Schadstoffe bei Obst und Gemüse: Besser waschen oder schälen?

Alfred Domke

Schadstoffbelastung: Sollte Obst und Gemüse besser gewaschen oder geschält werden?

Gesundheitsexperten empfehlen täglich mindestens fünf bis zehn Portionen Obst und Gemüse zu verzehren. Dadurch versorgt man seinen Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen und schützt sich so vor Krankheiten. Allerdings lauern auf den pflanzlichen Lebensmitteln manchmal auch gesundheitsgefährdende Keime. Sollte Obst und Gemüse daher also besser geschält werden? Oder gewaschen? Experten haben dazu einige wichtige Tipps.


Zahlreiche gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe

Immer wieder wird berichtet, dass Obst und Gemüse mit Pestiziden und anderen Schadstoffen belastet ist. Experten raten aber dennoch davon ab, den Verzehr der pflanzlichen Lebensmittel einzuschränken. Schließlich sind Gemüse und Obst kalorienarm und enthalten viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Laut Fachleuten sind die positiven Eigenschaften dieser Stoffe für eine langfristige Erhaltung der Gesundheit höher zu bewerten als eine mögliche Gefährdung durch Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln.

Meldungen über Schadstoffbelastungen von Obst und Gemüse verunsichern viele Verbraucher. Hilft es, die Lebensmittel zu waschen oder vermeiden wir Pestizidrückstände durch vollständiges Schälen? (Bild: travelbook/fotolia.com)

Aufnahme von Schadstoffen reduzieren

Wie der Verbraucher Service Bayern in einer Mitteilung schreibt, setzen Landwirte und Gärtnereien Pflanzenschutzmittel ein, um Kulturpflanzen vor Schädlingen, Unkraut und Pflanzenkrankheiten zu schützen.

Den Angaben zufolge sind derzeit ungefähr 775 Pflanzenschutzmittel in Deutschland zugelassen. Selbst bei ordnungsgemäßer Anwendung seien Rückstände auf dem Erntegut möglich.

Mit den richtigen Hygienemaßnahmen bei der Zubereitung lässt sich die Aufnahme von Schadstoffen allerdings deutlich reduzieren.

Obst und Gemüse gründlich waschen

Durch gründliches Abwaschen mit kaltem Wasser wird der Großteil der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf Obst und Gemüse entfernt.

Einen zusätzlich günstigen Effekt kann man durch Abreiben mit Mikrofasertüchern oder durch Bürsten erreichen – sofern die Früchte dies erlauben.

Warmes Wasser oder spezielle Obstwaschmittel hingegen liefern keinen zusätzlichen Nutzen.

Der Verbraucherservice weist darauf hin, dass bei Obstwaschmitteln im Gegenteil die Möglichkeit besteht, dass Tenside aus dem Waschmittel auf den Früchten zurück bleiben.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, was US-amerikanische Forscher im vergangenen Jahr berichteten: In einer Studie stellten sie fest, dass zur Entfernung von Pestiziden von Äpfeln eine Lösung aus Backpulver und Wasser eingesetzt werden kann.

Durch das Schälen gehen oft gesunde Pflanzenstoffe verloren

Gemüse- und Obstsorten mit unebener Oberfläche sollte man stets besonders gründlich waschen.

Auch bei Sorten, bei denen die Schale nicht verzehrt wird, ist das Reinigen oft von Vorteil, etwa bei Avocados.

Bei Salaten oder Kohlköpfen empfiehlt es sich, die äußeren Blätter zu entfernen.

Gemüse und Obst, das üblicherweise mit der Schale verzehrt wird, sollte nicht geschält werden, da mit der Schale nicht nur Schadstoffe sondern auch gesunde sekundäre Pflanzenstoffe verloren gehen.

Schadstoffbelastung kann schwanken

Laut dem Verbraucher Service Bayern zeigen Untersuchungen der Lebensmittelüberwachungsbehörden der einzelnen Bundesländer, dass insbesondere aus anderen Ländern importierte Obst- und Gemüsesorten die Höchstmengen von Pflanzenbehandlungsmitteln überschreiten.

Daher ist es sinnvoll, vor allem Obst und Gemüse aus der Region zu essen. Bei zahlreichen Gemüse- und Obstsorten, zum Beispiel Erdbeeren, schwankt die Pestizidbelastung auch saisonal.

Bei der jährlichen Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart für 2017 schnitt frisches Gemüse aus Deutschland insgesamt am besten ab.

Bioware ohne Pestizide

Bio-Obst und –Gemüse stellt eine pestizidfreie Wahl dar, da der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln in der Ökoproduktion nicht zulässig ist.

Erlaubt sind natürliche Substanzen tierischer oder pflanzlicher Herkunft wie beispielsweise Mineralien, pflanzliche Öle oder Seifen.

Bioerzeuger gehen unter anderem auch mit widerstandsfähigen Pflanzensorten und durch geeignete Fruchtfolgen gegen Schadinsekten und Unkraut vor.

Gemüse restlos verwerten

In der modernen Küche gibt es den Trend Obst und Gemüse komplett zu verwenden.

So werden beispielsweise das Grün der Gelben Rübe sowie die Blätter von Kohlrabi, Radieschen und Roter Beete zu Pestos, Salaten oder Suppen verarbeitet.

Allerdings können diese Pflanzenteile mit Pestiziden belastet sein. Grenzwerte für Spritzmittel gelten lediglich für die üblicherweise verzehrbaren Pflanzenteile und nicht für das Kraut und die Blätter.

Wer die Pflanzen restlos verwerten will, verwendet am besten frische, ungespritzte Ware aus dem eigenen Garten oder Bio-Gemüse.

Rübenkraut, Radieschenblätter und Co. sollten immer gründlich unter fließendem Wasser gewaschen werden. Dies gilt vor allem bei rohem Verzehr. (ad)