Zusammenhang zwischen Trauma, schlechtem Schlaf und Belastungssymptomen

Trauma, Schlafprobleme und Belastungssymptome hängen eng zusammen

In einer neuen Studie wurden Hinweise darauf gefunden, dass Schlafprobleme einen entscheidenden Einfluss darauf haben könnten, dass Menschen nach schwer belastenden Erlebnissen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln.


Posttraumatische Belastungsstörungen nach erschütternden Erlebnissen

Wenn Menschen Schreckliches erlebt haben, können neben Angststörungen und Depressionen auch sogenannte posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) auftreten, selbst wenn die dramatischen Erlebnisse bereits Wochen oder Monate, zum Teil auch Jahre zurückliegen. Trauma-Forscherinnen der Universität des Saarlandes haben nun in einer Schlafstudie Hinweise dafür gefunden, dass Schlafprobleme einen entscheidenden Einfluss darauf haben könnten, dass Menschen nach schwer belastenden Erlebnissen eine PTBS entwickeln. Die Studienergebnisse wurden im Fachblatt „Sleep Medicine“ veröffentlicht.

Schlafstörungen könnten einen entscheidenden Einfluss darauf haben, dass Menschen nach schwer belastenden Erlebnissen eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Belanglose Kleinigkeiten können Flashbacks auslösen

Menschen, die extreme körperliche Gewalt, einen Terroranschlag, Unfall, Krieg oder sonst etwas Erschütterndes erlebt haben, schaffen es mitunter nicht, das Erlebte zu verarbeiten.

Bei der posttraumatischen Belastungsstörung wird für die Betroffenen die Erinnerung zum Problem. Belanglose Kleinigkeiten – ein Geruch, ein T-Shirt in bestimmter Farbe – lösen ohne Vorwarnung sogenannte Flashbacks aus:

Plötzlich und mit Wucht erleben sie das Schreckliche wieder und wieder – mehrmals am Tag.

„Typisch ist auch, neben Symptomen wie zwanghaftes Grübeln oder Reizbarkeit, dass Betroffene sich an wesentliche Teile des Geschehens nicht vollständig erinnern können“, erklärt Psychologie-Professorin und Trauma-Therapeutin Tanja Michael von der Universität des Saarlandes in einer Mitteilung.

Bei Trauma-Folgestörungen ist also offenbar das Gedächtnis beeinträchtigt.

Großteil der Patienten leidet an Ein- und Durchschlafstörungen

Dem wollten die Saarbrücker Trauma-Forscherinnen um Tanja Michael näher auf den Grund gehen.

Die Ergebnisse ihrer Schlafstudie sprechen dafür, dass Trauma, schlechter Schlaf und die Entstehung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) eng zusammenhängen.

Die Wissenschaftlerinnen fanden Hinweise, dass ein traumatisches Ereignis Schlafstörungen hervorrufen kann und dass die Schlafqualität wiederum Auswirkungen darauf hat, dass sich PTBS-Symptome entwickeln.

„Siebzig bis über neunzig Prozent der Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen leiden an Ein- und Durchschlafstörungen, das ist aus früheren Studien bekannt“, erklärt die promovierte Psychologin Roxanne Sopp.

Der Schlaf spielt generell eine entscheidende Rolle bei der Gedächtnisbildung. „Insbesondere beim Abspeichern ins Langzeitgedächtnis und für das Konsolidieren des Gedächtnisses hat der Schlaf ausschlaggebende Funktion“, so Sopp.

Zusammenspiel von Trauma, Schlafstörungen und gedächtnisbezogenen Symptomen

Um das Zusammenspiel von Trauma, Schlafstörungen und gedächtnisbezogenen Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung näher zu beleuchten, konfrontierte das Team Probanden mit „traumatischen“ Filminhalten.

In ihrer experimentellen Studie untersuchten die Forscherinnen, wie sich diese Filminhalte, die eine Art „kleines“, zeitlich begrenztes Trauma auslösen, bei den Testpersonen auf die Schlafqualität und auf spontane, belastende Erinnerungen auswirken.

32 Probanden, allesamt robuste Schläferinnen und Schläfer ohne Schlafschwierigkeiten, verbrachten eine Nacht im Schlaflabor der Saar-Uni – beobachtet von den Wissenschaftlerinnen, die mit Gehirnstrom-Messungen (EEG) über ihren Schlaf wachten.

Eine Gruppe sah vor dem Zubettgehen den Trauma-Film, die Kontrollgruppe einen neutralen, nicht belastenden Film.

„Die Schlafdauer war in der Trauma-Gruppe reduziert, der Non-Rem-Schlaf signifikant reduziert und die Wachphasen in der Nacht waren länger“, fasst Sopp zusammen.

Die Studienteilnehmer der Trauma-Gruppe führten im Anschluss mehrere Tage ein Tagebuch und dokumentierten, wie oft sie an Szenen des Films dachten und wie belastend sie dies empfanden.

Außerdem beantworteten sie Fragebögen, in denen typische Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung wie Flashbacks abgefragt wurden. Die Ergebnisse werteten die Forscherinnen zusammen mit den Gehirnstrom-Messungen aus.

Konfrontationstherapie weiter verbessern

Das Team fand deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang: „Mehr Schlaf, weniger Symptome“, bringt es Roxanne Sopp auf den Punkt.

„Je mehr REM-Schlafphasen die Probanden hatten, desto weniger Flashbacks hatten sie nach Schlüsselreizen und sie empfanden diese auch als weniger belastend. Das spricht für einen Zusammenhang von Schlaf und PTBS-Symptomen.“

Diese Erkenntnisse wollen die Forscherinnen nun in die psychotherapeutische Behandlung von Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen einfließen lassen.

Ziel sei es insbesondere, die Konfrontationstherapie, eine der erfolgreichsten Trauma-Behandlungsmethoden, weiter zu verbessern. Im Rahmen solcher Therapien wollen sie gezielt Schlaftherapien einsetzen, um die Gedächtnisbildung zu unterstützen.

„Die Störung der Gedächtnisprozesse, die dafür verantwortlich ist, dass das traumatische Ereignis für die Betroffenen ständig wieder zur Gegenwart wird, ist zentraler Ansatzpunkt der Konfrontationstherapie“, erklärt Sopp.

„Zugleich erschwert diese Störung aber auch den Therapieprozess und damit die Wirksamkeit der Therapie. Hier setzen wir mit unserer Forschung an“, so die Wissenschaftlerin.

„Um perspektivisch die Wirksamkeit der Konfrontationstherapie zu verbessern, untersuchen wir, ob der Schlaf Gedächtnisprozesse verstärkt, die während erfolgreicher Trauma-Therapien stattfinden.“ (ad)