Kürbiskerne – Wirkung und Anwendung

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Kürbiskerne hilfreich bei Prostatavergrößerung

Kürbiskerne sind im Orient das, was Chips hierzulande sind – ein Knabbersnack. In Deutschland verfeinert ihr nussiger Geschmack Brötchen, in Österreich wird aus ihnen Steirisches Kürbiskernöl produziert. Dennoch schmeißen die meisten Menschen sie weg, wenn sie ihre Kürbissuppe zubereiten. Damit landet eine Nährstoffbombe im Müll.


Eine Übersicht

  • Kürbiskerne sind ebenso Nahrung wie Heilmittel.
  • Die Samen des Kürbis enthalten Vitamin A, B und E, mehrfach ungesättigte Fette, dazu Mineralstoffe und Spurenelemente wie Selen.
  • Das Vitamin E in den Samen regeneriert die Haut.
  • Vermutlich wirken sich Kürbiskerne positiv auf das Haarwachstum aus und können bei Prostataerkrankungen helfen.
  • Kürbiskerne können pur, geröstet, aber auch konzentriert als Öl konsumiert werden.
Oft landen sie in der Biotonne – dabei sind Kürbiskerne voller Vitamine und Mineralstoffe. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)

Kürbiskerne – Inhaltsstoffe und Energie

Kürbiskerne enthalten B-Vitamine in rauen Mengen, dazu viel Vitamin E. Hinzu kommen Proteine, Mineralstoffe, Spurenelemente, ungesättigte Fette und Ballaststoffe. Der Kaloriengehalt ist mit 560 pro 100 Gramm heftig, zum Abnehmen sind sie daher nicht geeignet.

Gegen Haarausfall

Haarausfall bei Männern kann an einem Überschuss an Dihydrotestosteron (DHT) liegen. Dieses männliche Sexualhormon steuert die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale des Mannes und das Reifen der Spermien. Bei einem Hormonüberschuss sammelt sich das DHT an den Haarfollikeln der Kopfhaut und verkürzt die Zeit, in der die Haare wachsen. Mit der Zeit fallen die Haare aus.

DHT entsteht aus Testosteron und nur wenige Stoffe können diese Umwandlung eindämmen. Zwei davon sind in Kürbiskernen enthalten. Erstens handelt es sich um Delta-7-Sterin, dieses besetzt ebenfalls die Haarfolikel. Hat es die Bindungsstellen in Beschlag genommen, kann DHT den Rezeptor nicht mehr besetzen. Zweitens handelt es sich um Beta-Sitosterol, das die Bildung von DHT aus Testosteron verhindert.
Wer viel Kürbiskerne isst, verhindert also, dass zuviel DHT im Körper vorhanden ist. Einem Haarausfall könnte so folglich vorgebeugt werden. Wissenschaftliche Studien dazu stehen aber noch aus.

Für die Prostata

DHT spielt vermutlich auch eine Rolle bei einer gutartig vergrößerten Prostata (Benigne Prostatahypertrophie, BPH). Diese tritt vor allem bei älteren Männern auf. Ist die Prostata weit größer als normal, drückt sie auf den Blasenausgang und die Harnröhre und blockiert den Harnabfluss aus der Blase. Beim Wasserlassen haben diese Männer große Schmerzen und der Urin kommt nur tröpfchenweise. Kürbiskerne wirken demnach einer Vergrößerung der Prostata entgegen. Auch hier gilt allerdings: Valide Studien gibt es (noch) nicht.

Arthritis

Ein Medikament gegen Arthritis ist Indomethacin, das Entzündungen hemmt. Kürbiskerne enthalten ähnliche Komplexe, bei Kürbiskernöl sogar in konzentrierter Form.

Nierensteine

Nierensteine bestehen aus Mineralien, die der Körper nicht verwerten kann. Dazu gehört Kalzium. Ist dieses im Urin in zu hoher Konzentration enthalten, kristallisiert es aus und es entstehen die „Steine“. Als Harnsteine verstopfen sie dann die Harnleiter, verursachen immense Schmerzen und bremsen den Urinfluss.
Kürbiskerne haben einen hohen Magnesiumgehalt, der den Kalziumspiegel ausgleichen kann. Studien haben gezeigt, dass Kürbiskerne dazu beitragen, dass weniger Kalzium Oxalat Kristalle ausgebildet werden und somit können sie zum Teil Nierensteinen vorbeugen.

Die Kürbisernte im Herbst verspricht jede Menge gesunder Kürbiskerne. (Bild: magicbeam/fotolia.com)

Bessere Haut

Kürbiskerne enthalten Vitamin E, das am Aufbau von Keratin beteiligt ist, dazu Zink, das die Talgproduktion bremst und ungesättigte Fettsäuren – alles Stoffe, die die Haut regenerieren. Kürbiskernöl eignet sich nicht nur für Hautkosmetik, sondern auch als Mittel gegen viele Hautprobleme, zum Beispiel Hautentzündungen und Akne.

Kürbiskerne selbst rösten

Sie können geröstete Kürbiskerne in orientalischen Läden kaufen – im Iran, der Türkei oder Aserbaidschan steht immer eine Schale davon zum Knabbern auf den Tisch. Auch in Reformhäusern oder Bioläden gibt es sie, außerdem in vielen Supermärkten. Sie können sie aber auch einfach selbst herstellen, statt die „Innereien“ des Kürbis in die Biotonne zu werfen:

  • Zuerst befreien Sie die Kerne vom Fruchtfleisch, das an ihnen haftet.
  • Dann waschen Sie die letzten Fasern in einem Sieb ab und reinigen die Kerne am Ende mit einer Gemüsebürste. Am einfachsten geht das, wenn Sie die Kerne einige Stunden in Wasser einweichen.
  • Legen Sie die Kerne dann an einem warmen Ort auf einem Küchentuch circa einen Tag zum Trocknen aus.
  • Dann geben Sie circa zwei Teelöffel Olivenöl und die Gewürze Ihrer Wahl (zum Beispiel Pfeffer, Chili, Pulver aus gratinierten Zwiebeln, Zimt) zu den Kernen hinzu und mischen alles in einer Schale kräftig durch.
  • In eine Pfanne geben Sie so viel Olivenöl, dass der Boden gut bedeckt ist, fügen einen Esslöffel Salz hinzu und legen die Kürbiskerne hinein.
  • Erhitzen Sie die Pfanne mit Deckel auf der heißen Herdplatte. Wenn die Schalen aufplatzen, nehmen Sie die Kerne heraus. Halten Sie die Kerne gut im Blick, denn sie brennen schnell an.

So zubereitete Kürbiskerne halten sich ohne Luftzufuhr mehrere Monate.

Alternativ können Sie die Kerne auch in einem mit Backpapier ausgelegten Backblech rösten, zehn Minuten bei 160 Grad Umluft, nach fünf Minuten wenden Sie sie einmal. Die Schale können Sie mitessen, sie schmeckt allerdings holzig. Im Orient hat man es zur Kunst entwickelt, die Schalen mit den Zähnen aufzuknacken und den Kern herauszuziehen.

Kürbiskernöl

Kürbiskernöl wird aus gerösteten Kernen hergestellt und ist sehr wertvoll, da es die Wirkstoffe der Kerne in hoher Konzentration enthält. Es ist ein ausgezeichnetes Öl für Salate, das in kalten oder warmen Speisen verwendet werden kann. Es eignet sich aber nicht zum Braten. Das Öl ist grün bis rotbraun. Es schmeckt nussig mit einer milden Würze und hat einen sehr intensiven Eigengeschmack.

Sowohl geröstete Kürbiskerne als auch Kürbiskernöl geben der herbstlichen Kürbissuppe den letzten Schliff. (Bild: Steidi/fotolia.com)

Kürbiskernöl als Heilmittel

Kürbiskernöl enthält das in den Samen vorhandene Selen und Vitamin E in hoher Konzentration. Es wirkt antioxidativ und bremst freie Radikale. Linolsäure und Phytosterine im Öl senken den Cholesterinspiegel im Blut. Da das Öl Entzündungen hemmt, wenden Ärzte es gegen rheumatoide Arthritis an. Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren erweitern die Blutgefäße und senken den Blutdruck, helfen somit gegen Herz- und Kreislaufschwäche.
In der Volksmedizin spielt Kürbiskernöl eine Rolle bei der Behandlung folgender Krankheiten:

Der hohe Anteil an Vitamin E, Vitamin A und Carotinoiden sorgt dafür, dass Kürbiskernöl für die Herstellung von Hautpflegeprodukten begehrt ist. Cremes mit Kürbiskern als Trägeröl helfen gegen trockene Haut und Falten, so bremsen sie die Alterungsprozesse der Haut.

Eine besondere Art des Kürbiskernöls ist das Steirische Öl aus der Steiermark. (Bild: plenz1/fotolia.com)

Der Steirische Ölkürbis

In der Steiermark gibt es eine spezielle Kürbissorte, den Steirischen Ölkürbis. Dieser hat keine holzige Samenschale, deshalb lässt sich aus ihm bestens das Öl herauspressen. Bis ins 18. Jahrhundert nutzten die Steirischen Bauern dickschalige Kürbisse, dann züchteten sie die dünne Schale gezielt heraus. Die Sorte ist heute in der Steiermark, dem Burgenland sowie Ungarn und Slowenien verbreitet. Die Kürbisse werden bis zu zehn Kilogramm schwer und brauchen sandigen Lehmböden sowie eine spezifische Wärme und Feuchtigkeit.

Im Herbst werden bis zu 1000 Kerne aus einem Kürbis herausgeholt, diese Arbeit heißt Kürbisputzen und erfolgt in der Regel auf dem Feld. Aus den halbierten Kürbis wird das innere Fruchtfleisch mit den Samen herausgerissen. Der Kürbis selbst wird nicht genutzt, Schale, Fleisch, Blätter und Triebe bleiben auf dem Feld und werden später mit dem Trecker untergepflügt – sie dienen als Dünger.

Die gewaschenen Samen trocknen bei 50 Grad, später werden sie gemahlen. Das Kürbiskernmehl rühren die Produzenten mit Salz und Wasser an und rösten es solange, bis das Wasser verdunstet ist. Dabei rühren sie ständig den Teig. Der fertige Brei wird gepresst, indem der Ölschläger mit einem Holzkeil auf den Teig schlägt. Frisch gepresst ruht das Öl einige Tage, bis sich die Schwebstoffe abgesetzt haben. In einer kühlen und dunklen Speisekammer hält es sich neun Monate oder mehr. Ein Liter Öl enthält die Kerne von 35 mittelgroßen Kürbissen. Deswegen ist es auch sehr teuer.

Kürbiskernöl kulinarisch

Kürbiskernöl hat einen ebenso milden wie außergewöhnlichen Geschmack. Es bereichert Suppen, Salate, Eierspeisen, Gerichte mit Rindfleisch oder Sülze. Eisdielen verwenden es als Geschmacksträger im Speiseeis. Experimentieren lohnt sich! (Dr. Utz Anhalt)

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Heeok, Hong et al.: "Effects of pumpkin seed oil and saw palmetto oil in Korean men with symptomatic benign prostatic hyperplasia", in: Nutrition Research and Practice, Winter 2009, NCBI
  • Damiano, Rocco et al.: "The role of Cucurbita pepo in the management of patients affected by lower urinary tract symptoms due to benign prostatic hyperplasia: A narrative review", in: Archivio Italiano di Urologiae Andrologia, 88, 2, 2016, NCBI
  • Vonarburg, Bruno : Homöotanik: Blütenreicher Sommer. Bd. 2, Karl F. Haug, 2005
  • Shaban, Ahmed; Sahu, Ravi P.: "Pumpkin Seed Oil: An Alternative Medicine", in: International Journal of Pharmacognosy and Phytochemical Research, 9(2), 2017, researchgate.net
  • Kraft, Karin; Adler, Martin: Lehrbuch Naturheilverfahren : 106 Tabellen, Hippokrates Verlag, 2010
  • Logemann, Enno; Wissler, Josef H.: "Diabetes mellitus, D-Chiro-Inositol und Kürbiskerne", in: Toxichem Krimtech, 85 (3), 2018, gtfch.org
  • Cho, Young Hye et al.: "Effect of Pumpkin Seed Oil on Hair Growth in Men with Androgenetic Alopecia: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial", in: Evidence Based Complementary and Alternative Medicine, 2014, NCBI
  • Zimmermann, Antje: Natürlich gesund bleiben. Die erfolgreichsten Naturtherapien im Überblick, Schlütersche, 2008

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.