Juckende Scheide – Behandlung und Ursachen

Frau hält sich die Hände in den Schritt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Was tun bei Scheidenjucken?

Viele Frauen leiden zeitweise oder wiederkehrend an unangenehmem Jucken der Scheide bzw. juckende Scheide. Dahinter verbirgt sich oftmals eine Entzündung der Scheidenschleimhaut, die durch Pilze, Bakterien, Viren oder Einzeller verursacht sein kann. Meist ist das Scheidenjucken von weiteren Symptomen begleitet, die Hinweise auf die Ursache des Juckreizes geben können. Sind übertragbare Geschlechtskrankheiten von der Gynäkologin ausgeschlossen, können Heilmittel aus der Naturheilkunde Abhilfe schaffen und Rückfällen vorbeugen.

Viele Frauen kennen das Beschwerdebild und meist besteht kein Grund zu besonderer Besorgnis, auch wenn das Scheidenjucken keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Im Zweifelsfall ist eine fachärztliche Untersuchung dringend angeraten. Zunächst die wichtigsten Fakten kurz vorab.

  • Ursachen: Ursache des Juckens sind meist Infektionen mit Viren, Pilzen, Bakterien oder Einzellern, die eine Entzündung der Scheide verursachen. Oftmals sind sie leicht übertragbar und nicht selten drohen weitere Beschwerden. Zu den eher harmlosen Ursachen des Scheidenjuckens zählen zum Beispiel Reizungen durch falsche Intimhygiene oder die Unterwäsche.
  • Arztbesuch erforderlich: Grundsätzlich sollte das Scheidenjucken ärztlich abgeklärt werden, wenn keine offensichtlich harmlose Ursache wie beispielsweise mechanische Reizungen durch die Unterwäsche vorliegen.
  • Behandlung: Die Infektionskrankheiten müssen entsprechend ihren Ursachen behandelt werden, wobei gegen die meisten Erreger erffektive Arzneien verfügbar sind und in der Regel eine vollständige Heilung erreicht werden kann. Das Auftreten multiresistenter Bakterien kann jedoch auch hier zu Schwierigkeiten bei der Behandlung führen.
  • Naturheilkunde bei Scheidenjucken: pflanzliche Salbe aus Gelbwurz, Ringelblumen oder Vogelmieren können bei der Behandlung zur Linderung des Juckreiz eingesetzt werden und insbesondere zur Prävention und zur Stärkung der Scheidenflora bietet die Naturheilkunde ein breites Spektrum weiterer Maßnahmen an.
Eine juckende Scheide kann auf sehr unterschiedliche Ursachen zurückgehen und sollte im Zweifelsfall immer ärztlich abgeklärt werden. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Symptome

Das Jucken besteht in der Regel im Bereich der äußeren Scheide, also im Scheideneingang und den Schamlippen. Neben dem Juckreiz können Brennen, Schmerzen und Beschwerden beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr bestehen. Als Hautveränderungen können sich Rötung, Flecken und nässende Stellen zeigen, aber auch Schwellungen, Bläschen und Knötchen. Dazu besteht häufig vermehrter Ausfluss aus der Scheide, der durch veränderte Farbe und Geruch auffallen kann.

Juckreiz bei Scheidenentzündung

Entzündungen der Scheide können durch Viren, Pilze, Bakterien und Einzeller verursacht sein. Stehen neben dem Juckreiz Schmerzen im Vordergrund und bilden sich sichtbare kleine Bläschen, kann eine Infektion mit Herpes-Viren vorliegen (Genitalherpes).

Mit einer Pilzinfektion, meist durch den Hefepilz Candida albicans verursacht, gehen Jucken, Brennen sowie vermehrter Ausfluss einher, der zum Teil säuerlich beziehungsweise hefeartig riecht. Ebenfalls mit Jucken, Brennen und Ausfluss (Flour) – häufig auch mit Beteiligung der Harnorgane (Blasenentzündung, Harnleiterentzündung) – verlaufen Infektionen mit Trichomonaden oder Chlamydien, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können.

Entstehung durch gestörte Scheidenflora

Die Scheide einer gesunden Frau ist von einer Vielzahl von Bakterien, insbesondere Milchsäurebakterien, besiedelt, die durch Aufrechterhalten des natürlich sauren Milieus das Eindringen bzw. Vermehren von unerwünschten Keimen verhindert. In Balance bleiben Säurebarriere und ein geregelter Feuchtigkeitshaushalt vor allem durch das Einwirken körpereigener Sexualhormone. Wird dieses empfindliche Gleichgewicht gestört, sind verschiedenen Keimen Tür und Tor geöffnet, sich ungehemmt zu verbreiten.

Ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch Allgemeinerkrankungen, Stress, psychische bzw. körperliche Überlastung oder Schlafmangel bildet die Grundlage für eine Störung der Normalflora, die durch weitere Faktoren verstärkt werden kann. Dazu gehören Phasen hormoneller Umstellungen in Schwangerschaft und den Wechseljahren, die Einnahme von Antibiotika, Zytostatika, Cortison und Kontrazeptiva (die „Pille“), Unterwäsche aus wenig atmungsaktiven Kunstfasern sowie übertrieben häufige Genitalhygiene mit parfümierten Seifen. Weiterhin gibt es einige Grunderkrankungen, die das Immunsystem schwächen, etwa AIDS, Diabetes mellitus, Allergien, Ekzeme oder Erkrankungen von Leber und Nieren. Schließlich kommen als Ursache auch Krebs bzw. eine Krebsvorstufe in Frage, was jedoch vergleichsweise selten der Fall ist.

Diagnose und Therapiemöglichkeiten

Bei unklaren Beschwerden, die länger anhalten, ist eine fachärztliche Untersuchung ratsam, um das Aufsteigen möglicher Infektionen und Komplikationen zu vermeiden. Mit dem Kolposkop wird dabei die Scheide inspiziert, mithilfe von Farbtest und Abstrich können vorhandene Keime identifiziert werden. Die konventionelle Therapie erfolgt dann medikamentös nach der Ursache, beispielsweise mit Antibiotika und Antimykotika (Anti-Pilzmedikament). Pilzerkrankungen hier ein besonders weit verbreiter Auslöser. So wurde in einer Studie unter schwedischen Frauen wurde gezeigt, dass ca. Prozent der weiblichen Bevölkerung an einer Pilzerkrankung leiden.

Vertreter der Naturheilkunde setzten auf eine allgemeine Stärkung des Immunsystems und dem Aufbau einer gesunden Vaginalflora. Bei Pilzinfektion gehören dazu immer auch eine Untersuchung auf Darmpilze und eine spezielle Diät. Das Jucken der Scheide kann durch Gelbwurz- oder Hamamelistinktur, Ringelblumenlotion oder Vogelmierensalbe gelindert werden, die äußerlich anzuwenden sind.

Der physiologische ph-Wert kann durch Spülungen mit einer 25-prozentigen Essiglösung wiederhergestellt werden, die ebenfalls dem Juckreiz entgegen wirkt. Zusätzliche Milchsäurebakterien, die kurmäßig bzw. nach Antibiose angewendet werden, sind in Form von kauffertigen Zäpfchen und Cremes in der Apotheke erhältlich. Alternativ kann aus Leinentuch ein Tampon hergestellt und – mit Naturjoghurt bestrichen – in die Scheide eingeführt werden. Zur Keimverminderung soll auch eine Knoblauchzehe in der Scheide helfen, die gut an einer Schnur befestigt wird (z.B. mit Zahnseide).

Um die Vaginalflora möglichst stabil zu halten, sollte unbedingt auf Slipeinlagen, parfümierte Seifen und chemische Scheidenspülungen verzichtet werden. Viele Mikroben lieben feuchtes, sauerstoffarmes Milieu. Vorbeugend sollte deshalb Unterwäsche aus atmungsaktiven, sauerstoffdurchlässigen Materialien bevorzugt werden, damit das Scheidenjucken gar nicht erst entsteht. (jvs,fp)

Autor:
Jeanette Viñals Stein
Quellen:
  • Volkan Özenci, Lena Klingspor, Måns Ullberg, Erja Chryssanthou, David W. Denning, Nahid Kondori: Estimated burden of fungal infections in Sweden, Mycoses (veröffentlicht 03 August 2019), Wiley Online Library
  • Goje, O. , Munoz, JL.: Vulvovaginitis: Find the cause to treat it: Cleveland Clinic Journal of Medicine März 2017;84(3):215-224, mdedge.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.