Chronische Nierenbeckenentzündung

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ICD-Codes für diese Krankheit: N11 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Pyelonephritis: Chronischer Verlauf

Die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist eine Infektion des Nierenbeckens (Pyelitis) und des Nierengewebes (Nephristis). Dabei handelt es sich um eine bakterielle Entzündung, die durch Harnabflussstörungen Nierensteine begünstigt wird. Bei der chronischen Nierenbeckenentzündung sind Bakterien nur der Auslöser, da sie ohne Bakterien unterhalten wird. Ihre Ursache ist häufig in einem nicht kurierten Harnwegsinfekt zu suchen. Es können eine oder beide Nieren betroffen sein. Aufgrund anatomischer Merkmale sind Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer.

Anmerkung: Dieser Artikel befasst sich insbesondere mit dem chronischen Verlauf der Erkrankung. Alle Informationen zur akuten Form finden Sie in dem Artikel: Nierenbeckenentzündung – Symptome, Ursachen und Therapie.


Chronische Nierenbeckenentzündung: Ursache

Die chronische Nierenbeckenentzündung entsteht in der Regel durch eine vorangegangene, nicht ausgeheilte, akute Nierenbeckenentzündung. Erkennbar ist sie an immer wiederkehrenden Schüben des akuten Zustands. Begünstigt wird die Entstehung einer chronischen Nierenbeckenentzündung durch

  • ein geschwächtes Immunsystem,
  • Diabetes,
  • Behinderungen des Harnabflusses,
  • Schwangerschaft,
  • Nierensteine,
  • Tumoren im Bereich der Harnwege,
  • angeborenen Fehlbildungen der Harnwege,
  • vesikorenalen Reflux (Urin fließt ins Nierenbecken zurück).
  • Nierenbeckenentzündungen können leicht in ein chronisches Beschwerdebild übergehen und die Nieren dabei erheblich in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. (Bild: Alila Medical Media/fotolia.com)

    Chronische Nierenbeckenentzündung: Symptome

    Im akuten Zustand klagen Betroffene über starke Flankenschmerzen, die bis in die Leiste ziehen können. In der Regel wird der Schmerz verstärkt, wenn man mit den Fingern auf die betroffene Niere klopft. Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen sind typische Begleiterscheinungen einer akuten Nierenbeckenentzündung. Die Beschwerden können sehr stark ausgeprägt sein. Zusätzlich haben Betroffene Beschwerden beim Wasserlassen, die als Brennen oder Ziehen beschrieben werden. Häufig ist Blut im Urin, der milchig bis rötlich getrübt sein kann.

    Darüber hinaus können bei der chronischen Nierenbeckenentzündung diffuse Symptome auftreten, wie beispielsweise

    Diagnose

    Schulmediziner berichten über Schwierigkeiten bei der Diagnosefindung, da spezifische Symptome bei der chronischen Nierenbeckenentzündung häufig fehlen. Neben dem Nachweis von Bakterien und weißen Blutkörperchen im Urin geben Bluthochdruck, erhöhte Entzündungswerte im Blut, Blutarmut sowie eine beginnende Nierenschwäche Hinweise auf eine chronische Nierenbeckenentzündung. In der konservativen Diagnostik werden in der Regel Röntgenaufnahmen, Ultraschall und Urographien eingesetzt, um Vorerkrankungen, die der Auslöser für eine chronische Nierenbeckenentzündung sein können, auszuschließen. Ein Nierenfunktionstest beim Urologen gibt Aufschluss über eine mögliche Einschränkung der Nierentätigkeit.

    Folgen einer chronischen Nierenbeckenentzündung

    Eine chronische Nierenbeckenentzündung kann gravierende Folgen haben, zu denen in der Endphase der Erkrankung Nierenschwäche bis hin zum Nierenversagen gehören. Es ist deshalb wichtig, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln, damit die chronische Nierenbeckenentzündung vollständig ausheilen kann.

    Behandlung

    In der Schulmedizin werden in der Akutphase der Erkrankung Antibiotika eingesetzt. Es werden auch Langzeittherapien mit Antibiotika verordnet, um chronische, immer wiederkehrende Infektionen auszuheilen. Dem Betroffenen wird geraten, viel Flüssigkeit zu sich nehmen, um die Keime auszuspülen. Im akuten Stadium ist dringend Bettruhe mit viel Wärme einzuhalten. Auch wenn eine Beschwerdefreiheit eingetreten ist, sollte die antibiotische Therapie fortgesetzt und körperliche Anstrengungen vermieden werden.

    Nierenbeckenentzündung: Hausmittel und Naturheilkunde

    Unterstützend können Naturheilverfahren angewendet werden. In der Naturheilpraxis wird beispielsweise die Verwendung von Heilpflanzen empfohlen, die zum einen desinfizierend wirken und zum anderen die Immunabwehr stärken. Die Blätter der Beerentraube, die etwas milderen Preiselbeerblätter sowie Zubereitungen aus Meerrettich (Kren) gelten als harndesinfizierend beziehungsweise bakterienhemmend. Weiterhin raten Experten für Naturheilverfahren zu Echinacea (Sonnenhut), die zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt werden kann. (ag)

    Autor:
    Dipl. Geogr Astrid Goldmayer
    Quellen:
    • Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU): S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten, Stand: April 2017, Leitlinien-Detailansicht
    • Universitätsklinikum Heidelberg: Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) (Abruf: 04.09.2019), klinikum.uni-heidelberg.de
    • Johannes Mann: Nierenkranke, Thieme Verlag 2008
    • Herold, Gerd: Innere Medizin 2019, Selbstverlag, 2018
    • Mayo Clinic: Kidney infection (Abruf: 04.09.2019), mayoclinic.org

    Wichtiger Hinweis:
    Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.