Dieses neue Herz-EKG liefert schneller und genauer alle wichtigen Informationen zum Schlaganfallrisiko

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Schlaganfallrisiko durch neues Herz-EKG ermitteln

Der sogenannte Gehirnschlag stellt eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland dar. Forscher haben nun eine Methode entwickelt, mit der sich das Schlaganfallrisiko deutlich früher als bisher ermitteln lassen könnte.


Eine der häufigsten Todesursachen

Gesundheitsexperten zufolge erleiden jedes Jahr rund 270.000 Bundesbürger einen Schlaganfall. Dieser stellt eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland dar. Außerdem ist der sogenannte Gehirnschlag die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter. Forscher des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen haben nun eine Methode entwickelt, mit der sich das Schlaganfallrisiko potentiell deutlich präziser ermitteln lässt als bisher.

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen hierzulande. Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sich das Schlaganfallrisiko deutlich früher als bisher ermitteln lassen könnte. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Schlaganfallrisiko deutlich früher als bisher ermitteln

Wie das Universitäts-Herzzentrum Freiburg · Bad Krozingen (UHZ) in einer Mitteilung erklärt, ist der plötzliche Verschluss einer Hirnarterie durch Blutgerinnsel, entweder bei Verengung der hirnversorgenden Arterien oder bei Vorhofflimmern, eine der häufigsten Ursachen für Schlaganfall.

Die Gerinnselbildung kann aber durch Medikamente stark reduziert werden. Da diese Gerinnungshemmer als Nebenwirkung ein erhöhtes Blutungsrisiko haben, werden sie nur bei Personen mit hohem Schlaganfallrisiko eingesetzt.

Forscher des UHZ haben jetzt eine Methode entwickelt, mit der sich das Schlaganfallrisiko deutlich früher als bisher ermitteln lassen könnte.

Die Wissenschaftler zeigten, dass ein erhöhtes Schlaganfallrisiko oft mit einer elektrischen Leitungsverzögerung des Herzens einhergeht, die mittels Elektrokardiogramm (EKG) ermittelt werden kann.

Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung fördern das Blutungsrisiko

„Wir hoffen, bei an sich unauffälligen Patienten ohne nachgewiesenes Vorhofflimmern ein erhöhtes Schlaganfallrisiko identifizieren zu können“, so Studienleiter Prof. Dr. Thomas Arentz, Leiter der Abteilung Rhythmologie der Klinik für Kardiologie und Angiologie II am UHZ.

„Dadurch könnten mehr gefährdete Personen als bislang eine präventive Therapie erhalten“, hofft der Experte.

Denn die Gerinnselbildung kann durch die regelmäßige Einnahme von Arzneimitteln, welche die Blutgerinnung hemmen, stark reduziert werden.

Allerdings fördern sie gleichzeitig das Blutungsrisiko, weshalb bislang nur Patienten auf diese Weise behandelt werden, bei denen aufgrund von Vorhofflimmern und weiteren Risikofaktoren wie Alter, Diabetes und Hypertonie (Bluthochdruck) das Risiko eines Schlaganfalls besonders hoch ist.

Neue EKG-Analyse kann betroffene Patienten mit hoher Treffsicherheit identifizieren

Den Angaben zufolge basiert das Verfahren auf der Erkenntnis zahlreicher vorangegangener Forschungsarbeiten, dass besonders Patienten mit krankhaft vernarbtem Vorhof von einer Blutgerinnsel-Bildung und einem daraus entstehenden Schlaganfall betroffen sind.

Die neue EKG-Analyse misst die mit Vorhofvernarbung einhergehende elektrische Leitungsverzögerung und kann dadurch betroffene Patienten mit hoher Treffsicherheit identifizieren.

„Bei vier von fünf Patienten zeigten sich die krankhaften Vorhofvernarbungen im EKG bereits zwei Jahre vor dem Schlaganfall“, erklärt Studienautor Dr. Amir Jadidi, Oberarzt der Abteilung Rhythmologie der Klinik für Kardiologie und Angiologie II am UHZ.

„Im Gegenzug blieben Patienten mit einem unauffälligem EKG in den nächsten fünf Jahren von einem Schlaganfall verschont“, so Jadidi.

Für ihre Studie hatte das Forschungsteam Daten von mehr als 150 Patienten ausgewertet.

„Ausschlaggebend bleibt nun zu zeigen, ob durch diese neue Methode der Einsatz von blutverdünnenden Medikamenten auch wirklich besser auf den individuellen Patienten abgestimmt werden kann“, sagt Arentz.

„Dafür werden derzeit, unter Führung des Universitäts-Herzzentrums in Bad Krozingen, Vorbereitungen für eine europaweite Studie getroffen.“ (ad)

Autor:
Alfred Domke
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