Darmpilz Candida albicans – Fluch und Segen für unsere Gesundheit!

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Experte: Über die Darmflora lassen sich alle Zivilisationskrankheiten behandeln

Ein Forschungsteam von mehreren deutschen Universitäten untersuchte die Rolle des Darmpilz Candida albicans. Wie die neusten Erkenntnisse zeigen, spielt der Pilz für unser gesamtes Immunsystem eine weitaus größere Rolle, als bislang vermutet. Laut der neuen Studie schützt uns der Pilz vor Infektionen oder hilft bei der Verwertung von Nährstoffen. Auf der anderen Seite sorgt er auch dafür, dass Schimmelpilze im Körper vom Immunsystem nicht erkannt werden. Dies kann chronische Lungenerkrankungen wie Mukoviszidose, COPD oder Asthma begünstigen.


Forschende des Exzellenzclusters Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen haben einen neuen Mechanismus entschlüsselt, wie der Darmpilz Candida albicans das Immunsystem beeinflusst. Neben zahlreichen positiven Aspekten soll der Darmpilz aber auch Schimmelpilzsporen die Tür öffnen. Denn Candida sorgt dafür, dass das Immunsystem mit dem Pilz in Symbiose lebt und nicht angegriffen wird. Allerdings werden deshalb auch keine Schimmelpilzsporen bekämpft, die vom Aufbau sehr ähnlich sind. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Cell“ vorgestellt.

Der Darmpilz Candida albicans spielt eine größere Rolle in unserem Immunsystem, als bislang gedacht. (Bild: Anatomy Insider/fotolia.com)

Umfassendes Mikrobiom

Aktuelle Forschungen weisen darauf hin, dass die Darmflora (heute eher als Mikrobiom bezeichnet) eine zentrale Bedeutung für unseren gesamten Organismus hat. Die Forschenden des Exzellenzclusters Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen sind sogar der Meinung, dass man über die Beeinflussung des Mikrobioms die meisten wichtigen Zivilisationskrankheiten behandeln kann, darunter chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Allergien, Stoffwechselkrankheiten, Autoimmunerkrankungen, Krebs oder auch psychische Krankheiten wie Depressionen. Allerdings ist das Zusammenspiel der verschiedenen Organismen im Mikrobiom äußerst komplex. Der Darmpilz Candida albicans spielt dabei eine besondere Rolle.

Darmpilze beeinflussen unser Immunsystem

„Wir haben einen Mechanismus entdeckt, über den bestimmte Mikrobiota Entzündungsreaktionen in der Lunge verstärken“, berichtet Studienleiterin Professorin Petra Bacher in einer Pressemitteilung. Verantwortlich hierfür sei der eigentlich harmlose Pilz Candida albicans, der Darm, Haut und Schleimhäute besiedelt. Wie die Forschenden herausfanden, regt der Darmpilz das Immunsystem an, spezifische Abwehrzellen zu bilden. Diese sogenannten Th17 Zellen ermöglichen ein friedliches Zusammenleben zwischen Pilz und Immunabwehr.

Candida öffnet Schimmelpilzen die Tür zum Körper

Dieser Mechanismus ist eigentlich gut für den Körper, da der Pilz viele positive Funktionen ausübt und uns beispielsweise vor Infektionskrankheiten schützt. Die Forschenden fanden allerdings auch heraus, dass die Th17 Zellen dafür sorgen, dass einige schädliche Pilze ebenfalls vom Immunsystem akzeptiert werden. Dieses Phänomen sei in der Forschung als Kreuzreaktivität bekannt. Auf diese Weise habe beispielsweise der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus ein leichteres Spiel, sich im Körper anzusiedeln.

Chronische Lungenerkrankungen werden verstärkt

„Schimmelpilzsporen werden täglich über die Atemluft aufgenommen, sind bei Gesunden aber harmlos“, schreibt das Forschungsteam. Bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Mukoviszidose, COPD oder Asthma könne sich der Schimmelpilz aber schnell in der Lunge ansiedeln. Weitere Untersuchen des Forschungsteam zeigten, dass Personen mit chronischen Lungenerkrankungen auch tatsächlich eine erhöhte Anzahl der kreuzreaktiven Th17 Zellen im Lungengewebe hatten.

Candida: Gut für den Darm – schlecht für die Lunge?

„Die schützende Th17 Reaktion im Darm scheint in der Lunge eher krankmachende Immunprozesse zu verstärken“, ergänzt Erstautorin der Studie Petra Bacher. Zum ersten Mal konnte ein Forschungsteam nachweisen, wie ein einzelnes Mitglied des Mikrobioms eine spezifische Immunreaktion prägt. Die dafür verantwortliche Kreuzreaktivität wird auch bei anderen beteiligten der Darmflora vermutet. Die Forschenden vermuten, dass das Mikrobiom das Immunsystem so auf vielfältige Weise manipuliert – sowohl positiv, wie auch negativ. Mit zunehmenden Verständnis für diese Prozesse steige auch die Möglichkeit, eine gezielte Therapien gegen chronische Zivilisationskrankheiten zu entwickeln. (vb)
Weitere Informationen: Darmflora aufbauen: So gehts!