Zitronenverbene – Anwendung, Wirkung und Rezepte

Die auch als Zitronenstrauch bekannte Zitronenverbene (Aloysia citrodora) verdankt ihren Namen ihrem zitronigen Aroma. Seinetwegen ist der Strauch eine beliebte Duftpflanze im Garten. Dabei riecht Zitronenverbene nicht nur sehr erfrischend, sondern birgt auch so manche heilsamen Inhaltsstoffe. Mit dem Zitronenduft assoziiert wird zum Beispiel eine äußerst belebende und appetitanregende Wirkung. Gleichzeitig soll Aloysia citrodora auch beruhigend auf Nerven, Wunden und Infektionsherde im Körper wirken. Welche Bestandteile der Zitronenverbene derartige Heilkräfte verleihen und was es bei der Anwendung des Krautes zu beachten gibt, haben wir im nachstehenden Beitrag für Sie zusammengefasst.


Steckbrief für Zitronenverbene

Pflanzengattung: Verbenen (Aloysia)
Pflanzenfamilie: Eisenkrautgewächse (Verbenaceae)
Volkstümliche Namen: Zitronenstrauch, Zitronenduftstrauch
Vorkommen: Südamerika, Europa (eingebürgert)

Anwendungsgebiete:

Verwendete Pflanzenteile: Blätter

Zitronenverbene (Aloysia citrodora) ist nicht nur eine beliebte Duftpflanze im Garten, sondern birgt auch so manche heilsamen Inhaltsstoffe. Verwendet werden dazu die Blätter. (Bild: summersum/fotolia.com)

Kräuterportrait

Zitronenverbene ist ursprünglich in den Subtropen Südamerikas beheimatet. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Pflanze in Europa eingeführt. Spanische Seefahrer brachten hier erste Exemplare von ihren Expeditionen in die Neue Welt mit nach Hause. Der Zitronenstrauch wurde danach zunächst zu einem exotischen Novum im Königlichen Botanischen Garten von Madrid. Dieser erhielt zwischen 1774 und 1781 unter König Carlos III. einen neuen Standort in unmittelbarer Nähe zum Naturkundlichen Museum Madrids und wurde so nicht nur zu einem Ausstellungsort für Pflanzen, sondern auch zu einer Ressource für spanische Botanikwissenschaftler, welche die heilsamen Vorzüge der Zitronenverbene alsbald erkannten.

Wissenswertes: Maria Luisa, die Gemahlin von Carlos‘ zweitgeborenem Sohn, Carlos IV., stand mit ihrem Namen später Pate für den Gattungsnamen der Aloysia.

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte avancierte Zitronenverbene zu einer beliebten Duft- und Zierpflanze für Blumenbouquets und Zierpflanzenarrangements in Gärten. Vor allem die britische und französische Gartenkultur machte Aloysia citrodora relativ früh zu einem festen Bestandteil der nationalen Gartengestaltung. Darüber hinaus erfreute sich der Zitronenstrauch alsbald auch besonderer Beliebtheit in der Küche. Gerade als aromatisches Teekraut genießt die Duftpflanze bis heute einen guten Ruf. Doch auch als exklusives Gewürzkraut für Erfrischungsgetränke, Desserts, Salate, Fleisch-, Fisch- und Pilzgerichte ist Verbene wegen ihres zitronigen Geschmacks immer wieder in Gebrauch. Selbst als Raumduft und Zutat wohlriechender Kosmetika ist Zitronenverbene keine Unbekannte, was deutlich macht, wie vielseitig sich die Pflanze einsetzen lässt.

Tipp: Der Duft von Zitronenverbene lockt im Garten eine Fülle von Nützlingen wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Wer also auf der Suche nach natürlichen Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung ist, dem liefert der Zitronenstrauch wohlriechende Unterstützung. Allerdings ist das subtropische Gewächs bei uns kaum winterhart, weshalb sich eine Kultur im Topf empfiehlt. Auf diese Weise kann die Pflanze im Herbst problemlos im Haus überwintern.

Wie bereits aufgezeigt, gehört Zitronenverbene zur Pflanzenfamilie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Diese wurde nach dem gleichnamigen Eisenkraut benannt, das nur allzu gerne mit dem Zitronenstrauch verwechselt wird. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die fachbotanische Bezeichnung des Eisenkrauts „Verbena“ dem Namen der Verbenen sehr ähnlich ist. Und auch die weißlichen Blüten, die in beiden Fällen in üppigen Ährenständen zusammengefasst sind, sorgen hin und wieder für Verwechslungen. Bei genauem Hinsehen tun sich jedoch schnell signifikante Unterschiede zwischen beiden Pflanzen auf.

So handelt es sich bei Eisenkraut zum Beispiel um eine nur bis zu 75 Zentimeter hohe Staude, wohingegen Zitronenverbene ein bis zu 2 m hoher Strauch ist. Auch die Beschaffenheit der grob gezähnten Eisenkrautblätter weicht deutlich von den allenfalls leicht gezähnten Lanzettenblättern der Zitronenverbene ab. Letztere duften außerdem unverkennbar nach Zitrone, was der besonderen Zusammensetzung der ätherischen Öle in Aloysia citrodora geschuldet ist. Diese stellen auch den Hauptwirkstoff in der Pflanze dar, weshalb es vorrangig die Verbenenblätter sind, welche zur Behandlung von Gesundheitsbeschwerden genutzt werden. Einsetzen lassen sie sich zum Beispiel gegen:

Einsetzen lässt sich Zitronenverbene zum Beispiel gegen Atemwegsbeschwerden wie Asthma oder Husten, aber auch gegen Muskel- und Nervenbeschwerden oder Verdauungsbeschwerden. (Bild: RFBSIP/fotolia.com)

Inhaltsstoffe und Wirkung

Nun muss gesagt werden, dass die Heilwirkung von Zitronenverbene doch etwas schwächer ausfällt als beim Eisenkraut. Den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten tut dies aber keinen Abbruch. Denn die Komponenten aus denen sich die ätherischen Öle der Zitronenverbene zusammensetzen sind allesamt erprobte Wirkstoffe.

Citral

Der Duftstoff Citral stellt den Hauptbestandteil der ätherischen Öle in Aloysia citrodora. Er ist jedoch nicht nur für das außergewöhnliche Aroma der Zitronenverbene verantwortlich, sondern gilt daneben auch als

  • antibakterieller,
  • antimykotischer,
  • antioxidativer
  • und entzündungshemmender Wirkstoff.

Ideal für eine Aromatherapie oder ein Dampfbad mit Aloysia citrodora bei entzündlichen Atemwegsinfekten also. Es sei aber darauf hingewiesen, dass die Bestandteile von Citral – im Detail handelt es sich um die Aldehyde Geranial (Citral A) und Neral (Citral B) – hin und wieder zu allergischen Reaktionen führen können. Allergiker sollten deshalb zunächst vorsichtig austesten, ob sie Zitronenverbene vertragen.

Terpene

Der Begriff Terpene bezeichnet sekundäre Pflanzenstoffe, die schon seit geraumer Zeit für ihre gute medizinische Wirkung bekannt sind. In Zitronenverbene sind diese in Form folgender Monoterpene und Sesquiterpene enthalten:

  • Carvon,
  • Caryophyllen,
  • Dipenten,
  • Geraniol,
  • Kampfer (Campher),
  • Linalool,
  • Limonen,
  • Nerol,
  • Pinen.

Neben dem aromatischen Aspekt vieler Terpene, der ähnlich wie Citral in den zitronigen Geschmack von Aloysia citrodora mit hineinspielt, sind die genannten Inhaltsstoffe auch für ihre mannigfaltigen Heilwirkungen bekannt. Vor allem die beruhigende Wirkung auf den Verdauungstrakt, die von vielen Terpenen ausgeht, wird immer wieder zur Behandlung von Magen-Darm-Verstimmungen genutzt. Kampfer ist diesbezüglich ferner ein sehr beliebter Inhaltsstoff für Erkältungspräparate, da das enthaltene Monoterpen sowohl entzündungshemmend als auch stark desinfizierend wirkt. Arzneimittel gegen Muskelzerrungen, Neuralgie und rheumatische Erkrankungen setzen ebenfalls sehr oft auf Kampfer, da er darüber hinaus auch einen beruhigenden Effekt auf die Nerven und damit auch auf nervöse Schmerzreize hat.

Neben dem aromatischen Aspekt vieler Terpene sind die genannten Inhaltsstoffe auch für ihre mannigfaltigen Heilwirkungen bekannt. Vor allem die beruhigende Wirkung auf den Verdauungstrakt, die von vielen Terpenen ausgeht, wird immer wieder zur Behandlung von Magen-Darm-Verstimmungen genutzt. (Bild: Tijana/fotolia.com)

Flavonoide

Geht es um die schmerzlindernde Wirkung von Zitronenverbene, so seien auch Bioflavonoide erwähnt. Vor allem Artemitin und Hesperidin haben sich diesbezüglich in ersten Studienversuchen bereits als geprüfte Schmerzstiller bewährt. Doch die Flavonoide in Aloysa citrodora können noch mehr. Hespiridin ist zudem beispielsweise als

  • antioxidativer,
  • cholesterinsenkender,
  • desinfizierender,
  • entzündungshemmender,
  • und gefäßschützender Wirkstoff bekannt.

Artemitin weist des Weiteren sogar antikarzinogene Eigenschaften auf, weshalb einige Forscher dessen Einsatz in der Krebsbehandlung diskutieren.

Wissenswertes: Das desinfizierende Potential von Zitronenverbene hat sich in Studien bereits zur Behandlung bakterieller Infektionen als nützlich erwiesen. Unter anderem zeigte das Kraut positive Effekte auf die Reduzierung von Erregern wie Staphylococcus aureus und Escherichia coli – zwei Bakterien, die als Hauptverursacher einer ganzen Reihe von Infektionskrankheiten gelten, darunter Atemwegs- und Magen-Darm-Infekte.

Anwendung und Dosierung

Geerntet werden kann Zitronenverbene ganzjährig. Dabei empfiehlt es sich, immer nur geringe Blattmengen zu entnehmen, um den Strauch nicht mit zu extremen Rückschnitten zu überfordern. Eine Ausnahme bildet der Jahresrückschnitt im Herbst. Hier können dann auch größere Mengen an Verschnitt anfallen, die sich für eine intensivere Nutzung des Krautes anbieten.

Zitronenverbene als Küchengewürz

Der Zitronenstrauch ist in der Küche ein wahrer Tausendsassa. Dabei muss nicht immer die gezielte Nutzung zur Krankheitsbehandlung im Vordergrund stehen. Auch eine alltägliche Verwendung als Zutat für Gerichte ist möglich. Würzen lassen sich mit Aloysia citrodora sowohl deftige als auch süße Speisen. Im Küchenbereich ist gerade die Verfeinerung folgender Gerichte mit Zitronenverbene sehr beliebt:

  • Fischgerichte,
  • Meeresfrüchte,
  • Hühnchengerichte,
  • Pilzgerichte,
  • Salatbeilagen.

Das Aroma entfaltet sich dabei besser, wenn die Blätter beim Anbraten mit in die Pfanne gegeben werden.

Geht es um Süßspeisen, sind dem kreativen Einsatz des Zitronenstrauchs ebenfalls keine Grenzen gesetzt. Ob als Zutat für Eingemachtes (z.B. Konfitüre oder Gelee), Gebäck wie Kuchen oder Fruchtdesserts und Joghurts – Liebhaber können ihrer Experimentierfreude hier freien Lauf lassen. Ein Geheimtipp ist es darüber hinaus, die Verbene in erfrischende Getränke zu mischen. Von selbstgemachten Fruchtsäften über Smoothies bis hin zu Cocktails lässt sich hier so einiges mit dem zitronigen Strauch anstellen.

Zitronenverbene ist nicht nur als Teekraut geeignet, sondern auch als Zutat für Marmeladen, Gebäck und Kuchen, Fruchtdesserts und Joghurts oder als Zusatz für erfrischende Getränke. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Rezept für leckeren Zitronenverbenensirup

Wer sich das einmalige Aroma der Zitronenverbene in hochkonzentrierter Form bewahren möchte, der kann aus dem Jahresverschnitt einen Sirup herstellen. Hierzu brauchen Sie:

  • 2 bis 3 blattreiche Verbenenzweige (ca. 10 g)
  • 350 g Zucker oder Rohrzucker
  • 250 ml Wasser
  • ¼ Zitrone zur Geschmacksintensivierung
  • 1 Topf
  • 1 Schraubglas
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    1. Schritt: Geben Sie Wasser und Zucker in einen Topf und lassen Sie das Ganze zu einem Sirup aufkochen.

    2. Schritt: Anschließend schneiden Sie die Zitrone in feine Scheiben und geben diese zusammen mit den Verbenenzweigen zu dem Sirup. Wahlweise können die Blätter der Zitronenverbene zuvor auch von den Zweigen abgetrennt werden.

    3. Schritt: Der Sirupansatz wird nun etwa eine Woche abgedeckt stehen gelassen. Danach sieben Sie Zitrone und Kräuter ab und kochen den Sirup nochmals auf. Abschließend wird der Sirup im heißen Zustand in eine hitzebeständige Flasche abgefüllt. Er kann nun zur Verfeinerung von Cocktails, Sekt, Mineralwasser, Fruchtsäften, Smoothies oder auch für Desserts und Zuckerguss verwendet werden.

    Zitronenverbene als Teekraut

    Die herkömmliche Anwendung von Zitronenverbene ist die als Teekraut. Hierzu nimmt man fünf bis sechs Blätter der Pflanze, gibt diese in eine Tasse und übergießt die Kräuter mit heißem Wasser. Nach einer Ziehzeit von etwa zehn Minuten werden die Blätter abgesiebt und der Tee wird in kleinen Schlucken getrunken.

    Tipp: Zur Teeherstellung empfiehlt sich vor allem die Verwendung frischer Verbenenblätter. Zwar können auch getrocknete Kräuter genutzt werden, die Heilwirkung wie auch das Aroma ist dann aber deutlich abgeschwächt.

    Nebenwirkungen

    Bis auf das pflanzeneigene Citrat, das in manchen Fällen allergische Reaktionen hervorrufen kann, sind für Zitronenverbene keine Nebenwirkungen bekannt. (ma)