Schlechte Mundgesundheit erhöht das Risiko an Leberkrebs zu erkranken

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Wie sich unsere Mundgesundheit auf Leberkrebs auswirkt

Forschende analysierten jetzt die Beziehung zwischen dem Risiko für Krebs und selbst berichteten Mundgesundheitszuständen wie schmerzhaftem oder blutendem Zahnfleisch, Mundgeschwüren und losen Zähnen. Es stellte sich dabei heraus, dass eine schlechte Mundgesundheit das Risiko für Leberkrebs erhöht.


Bei der aktuellen Untersuchung der Queen’s University Belfast wurde festgestellt, dass unsere Mundgesundheit sich auf unser Risiko für Leberkrebs auswirkt. Die Autoren der Studie veröffentlichten jetzt eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen.

Sind die Zähne durch Karies und Parodontose in einem schlechten Zustand, kann dies das Risiko für Leberkrebs erhöhen. (Bild: Igor Gromoff/fotolia.com)

Schlechte Mundgesundheit erhöht das Risiko für viele Krankheiten

Bei der Untersuchung wurde keine signifikante Assoziationen bezüglich des Risikos der meisten Magen-Darm-Tumore und einer schlechten Mundgesundheit festgestellt. Es konnte aber ein wesentlicher Zusammenhang mit Leberkrebs beobachtet werden. „Eine schlechte Mundgesundheit war mit dem Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Schlaganfall und Diabetes verbunden“, erklärt Studienautor Dr. Haydée WT Jordão von der Queen’s University in Belfast in einer Pressemitteilung. „Es gibt jedoch inkonsistente Belege für die Assoziation zwischen schlechter Mundgesundheit und bestimmten Arten von Magen-Darm-Krebs, die mit unseren Untersuchungen analysiert werden sollten“, fügt der Experte hinzu.

Wie gefährlich ist Leberkrebs?

Leberkrebs ist die sechst tödlichste Krebserkrankung in der EU und fordert das Leben von knapp 60.000 Menschen pro Jahr. Die 5-Jahres-Überlebensrate für die Krankheit in ganz Europa liegt bei nur elf Prozent. Es wird angenommen, dass bis zur Hälfte der Fälle von Leberkrebs vermeidbar sind, wobei Risikofaktoren häufig im Zusammenhang mit dem Lebensstil stehen, wie beispielsweise Übergewicht, Fettleibigkeit, Rauchen und Alkoholkonsum.

Es nahmen über 460.000 Menschen an der Studie teil

Von den 469.628 Teilnehmenden entwickelten 4.069 während der (durchschnittlichen) Nachbeobachtungszeit von sechs Jahren Magen-Darm-Krebs. In 13 Prozent dieser Fälle berichteten die Patienten von einer schlechten Mundgesundheit. Bei Teilnehmenden mit schlechter Mundgesundheit war die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie jünger und weiblich waren, in benachteiligten sozioökonomischen Gebieten lebten und weniger als zwei Portionen Obst und Gemüse pro Tag konsumierten.

Weitere Forschung ist nötig

Die biologischen Mechanismen, durch die eine schlechte Mundgesundheit stärker mit Leberkrebs als mit anderen Krebsarten des Verdauungssystems in Verbindung gebracht wird, sind bisher noch ungewiss. Eine Erklärung ist die mögliche Rolle des Mund- und Darmmikrobioms bei der Krankheitsentwicklung. Die Leber trägt zur Eliminierung von Bakterien aus dem menschlichen Körper bei. „Wenn die Leber von Krankheiten wie Hepatitis, Leberzirrhose oder Krebs befallen wird, nimmt ihre Funktion ab und Bakterien überleben länger und können daher möglicherweise mehr Schaden anrichten“, erläutert Studienautor Jordão. Weitere Studien zum Mikrobiom und zu Leberkrebs seien daher dringend nötig.

Ändert sich bei schlechter Mundgesundheit die Ernährung?

Eine andere Theorie zur Erklärung des höheren Krebsrisikos aufgrund schlechter Mundgesundheit legt nahe, dass Teilnehmende mit einer hohen Anzahl fehlender Zähne ihre Ernährung möglicherweise ändern und weichere und weniger nahrhafte Lebensmittel konsumieren, was wiederum das Risiko für Leberkrebs beeinflusst. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Queen's researchers find poor oral health is linked to a 75% increase in liver cancer risk