Nichtraucherin erhält Spenderlunge einer Raucherin und stirbt an Lungenkrebs

Volker Blasek

Implantiertes Lungenkrebsrisiko durch Spenderlunge

Fachärzte untersuchten kürzlich einen traurigen Fall aus Frankreich. Dem Ärztebericht zufolge erhielt eine 39-jährige Frau aus Frankreich eine neue Lunge, da sie seit ihrer Kindheit unter Mukoviszidose litt. Das Spenderorgan entstammte einer 57-jährigen Raucherin, die 30 Jahre lang täglich 20 Zigaretten konsumierte. Zwei Jahre nach der Transplantation wurde die Frau mit schweren Lungenproblemen in die Uni-Klinik Montpellier eingeliefert. Bei der Nichtraucherin wurde Lungenkrebs diagnostiziert. Sie starb zwei Monate später an den Folgen.


Ein französisches Fachgremium klärte in einem Report über die Risiken auf, die von Spenderlungen ausgehen, die von langjährigen Rauchern stammen. Dazu untersuchten sie einen Fall, bei dem eine Nichtraucherin an Lungenkrebs verstarb, nachdem ihr die Lunge einer Raucherin eingesetzt wurde. Der Report erschien kürzlich in der Fachzeitschrift „Lung Cancer“.

Ein französisches Ärzteteam berichtet von einem Fall, bei dem eine Nichtraucherin an einem aggressivem Lungenkrebs verstarb, nachdem ihr die Lunge einer Raucherin implantiert wurde. (Bild: satyrenko/fotolia.com)

Spenderin war starke Raucherin

Eine 39-jährige Frau wurde in die Onkologie-Abteilung des Universitätsklinikums Montpellier eingeliefert. Aufgrund einer lebenslangen Mukoviszidose litt sie unter ständigen Atembeschwerden und ihre Atmungskapazität nahm zunehmend ab. Im November 2015 wurde schließlich eine doppelte Lungentransplantation durchgeführt. Aus dem Spenderregister geht hervor, dass die Spenderlunge einer 57-jährigen Frau entstammte, die 30 Jahre lang täglich 20 Zigaretten pro Tag geraucht hatte. Das Organ wurde vor der Transplantation gründlich mittels Computertomografie auf das Vorhandensein von Lungenherden untersucht.

Zwei Jahre später nimmt das Schicksal seinen Lauf

Zunächst besserte sich der Zustand der Patientin. Knapp zwei Jahre später wurde sie jedoch erneut in das Krankenhaus eingeliefert. Sie litt unter schwerem Fieber und heftiger Atemnot. Die Ärzte diagnostizierten eine besonders aggressive Form von Lungenkrebs. Der Tumor wuchs so schnell, dass er sich alle 28 Tage verdoppelte, berichten die Ärzte. Dies sei viel kürzer als gewöhnlich beobachtet wird. Im Normalfall beträgt die Verdoppelungsrate bei dieser Art von Tumoren etwa 600 Tage.

Die Frau mit dem Spenderorgan hatte keine Chance

Innerhalb kurzer Zeit hatten sich mehrere Krebs-Herde in der Lunge gebildet und zahlreiche Metastasen. Die Therapien hatten allesamt keine Aussicht auf Erfolg. Die Frau verstarb zwei Monate später an den Folgen des Lungenkrebses.

Mutation durch Rauchen

Aus den Analysen der Tumor-DNA ging hervor, dass eine bestimmte genetische Mutation für das schnelle Wachstum verantwortlich war. Diese Mutation ist normalerweise nur mit dem Rauchen assoziiert. Professor Jean-Louis Pujol und seinen Kollegen analysierten den Fall. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Medikamente zur Unterdrückung der Immunabwehr, die die Patientin nach der Transplantation einnehmen musste, wahrscheinlich für das beschleunigte Wachstum verantwortlich sind.

Sollten Lungen von Rauchern nicht zur Spende freigegeben werden?

Die Autoren des Berichts kommen zu dem Ergebnis, dass es angesichts der langen Latenzzeit bei Lungenkrebs nicht empfehlenswert ist, eine Lunge von langjährigen Rauchern zu transplantieren, insbesondere, wenn diese erst vor Kurzem das Rauchen aufgegeben haben. (vb)