Super Mario und Co: Diese 3-D-Videospiele könnten vor Demenz schützen

Möglicher Schutz vor Demenz: 3-D-Videospiele erhöhen Graue Substanz von Senioren

In einer aktuellen Studie kanadischer Forscher zeigte sich, dass das Spielen bestimmter 3-D-Videospiele die kognitiven Leistungen von Senioren verbessern und die Graue Substanz im Gehirn erhöhen kann. Möglicherweise lasse sich dadurch sogar Demenz vorbeugen.


Zahl der Demenz-Patienten steigt immer weiter

Weltweit leben derzeit rund 47 Millionen Menschen mit Demenz, hierzulande sind es laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft fast 1,6 Millionen, die meisten von ihnen haben Alzheimer. Doch die Zahl steigt immer weiter. Zwar sind auch immer mehr junge Menschen betroffen, doch in erster Linie erkranken nach wie vor Senioren. Einer aktuellen Studie zufolge könnten sie ihr Erkrankungsrisiko womöglich reduzieren, indem sie öfter zu 3-D-Videospielen greifen.

Videospiele sind eher etwas für Jüngere, möchte man meinen. Doch auch Senioren sollten öfter auf Computerspiele zurückgreifen. Das kann sie womöglich vor Demenz bewahren, wie Forscher nun herausgefunden haben. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Videospiele zur Alzheimer-Prävention

Ein internationales Forscherteam berichtete vor kurzem, dass rund ein Drittel der Demenz-Fälle verhindert werden könnte, wenn von Kindheit an bestimmte Risikofaktoren eliminiert werden.

Bei den von den Wissenschaftlern neun identifizierten Risikofaktoren für Demenz handelt es sich um Hörverlust im mittleren Lebensalter, mangelnde Bildung im Jugendalter, Rauchen, Depressionen, Bewegungsmangel, soziale Isolation, Bluthochdruck, Adipositas, und Typ 2-Diabetes.

Womöglich gäbe es auch weniger Demenzerkrankungen, wenn Senioren öfter zocken würden. Denn das Spielen von 3-D-Videospielen kann die kognitiven Leistungen bei älteren Menschen verbessern und die Graue Substanz in bestimmten Gehirnbereichen erhöhen.

Das haben kanadische Forscher nun herausgefunden.

Positive Auswirkungen auf das Gehirn

Schon in älteren wissenschaftlichen Untersuchungen zeigte sich, dass manche Computerspieler deutlich besser lernen können und dass Videospiele mitunter gut für die Gehirn-Entwicklung sind. Offenbar können auch Senioren davon profitieren.

„Wenn Sie zwischen 55 und 75 Jahre alt sind, sollten Sie versuchen, 3D-Computerspiele wie Super Mario 64 spielen, um leichte kognitive Beeinträchtigungen abzuwehren und vielleicht sogar Alzheimer vorzubeugen“, heißt es in einer Mitteilung der Universität Montreal (Kanada).

Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der Universität von Montréal, dem Institut Universitaire de Gériatrie de Montréal (IUGM), von der Memorial University in Neufundland und dem Hospital Research Centre in Montreal.

Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Fachmagazin „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Anstieg der Grauen Substanz im Hippocampus

In zwei Studien aus den Jahren 2014 und 2017 zeigte sich, dass bei jungen Erwachsenen in den Zwanzigern die Graue Substanz im Hippocampus stieg, wenn sie 3D-Computerspiele wie „Super Mario 64“ spielten.

Der Hippocampus ist die Region des Gehirns, die in erster Linie mit dem räumlichen und episodischen Gedächtnis verbunden ist, einem Schlüsselfaktor für die langfristige kognitive Gesundheit.

Die Graue Substanz, die es enthält, dient als Marker für neurologische Störungen, die im Laufe der Zeit auftreten können, einschließlich leichter kognitiver Beeinträchtigungen und Alzheimer.

Psychologie Professor Gregory West von der Universität Montreal und seine Kollegen wollten sehen, ob die Ergebnisse unter gesunden Senioren reproduziert werden können.

Ein halbes Jahr fünf Mal die Woche zocken

Das Forschungsteam rekrutierte 33 Personen im Alter von 55 bis 75 Jahren, die nach dem Zufallsprinzip in drei separate Gruppen eingeteilt wurden.

Die Teilnehmer der ersten Gruppe wurden angewiesen, Super Mario 64 insgesamt 30 Minuten am Tag, fünf Tage die Woche zu spielen.

Die Probanden der zweiten Gruppe sollte mit der gleichen Häufigkeit Klavierunterricht nehmen (zum ersten Mal in ihrem Leben) und die restlichen Studienteilnehmer erhielten keine bestimmte Aufgabe.

Das Experiment dauerte sechs Monate und wurde in den Häusern der Teilnehmer durchgeführt, wo die Konsolen und Klaviere aufgebaut wurden.

Kurzzeitgedächtnis verbesserte sich

Die Wissenschaftler bewerteten die Wirkung des Experiments am Anfang und am Ende der Übung mit zwei verschiedenen Messungen: kognitive Leistungstests und Magnetresonanztomographie (MRT).

Laut den MRT-Testergebnissen zeigten nur die Teilnehmer in der Videospielkohorte einen Anstieg des Volumens der Grauen Substanz im Hippocampus und im Cerebellum. Ihr Kurzzeitgedächtnis hat sich ebenfalls verbessert.

Bei den Probanden der Klavier-Gruppe war unter anderem eine Zunahme der Grauen Substanz im Kleinhirn feststellbar.

Bei der Vergleichsgruppe, die nichts Neues lernte, nahm die Menge der Grauen Substanz in allen getesteten Gehirnarealen ab.

Ein Abbau im Hippocampus gilt als beteiligt an Demenzerkrankungen wie Alzheimer.

Senioren sollten Super Mario spielen

Doch welcher Mechanismus löst, besonders im Hippocampus, nach dem Spielen von Videospielen eine Zunahme der Grauen Substanz aus?

„3D-Videospiele greifen den Hippocampus an, um eine kognitive Karte oder eine mentale Repräsentation der virtuellen Umgebung zu schaffen, die das Gehirn erforscht“, erklärte West.

„Mehrere Studien deuten darauf hin, dass die Stimulation des Hippocampus sowohl die funktionelle Aktivität als auch die Graue Substanz in dieser Region erhöht.“

Umgekehrt, wenn das Gehirn keine neuen Dinge lernt, verkümmert die Graue Substanz mit zunehmendem Alter.

„Die gute Nachricht ist, dass wir diese Effekte umkehren und das Volumen erhöhen können, indem wir etwas Neues lernen, und Spiele wie Super Mario 64, die den Hippocampus aktivieren, scheinen in dieser Hinsicht ein gewisses Potenzial zu haben“, so West.

Ko-Autorin Sylvie Belleville fügte hinzu: „Diese Erkenntnisse können auch genutzt werden, um zukünftige Forschung über Alzheimer voranzutreiben, da es eine Verbindung zwischen dem Volumen des Hippocampus und dem Risiko der Entwicklung der Krankheit gibt.“ (ad)