ACE-Hemmer wirken bei Patienten mit Herzschwäche oft unterschiedlich

Chronische Herzinsuffizienz: Nicht alle Patienten sprechen gleich auf ACE-Hemmer an

Gesundheitsexperten zufolge leiden etwa zwei bis drei Millionen Menschen in Deutschland an einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Betroffene bekommen häufig ACE-Hemmer verschrieben. Doch nicht alle Patienten sprechen gleichermaßen auf solche Medikamente an. Forscher haben nun herausgefunden, warum das so ist.


Fast zwei Millionen Bundesbürger leiden an Herzinsuffizienz

Die chronische Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) stellt in der westlichen Gesellschaft aufgrund ihrer Häufigkeit, Sterblichkeit und Krankenhausaufnahme eine zunehmende Herausforderung dar. Sie ist mit einem langem Krankheitsverlauf, hohem Leidensdruck und schlechter Prognose für die Patienten verbunden. Allein in Deutschland sind fast zwei Millionen Menschen betroffen. Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. I einer Studie zeigte sich nun, dass Betroffene auf die zur Basistherapie verabreichten ACE-Hemmer individuell sehr unterschiedlich ansprechen.

Zwar bekommen viele Patienten mit einer Herzmuskelschwäche ACE-Hemmer zur Therapie, doch diese Medikamente helfen nicht allen Betroffenen gleichermaßen, wie Forscher berichten. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Warum nicht alle Patienten von einem ACE-Hemmer gleichermaßen profitieren

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder über neue Ansätze zur Behandlung von Herzschwäche berichtet.

So stellten etwa Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) fest, dass manchen Patienten mehr Eisen helfen könnte, da es das Herz belastbarer macht.

Derzeit werden bei einer Herzmuskelentzündung sehr häufig ACE-Hemmer eingesetzt. Doch eine Querschnittsstudie der Medizinischen Universität (MedUni) Wien konnte nun zeigen, dass die Patienten auf diese Medikamente individuell sehr unterschiedlich ansprechen.

Die Erkenntnisse der in der Fachzeitschrift „Clinical Chemistry“ veröffentlichten Studie unterstützen die Bemühungen in der Entwicklung einer zielgesteuerten individualisierten Therapie (Präzisionsmedizin) in der Herzinsuffizienz, heißt es in einer Mitteilung der Uni.

Basistherapie der chronischen Herzinsuffizienz

Laut den Experten stellt die Basistherapie der chronischen Herzinsuffizienz seit 25 Jahren der ACE-Hemmer (angiotensin-converting-enzyme inhibitor) dar. Dieser beeinflusst das Renin-Angiotensin-System, das den Volumenhaushalt und Blutdruck reguliert.

Die Überaktivierung dieses Hormonsystems wird als wesentlicher Mechanismus angenommen, der das Fortschreiten der Erkrankung begünstigt.

Der Einsatz von ACE-Hemmern verbessert nicht nur die Beschwerden oder Leistungsfähigkeit der Patienten, er verhindert auch Krankenhausaufnahmen und verlängert das Überleben.

Daher gelte bisher die Empfehlung, jedem Betroffenen mit einer Herzinsuffizienz einen ACE-Hemmer zu verschreiben.

Gleichzeitig weiß man, dass man nicht jedem Patienten damit helfen kann. Offenbar gibt es unterschiedliche Phänotypen in der Herzinsuffizienz, welche konsequenterweise das Ansprechen auf die Therapie beeinflussen.

Individuell extrem unterschiedliche Therapieantwort

Die Querschnittsstudie wurde von Noemi Pavo an der Herzinsuffizienzambulanz der Klinischen Abteilung für Kardiologie der MedUni Wien/AKH Wien durchgeführt und untersuchte erstmals das gesamte Renin-Angiotensin-System in Patienten mit chronischer systolischer Herzinsuffizienz unter ACE-Hemmern.

Dies war mit einer neuartigen aufwendigen massenspektrometrischen Analyse möglich, die das Hormonsystem ganzheitlich abbildet.

Trotz vergleichbarer Medikamentenarten und –dosierungen sowie unabhängig vom Schweregrad der Herzinsuffizienz zeigten die Patienten eine individuell extrem unterschiedliche Therapieantwort auf der molekularen Ebene des Renin-Angiotensin-Systems.

Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass sich die Aktivierung der entscheidenden Peptide direkt mittels des leicht bestimmbaren Renins abschätzen lässt, sodass sich zukünftige Untersuchungen auch an großen Patientenzahlen durchführen lassen.

Bedeutend in diesem Zusammenhang sei die neue Erkenntnis, dass bei vielen Patienten mit Herzinsuffizienz oben genanntes Renin-Angiotensin-System offenbar gar nicht oder nur unwesentlich aktiviert ist.

Dies gibt erstmalig einen Erklärungsansatz, warum nicht alle Patienten von einem ACE-Hemmer profitieren. Hier dominieren möglicherweise andere körpereigene überaktivierte Systeme das Krankheitsbild.

Auf der anderen Seite gibt es viele Patienten mit einer exzessiven Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems, welche möglicherweise eine aggressivere Therapie benötigen.

Präzisionsmedizin bei Herzinsuffizienz

Die Erkenntnisse der Studie unterstützen die Bemühungen in der Entwicklung einer zielgesteuerten individualisierten Therapie in der Herzinsuffizienz mit der Möglichkeit einer Therapieanpassung je nach vorliegendem Phänotyp mit bereits bekannten Medikamenten.

Sie eröffnen gleichzeitig weitere Fragestellungen betreffend der Regulation des Renin-Angiotensin-Systems mit potentieller Entwicklung neuer Ansatzpunkte der Herzinsuffizienztherapie. (ad)