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Magenschleimhautentzündung: Chronische Gastritis verursacht durch Akne-Keime

Alfred Domke
Verfasst von Alfred Domke, Redakteur für Gesundheits-News
19. März 2017
in News
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Akne-Bakterium kann zu chronischer Gastritis führen
Hoher Alkoholkonsum, Rauchen, Stress und Infektionen mit bestimmten Viren oder Bakterien: Alle diese Faktoren sind bekannte Auslöser für eine Magenschleimhautentzündung. Österreichische Forscher haben nun eine weitere Krankheitsursache für chronische Gastritis entschlüsselt: das Akne Bakterium.

Verschiedene Ursachen für Magenschleimhautentzündung
Die chronische Gastritis ist eine über einen längeren Zeitraum andauernde Entzündung der Magenschleimhaut, die mehrere Krankheitsursachen haben kann. Infrage kommen unter anderem Infektionen mit Bakterien, Viren oder Schimmelpilzen, Rauchen, ein hoher Alkohol- oder Kaffeekonsum, Stress und verschiedene Medikamente, beispielsweise Schmerzmittel wie Diclofenac. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Graz haben nun die Ursache für eine bis dato ungeklärte Form der Erkrankung gefunden.

Mehr als die Hälfte der über 50-Jährigen betroffen
Experten gehen davon aus, dass in den westlichen Industrieländern bereits mehr als die Hälfte aller über 50-jährigen Menschen an einer chronischen Gastritis leidet, wobei sich die Symptome der Entzündung oft nur langsam entwickeln, beziehungsweise sehr unspezifische Beschwerden auftreten.

Dazu zählen unter anderem Völlegefühl, Übelkeit, Druckgefühl, Schmerzen im Oberbauch, Blähungen oder Durchfall.

Auf Grund seiner Säureproduktion wurde der Magen lange Zeit als quasi-steriles Organ betrachtet. „Erst die Entdeckung von Helicobacter pylori als Erreger der chronischen Gastritis änderte diese Sicht schrittweise“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Gregor Gorkiewicz, Professor für Medizinische Mikrobiomforschung am Institut für Pathologie der Med Uni Graz in einer Mitteilung.

Die Methoden der modernen Mikrobiomforschung ermöglichen detaillierte Einblicke in das mikrobielle Ökosystem des Magens und dessen Beitrag zur Entstehung der chronischen Gastritis.

Bislang ungeklärte Form der Magenentzündung
Ana Montalban-Arques gelang es nun im Rahmen ihrer Dissertation in der Forschungsgruppe von Gregor Gorkiewicz eine bislang ungeklärte Form der chronischen Magenentzündung – die lymphozytäre Gastritis – zu entschlüsseln.

Die Forscherin erklärte: „Die lymphozytäre Gastritis ist eine chronische Magenentzündung. Bisher war der Auslöser dieser Erkrankung ungeklärt.“

Der Forschergruppe ist es gelungen, das Propionibacterium acnes – ein klassisches Hautbakterium und Verursacher der Acne vulgaris – als Krankheitsursache, sowie den zu Grunde liegenden immunologischen Mechanismus der lymphozytären Gastritis zu identifizieren.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler wurden im „Journal of Pathology“ veröffentlicht.

Angriff der körpereigenen Abwehrzellen
Das Propionibacterium acnes, welches auch im Verdauungstrakt zu finden ist, erzeugt selbst kurzkettige Fettsäuren, wie beispielsweise die Propionsäure. Dadurch verursacht das Bakterium aber gleichzeitig auch eine spezifische Aktivierung des NKG2D-Systems, ein angeborener Immunmechanismus, der beispielsweise auch bei Glutenunverträglichkeit involviert ist.

„In weiterer Folge führt diese Aktivierung des NKG2D-Systems zur Rekrutierung zytotoxischer T-Zellen, welche dann das Gewebe des Magens angreifen“, fasste Gregor Gorkiewicz zusammen.

Durch diesen Angriff der körpereigenen Abwehrzellen auf das Gewebe des Magens entsteht die chronische Entzündung der Magenschleimhaut.

Hauptauslöser von Magenkrebs
Zudem konnten die Forscher zeigen, dass Helicobacter pylori das NKG2D-System spezifisch modulieren kann und damit eine Immunstimulation umgeht, also keine Aktivierung von T-Zellen erfolgt.

„Das NKG2D-System ist ein wichtiges körpereigenes immunologisches System, welches der Entstehung von Tumoren entgegenwirkt“, so Gorkiewicz.

Helicobacter pylori gilt als der Hauptauslöser des Magenkarzinoms. Daher vermuten die Wissenschaftler, dass die durch das Bakterium verursachte Umgehung des NKG2D-Systems die Entstehung von Magenkrebs begünstigt wird. Die Forschergruppe arbeitet bereits an der Klärung dieses Mechanismus und dem Beitrag des Magenmikrobioms zur Magenkrebsentstehung. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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