Amalgamfüllung: Amalgam-Allergie – Symptome und Behandlung

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Amalgam ist eine Quecksilberlegierung, die seit 1820 als Zahnfüllung dient. Solche Mischungen bestehen zur Hälfte aus reinem Quecksilber, zur anderen Hälfte aus unterschiedlichen Metallen. Dazu gehören heute vor allem Silber, Zinn und Kupfer, ein wenig Iridium und Zink. Silberamalgam ist chemisch beständiger als Kupferamalgam und wurde deshalb seit der Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich verwendet.


Amalgam ist sehr haltbar, ohne Probleme zu verarbeiten und als Modelliermasse für Zähne jedem anderen Material überlegen.

Amalgam-Füllung: Viele Patienten fühlen eine Art Allergie. Restlos aufgeklärt ist dieses Phänomen noch nicht. Bild: Zsolt Bota Finna - fotolia
Amalgam-Füllung: Viele Patienten fühlen eine Art Allergie. Restlos aufgeklärt ist dieses Phänomen noch nicht. (Bild: Zsolt Bota Finna/fotolia.com)

Amalgam steht im Verdacht, Infekte zu fördern, Hautekzeme wie Muskelschmerzen auszulösen ebenso wie chronische Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Bis heute gilt das Thema als wissenschaftlich umstritten. “Ob und wie harmlos oder gefährlich Amalgam sei, sei aus wissenschaftlicher Sicht sehr differenziert zu betrachten, eine eindeutige Aussage hierzu sei aufgrund der hier genannten Studien nicht möglich”, resümiert das Deutsche Krebsforschungszentrum die Studienlage.

Eine Kontaktallergie auf Amalgam-Zahnfüllungen führt zu Problemen an der Schleimhaut des Mundes. Genauer gesagt,  handelt es sich um eine hypersensible Reaktion auf Quecksilber, zu dem Amalgam aus 50 % besteht. Andere Bestandteile sind Kupfer, Zink, Silber und Zinn – alle diese Metalle können ebenfalls Allergien auslösen.

Die Amalgam-Allergie entsteht, wenn Amalgam-Füllungen porös werden, der Zahnarzt sie einsetzt oder heraus nimmt, und so das Amalgam in den Organismus gerät. Der Speichel transportiert es in den Magen-Darm-Trakt und in den Blutkreislauf, es gelangt in die Leber und Nieren, in das Gehirn, das Gewebe und das Nervensystem.

Eine Amalgam-Allergie zeigt sich als Zungenbrennen, als metallischer Geschmack im Mund und durch entzündetes Zahnfleisch. Weitere mögliche Reaktionen sind Stress und Flecken auf der Haut.

Allergietest

Der Pricktest zeigt, gegen welchen Stoff eine Allergie vorliegt. Der Proband lässt dabei verschiedene Substanzen auf seinen Haut tropfen und mit einer Lanzette anstechen. Zwanzig Minuten später sieht der Arzt, ob sich die Haut rötet oder Quaddeln bildet.

Beim Epikutantest bekommt der Betroffene ein Pflaster mit dem jeweiligen Stoff auf den Rücken geklebt.

Wenn sich, bei Amalgam, innerhalb von drei Tagen ein Ekzem unter dem Pflaster bildet, liegt eine Amalgam-Allergie vor.

Blut- und Urintests, die den Quecksilbergehalt im Körper messen, belegen zwar keine Amalgam-Allergie, dafür aber eine mögliche Quecksilbervergiftung. Diese Tests sind aber etwas unsicher, weil Quecksilber sich insbesondere im Gewebe sammelt. Auch ist nicht klar, ob das angelagerte Quecksilber von Zahnfüllungen aus Amalgam kommt. Viele Krankenkassen erkennen Amalgamvergiftung nicht als Krankheit an, zahlen aber bei einer Amalgam-Allergie.

Wer an einer Amalgam-Allergie leidet, also in der Regel an einer Quecksilber-Allergie, sollte Nahrung meiden, die mit Quecksilber belastet ist, also insbesondere Fisch, der an der Spitze der Nahrungskette steht wie Schwert- und Thunfisch.

Behandlung

Liegt eine Allergie vor, ist die logische Konsequenz, die Amalgam-Füllungen zu entfernen und durch andere Materialien zu ersetzen, zum Beispiel durch Keramik. Die neuen Zahnfüllungen sollte der Arzt aber zuvor prüfen, ob sie ebenfalls allergische Reaktionen auslösen.

Die Kunst des Zahnarztes ist gefragt, denn das Entfernen der Füllungen kann Amalgam freisetzen und den Allergiker so zusätzlich schaden.

Quecksilbervergiftung

Quecksilber reichert sich auch bei normaler Ernährung in geringen Mengen im Körper an. Wenn die Menge an Quecksilber jedoch zu groß wird, führt das zu einer Quecksilbervergiftung.

Das Metall bindet sich an Enzyme, Nervenzellen, Neurotransmitter und Membranen. Die Moleküle verändern ihre Strukturen und funktionieren deshalb nicht mehr. Das Quecksilber lagert sich besonders ab in der Leber, den Nieren, dem Bindegewebe, Nervensystem und dem Gehirn.

Eine Quecksilbervergiftung beeinträchtigt den Hirnstoffwechsel, den Formaldehydabbau, den Fettstoffwechsel, den Vitaminhaushalt, den Eiweiß- und den Kohlenhydrathaushalt.

Bei vorhandenen Amalgamfüllungen besteht die Gefahr, dass sich Quecksilber aus den Füllungen löst und verschluckt oder eingeatmet wird. Außerdem kann das Quecksilber über die Mundschleimhaut aufgenommen werden oder über die Geruchsnerven in das Gehirn gelangen.

Amalgam entfernen

Der Patient nimmt Medizinalkohlepulver zu sich, um die Schleimhäute und den Magen-Darm-Trakt zu schützen, dann wird der Mundraum mit Gummi „versiegelt“, damit kein Amalgam in den Organismus gelangt. Das Amalgam wird mit einer randständigen Schnittführung aus den Zähnen entfernt. Nach dem Entfernen verwendet der Arzt Natriumthiosulfat, um restliches Amalgam zu binden und zu neutralisieren.

Entfernen der Füllungen. Bild: Alexander Ruiz - fotolia
Entfernen der Füllungen. (Bild: Alexander Ruiz/fotolia.com)

Die Zähne werden dann mit einem für den Patienten verträglichen Stoff gefüllt, wobei in der Regel mehrere Monate eine provisorische Füllung eingesetzt wird.

Amalgam-Alternativen

Als Alternativen zu einer Amalgamfüllung können Keramik, Kunststoff oder Kunststoff-Keramik-Mischungen (Komposit) verwendet werden. Hier ein kurzer Überblick über die Vor- und Nachteile:

  • Kunststoff: Einfache Kunststoff-Füllungen sind günstig und einfach zu verarbeiten. Sie nutzen sich jedoch schnell ab und können sich verfärben. Außerdem schließen die Füllungen nicht 100 prozentig dicht ab, wodurch Karies am Rand der Füllung entstehen kann. Auch die Haltbarkeit ist mit drei bis fünf Jahren eher gering.
  • Komposite: Bei dieser Füllung werden rund 80 Prozent Keramik mit circa 20 Prozent Kunststoff vermischt. Dadurch erhöht sich die Haltbarkeit auf über acht Jahre und das Aussehen ist deutlich natürlicher.
  • Keramik: Aus kosmetischen Gesichtspunkten kommt diese Füllung einem natürlichen Zahn am nächsten. Auch die Haltbarkeit ist mit 15 Jahren und länger beachtlich. Allerdings sind Keramikfüllungen nicht in der grundlegenden Kassenleistung einbegriffen und müssen selbst bezahlt werden. Dabei können Kosten von 400 bis 1000 € pro Füllung entstehen.

Wer sollte besonders aufpassen?

  • Kinder mit Milchzähnen, da der wachsende Körper sensibel auf Schwermetalle reagiert.
  • Schwangere und Stillende sollten sich keine Amalgamfüllungen einsetzen lassen.
  • Retrograde Wurzelfüllungen dürfen nicht mit Amalgam durchgeführt werden.
  • Trepanierte und gegossene Kronen dürfen nicht mit Amalgam geschlossen werden.
  • Wer an Nierenproblemen leidet, sollte kein Amalgam verwenden.

(Dr. Utz Anhalt)

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Broschüre Amalgame in der zahnärztlichen Therapie, Stand: Januar 2005, agz-rnk.de
  • Deutscher Bundestag: Mögliche gesundheitliche Folgen für Frauen und Kinder beim Einsatz von Amalgam in der Zahnmedizin, 2016, bundestag.de
  • Deutsches Krebsforschungszentrum: Amalgam als Krebsrisiko (Abruf: 22.08.2019), krebsinformationsdienst.de
  • Europäische Kommission, Health and Consumer Protection: Zahnfüllungsmaterialien Amalgame & Alternativen (Abruf: 22.08.2019), ec.europa.eu

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.