schleimlöser bei festsitzendem Husten und als Mittel gegen Erkrankungen der Atemwege war der Frühlingsbote mit den goldgelben Zungenblüten in der Volksmedizin weit verbreitet. Neue Forschungen zeigen aber auch schwere Nebenwirkungen.

Steckbrief zum Huflattich

  • Wissenschaftlicher Name: Tussilago farfara
  • Volksnamen: Kuhfladen, Breitlattich, Eselslattich, Brustlattich, Latten, Lette, Ackerlatsche, Eselshuf, Pferdefuß, Rosshuff, Eselstappe, Fohlenfuß, Hufblatt
  • Familie: Korbblütler
  • Verbreitung: Extrem genügsame Pionierpflanze überall in Eurasien und weit verbreitet in Nordafrika, dort trockenwarme Standorte mit durchlässiger Erde – er wächst sogar auf Braunkohle.
  • Anwendungsgebiete: Stärkung der Immunabwehr, äußere Wunden, Entzündungen, Schmerzstiller, Schleimlöser, Hilfe beim Abschwellen, Hustenmittel, besonders bei Reizhusten
  • Verwendete Pflanzenteile: Das Kraut
Mehrere Huflattich-Pflanzen am Rand eines Waldwegs.
Huflattich wächst so gut wie überall und fällt durch seine strahlend gelben Blüten sofort auf. (Bild: kraichgaufoto/stock.adobe.com)

Tussilago – Die wichtigsten Fakten

  • Huflattich ist als Pionierpflanze weit verbreitet und häufig, am meisten dort, wo es feuchten Lehmboden gibt.
  • Die in der Pflanze enthaltenen Schleimstoffe mildern Reize bei entzündeten Schleimhäuten und damit auch den Hustenreiz und Schmerz.
  • In Tussilago enthaltene Polysaccharide fördern die Kommunikation der Zellen, was die Effektivität des Immunapparates stärkt.
  • Die Gerbstoffe des Huflattichs wirken adstringierend, antientzündlich und außerdem leicht antitoxisch.
  • Huflattichblüten wie -blätter lassen sich einfach zu Tee verarbeiten, der entweder getrunken wird oder in Umschlägen die Haut beruhigt.
  • Tussilago enthält auch Giftstoffe – Pyrrolizidinalkaloide. Deren Mengen sind zwar in der Regel gering, doch sie fördern Erkankungen der Leber und Karzinome. Deswegen raten Medizinerinnen und Mediziner heute meist davon ab, wilden Huflattich privat zu sammeln.

Inhaltsstoffe

Huflattich enthält chemische Bestandteile, die vermutlich Schmerzen stillen, beim Abschwellen helfen und antientzündlich wirken. Die Hauptstoffe sind Polysaccharide mit antientzündlicher Aktivität, die das Immunsystem stimulieren. Dazu gehören Mucopolysaccharide, Pectin und Inulin. Hinzu kommen Flavonoide mit antientzündlicher und antispasmodischer Funktion wie Quercetin und Kaempferol, Glycoside und Hyperoside, des Weiteren Terpene wie Tussilagon, Faradiol, Sterole und Phenolsäuren.

Zu den in Tussilago enthaltenen Gerbstoffen gehört Tannin, welches eine adstringierende Wirkung hat und dadurch Fremdstoffe am Eindringen hindert sowie zur Heilung leichter Wunden beiträgt. Zudem fördert es den Auswurf bei Husten. Hinzu kommen Saponine, die Entzündungen hemmen und Schleim lösen.

Huflattichblüten

Die Blüten des Huflattichs (lateinisch: Flores Farfarae) werden meist getrocknet eingesetzt. Sie bieten Schleimstoffe (circa sieben Prozent), dazu Pyrrolizidinalkaloide, Terpene und Tussilagon, Sterole wie Sitosterol sowie Triterpene. Hinzu kommen Flavonoide und deren Glykoside, Phenolcarbonsäuren, darunter Kaffeesäure, Ferulasäure und p-Hydroxybenzoesäure.

Die Blätter

Die Laubblätter des Huflattichs bieten Polysaccharide (circa 8,2 Prozent), davon 30 Prozent Inulin und circa 70 Prozent saure Schleimpolysaccharide, darunter Arabinose, Galactose, Glucose, Uronsäuren und Xylose. Hinzu kommen toxische Pyrrolizidinalkaloide sowie ungiftiges Tussilagin. In geringerem Ausmaß enthalten die Blätter Flavonoide und Sterole, Triterpene, Bitterstoffe (0,05 Prozent), Gerbstoffe und ätherisches Öl (0,05 Prozent).

Huflattich – Anwendung und Wirkung

Tee aus den getrockneten Blüten und/oder Blättern ist ein traditionelles Hausmittel gegen Husten, Heiserkeit, Bronchitis oder Asthma. Belegt sind abschwellende und antientzündliche Wirkungen, reizmildernde Stoffe (für übersensible Schleimhäute) und eine Beruhigung der Schleimhäute sowie eine schleimlösende Aktivität, die beim Abhusten des Sekrets hilft.

Eine Tasse mit Huflattich-Tee und mehrere Huflattichblüten.
Huflattich-Tee kann bei hartnäckigem Husten und Heiserkeit sehr wohltuend sein. (Bild: dusk/stock.adobe.com)

Huflattichumschläge gegen Hautbeschwerden

In der Volksmedizin waren Wickel und Kompressen mit Huflattichextrakten ein Mittel gegen Abszesse auf der Haut, leichte Verbrennungen, Insektenstiche und Ekzeme. Gegen rheumatische Beschwerden sollten Umschläge mit frischen Blättern helfen.

Für Haut und Haare

Unterhalb der Schwelle ernster Erkrankungen, aber für gesunde Haut wie Haare, nutzte die Volksmedizin ein Dampfbad mit Huflattich für das Gesicht, um die Poren zu reinigen und Pickel wie Mitesser zu vertreiben. Eine Spülung mit dem Extrakt sollte Schuppen auf der Kopfhaut beseitigen und gegen fettige Haare helfen.

Huflattich in der Medizingeschichte

Huflattich erwähnen bereits Koryphäen der antiken Medizin wie die Griechen Pedanios Dioskurides und Galenos von Pergamon als Heilpflanze, und der Urvater der Medizin Europas – Hippokrates – sah Tussilago äußerlich aufgetragen als Mittel gegen eiternde Geschwüre. Die heilkundige Geistliche Hildegard von Bingen erörterte im Mittelalter die Bedeutung der Märzblume als Heilkraut.

Zum guten Ruf des Huflattichs trugen vermutlich nicht nur seine Wirkstoffe bei, sondern auch seine Symbolkraft als „Lichtbringer“. Die Blüten öffnen sich bereits im Februar, blühen voll im März und leuchten goldgelb – wie die Sonne. So förderten sie Assoziationen zwischen dem Licht des eröffneten Frühlings und der Pflanze. Die medizinisch wirksamen Blüten ließen sich bereits ernten, bevor andere Heilblumen aufblühten.

Tussilago gehört also seit der Antike zu den verbreitetsten Heilpflanzen, bedingt erstens durch seine Wirkung gegen festsitzenden Husten, und zweites war und ist die Pflanze nahezu allerorts zu finden: am Acker, an Wegrändern, auf Wiesen, Schutthalden, Bahndämmen, unbebauten Grundstücken – überall, wo es lehmigen Boden gibt und in ganz Europa.

In der frühen Neuzeit wird Tussilago geführt als Mittel gegen Brustenge, Husten und Tuberkulose. Im 16. Jahrhundert empfahl der Botaniker und Apotheker Tabernaemontanus das Einatmen des Rauchs der getrockneten Blätter. In der Volksmedizin diente Tussilago als Mittel gegen diverse Erkrankungen der Atemwege. Der Pionier der Naturheilkunde, Sebastian Kneipp (1821–1897), behandelte mit frischen Blättern des Huflattichs offene Geschwüre. Noch heute nehmen viele Menschen Huflattich ein gegen ernste Lungenerkrankungen wie Bronchitis und Keuchhusten.

Indikation

Laut der selbstständigen wissenschaftlichen Sachverständigenkommission „Kommission E“ am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind Huflatticharzneien indiziert bei akuten Katarrhen der Luftwege und ihren Symptomen wie Husten und Heiserkeit, sowie bei leichten Entzündungen im Rachen- wie Mundbereich.

Unsichere Evidenz besteht hingegen bei folgenden verbreiteten Anwendungen:

Unklar ist dabei nicht, ob Huflattich gegen diese Beschwerden wirkt, sondern wie effektiv es sich therapeutisch nutzen lässt.

Blühender Huflattich auf Geröll vor blauem Himmel.
Huflattich gedeiht sogar wunderbar in Steinbrüchen und auf Geröllhalden. (Bild: Jürgen Kottmann/stock.adobe.com)

Huflattich ist weit verbreitet

Huflattich ist eine Pionierpflanze, überall in Europa, Westasien wie Nordafrika verbreitet und gilt in Nordamerika als invasiver Neophyt. In ausgehobenen Sandgruben, neu angelegten Straßenböschungen oder erschlossenen Baugrundstücken siedelt er sich als eine der ersten Pflanzen an. Gewöhnlich wächst er am Ufer von Flüssen, Bächen, Gräben und Kanälen. Tussilago liebt lehmigen, feuchten Boden und gilt sogar als Anzeigerpflanze für Staunässe.

Huflattich erkennen

Tussilago lässt sich einfach erkennen. Er wächst am Boden, die Laubblätter sind bis zu 30 Zentimeter breit und unterseits mit einem grauen Filz behaart. Unter Outdoor-Freaks und Landmenschen gelten sie als natürliches Toilettenpapier. Sie haben eine charakteristische Form – vorne abgerundet, hinten verbreitert. Unsere Vorfahren erinnerte das Aussehen an einen Huf, und daher rührt der Name Huflattich. Als eine der ersten Blühpflanzen sind die goldgelben Blätter Ende Februar unverkennbar, später ähneln sie oberflächlich dem Löwenzahn.

Verwechslungen

Die Blätter des Huflattichs lassen sich mit der Weißen Pestwurz verwechseln. Huflattichblätter sind jedoch kleiner und tragen Zacken am Rand. Die gelben Blüten mit den kleinen Blütenblättern können schnell für Löwenzahn gehalten werden. Am sichersten unterscheiden können sie beide daran, dass der Huflattich entweder Blüten oder Blätter trägt und nicht beide zusammen.

Allergien gegen Korbblütler

Huflattich gehört zur Familie der Korbblütler (auch „Korbblütengewächse“ oder „Asterngewächse“ genannt), welche weltweit circa 24.000 Arten mit circa 1.700 Gattungen umfasst. Zu dieser Familie zählen neben Huflattich zum Beispiel Löwenzahn, Wermut, Beifuß, Topinambur, Ringelblume, Kamille oder Alant. Wenn Sie eine Allergie gegen Asterngewächse haben, reagieren sie auch allergisch auf Huflattich und sollten ihn als Arznei meiden.

Toxische Stoffe

Huflattich enthält in geringen Mengen Pyrrolizidinalkaloide (PA), darunter

  • Senkirkin,
  • Senecionin,
  • Seneciphyllin,
  • Integerrimin,
  • Tussilagin
  • und Isotussilagin.

Manche davon sind giftig. Genauer gesagt, sie lösen toxische Reaktionen aus, die das Enstehen von Erkrankungen der Leber fördern und sie verschlimmern bestehende Leberkrankheiten. Manche dieser Pyrrolizidinalkaloide gelten sogar als Krebsauslöser. Heute gibt es Zuchtsorten des Huflattichs, die keine PAs mehr enthalten und bedenkenlos genutzt werden können.

Kein Huflattich während Schwangerschaft und Stillzeit

Wildwachsender Huflattich gilt wegen der Giftstoffe als unsicher. Besonders gefährdet sind Schwangere und Stillende. Die Alkaloide können Geburtsdefekte verursachen und den Säugling schädigen. Unklar ist, ob Huflatticharzneien ohne diese Stoffe während der Schwangerschaft sicher sind. Deshalb sollten Sie die Pflanze während der Schwangerschaft generell vermeiden und bei entzündlichen Erkrankungen der Atemwege Produkte auf anderer Basis verwenden.

Eine schwangere Frau steht neben einem Babybett und hält mit den Händen ihren Bauch.
Schwangere und stillende Frauen sollten Huflattich aufgrund der enthaltenen Giftstoffe meiden. (Bild: petrrunjela/stock.adobe.com)

Vorsicht bei Bluthochdruck und Herzschwäche

Sie sollten Tussilago meiden, wenn sie unter Bluthochdruck, Herzschwäche und Herzerkrankungen leiden. Es besteht berechtigte Sorge, dass Produkte aus Huflattich die Therapien gegen hohen Blutdruck und Herzerkrankungen stören.

Fazit

In diesem Beitrag wurden keine Anleitungen für Hausmittel wie Tussilago-Tee oder Huflattichextrakt beschrieben – aus guten Grund: Huflattich war noch vor zwei, drei Generationen in der Volksmedizin überaus beliebt als Heilpflanze gegen Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Neue Studien zeigten aber, dass dieses Heilkraut Giftstoffe enthält, wenn auch in sehr geringen Mengen. Deswegen raten viele Ärzte und Ärztinnen heute davon ab, Huflattich auf freiem Feld zu sammeln.

Es gibt derweil Zuchtformen, die frei von den Alkaloiden sind. Diese können Menschen ohne Weiteres verwenden, es sei denn, Sie haben eine Allergie gegen Korbblütler oder Herzschwäche, zu hohen Blutdruck, sind schwanger oder stillen. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Hiller, Karl; Melzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, 2. Band: L-Z, Spektrum Akademischer Verlag, 1999
  • Hirono, I.; Mori, H.; Culvenor, C.C.: Carcinogenic activity of coltsfoot, Tussilago farfara l., in: GANN Japanese Journal of Cancer Research, 75(12): 1058-61, 1984, PubMed
  • Lim, Hyo Jin et al.: In vitro neuroprotective activity of sesquiterpenoids from the flower buds of Tussilago farfara, in: Journal of Enzyme Inhibition and Medicinal Chemistry, 30(5): 852-6, 2015, Taylor & Francis Online
  • European Food Safety Authority Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM): Scientific Opinion on Pyrrolizidine alkaloids in food and feed, in: EFSA Journal, 9/11: 2406, November 2011, EFSA
  • Nedelcheva, Anely; Kostova, Nadezhda; Sidjimov, Atanas: Pyrrolizidine alkaloids in Tussilago farfara from Bulgaria, in: Biotechnology & Biotechnological Equipment, 29: S1-S7, 2015, Taylor & Francis Online
  • Jimenez, Jaime Becerra et al.: Phytochemical and analytical studies of feed and medicinal plants in relation to the presence of toxic pyrrolizidine alkaloids (Dissertation), Bonn, 2013, ULB Bonn
  • Zhao, Jinlian: Antitubercular activity of Arctium lappa and Tussilago farfara extracts and constituents, in: Journal of Ethnopharmacology, 155/1: 796-800, August 2014, ScienceDirect

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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