Erkrankungen des Nervensystems: Gehirnstammzellen aus Blut gezüchtet

Wissenschaftlerin im Labor beim Pipettieren

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Forschern gelingt Durchbruch: Hirnstammzellen aus Blut gezüchtet

Forschern ist es erstmals gelungen, aus menschlichen Blutzellen Gehirnstammzellen zu züchten. Laut den Wissenschaftlern ist es nun leichter, Erkrankungen des Nervensystems wie Alzheimer und Multiple Sklerose besser zu verstehen. Möglicherweise könnten die bislang unheilbaren Krankheiten künftig sogar geheilt werden.


Unheilbare Nervenerkrankungen

Experten zufolge gehört die Parkinson-Krankheit zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Laut Schätzungen sind in Deutschland über 400.000 Menschen betroffen. Damit ist Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach der Alzheimer-Demenz. Beide Erkrankungen sind, ebenso wie die Multiple Sklerose (MS), trotz intensiver Forschung noch immer unheilbar. Doch neue Erkenntnisse von Forschern aus Österreich und Deutschland können möglicherweise dazu beitragen, dass solche Erkrankungen des Nervensystems künftig geheilt werden könnten.

Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, aus menschlichen Blutzellen Gehirnstammzellen zu züchten. Stammzellen sind Hoffnungsträger für eine ganze Reihe von Therapien für bislang nicht heilbare Krankheiten. (Bild: mmphoto/fotolia.com)

Entwicklung von Schmerzmedikamenten wird erleichtert

Ein Forscherteam um Prof. Frank Edenhofer von der Universität Innsbruck hat zusammen mit Kollegen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg menschliche Blutzellen durch Expression von vier Transkriptionsfaktoren in neurale Stammzellen reprogrammiert.

Den Angaben zufolge können sich die reprogrammierten Stammzellen unbegrenzt vermehren und in Zellen sowohl des zentralen als auch des peripheren Nervensystems ausreifen.

„Außerdem haben wir mittels der Genschere CRISPR/Cas9 ein Modell für eine menschliche Schmerzerkrankung geschaffen, das die Entwicklung von Schmerzmedikamenten erleichtern wird“, erklärte Edenhofer in einer Mitteilung.

Hoffnungsträger für eine ganze Reihe von Therapien

Den österreichischen Forschern war vor kurzem schon die Umwandlung von Hautzellen in Gehirnstammzellen gelungen – die nun veröffentlichte Verwendung von Blutzellen wird die biomedizinische Anwendung wesentlich erleichtern.

Blutzellen können im Gegensatz zu Hautzellen sehr einfach vom Patienten gewonnen werden, die Blutentnahme ist im Gegensatz zur Hautbiopsie zudem klinische Routine.

Stammzellen können praktisch jede andere Zelle des Körpers bilden – und sind damit Hoffnungsträger für eine ganze Reihe von Therapien für bislang nicht heilbare Krankheiten.

„Aus Stammzellen gezüchtete Zellen können mitunter fehlerhafte oder kranke Zellen ersetzen und so zur Heilung von Krankheiten beitragen“, so Prof. Edenhofer.

Tiefe Einblicke in die Entwicklung des menschlichen Nervensystems

Die Wissenschaftler verwendeten in der im Fachmagazin „Cell Stem Cell“ veröffentlichten Forschung moderne Einzelzell-Sequenziermethoden, um die Stammzellen zu identifizieren.

Laut den Forschern wird die Entdeckung tiefe Einblicke in die Entwicklung des menschlichen Nervensystems erlauben und eine Quelle für neurale Stammzellen liefern – die dann in der regenerativen Medizin eingesetzt werden können.

„Neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer oder auch chronisch-entzündliche Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose sind heute mit gängigen Mitteln nicht heilbar, die Medizin kann sie höchstens lindern“, erläuterte Prof. Edenhofer.

„Mit einer Behandlung mit im Labor erzeugten Stammzellen direkt am Gehirn kann ein Fortschreiten von Parkinson bei betroffenen Patienten möglicherweise aufgehalten werden, daran forschen wir intensiv“, so der Experte. (ad)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.