Mohnblume – Klatschmohn (Papaver rhoeas)

Klatschmohn war 2017 Blume des Jahres in Deutschland – aus gutem Grund. Denn der häufig auch Mohnblume genannte, rot blühende Kulturfolger wuchs früher überall auf den Feldern: Das Gelb des reifen Getreides, das Blau der Kornblumen und das Rot des Klatschmohns waren die Farben des Sommers, in Bildern verewigt und in Liedern besungen.

Die Agrarindustrie verdrängt dieses Ackerwildkraut, und es steht als Stellvertreter für die bedrohte Feldflora. Vermutlich wegen seiner Allgegenwart wurde die Mohnblume sehr häufig als Heilpflanze eingesetzt. „Ja, solange es den Klatschmohn gibt, solange müssen wir leben.“ (Sohrab Sepehri, iranischer Dichter)

Steckbrief zum Klatschmohn

  • Wissenschaftlicher Name: Papaver rhoeas
  • Volksnamen: Feldmohn, Blutblume, Feuermohn, Wilder Mohn, Feldrose, Klatschrose, Klapprose, Kornrose, Kornschnalle, Grindmagen, Paterblume, Klappermohn, Feuerblume, Flattermohn
  • Familie: Mohngewächse
  • Vorkommen: Eurasische Steppenpflanze, verbreitete sich mit der Rodung der Wälder und der kleinteiligen Getreidewirtschaft weit in Mittel-, Ost- und Südeuropa, auch in Westasien und Nordafrika beheimatet und inzwischen global anzutreffen
  • Verwendete Pflanzenteile: Wurzel, Blüten und Samen
  • Anwendungsgebiete (historisch):
Mohnblume Übersichtsgrafik mit einer Auflistung der Inhaltsstoffe und Wirkung.
(Bild: laura-goodsell/unsplash.com, eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Papaver rhoeas – Inhaltsstoffe

Mohnblume enthält bis zu 0,3 Prozent des Alkaloids Rhoeadin, des Weiteren Anthocyanine, Gerb- und Bitterstoffe, Saponine, Papaverin, Sinactin, Roemerin, Berberin, Mecocyaninsäure, Meconsäure und Coptisin, außerdem roten Farbstoff.

Mohnblume – Wirkungen

Alkaloidextrakte aus verschiedenen Papaver-Arten zeigten im Laborversuch antimikrobielle Aktivität sowohl gegen pathogene Pilze wie gegen Bakterien. Die Gerbsäuren regen die Verdauung an, die Saponine wirken schleimlösend. Wirkstoffe im Klatschmohn haben einen leicht schmerzlindernden und beruhigenden Effekt. Neue Laborstudien zeigen eine krebshemmende Aktivität und antimutagene Wirkung der Blätter.

Toxische Effekte

Die Alkaloide in Papaver-Arten sind toxisch, beim Klatschmohm tritt eine schwach giftige Wirkung in allen Teilen auf – am stärksten konzentriert sind die toxischen Stoffe im Milchsaft. Einer türkischen Forschungsarbeit zufolge führt verantwortungsloser Konsum von Mohnblume zu Krämpfen und Depressionen sowie zu neurologischen Symptomen und zu fortgeschrittenen Stadien von Bewusstseinstrübung.

Als unkontrolliertes Hausmittel kann die Pflanze deshalb nicht empfohlen werden. Weitere Vergiftungssymptome sind ein reduzierter Herzschlag, Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechen.

Als Mohnverzehr auf dem Land noch weit verbreitet war, wurde von Kindern berichtet, die unter folgenden Symptomen litten:

Mohn – Volksmedizin

Die Volksmedizin Europas machte von der Mohnblume reichlich Gebrauch, was vermutlich daran lag, dass sie in der vorindustriellen Agrargesellschaft überall zu finden war. Die Menschen pressten den Saft auf Hautbeschwerden wie Akne, Furunkel oder Ekzeme. Wein und Met-Elixiere mit Klatschmohn sollten gegen Fieber, Verstopfung, innere Schmerzen und Menstruationsprobleme wirken.

Einen Tee-Extrakt legten unsere Vorfahren ebenfalls auf äußere Entzündungen auf, setzten ihn aber auch gegen Juckreiz ein. Getrunken sollte der Tee gegen Schlaflosigkeit helfen, gegen innere Unruhe und Nervosität. Weit verbreitet war Mohntee, um Kleinkinder zum Einschlafen zu bringen. Der lateinische Begriff Papaver kommt von „papa“, und das heißt Brei, denn ein Brei mit Mohn war ein beliebtes Schlafmittel für Kinder. Ein Sirup aus den Kronblättern sollte gegen Husten mit zähem Schleim helfen, was durch die in den Blättern enthaltenen Schleimstoffe plausibel erscheint.

Klatschmohn mit Blütenblättern und Samenkapseln
Die Kapselfrucht des Klatschmohns enthält mehrere hundert Samen. (Bild: fotoman1962/stock.adobe.com)

Mohnblume in der heutigen Naturheilkunde

Heute spielt Klatschmohn in der Naturheilkunde kaum noch eine Rolle, da andere Pflanzen die erwünschten Wirkungen besser erzielen und dabei weniger Nebeneffekte haben. Zum Einschlafen erfüllt zum Beispiel Baldrian den Zweck besser, zur Beruhigung ist Zitronenmelisse geeigneter.

Gelegentlich wird in der Naturheilkunde noch ein Sirup aus Klatschmohnblüten bei Schlafstörungen und Unruhe verabreicht. Doch die Kommission E lehnt eine solche Behandlung ab, da es keinerlei Wirkungsnachweis gibt – im Unterschied zu anderen Phytotherapien. Auch in der Naturheilkunde gilt: Klatschmohn sollte nur eingenommen werden, wenn es keine Alternative gibt und ein Arzt oder eine Ärztin die Einnahme kontrolliert. Die Samenkapseln der Mohnblume sind unzureichend erforscht. Sie sollten auf keinen Fall eingenommen werden.

Opium, Heroin, Schlaf- und Klatschmohn

Die Mohnblume gehört in die Familie der Mohngewächse und ist damit eng verwandt mit Heilpflanzen wie Erdrauch, Kanadischer Blutwurz und Schöllkraut. In die gleiche artenreiche Gattung Papaver gehören der Türkische Mohn (Papaver orientale), Arznei-Mohn (Papaver bracteatum) und der bekannteste von allen, der Schlafmohn (Papaver somniferum), aus dem Opium und Heroin gewonnen wird.

Es handelt sich um eine sommergrüne Pflanze, die bis zu zwei Jahre alt und bis zu 90 Zentimeter groß werden kann. Ein Netz von Milchsaftröhren sorgt für den Milchsaft, die Stängel sind leicht behaart und dünn, die Laubblätter rau und borstig. Von Mai bis Juli zeigt der Klatschmohn rote Kronblätter, genauer gesagt schwankt die Farbe von scharlachrot bis zu purpur und violett.

Ökologie und Vermehrung

Die durch Anthocyane wie Mecocyanin rot gefärbten Kronblätter nehmen Bienen vermutlich blau-violett wahr wegen der Sonnenreflektion. Mohnblume ist eine der pollenreichsten Pflanzen, eine Blüte produziert circa 2,5 Millionen Pollenkörner. Am meisten Pollen bietet die Pflanze vor 10 Uhr morgens, also dann, wenn die meisten Bienen unterwegs sind. Eine Scheibe des Fruchtknotens bietet Insekten einen idealen Landeplatz. Die Bestäubung läuft zudem über den Wind.

Eine Biene fliegt die Blüte einer Mohnblume an.
Die Blüten des Klatschmohns enthalten zwar keinen Nektar, dafür liefern sie große Mengen an Pollen und stellen so eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen dar. (Bild: izzzy71/stock.adobe.com)

Die einzelnen Kapselfrüchte enthalten 2000 bis 5000 sehr kleine Samenkörner in Nierenform, die geadert sind und eine Grube aufweisen. Tausend Samen wiegen circa 0,11 bis 0,125 Gramm. Die Scheibe über den Fruchtknoten sorgt dafür, dass die Samen leicht ausgeblasen werden können. Bei trockenem Wetter und starkem Wind ist die Verbreitung optimal.

Das Kapseldach und die Borsten am Stängel kletten sich an Tiere und Menschen – so verbreitet sich die Pflanze auch. Die Mohnkapsel ist ein Vorbild für effektives Ausstreuen und R. H. Francé entwickelte einen Salzstreuer, der nach diesem biologischen Muster funktioniert.

Feld und Wiese

Wo genau der Klatschmohn ursprünglich vorkam, ist unbekannt. Klar ist hingegen, dass er sich mit dem Ackerbau überall verbreitete, wo Menschen Getreide anbauten und Flächen rodeten – von der Permafrostzone bis in die Subtropen. Am dichtesten siedelt er jedoch in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel.

Mit dem Menschen verbreitete sich also die Pflanze und auch direkt durch den Menschen. Besonders säte sich Mohnblume aus, weil sich ihre Samen als blinder Passagier in Getreidesaat befanden. Sie gehört zur charakteristischen Getreide-Beikrautflur.

Herbizide haben den Klatschmohn aus der industriellen Agrarlandschaft weitgehend vertrieben, er wächst aber nach wie vor überall dort, wo nicht gespritzt wird: Am Ackerrand, auf Geröllhalden, Brachland, Straßenböschungen, Bahndämmen, Schuttplätzen oder Fabrikgeländen. Dabei mag er stickstoffreichen und kalkhaltigen Boden, gehört also nicht zu den vielen Wildblumen, die auf nährstoffarmer Erde wachsen. Klatschmohn ist eine typische Pionierpflanze auf lockeren Steinböden, wo ihn im Lauf der Zeit vor allem Gräser verdrängen.

Mohnkuchen und Mohnbrötchen – Klatschmohn in der Küche

Mohnsamen, in der Regel aber kein Klatschmohn, finden sich in vielen Gerichten. Dazu gehören der Mohnkuchen, die Mohntorte, Mohnzöpfe und die Mohnschnecken sowie die Mohnbrötchen beim Konditor und Bäcker.

Heute weit weniger verbreitet, aber in der traditionellen Landküche beliebt, sind die Kronblätter und Blätter der Pflanze. So geben die jungen Blätter Salaten einen Kick, denn sie schmecken wie eine Mischung aus Gurke und Haselnuss. Sie lassen sich auch wie Spinat kochen oder roh in einen Quark-Dipp einrühren. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Loki Schmidt Stiftung: Blume des Jahres 2017 Klatschmohn (Papaver rhoeas) (Abruf: 10.3.2020), Loki Schmidt Stiftung
  • Charles University, Faculty of Pharmacy in Hradec Králové: Studies of medicinal plants and their therapeutically significant substances (Abruf: 10.3.2020), Charles University
  • Ismaili, Ahmad; Sohrabi, Seyyed Mohsen; Azadpour, Mojgan; Heydari, Rouhollah; Rashidipour, Marzieh: Evaluation of the antimicrobial activity of alkaloid extracts of four papaver species, in: Herbal Medicines Journal, 2/4, 2017, Herbal Medicines Journal
  • Todorova, Teodora; Pesheva, Margarita; Gregan, Fridrich; Chankova, Stephka: Antioxidant, antimutagenic, and anticarcinogenic effects of Papaver rhoeas L. extract on Saccharomyces cerevisiae, in: Journal of Medicinal Food, 18/4: 460-467, April 2018, PubMed
  • Hijazi, Mohamad Ali Mustafa; Aboul-Ela, Maha A. et al.: Cytotoxic Activity of Alkaloids from Papaver rhoeas growing in Lebanon, in: Records of Natural Products, 11(2): 211-216, März 2017, ResearchGate
  • Shams, Jamal; Sahraei, Hedayat et al.: Effects of Papaver rhoeas Extract on the Tolerance Development to Analgesic Effects of Morphine in Mice, in: Iranian journal of pharmaceutical research (IJPR), 7(2): 141-147, 2008, IJPR
  • Soulimani, Rachid; Younos, Chafique; Jarmouni-Idrissi, Salah et al.: Behavioral and pharmaco-toxicological study of Papaver rhoeas L. in mice, in: Journal of Ethnopharmacology, 74/3: 265-274, März 2001, ScienceDirect
  • Günaydın, Yahya Kemal; Dündar, Zerrin Defne; Çekmen, Bora et al.: Intoxication due to Papaver rhoeas (Corn Poppy): Five Case Reports, in: Case Reports in Medicine, 2015: 1-3, Mai 2015, Hindawi

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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