Belastungen des Arbeitslebens beeinflussen die Lebenserwartung

Zwei ältere Menschen gehen spazieren

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Studie zeigt soziale Unterschiede beim Sterberisiko

Die Lebenserwartung der Deutschen steigt schon seit Jahren stark an. Allerdings sind dabei deutliche soziale Unterschiede erkennbar. Wie eine aktuelle Studie zeigt, können die Belastungen des Arbeitslebens die Lebenserwartung beeinflussen, wobei Personen mit höherer Bildung oft auch verträglichere Arbeitsbedingungen haben.


Arme Menschen sterben früher

Im vergangenen Jahr veröffentlichten britische Wissenschaftler eine Studie, die zeigte, dass die Lebenserwartung von armen und reichen Menschen zunehmend auseinander driftet. Und auch frühere internationale Untersuchungen belegten, dass arme Menschen deutlich früher sterben. Deutsche Experten berichten nun ebenfalls über soziale Unterschiede beim Sterberisiko. Und sie zeigen in ihrer aktuellen Studie, dass das Arbeitsleben die Lebenserwartung beeinflusst.

Zwei ältere Menschen gehen spazieren
Die Lebenserwartung steigt zwar seit Jahren an, doch laut einer neuen Studie sind beim Sterberisiko deutliche soziale Unterschiede erkennbar. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Deutlich gestiegene Lebenserwartung

Die Lebenserwartung in Deutschland ist in den letzten Jahren bei Männern und Frauen erheblich gestiegen.

Laut einer Mitteilung der Universität Duisburg Essen (UDE) wird die Hälfte der 1960 Geborenen, sofern sie die 65 überschritten hat, voraussichtlich 86 Jahre (Männer) beziehungsweise 90 Jahre (Frauen) alt werden.

Die Generation zuvor lebte demnach noch rund fünf Jahre kürzer.

Wie die Lebenserwartung ab 65 Jahren mit dem Arbeitsleben und mit sozialen Unterschieden zusammenhängt, untersucht das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der UDE in einer aktuellen Studie.

Frauen werden älter als Männer

Prof. Dr. Martin Brussig und Susanne Eva Schulz konnten in ihrer Arbeit aufzeigen, dass Frauen mit 65 Jahren eine höhere fernere Lebenserwartung als gleichaltrige Männer haben.

Zudem weisen Personen, die ihre Gesundheit schlecht einschätzen oder eine Behinderung haben, ein höheres Mortalitätsrisiko auf.

Und auch Einkommensposition und Bildungsniveau hängen in der Tendenz mit der ferneren Lebenserwartung zusammen.

Wie im IAQ-Report „Soziale Unterschiede im Mortalitätsrisiko“ erklärt wird, bezeichnet die fernere Lebenserwartung die durchschnittliche Anzahl an Jahren, die eine Person ab einem bestimmten Alter noch zu leben hat.

In ihren Analysen konzentrierten sich die Experten auf die fernere Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren.

Reduzierung von Arbeitsbelastungen sollte das Ziel sein

Den Angaben zufolge zeigt die Studie, dass die Belastungen während des Arbeitslebens und Anzahl der Berufsjahre langfristig die Lebenserwartung beeinflussen können.

Offenbar sind Menschen mit höherer Bildung oft in höheren Einkommenspositionen anzutreffen und haben vermutlich auch verträglichere Arbeitsbedingungen.

Wer hingegen sehr hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt war, stirbt früher.

„Vorliegende Untersuchungen zeigen, dass niedrigere Einkommen mit einer deutlich kürzeren Lebenserwartung bei Männern einhergehen; bei Frauen ist der Zusammenhang weniger deutlich, aber tendenziell vorhanden“, schreiben die Studienautoren im IAQ-Report.

In einer Untersuchung von 2019 wurde demnach ermittelt, dass Männer im Alter von 65 Jahren in durchschnittlicher Einkommensposition eine fernere Lebenserwartung von etwa zwölf Jahren haben.

„Männer mit stark unterdurchschnittlicher Einkommensposition (unter 60 Prozent) weisen demgegenüber eine fernere Lebenserwartung von nur etwa 10 Jahren auf. In der höchsten Einkommensgruppe liegt die fernere Lebenserwartung hingegen bei 16 Jahren“, so die Autoren.

Und: „Frauen weisen in allen Einkommensgruppen gegenüber den Männern eine deutlich längere fernere Lebenserwartung auf.“

Wie es in der Mitteilung abschließend heißt, beeinflusst die Arbeitsbelastung also nicht nur das unmittelbare Wohlbefinden, sondern scheint sich auch über die Erwerbsphase hinaus auszuwirken.

„Damit bleiben die Reduzierung von Arbeitsbelastungen und die Förderung von menschengerechter Arbeit ein vordringliches Ziel“, folgert das IAQ-Team. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen: