Meist unnötig: Jeder vierte Patient mit Erkältung bekommt Antibiotika

Alfred Domke

Bei Erkältung werden viel zu oft Antibiotika verschrieben

Obwohl die Zahl der Antibiotikaresistenzen immer weiter steigt und regelmäßig dazu aufgerufen wird, solche Medikamente nicht massenhaft einzusetzen, bekommt rund jeder vierte Patient mit Erkältung vom Arzt ein Antibiotikum verordnet. Gegen den Großteil der Erkältungsinfekte wirken diese Präparate allerdings gar nicht.


Erkältungen legen viele Patienten flach

Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen: Erkältungskrankheiten legen die Menschen in Deutschland oft flach. Laut dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) bekam etwa jeder vierte Patient, der 2017 wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, vom Arzt ein Antibiotikum verschrieben (24,4 Prozent). Und das obwohl solche Medikamente bei einem grippalen Infekt, der „einfachen“ Erkältung oft gar nicht wirken.

Rund jeder vierte Patient, der im vergangenen Jahr wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, bekam vom Arzt ein Antibiotikum verschrieben. Und das obwohl solche Medikamente bei dem Großteil der Infekte wirkungslos bleiben. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Unnötige Antibiotikaverschreibungen weiter senken

Wie die TK in einer Mitteilung schreibt, gehen die Antibiotika-Verordnungen bei Erkältungen weiter zurück.

Den Angaben zufolge erhielten im Jahr 2010 noch 38,5 Prozent der erkältungsbedingt Krankgeschriebenen ein Antibiotika-Rezept.

Beschäftigte, die nur kurz – ein bis drei Tage – aufgrund von Erkältung krankgeschrieben wurden, erhielten noch seltener eine Antibiotika-Verordnung:

Rund 18 Prozent aus dieser Gruppe bekamen im Jahr 2017 ein Rezept für ein Antibiotikum, 2010 waren es noch rund 30 Prozent.

„Die Zahlen zeigen einen Trend, der in die richtige Richtung geht. Das klare Ziel ist aber, unnötige Antibiotikaverschreibungen weiter zu senken“, so Tim Steimle, approbierter Apotheker und Leiter des Fachbereichs Arzneimittel der TK.

Antibiotika sind gegen Viren wirkungslos

Denn: „Die große Mehrheit der Erkältungsinfekte mit Symptomen wie Schnupfen oder Husten werden durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen aber nur gegen Bakterien – gegen Viren sind sie wirkungslos.“

Zur Selbstbehandlung bei Grippe und Erkältungskrankheiten ist es unter anderem wichtig, viel zu trinken und sich auszuruhen. Zudem gibt es viele Hausmittel, die gegen Erkältungen helfen.

Laut Gesundheitsexperten tragen Medikamente nur bedingt zu einer schnelleren Genesung bei.

Risiko für multiresistente Erreger steigt

Wie die TK schreibt, ist bei dem Thema weiterhin Aufklärung wichtig, damit Antibiotika nur dann verschrieben werden, wenn sie medizinisch wirklich notwendig sind.

„Antibiotika sollten nicht leichtfertig genommen werden. Wie jedes Medikament haben auch sie Nebenwirkungen“, erklärt Steimle. Außerdem steigt durch eine verstärkte Verordnung von Antibiotika die Gefahr, dass Bakterien resistent werden.

„Richtig eingesetzt sind Antibiotika eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen bakterielle Infektionen. Die andere Seite der Medaille ist jedoch, dass sich multiresistente Erreger bilden, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.“ (ad)