Parkinson: Anzeichen schon 20 Jahre vor Ausbruch erkennbar

Jüngere hält ältere Hand

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Durchbruch bei der Diagnose von Parkinson

Forschende des King’s College London gaben jetzt bekannt, dass sie frühste Anzeichen von Parkinson identifiziert haben, welche bereits 15 bis 20 Jahre vor den ersten Symptomen der Krankheit auftreten.


Bei der aktuellen Untersuchung des King’s College London wurde festgestellt, dass frühste Anzeichen von Parkinson im Gehirn bereits 15 bis 20 Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome zu finden sind. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Lancet Neurology“ publiziert.

Parkinson ist eine Krankheit, welche das Leben von Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich erschwert. (Bild: Ocskay Mark/fotolia.com)

Werden die Ergebnisse zu einer verbesserten Behandlung beitragen?

Bei Untersuchungen einer kleinen Anzahl von Hochrisikopatienten wurden Störungen im sogenannten Serotoninsystem des Gehirns festgestellt, welches die Stimmung, den Schlaf und die Bewegung steuert. Diese Entdeckung könne zu neuen Screening-Instrumenten und Behandlungen von Parkinson führen, berichten die Forschenden.

Was ist Parkinson?

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung. Die Hauptsymptome sind beispielsweise Zittern und Depressionen, zusätzlich treten häufig auch Gedächtnis- und Schlafstörungen bei der Erkrankung auf. Traditionell wird angenommen, dass die Krankheit mit Dopamin zusammenhängt, welches im Gehirn von Menschen mit Parkinson fehlt. Obwohl es bisher keine Heilung gibt, gibt es Behandlungen zur Kontrolle der Symptome. Diese konzentrieren sich vor allem auf die Wiederherstellung des Dopaminspiegels.

Welche Rolle spielt der Serotoninspiegel?

Die Forschenden des King’s College London schlagen jedoch vor, dass Änderungen des Serotoninspiegels im Gehirn bei Parkinson an erster Stelle stehen und als Frühwarnzeichen dienen könnten. Für die Studie wurden die Gehirne von 14 Menschen aus abgelegenen Dörfern in Südgriechenland und Italien untersucht, welche alle seltene Mutationen im sogenannten SNCA-Gen aufweisen, was fast sicher macht, dass die Betroffenen die Krankheit entwickeln. Bei der Hälfte dieser Gruppe war bereits Parkinson diagnostiziert worden, die andere Hälfte zeigte noch keine Symptome, was sie ideal für die Untersuchung des Krankheitsverlaufs macht.

Durch den Vergleich des Gehirns mit weiteren 65 Patienten mit Parkinson und 25 gesunden Freiwilligen konnten die Forschenden frühzeitige Hirnveränderungen bei Patienten im Alter von 20 bis 30 Jahren feststellen. Diese wurden im Serotoninsystem gefunden, einem Hormon, welches viele Funktionen im Gehirn hat und sich beispielsweise auf Stimmung, Appetit, Kognition, Wohlbefinden und Bewegung auswirkt. Die Anomalien seien lange vor Beginn der Bewegungsprobleme und vor der Änderung des Dopaminspiegels festgestellt worden, erklären die Autoren der Studie. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Früherkennung von Veränderungen im Serotoninsystem die Entwicklung neuer Therapien ermöglichen könnte, um das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit zu verlangsamen und letztendlich zu verhindern, fügen die Forschenden hinzu.

Gab es Einschränkungen bei der Studie?

Die bei der Studie verwendete Bildgebungsmethode ist hochspezialisiert und ihre Anwendung auf eine sehr kleine Anzahl von Forschungszentren beschränkt. Sie kann daher noch nicht zur Diagnose von Patienten oder sogar zur Bewertung neuartiger Behandlungen in großen klinischen Studien genutzt werden.

Weitere Forschung ist nötig

Die aktuelle Forschungsarbeit ist ein vielversprechender Ansatz, um die Parkinson-Krankheit bereits zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erkennen. Nun sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich. Wenn es jedoch gelingt, ein Tool zur Messung und Überwachung der Entwicklung von Parkinson zu entwickeln, könnte dies vielen Betroffenen helfen. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Serotonergic pathology and disease burden in the premotor and motor phase of A53T α-synuclein parkinsonism: a cross-sectional study