Wildobst – Heilkraft vor der Haustür

Wildobst sind Gehölze und Sträucher, deren Früchte wir essen können. Darunter fallen auch die Urformen unserer Äpfel, Birnen oder Kirschen. Wildobst zu sammeln und anzupflanzen liegt im Trend – aus gutem Grund: Die wilden Früchte enthalten reichlich Vitamine, Mineralien und Vitalstoffe; sie schmecken meist intensiver als Zuchtsorten und manche haben einen hohen Wert als Zierpflanzen. Wildobstgehölze bieten beste Insektenweiden und sind erstklassige Nähr- und Nistpflanzen für bedrohte Vögel. Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • Wildobst sind die Wildformen unserer kultivierten Obstsorten ebenso wie Früchte, die nicht kultiviert wurden.
  • Die meisten Wildfrüchte sind im Herbst reif und lassen sich dann ernten.
  • Wildobst verfügt über viele Vitamine, Mineralien, Gerbsäuren und sonstige Vitalstoffe.
  • Wildobst lässt sich einfach anpflanzen, braucht kaum Pflege und bietet eine hervorragende Nahrungsquelle für bedrohte Insekten und Vögel.

Wildobst in der Naturheilkunde

Wildobststräucher- und gehölze spielen eine wichtige Rolle in der Naturheilkunde – nicht nur die Früchte, sondern auch die Rinde, die Blätter, Blüten und das Harz. Schlehe zum Beispiel enthält Eisen, Kalium, Natrium, Magnesium und Calcium sowie reichlich Vitamin C; Holunder wirkt gegen Muskelschmerzen und Wadenkrämpfe; Kornelkirsche bietet Schleim- wie Gerbstoffe, und die Hagebutten der Hundsrose lindern Blasen- wie Nierenleiden. Wildobst gehörte über Jahrtausende zur natürlichen Apotheke, und Extrakte aus Wildfrüchten finden sich heute in unzähligen Arzneien.

Wildobst spielt in der Naturheilkunde eine bedeutende Rolle. Kornelkirsche bietet z. B. Schleim- und Gerbstoffe. Wildobst gehörte über Jahrtausende zur natürlichen Apotheke. (Bild: Jürgen Nickel/fotolia.com)

Unter Wildobst fallen: Eberesche, Haselnuss, Holunder, Felsenbirne, Kornelkirsche, Traubenkirsche, Haferpflaume, Maibeere, Maulbeeren, Weißdorn, wilde Rosen, Schlehe, Sanddorn, Berberitze, Heckenkirsche, Mispel, wilde Birne, Holzapfel (wilder Apfel), im weiteren Sinne auch wilde Beeren wie Walderdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Blaubeeren. Zum Wildobst zählen übrigens auch Nüsse wie die Hasel- und Walnuss.

Viele Wildfrüchte können wir roh essen, zum Beispiel Felsenbirne, Speierling, Mehl- und Maulbeere, Apfelbeere, Mai-, Brom-, Him-, Blau-, Preisel-, Moos-, Rausch- oder Walderdbeere. Andere wie die Früchte der Eberesche, Kornelkirsche, Sanddorn, Holunder, Wildapfel und Wildbirne sind erst gekocht genießbar, und wir verarbeiten sie zu Marmelade, Saft oder Likör.

Heimisches Superfood

Superfoods“ aus den Anden, China oder Afrika sind in Mode. Viele wissen aber nicht, dass vor der Haustür mindestens genauso wertvolle Nahrung nur darauf wartet, geerntet zu werden. Sanddorn, Berberitze und Hagebutte übertreffen Zitrusfrüchte mit ihrem Vitamin C Gehalt bei weitem. Hinzu kommen Pektin, Flavonoide und Anthocyane, die gegen Infektionen wirken, das Blut reinigen und den Herzkreislauf beruhigen. Wildfrüchte schmecken außerdem sehr intensiv, bedingt durch Zucker, Fruchtsäuren, Mineral- wie Geschmacksstoffe.

Widlfrüchte – Eine Auswahl

Das Spektrum der Wildfrüchte ist extrem breit gefächert. Hier nur einige ausgewählte Beispiele.

Felsenbirne

Die gewöhnliche Felsenbirne ist ein dankbarer Pflegling für den Naturgarten und sogar den Balkon. Sie eignet sich gut für Hecken, da sie buschig wächst. Die dunklen Früchte schmecken süß, enthalten viele Vitamine und Gerbstoffe; sie lassen sich roh essen, aber auch zu Marmelade, Saft oder Wein verarbeiten.

Die dunklen Früchte der Felsenbirne schmecken süß, enthalten viele Vitamine und Gerbstoffe; sie lassen sich roh essen, aber auch zu Marmelade, Saft oder Wein verarbeiten. (Bild: Elisabeth/fotolia.com)

Die gemeine Berberitze

Der Name Sauerdorn zeigt bereits: Die Früchte von Berberis vulgaris schmecken sauer. Berberitzen tragen fingerlange Dornen, und in der Hecke bilden sie einen guten Schutz gegen unerwünschte Eindringlinge und eine „Festung“ für Vögel, um ihre Jungen aufzuziehen. Die Früchte sind im Oktober reif, sie schmecken leicht sauer und eignen sich für Säfte, aber auch als Zutat für Reisgerichte und Saucen. Sie stecken voller Vitamine.

Neben Vitamin C enthält Berberitze Kalium, Zitronen- und Apfelsäure. Die Fruchtsäuren reinigen den Magen; die Beeren treiben den Schweiß, lösen Schleim und bekämpfen Bakterien. Berberitze beugt Infektionen vor, hilft gegen Zahnschmerzen und verschleimte Atemwege und lindert Magenbeschwerden.
Die getrockneten Früchte sind im Winter Vitaminhappen, sie lassen sich aber auch gut in Tee aufkochen. Bei Zahnschmerzen können Sie die aufgeschnittenen Beeren auf die entzündete Stelle legen.

Kornelkirsche

Kornelkirsche gehört zu den Frühblühern, ist deshalb eine wichtige Insektenweide, liebt Sonne und Kalk im Boden. Die „Kirschen“ reifen im September und sind Grundlage für Marmeladen, Desserts und Alkoholika. Der Gehalt an Vitamin C ist dreimal so hoch wie der von Zitronen.

Hundsrose

Diese Wildrose kennen die meisten in Form von Hagebuttentee. Hundsrosen sind anspruchslos, haben keinerlei Probleme mit Frost. Die hellen Blüten zeigen sich bis Juni, im September bilden sich dann die orange-rötlichen Hagebutten. Wir schälen das Fruchtfleisch von den Samen, trocknen es und kochen Tee daraus. Hagebutten versorgten unsere Vorfahren im Winter mit Vitaminen. Sie enthalten Vitamin A, B1, B2, K und Vitamin C in rauen Mengen.

Die Hundsrose kennen die meisten eher in Form von Hagebuttentee. Die orange-rötlichen Früchte enthalten Vitamin A, B1, B2, K und Vitamin C in großen Mengen. (Bild: Andrea Wilhelm/fotolia.com)

Schwarzer Holunder

Holunder verfügt über den Farbstoff Sambucyanin, der Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt. Holunder braucht zwar Nährstoffe und verhältnismäßig viel Wasser, ist aber ansonsten anspruchslos und winterhart. Mehr noch: Einmal angepflanzt wuchert Holunder, und sie können jedes Jahr die Früchte und Blüten ernten, kochen und zu Saft, Wein oder Gelee verarbeiten.

Sanddorn

Der Sanddorn, auch Andorn oder Fasanenbeere genannt, glänzt mit Vitaminen, ätherischen Ölen, Gerbsäure und Flavonen, die in den Beeren stecken. Er braucht Sonne und sandigen Boden, hat keine Probleme mit Trockenheit und Frost – die Blüten vertragen bis zu minus 12 Grad Celsius.

Eberesche

Ebereschen, auch als Vogelbeeren bekannt, kennzeichnen ein zierlicher Stamm und eine locker ovale Krone. Die schlanke Gestalt und die in der Reife orangerot leuchtenden Früchte machen die Bäume zu einer Zierde im Garten. Sie eignen sich in kleineren Gärten als Solitärbäume, die weniger „erdrückend“ wirken als Eichen, Buchen oder Apfelbäume. In großen Gärten passen sie in hohe Wildhecken. Sie brauchen keinen Schnitt und wachsen leicht an, brauchen allerdings viel Feuchtigkeit in Luft und Boden.

Der Volksmund hielt die Früchte für giftig. Das sind sie nicht, sie schmecken nur ein wenig bitter durch die enthaltene Parasorbinsäure und lassen sich nicht roh genießen. Beim Kochen vergeht der bittere Geschmack jedoch. So munden sie in Marmelade, Gelee und Kompott und geben eine einzigartige Note in Wein, Likör und Saft. Vogelbeeren enthalten viel Vitamin C und Gerbstoffe. Sie dienen als Abführmittel, stärken den Herzkreislauf und beugen Erkältungen vor.

Weißdorn

Weißdorn ist kein kulinarischer Genuss, doch was den Beeren an Fruchtsäure mangelt, gleichen sie an Vitalstoffen aus. Sie stärken das Herz und regulieren Blutdruck wie Herzrhythmus. Die roten Früchte lassen sich trocknen und als Tee aufbrühen – ein altes Hausmittel gegen Schlaflosigkeit und Stress.

Die roten Früchte des Weißdorns stärken das Herz und regulieren Blutdruck wie Herzrhythmus. Sie lassen sich trocknen und als Tee aufbrühen – ein altes Hausmittel gegen Schlaflosigkeit und Stress. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Wilde Birne

Die Wildformen der Birne lassen sich im Unterschied zu den Zuchtbirnen nur überreif genießen. In Europa gibt es circa zehn Arten. Sie wachsen in Laubmischwäldern, in Hecken, an Südhängen und zwischen Trockengebüschen. Sie vertragen keinen Vollschatten und sind selten, da ihr bevorzugter Lebensraum – Eichentrockenwälder – immer weniger wird.

Wildbirne wächst langsam, wird aber bis zu 200 Jahre alt und erreicht bis zu 20 m Höhe. Wilde Birnen entwickeln sich strauchförmig oder baumartig, je nach Art und Konkurrenz durch „stärkere“ Bäume. Im Herbst bilden die Wildbirnen braungelbe Früchte aus, die nur sechs cm Größe erreichen. Die Äste sind mit Dornen bedeckt. Die Birnen können wir erst konsumieren, wenn sie ihre Reife überschritten haben, also teigig werden – in der Regel nach dem ersten Frost. Sie dienten vor allem als Trockenfrüchte oder als Backobst.

Wann ist Sammelzeit?

Die Zeit für Wildobst ist der Herbst. Am besten halten Sie schon im Frühling und Sommer Ausschau nach den typischen Blüten von Weißdorn, Schlehe oder Kornelkirsche, damit Sie wissen, wo Sie suchen müssen. Ab September finden Sie dann die orangeroten Hagebutten, roten Kornelkirschen, gelborangenen Sanddornbeeren oder braungelben Birnen als Solitäre auf Wiesen, in Wildhecken und auf Böschungen sowie bevorzugt am Waldrand.

Eine gute Idee: Nehmen Sie einen Korb mit, wenn Sie in der Natur wandern oder eine Fahrradtour machen. Sonst stehen Sie z. B. vor einer prächtigen Mirabelle plötzlich mit vollen Händen da und wissen nicht, wie Sie die Früchte verstauen sollen.

Beeren sammeln in der Natur

Am einfachsten zu sammeln sind wilde Beeren. Sie wachsen am Waldrand und im Stadtpark, an Lichtungen wie an Flussufern, auf still gelegtem Fabrikgelände wie am Bahndamm. Heidelbeere braucht einen sauren Boden und findet sich deshalb besonders in Moor, Heide, Birken- und Kiefernwäldern; wilde Brombeeren sind hingegen sehr dominant und überwuchern verlassene Gärten bald flächendeckend.

Für Kinder ist Beerensammeln ein kleines Abenteuer, das viele von ihnen leider nicht mehr kennen lernen: Es geht durch Gestrüpp und Dornen und die Kleinen lernen Drosseln, Stare, Mäuse, Igel und Insekten kennen, die ebenfalls die Beeren lieben. Beeren sammeln tut dem Körper gut, denn wir wandern, bücken und strecken uns, um die Leckerbissen zu bekommen.

Für Kinder ist Beerensammeln ein kleines Abenteuer, das viele von ihnen leider nicht mehr kennen lernen. Zum Transportieren nehmen Sie am besten einen luftigen Korb z. B. aus Holz. (Bild: jollier_/fotolia.com)

Beachten Sie folgendes: Beeren sammeln ist Outdoor-Trekking. Ziehen Sie also robuste Kleidung und Wanderschuhe an, die Dornen abhalten und dreckig werden dürfen. Die Dornen der Brombeersträucher schmerzen ebenso wie Brennnesseln. Tragen Sie lange Hosen und stecken diese in die Socken – wo Beeren wachsen, tummeln sich Zecken. Tragen Sie auch lange Shirts aus festem Material und nutzen Sie ein Insektenrepellent – wo Beeren sind, gedeihen auch Mücken und Schnaken. Je nach Wetterlage reiben Sie sich mit Sonnenschutz ein oder nehmen eine Regenjacke mit.

Handschuhe sollten Sie dabei haben. Sie können damit die dornigen Himbeer- oder Brombeertriebe beiseite schieben – die Beeren selbst pflücken Sie jedoch besser mit der Hand, um die Winzlinge nicht zu zerdrücken. Beim Sammeln von Walderdbeeren sind Handschuhe derweil kontraproduktiv.

Eine Gartenschere ist praktisch: Holunder- wie Sanddornfrüchte oder Johannisbeeren hängen in Grüppchen zusammen, und hier schneiden Sie die Fruchtstände am besten ab – nicht aber die Zweige. Für den Transport nehmen Sie einen luftigen Korb, am besten aus Holz geflochten. Plastiktüten eignen sich nicht, denn hier zermatschen die Beeren. Bei Walderdbeeren sind die Erntemengen meist gering – hier reicht auch eine offene Schale.

Wenn Sie in der Natur sammeln, nehmen Sie Rücksicht: Nehmen Sie nur so viel mit, wie Sie verbrauchen. Schneiden Sie keine größeren Zweige ab, zerstören Sie keine Pflanzen. Achten Sie darauf, dass Sie keine Vogelnester oder Tierverstecke beschädigen. Teilen Sie die Beeren mit den Tieren und den Sträuchern, die sich über diese Beeren vermehren. Sammeln Sie niemals innerhalb von Naturschutzgebieten.
Sammeln Sie nicht in der Nähe viel befahrener Straßen oder unmittelbar an konventionell bewirtschafteten Flächen – Autoabgase oder Pestizide können sich in den Beeren befinden. Wie bei Pilzen gilt: Sammeln Sie nur Beeren, von denen Sie wissen, dass sie ungiftig sind – keine Experimente.

Der Fuchsbandwurm

Denken Sie an den Fuchsbandwurm. Füchse lieben Beerensträucher, und über den Kot der Tiere können sich die Eier des Bandwurms an die Beeren haften. Wenn Menschen diese jetzt mit den Beeren zu sich nehmen, könnten sie sich theoretisch mit der bläschenartigen Echinokokkose infizieren, einer Erkrankung, die unter Umständen das Leben kostet. In der Praxis ist das Risiko für Menschen, sich auf diese Art anzustecken, allerdings sehr gering.

Sie können zudem folgende Sicherheitsmaßnahmen beachten: Wenn die Früchte es zulassen, pflücken Sie erst ab einer Höhe von circa 60 cm, zum Beispiel Brombeeren, Schlehen oder Weißdorn. Das liegt über der Schulter- bzw. Afterhöhe des Fuchses. Bei Heidelbeeren geht das nicht, denn sie wachsen unmittelbar über dem Boden. Wild gesammelte Heidelbeeren erhitzen sie deshalb kurz auf mindestens 60 Grad Celsius – das tötet die Parasiten ab.

Der Fuchsbandwurm – meistens sind Rotfüchse betroffen – kann theoretisch über tieferliegende Beeren übertragen werden. Pflücken Sie daher, wenn möglich, erst ab einer Höhe von 60 Zentimetern bzw. reinigen Sie die Früchte entsprechend. (Bild: hecke71/fotolia.com)

Wann und wie?

Zum Beerenpflücken ist der Nachmittag ideal, denn dann enthalten sie besonders viel Fruchtzucker. Sammeln sie nicht um des Sammelns willen: Wenn Sie nur vollreife Früchte mitnehmen und weniger reife wie überreife hängen lassen, entlasten Sie ihre Geschmacksnerven und sorgen zudem dafür, dass Kleinsäuger, Vögel und Wirbellose einen vollen Magen haben. Reife Beeren lassen sich einfach abziehen.

Im Korb legen Sie nur wenige Schichten der Beeren übereinander, damit sich die Früchte nicht gegenseitig zerdrücken – Beeren sind empfindlich, und beschädigte Früchte faulen schnell. Sammeln Sie zügig und verzichten Sie auf ein Sonnenbad – schützen Sie die Beeren vor der Sonne und bringen Sie sie sofort nach Hause in den dunklen Kühlschrank.

Frische Beeren halten sich auch im Kühlschrank nur wenige Tage. Doch es gibt Möglichkeiten, sie zu konservieren – als Essig, Öl, Gelee, Marmelade, Mus, Chutney, eingelegt oder getrocknet, gefroren, eingemacht oder kandiert. Alle wilden Beeren lassen sich einkochen, einmachen und einfrieren. Je feiner die Konsistenz, desto besser ist die Frucht zum Kandieren geeignet, je kleiner die Beeren, desto besser lassen sie sich trocknen.

Tipp: Gegen Beerenflecken auf Kleidung hilft Zitrone, und damit reinigen Sie auch Haut, Mund und Zähne von der Fruchtfarbe. Kleidung mit eingetrockneten Beerenflecken legen sie mehrere Stunden in Milch oder Joghurt ein, dann waschen Sie diese auf hohen Temperaturen.

„Mundraub“ organisieren

Die meisten Menschen wissen heute nicht, welches Wildobst sie essen können, wo sie dieses finden und ob sie es essen dürfen. Die Initiative „Mundraub.org“ will Abhilfe schaffen, klärt darüber auf, wo Obst im öffentlichen Raum reift und veranstaltet unter anderem gemeinsame Kirschernten. In Hamburg zum Beispiel sind 22 Orte markiert, wo Obstbäume wachsen, an denen sich Bürger frei bedienen können – vom Unicampus bis zu Bootsanlegestellen an der Elbe. In Bahrenfeld wachsen Walnüsse, am Harburger Bahnhof Brombeeren, am Eichbaumsee Mirabellen.

Der Begriff Mundraub ist nicht wörtlich zu nehmen. Die Initiatoren rufen keineswegs zu Diebstahl auf, sondern wollen den Menschen die Augen öffnen, wie viel kostbare Nahrung direkt vor ihren Augen wächst. Dabei geht es nicht nur um Straßenbäume oder Brombeeren auf Brachflächen, sondern zum Beispiel auch um Obstbäume in Gärten von Senioren, die die Früchte selbst nicht mehr ernten können.

Wildobst – Naturschutz im eigenen Garten

Wildobst anzubauen, zu ernten und zu essen dient nicht nur der eigenen Gesundheit und kulinarischen Bereicherung – es setzt auch dem katastrophalen Vogel- wie Insektensterben etwas entgegen. Wildfrüchte sind exzellente Nektar- und Pollenspender, die Früchte bieten Nahrung für fruchtfressende Vögel wie Drosseln oder Stare sowie unzählige Insekten und Raupen – diese Wirbellosen wiederum decken den Tisch für die Insektenfresser unter den Vögeln und Säugetieren. Dies hilft auch Arten, die immer seltener werden, weil die industrialisierte Landwirtschaft ihnen die Nahrung nimmt.

Nähr- und Nistgehölze

Schlehe und Weißdorn zum Beispiel gehören zu den wertvollsten Nähr- und Nistgehölzen für Vögel überhaupt und sollten in keinem Naturgarten fehlen. Birnen, Kornelkirsche, Schwarzer Holunder, Vogelbeere, Vogelkirsche und Speierling sind ebenfalls Vogelpflanzen allerersten Ranges. Sie genießen so im Herbst nicht nur garantiert giftfreies Obst voller Vitamine, sondern erfreuen sich am Gesang der Singdrosseln und sehen den Kohlmeisen zu, die Raupen für ihre Jungen sammeln. Den Schwarzen Holunder fressen 62 Vogelarten, die Vogelkirsche 48, den Roten Holunder 47 und den Gemeinen Wacholder 43. Die trockenen Blüten der beliebten Forsythien hingegen sind für Insekten vollkommen nutzlos – ebenso für Vögel. (Dr. Utz Anhalt)