Lebensgefährliches Zögern: Bei Herzinfarkt-Verdacht sofort Notruf 112 wählen

Mehr Fälle an Weihnachten und Neujahr: Bei Herzinfarkt keine Scheu vor Notruf 112

Weihnachten und der Jahreswechsel stehen vor der Tür. Beides geht auch mit gesundheitlichen Risiken einher. Denn wie Forscher kürzlich berichteten, kommt es an den Feiertagen zu besonders vielen Herzanfällen. Gesundheitsexperten weisen nun darauf hin, bei einem Herzinfarkt-Verdacht sofort den Notarzt zu rufen. Zögern kann für den Betroffenen lebensgefährliche Folgen haben.


Im Akutfall ist schnelles Handeln nötig

Gesundheitsexperten zufolge erleiden pro Jahr rund 300.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt). Im Akutfall ist schnelles Handeln nötig. Eine rechtzeitige Herzinfarkt-Diagnose rettet Leben. Daher weisen Gesundheitsexperten darauf hin, bei einem Herzinfarkt-Verdacht sofort den Notruf 112 zu wählen.

Gesundheitsexperten weisen darauf hin, bei Anzeichen für einen Herzinfarkt sofort den Notruf 112 zu wählen. Zögern kann für den Betroffenen lebensgefährliche Folgen haben. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Erhöhtes Herzinfarktrisiko an Weihnachten

Schon vor Jahren haben Wissenschaftler aus Australien festgestellt, dass an den Weihnachtsfeiertagen ein hohes Sterberisiko durch Herzkrankheiten besteht.

Auch eine schwedische Studie, die im Fachjournal „BMJ“ veröffentlicht wurde, lässt auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko an Weihnachten und Neujahr besonders bei Menschen, die über 75 oder bereits chronisch krank sind (z. B. Diabetes, koronare Herzkrankheit), schließen.

Vermutlich, weil diese Patientengruppe besonders anfällig auf externe Auslöser (Trigger) für einen Infarkt wie Stress reagiert.

„Wir können aus eigener Erfahrung bestätigen, dass insbesondere bei längeren Feiertagsphasen wie zum Beispiel den Weihnachtsfeiertagen häufiger Herzinfarktpatienten aufgenommen werden, die zu lange gewartet haben, bis sie den Notarzt mit dem Notruf 112 gerufen haben“, erklärt der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, in einer Mitteilung.

„Dadurch steigt die Gefahr lebensgefährlicher Rhythmusstörungen und der Entwicklung einer bedeutsamen Herzschwäche“, warnt der Experte.

Nicht zögern!

Wie es in der Mitteilung heißt, nehmen Notfallmediziner das Problem des Zögerns vor dem Notruf 112 an Festtagen wie Weihnachten und Neujahr sowie an den Wochenenden sehr ernst.

Bei neu auftretenden unangenehmen Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten andauern, denken Betroffene und ihre Angehörige oft nicht an einen Hinweis auf einen Herzinfarkt und trauen sich wegen der Feiertage nicht, mit der Notrufnummer 112 den Rettungsdienst zu alarmieren.

Stattdessen warten sie stunden- oder tagelang ab, ob die Beschwerden wieder von allein verschwinden.

„Zögern Patienten bei Herzinfarkt oder akuten Brustschmerzen zu lange mit dem Notruf 112, riskieren sie ihr Leben“, warnt Voigtländer.

„In dieser Verzögerung liegt die Gefahr, dass der Patient plötzlich Herzkammerflimmern bekommen, ohnmächtig werden und in wenigen Minuten am Plötzlichen Herztod versterben kann.“

Ebenso kann durch den Infarkt ein größerer Teil des Herzmuskels irreparabel zerstört werden und der Patient entwickelt dadurch akut oder auch langfristig eine Herzschwäche.

„Beim Herzinfarkt zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist Herzmuskel.“

Fast jeder vierte Herzinfarktpatient stirbt vor Erreichen der Klinik

Laut der Deutschen Herzstiftung zählt der Herzinfarkt mit rund 50.000 Sterbefällen pro Jahr zu den häufigsten Todesursachen hierzulande.

Fast jeder vierte Herzinfarktpatient stirbt vor Erreichen des Krankenhauses.

Rettungsdienstleitstellen, Herznotfallambulanzen und Notaufnahmen der Kliniken stehen auch an Feiertagen, in der Zeit zwischen den Jahren wie auch am Wochenende oder nachts rund um die Uhr bereit.

„Deswegen besteht überhaupt kein Grund zur Scheu vor der 112“, versichert der Herzspezialist vom Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am Main.

Infarktverdacht deutlich äußern!

Wer die 112 ruft, sollte den Verdacht auf Herzinfarkt deutlich äußern, damit ein Rettungswagen mit Notarzt geschickt wird.

Die infarkttypischen Alarmzeichen sind leicht zu erkennen: Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen überwiegend im Brustkorb, häufig auch ausschließlich hinter dem Brustbein, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können.

Bisweilen auch nur im Rücken (zwischen den Schulterblättern) oder Oberbauch (Verwechslung mit „Magenschmerzen“ möglich).

Die Schmerzen sind flächenhaft, nicht piekend, sondern werden als brennend, mit Engegefühl in der Brust und drückend beschrieben.

Häufige Begleiterscheinungen sind Schweißausbruch, Übelkeit und Atemnot.

Wichtig zu wissen: Der Umweg über den Hausarzt oder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst mit der Rufnummer 116 117 („Notdienstnummer“) bei einem Herzinfarkt kann gefährlich sein, da beide hier nichts anderes tun können als den Notarzt (112) zu rufen.

Warum die 112 bei Herzinfarkt so wichtig ist

Beim Herzinfarkt wird ein Herzkranzgefäß durch ein Gerinnsel (Thrombus) verschlossen, sodass ein Teil des Herzmuskels von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten ist.

In dieser Gefahrensituation ist sofort der Rettungsdienst (112) anzurufen, da der Herzinfarkt jederzeit eine bösartige Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) auslösen kann, die in wenigen Minuten zum Tod führt, wenn nicht sofort reanimiert wird.

Nur der Rettungsdienst kann das Kammerflimmern mit dem Elektroschock eines Defibrillators beseitigen und so den Patienten vor dem plötzlichen Herztod schützen. Jede Minute zählt jedoch auch, wenn ein Herzinfarkt nicht in Herzkammerflimmern übergeht.

„Je eher der Infarktpatient die Klinik erreicht, wo das verstopfte Herzkranzgefäß per Katheter wiedereröffnet wird, umso mehr Herzmuskel und Pumpkraft des Herzens können wir erhalten: Mehr Pumpkraft bedeutet mehr Lebensqualität für den Patienten“, so Prof. Voigtländer. (ad)