Schwitzen, Herzrasen, Schwindel: Millionen Deutsche haben Zahnarzt-Angst

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Was man tun kann wenn die Zahnarzt-Angst zur Krankheit wird

Millionen Menschen in Deutschland haben panische Angst vorm Zahnarzt. Schon der Gedanke an die Behandlung sorgt bei ihnen für gesundheitliche Beschwerden. Doch Betroffenen kann geholfen werden. Experten erklären, was gegen Zahnarztphobie am besten hilft.


Fünf Millionen Bundesbürger mit Zahnbehandlungsphobie

Wohl niemand wird von sich behaupten, gerne zum Zahnarzt zu gehen. Es gibt aber auch Menschen, die sich vor einer solchen Behandlung richtig fürchten. „Allein in Deutschland gibt es ca. 5 Millionen Menschen mit Zahnbehandlungsphobie“, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie® (DGZP) auf ihrer Webseite. Viele von ihnen gehen deshalb gar nicht zum Zahnarzt. Doch es gibt so einiges, das Betroffenen helfen kann.

Wohl niemand geht richtig gerne zum Zahnarzt. Manche Menschen haben jedoch vor der Behandlung so viel Angst, dass sie erst gar nicht in die Praxis gehen. Doch Betroffenen kann geholfen werden. (Bild: 4framegroup/fotolia.com)

Krankhafte Angst

Die Angst vorm Zahnarzt kann so schlimm sein, dass sie krankhaft ist.

Das kann schwerwiegende Folgen haben:

„Bei einer Zahnbehandlungsphobie erscheinen Betroffene erst gar nicht in der Praxis und das oft über viele Jahre hinweg“, erklärt der Fachzahnarzt für Oralchirurgie, Prof. Peter Jöhren, in einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa.

Von einer Zahnbehandlungsphobie sind nach Angaben der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen in Deutschland betroffen.

Bei dieser psychosomatischen Angsterkrankung geraten Betroffene regelrecht in Panik, wenn sie auch nur an den Besuch beim Zahnarzt denken.

„Das kann sich beispielsweise in Form von Schweißausbrüchen, Herzrasen, Schwindel und Kreislaufproblemen äußern“, so der Oberarzt an der Klinik für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin an der Universität Bern Thomas Wolf, gegenüber der dpa.

Die Angst kann mehrere Ursachen haben. „Oft ist es der erlebte Schmerz vor, während und nach einer Zahnbehandlung, der bei betroffenen Patienten zur Vermeidung führt“, erläutert Jöhren, der Leiter der Zahnklinik Bochum ist.

So gaben in einer Studie 86 Prozent der betroffenen Patienten an, dass sie im Behandlungsstuhl traumatisierende Erfahrungen erlebt hätten – zu 70 Prozent passierte dies in der Kindheit.

Unbehandelte entzündete Zähne können gefährlich werden

Was also gegen die Angst vor der Zahnbehandlung tun?

Man kann zwar versuchen, durch regelmäßige Pflege dafür zu sorgen, dass Zahnschmerzen erst gar nicht entstehen, doch wenn es dazu kommt, muss gehandelt werden.

Schließlich können entzündete Zähne, die über einen längeren Zeitraum nicht behandelt werden, fatale Folgen haben. „Möglich sind ernsthafte akute und chronische Erkrankungen“, erläutert BZÄK-Vizepräsident Prof. Dietmar Oesterreich in der Agenturmeldung.

Wie dort erklärt wird, können Bakterien über den befallenen Zahn hinaus bis tief in die Kieferknochen eindringen. Und über den Blutkreislauf kann es dann zu manchmal lebensbedrohlichen Entzündungen im Körper kommen.

Hilfe vom Psychotherapeuten

Das macht deutlich, dass unbedingt die Phobie selbst behandelt werden muss. „Das ist aber nicht Aufgabe von Zahnärzten, sondern von ausgebildeten Psychotherapeuten“, so Wolf.

Zwar kann ein Angstpatient bei akuten Schmerzen, die eine zahnärztliche Therapie unaufschiebbar machen, gegebenenfalls unter Sedierung oder unter Vollnarkose gesetzt werden.

Doch eine Vollnarkose sollte laut Oesterreich „nur bei akut notwendiger Behandlung durchgeführt werden.“ Schließlich wird die Phobie so nicht überwunden.

Dies kann der Patient nur mithilfe eines Psychotherapeuten erreichen, zum Beispiel im Rahmen eines Anti-Angst-Trainings, bei dem Betroffene behutsam an die Situation beim Zahnarzt herangeführt werden.

„Beim ersten Zusammentreffen ist es wichtig, mit Informationen und Empathie das oft beim Patienten verloren gegangene Vertrauen gegenüber dem Zahnarzt wiederaufzubauen“, sagt Jöhren.

Der behandelnde Arzt sollte sich einfühlsam nach den Wünschen des Patienten erkundigen und diese notieren, damit sie nicht vergessen werden.

„Manchen Patienten hilft es etwa, wenn sie während der Behandlung über Kopfhörer ihre Lieblingsmusik hören oder einfach Entspannungsmusik im Hintergrund“, so Wolf laut dpa.

Dank moderner Verfahren sind heutzutage ohnehin auch schmerzfreie Zahnbehandlungen möglich. Manche machen auch Bohrer und Füllungen überflüssig.

„Damit die Psychotherapie dauerhaft Erfolg hat, ist entscheidend, dass der Patient bei den zahnärztlichen Behandlungen keine schlechten Erfahrungen macht“, sagt Jöhren.

Laut dem Experten können bereits kleinste Verstöße gegen die Abmachungen zwischen Therapeut, Zahnarzt oder Patient zu erneutem Abwehrverhalten führen. „Das Versprechen der schmerzfreien Behandlung darf keinesfalls gebrochen werden“, so Jöhren. (ad)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.