Darmpilz – Symptome, Ursachen, Behandlung und Naturheilkunde

Eine Anreicherung des Darmpilzes Candida albicans

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen
ICD-Codes für diese Krankheit: B37 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Candida albicans

Von Darmpilzen ist die Rede, wenn der Darm mit Hefepilzen befallen ist und zwar mit der Hefepilzart Candida albicans. Eigentlich hat jeder Mensch diesen Pilz im Darm, nur wenn er überhand nimmt, wird er pathologisch und verursacht die verschiedensten Symptome. Ein Übermaß an Darmpilzen hat eine Auswirkung auf den ganzen Organismus. Dies begünstigt einen Mangel an Vitaminen, Enzymen und Antikörpern, was wiederum das Entstehen von Zivilisationskrankheiten begünstigt.


Wie gelangen Darmpilze in den Körper?

Pilze gelangen durch kontaminierte Nahrung oder über die Atemluft in den menschlichen Organismus. Pilze haften an Gegenständen, kommen in der Erde und im Wasser vor. Auf diese Art und Weise gelangen sie in den Darm. In der Regel hat der Mensch kein Problem damit. Ist das Immunsystem in Ordnung und sind im Darm genügend „gesunde“ Darmbakterien vorhanden, so reicht dies meist aus, um die eindringenden Pilze abzuwehren. Ist jedoch die Darmflora bereits geschädigt, können sich die Darmpilze niederlassen, sich vermehren und eventuell auch Schaden anrichten. Sie finden im Darm ein wunderbares Milieu vor, um sich weiter auszubreiten. Ist dann noch die Ernährung recht zuckerhaltig, vermehren sich die Darmpilze mitunter extrem schnell.

Eine gesunde Darmflora

Eine gesunde, intakte Darmflora ist eine gute Voraussetzung dafür, dass Pilze keine Chance haben, sich dort niederzulassen beziehungsweise Schaden anzurichten. Im Darm sind ein Vielfaches mehr Keime vorhanden, als sich Zellen im Körper befinden. Mehrere Hundert Keimarten tummeln sich dort. Der Mensch lebt mit ihnen in einer sogenannten Symbiose. Der größte Teil des menschlichen Immunsystems ist im Darm platziert. Basis bilden die physiologischen Darmbakterien, die den Menschen davor schützen, krank zu werden. Diese positiven Darmkeime besitzen noch weitere Aufgaben. So sorgen sie für eine optimale Verwertung der Nahrung, tragen dazu bei, dass der Cholesterinspiegel nicht zu hoch ist und sind an der Bildung von Vitamin B12 beteiligt.

Candida - 3d Render
Darmpilze können sich verstärkt ausbreiten, wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät. (Bild: fotoliaxrender/fotolia.com)

Gerade in der Naturheilkunde wird ein großes Augenmerk auf die Darmflora gerichtet. Bei ständig wiederkehrenden oder gar chronischen Infekten, Allergien oder auch erhöhten Leberwerten wird in Naturheilpraxen häufig eine Darmsanierung empfohlen.

Wann machen Darmpilze krank?

Darmpilze können sich dann im Darm breit machen, wenn dort das gesunde Milieu ins Wanken geraten ist. So werden zum Beispiel durch eine Antibiotikatherapie auch die „gesunden“ Bakterien im Darm zerstört. Dies kann für ein Ungleichgewicht zwischen physiologischen und pathologischen Darmkeimen sorgen. Die „guten“ Keime sind in zu geringer Anzahl vorhanden und werden von den krankmachenden verdrängt. Ist zusätzlich die Nahrung stark weißmehl- und eventuell noch zuckerlastig, vermehren sich die Pilze sehr schnell. Sie verstoffwechseln Kohlenhydrate, wobei durch diesen Prozess sowohl Fuselalkohole als auch Kohlendioxid entstehen. Dies hat meist Blähungen, Völlegefühl und auch Bauchschmerzen zur Folge.

Die Pilze können sich nur vermehren, wenn sie nicht genügend Gegenspieler vorfinden. Sind diese in zu geringer Anzahl vorhanden, haben die Pilze freie Fahrt. Personen, die ein geschwächtes Immunsystem haben oder durch eine schwere Erkrankung ausgezehrt sind, nehmen den Candida Pilz wesentlich leichter auf, als gesunde Menschen. Ebenso sind Diabetiker und Personen, die Kortison, Antibiotika oder die Anti-Babypille einnehmen eher gefährdet, sich mit den Darmpilzen zu infizieren. Aber – wie bereits erwähnt – kann auch eine ungesunde Ernährung, die reich an Zucker und Weißmehlprodukten ist, gesunde Darmmilieu zum Erliegen bringen.

Darmpilz: Symptome

Die Liste der Symptome, die auf Darmpilze hinweisen können, ist ziemlich umfangreich. Zudem sind dies oftmals Beschwerden, die ebenso zusammen mit anderen unterschiedlichsten Krankheiten vorkommen. Dazu gehören:

Pilze im Darm gelten darüber hinaus als mögliche Ursache für verschiedenste Erkrankungen. Dazu gehören Allergien, Neurodermitis, eine Scheidenpilzinfektion und ein Reizdarm. Häufige Infekte in dem Hals-Nasen-Ohrenbereich, der Blase und der Prostata sind ebenso aufgrund von Darmpilzen möglich. Leberwerterhöhungen sind eventuell ein Hinweis auf diese unliebsamen Keime im Darm.

Diagnose

Die Diagnose findet meist im Rahmen einer Stuhluntersuchung statt. Dazu wird die Stuhlprobe in ein spezialisiertes Labor geschickt und dort ausgewertet. Der Befund, der circa ein bis zwei Wochen dauert, wird dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker zugesandt. Je nach Labor sind diesem Ernährungsempfehlungen und Behandlungsvorschläge beigelegt.

Die medikamentöse Behandlung umfasst ein Antimykotikum zusammen mit einer speziellen Anti-Pilz-Diät. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit,welche vor allem im Rahmen einer naturheilkundlichen Therapie häufig genutzt wird, ist die Darmsanierung. Beide Therapien erfordern jedoch etwas Geduld. Die Eindringlinge lassen sich häufig nicht so schnell, wie gewünscht, beseitigen.

Eine Anreicherung des Darmpilzes Candida albicans
Eine übermäßige Anreicherung des Pilzes Candida albicans kann die Ursache von Magen-Darm-Beschwerden sein. (Bild: Tatiana Shepeleva/fotolia.com)

Darmsanierung

Eine Darmsanierung oder auch Symbioselenkung genannt, dient dazu, die Darmpilze immer mehr zu eliminieren beziehungsweise die „guten“ Darmbakterien zu vermehren und dadurch die „schlechten“ zu verdrängen. Eine Darmsanierung wird meist von den naturheilkundlich versierten Therapeuten verordnet. Diese Therapie beginnt zum Beispiel mit einer Reinigung des Darmes. Die Betroffenen erhalten ein Präparat zur oralen Einnahme, das sie über einen bestimmten Zeitraum hinweg zu sich nehmen sollen. Nach zwei bis drei Wochen beginnt dann der Wiederaufbau der Darmflora, in dem hochdosierte probiotische Bakterien verordnet werden. Häufig sind diese „gesunden“ Bakterien kombiniert mit sogenannten Praebiotika. Diese dienen den „guten“ Bakterien als Nahrung. Ein Beispiel dafür wäre Inulin. Dies ist ein nicht verdaubares Kohlenhydrat, das zum Beispiel im Chicorée vorkommt.

Die dargestellte Art der Darmsanierung ist nur ein Beispiel. Je nach Ausgangslage, Vorerkrankung und Ausmaß des Darmpilzbefalls, werden die unterschiedlichsten Maßnahmen zur Darmsanierung angewandt. Wichtig ist dabei auf jeden Fall eine gesunde Ernährung. Diese sollte unbedingt basisch sein. Weißmehlprodukte, Zucker, Alkohol aber auch große Mengen an Obst sind in dieser Zeit zu meiden. Ein großes Augenmerk ist auch auf eine genügende Trinkmenge in Form von stillem Wasser zu richten. Bitterstoffe unterstützen die Leber, die häufig durch die Darmpilze geschwächt ist, Flohsamen entschlacken den Darm und Heilerde bindet Gifte und scheidet diese aus.

Behandlung mit einem Antimykotikum

Häufig werden Darmpilze mit einem Antimykotikum behandelt. Meist wird hierfür Nystatin verwendet. Dies ist ein sogenanntes Actinobakterium, das zu der Gattung der Streptomyceten gehört. Der Wirkstoff haftet sich an die Zellwand der Pilzzellen, wodurch diese durchlässiger werden, das heißt, Poren bekommen. Dies wiederum führt dazu, dass der Stoffwechsel der Pilze zerstört wird, die Pilze nicht mehr wachsen können und absterben. Nebenwirkungen, die unter der Nystatintherapie vorkommen, sind Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Zeitgleich mit der Gabe dieses Antimykotikums sollten die Betroffenen sich basisch ernähren und vor allem Süßes und Weißmehlprodukte reduzieren sowie Alkohol meiden. Nystatin kommt gegebenenfalls auch zur Prophylaxe zum Einsatz, vor allem bei Personen, die zu Pilzen neigen, wie zum Beispiel während einer Chemotherapie oder bei AIDS.

Candida Diät

Damit Pilze im Darm erst gar nicht erst zu wuchern beginnen, aber auch nach einer Darmpilzbehandlung, ist eine gesunder Ernährung das A und O. Dazu gehören mindestens zweimal am Tag frisches Obst (in begrenzten Mengen) und Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kräuter und zweimal pro Woche Fisch, ebenso Fleisch von der mageren Sorte. Milchprodukte, die lebende Kulturen enthalten, sollten ebenfalls regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Empfehlenswert sind dazu antimykotische Gewürz- und Heilpflanzen wie zum Beispiel:

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Für die Behandlung der übermäßig besiedelten Pilze existieren in der Naturheilkunde noch weitere Möglichkeiten. Als erstes ist hier die Therapie mit Caprylsäure zu nennen die vor allem im Rahmen einer orthomolekularen Behandlung eingesetzt wird. Pilze fühlen sich von der Säure sehr angezogen, sterben dabei aber ab. Caprylsäure, die in Kapselform erhältlich ist, kann anfangs zu einer Erstverschlimmerung führen, die durch das Freiwerden der Pilztoxine entsteht. Meist wird noch zusätzlich ein Präparat verordnet, das hochdosierte Bifidobakterien enthält, um die Darmflora mit guten Keimen zu fördern. Ein Verzicht auf Weißmehlprodukte und Zucker ist hier ebenso unerlässlich, zumindest sollte versucht werden, beides so gut wie möglich zu meiden.

Die Kapuzinerkresse wirkt antifungizid. Dies kann durch die Einnahme von Meerrettich noch unterstützt werden. So sind Mittel auf dem Markt, die beides zusammen enthalten. Auch der Verzehr von Kapuzinerkresse und Meerrettich ist zu empfehlen, um sich vor dem Übergriff von Darmpilzen zu schützen.

In der Naturheilkunde kommen als weitere Mittel Grapefruitkernextrakt, Myrrhe und Bärlauch zum Einsatz. Häufig werden physiologische Darmbakterien verordnet, um die Pilze zu beseitigen.

Aus der Traditionell Chinesischen Medizin stammt de Mykotherapie, das heißt, die Behandlung mit Heilpilzen. Bei Darmpilzbefall steht hier an erster Stelle der Vitalpilz Coriolus, der meist zusammen mit Reishi und Shitake verordnet wird. Vitalpilze kommen in verschiedensten spezialisierten Anwendungsbereichen zum Einsatz und haben allgemein eine positive Auswirkung auf das Immunsystem, was natürlich bei der Behandlung eine große Rolle spielt. Tatsache bleibt jedoch, dass bei jeder, hier erwähnten Art von Therapie, zeitgleich eine Ernährungsumstellung unumgänglich ist. (sw)


Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Petra Bacher, Thordis Hohnstein, Eva Beerbaum, u.a.: Human Anti-fungal Th17 Immunity and Pathology Rely on Cross-Reactivity against Candida albicans, Cell, 2019, cell.com
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Candidiasis (Abruf: 04.09.2019), cdc.gov
  • Harvard Health Publishing: Candidiasis (Abruf: 04.09.2019), health.harvard.edu
  • National Organization for Rare Disorders (NORD): Candidiasis (Abruf: 04.09.2019), rarediseases.org
  • Jürgen Schulze, Ulrich Sonnenborn: Pilze im Darm – von kommensalen Untermietern zu Infektionserregern, Dtsch Arztebl Int 2009, aerzteblatt.de
  • Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft (DMYKG), Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG): S1 Leitlinie Diagnose und Therapie von Candida Infektionen, Stand: Juni 2016, awmf.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.