Loch im Herz- Ursachen, Symptome und Therapie

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Ein Loch im Herz entsteht entweder in der Scheidewand zwischen den Herzvorhöfen oder in der Scheidewand zwischen den Herzkammern. Meist ist das Loch angeboren, in seltenen Fällen entsteht es als Folge eines Herzinfarktes. Bei größeren Löchern steigt das Risiko eines Schlaganfalls.


Die wichtigsten Fakten

  • Bei einem Loch im Herz sind die ansonsten getrennten Herzkammern oder Herzvorhöfe durch eine Öffnung verbunden. So fließt das Blut hindurch, das dort nicht hingehört.
  • Meistens sind solche Löcher angeboren, weil sie sich beim Fötus nicht geschlossen haben.
  • In seltenen Fällen entstehen sie durch Herzinfarkte.
  • Kleine Löcher werden oft nicht behandelt, wenn sie keine Beschwerden verursachen.
  • Der Verschluss kleinerer Löcher in den Vorhöfen erfolgt heute überwiegend minimalinvasiv mittels eines Katheters.
  • Das Verschließen von Löchern in den Herzkammern bedarf jedoch einer Operation am offenen Herzen.
Das Loch im Herzen gehört zu den Krankheitsbildern, bei denen ein operativer Eingriff nicht zwingend notwendig ist. (Bild: Siarhei/fotolia.com)

Wie kommt es zu einem Loch im Herz?

Die Herzhälften bestehen aus jeweils einer Herzkammer und einem Vorhof. Sauerstoffarmes Blut bringt den Blutkreislauf durch den rechten Vorhof in die rechte Kammer und von dort in die Lunge. Die Atemluft versorgt es dort mit frischem Sauerstoff und das Blut fließt weiter über den linken Vorhof in die linke Kammer. Die Aorta befördert dann das Blut wieder in den Körper. Scheidewände trennen Vorhöfe und Herzkammern voneinander. Gifte, Infektionen während der Schwangerschaft und Gendefekte können dazu führen, dass die Scheidewände sich nicht schließen. Die Scheidewand wächst beim Embryo von oben und unten zusammen. Bei einem Loch in der Scheidewand schließt sie sich nicht vollständig.

Der Ventrikelseptumdefekt (VSD)

Hier liegt das Loch in der Scheidewand zwischen rechter und linker Herzkammer. Ist diese Öffnung klein, dann gelangt sauerstoffreiches Blut aus der linken in die rechte Kammer und von dort in die Lunge. Die Lunge wird so stärker als normalerweise durchblutet.

Große Löcher erhöhen den Druck in der rechten Herzkammer und dadurch den Druck in den Lungenarterien. Betroffene Kinder leiden durch diesen Blutdruck unter Atemnot und müssen schneller atmen.

Der Atriumseptumdefekt (ASD)

Die zweithäufigste angeborene Fehlbildung des Herzens ist ein Atriumseptumdefekt. Hier besteht ein Loch in der Scheidewand zwischen den Vorhöfen. Das sauerstoffreiche Blut fließt mit höherem Druck jetzt aus dem linken in den rechten Vorhof. Der Druck in der Lunge steigt, der rechte Vorhof und die rechte Herzkammer können sich vergrößern. Bei kleineren Löchern zeigen sich meist keine Symptome, auf lange Zeit besteht jedoch die Gefahr einer Thrombose oder einer Herzrhythmusstörung.

Eine kardiologische Untersuchung klärt, um welche Form eines Lochs im Herz es sich handelt. (Bild: ra2 studio/fotolia.com)

Das Persistierende Foramen ovale (PFO)

Hier entsteht ein Loch zwischen den Vorhöfen und somit eine direkte Verbindung zwischen Lungen- und Körperkreislauf. Das Blut gelangt direkt aus den Lungenvenen in die Aorta. Gewöhnlich schließt sich diese Öffnung in den ersten Tagen nach der Geburt. Wenn nicht, bereitet dieses Loch Kleinkindern wenig Probleme, denn noch ist der Druck in der Lunge nicht hoch. Mit dem Lebensalter steigt jedoch dieser Druck. Für Jugendliche und Erwachsene mit einem PFO sind Tätigkeiten mit starken Druckschwankungen lebensgefährlich. Das gilt besonders für Tauchen und Bergsteigen. Auch das Fliegen wird riskant. Viele Todesfälle bei Tauchern gehen auf ein nicht erkanntes Loch in den Herzvorhöfen zurück.

Was können Sie tun?

Schwangere können sich bereits vor der Kindesgeburt mit Ultraschall untersuchen lassen, ob der Fötus an einem solchen Herzfehler leidet.

Symptome

Bei größeren Löchern manifestieren sich bei den Säuglingen typische Symptome. Sie trinken kaum, nehmen wenig Gewicht zu und leiden unter Atemnot. Auf Kinderkrankheiten spezialisierte Kardiologen klären, ob es sich um einen Septumdefekt handelt.

Kinder sind eher vom Loch im Herzen betroffen, der Herzfehler ist dabei meistens angeboren. (Bild: seventyfour/fotolia.com)

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Schwere des Defekts, seiner Größe und seiner Lage. Handelt es sich um einen enormen Herzfehler, dann wird dieser operativ entfernt. Ein ASD kann jedoch in acht von zehn Fällen minimalinvasiv behoben werden. Dazu wird ein kleiner Schirm mit einem Katheter eingeführt und dieses Schirmchen schließt dann das Loch. Dies geht nur, wenn sich das Loch in der Mitte der Scheidewand befindet. Wenn nicht, muss ein Eingriff am offenen Herzen stattfinden.

Loch im Herz bei älteren Menschen

Ein solcher Herzfehler ist meist angeboren, erscheint aber in selteneren Fällen auch im Alter. Hier liegt es in der Regel an einem Schaden der Kammerscheidewand, der durch einen Herzinfarkt verursacht wurde. Bei einem zu spät erkannten Infarkt gelangt kein Sauerstoff in das Herz und das führt zum Absterben vom Herzgewebe. Das kann auch die Substanz der Herzscheidewand betreffen. Das tote Gewebe vernarbt.

Die Herzwand kann aussacken und bisweilen bildet sich eine Öffnung in der Scheidewand zwischen der rechten und linken Herzkammer. Auch bei einer Operation am offenen Herz kann so ein Loch entstehen.
Manchmal färbt sich bei älteren Menschen aber als Folge eines Herzloches auch die
Haut blau oder sie leiden unter Kurzatmigkeit. Hier handelt es sich jedoch um eine Spätfolge einer angeborenen Öffnung im Herzen. In jungen Jahren ist die Leistung des Herzens stärker und so einen Fehler kann besser ausgeglichen werden. In fortgeschrittenen Jahren lässt die Herzleistung nach und jetzt setzen die Beschwerden ein.

Behandlung – Katheter und Doppelschirm

Ein solches Loch lässt sich mit einem Doppelschirm aus Nitrol verschließen. Dieser Schirm wird chirurgisch mit einer Sonde über die Leiste eingeführt. Meist reicht eine lokale Betäubung, es sei denn, der Patient besteht auf Vollnarkose. Bei den Betroffenen entstehen keine Schmerzen. Das Procedere dauert circa 30 Minuten.

Um einen Septumdefekt am Vorhof zu schließen, setzt man einen besonderen Katheter vom rechten Vorhof quer durch das Loch in den linken Vorhof und zieht einen Draht durch den Katheter in den linken Vorhof. Entlang des Drahts wird jetzt ein Messkatheter eingeführt, um die Ausmaße der Öffnung zu erkennen. Nach diesen Maßen richtet sich die Größe des Verschlusses.

Der Arzt entfernt den Messkatheter und zieht das Verschlusswerkzeug in den Führungskatheter. Der linke Teil des Verschlusses öffnet sich beim Schieben von selbst. Indem der Führungskatheter zurückgezogen wird, schmiegt sich der Verschluss an das Vorhofseptum. Ist der Führungskatheter vollständig zurückgezogen, öffnet sich auch der rechte Teil des Verschlusses. In den darauffolgenden drei Monaten nimmt der Patient Medikamente und zwar solange, bis das Gewebe den Schirm überwachsen hat.

In der kardiologischen Praxis wird die Notwendigkeit eines Eingriffs besprochen. (Bild: Elnur/fotolia.com)

Wann empfiehlt sich ein Verschluss?

Ein offenes Foramen ovale, das keine Beschwerden verursacht, wird in der Regel nicht verschlossen. Anders sieht es aus, wenn Blutgerinnsel aus dem Bein oder aus dem Becken durch die Öffnung in den großen Blutkreislauf gelangen. Dann können Blutgefäße im Hirn oder anderen Organen verstopfen, mit schweren Folgen wie zum Beispiel einem Schlaganfall. Die sehr seltenen Defekte am Vorhofseptum werden ebenfalls normalerweise nicht verschlossen. Dringend empfohlen wird ein Verschluss aber, wie beim offenen Foramen, wenn sich Blutgerinnsel bilden.

Diagnose

Kleine Defekte am Vorhof und das offene Foramen ovale lassen sich weder mit einem EKG noch mit einem Röntgenbild erkennen. Größere Löcher am Vorhof erkennen die Kardiologen hingegen an auffälligen Herzgeräuschen, am EKG oder am Röntgenbild. Herzlöcher werden vom Herzultraschall wesentlich effektiver gefunden.

Komplikationen

Bei Katheterverschlüssen sind Komplikationen ausgesprochen selten. In der Vergangenheit kam es in circa sechs Prozent der Fälle zu Blutgerinnseln. Dies ist aber mit den heutigen Verschlüssen kaum noch der Fall und diese Gerinnsel entstehen nur bei einem von hundert Behandelten. Theoretisch ist es auch möglich, dass der Schirm in den Kreislauf schwemmt und das Gewebe beschädigt. Praktisch kommt das jedoch so gut wie nie vor. Zehn Prozent der Betroffenen haben in den Wochen nach dem Eingriff Störungen des Vorhofrhythmus. Diese entstehen, weil die Vorhöfe mechanisch gereizt sind. Probleme ergeben sich dadurch nicht.

Auch wenn Leistungssport nicht infrage kommt, gibt es viele sportliche Aktivitäten wie zum Beispiel Wandern, die beim Loch im Herzen durchaus empfehlenswert sind. (Bild: Janni/fotolia.com)

Dürfen Sie Sport treiben?

Menschen mit einem unverschlossenen Loch im Herz können oftmals fast alle Sportarten betreiben, wenn das Loch klein ist. Sie sollten dies aber auf jeden Fall mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin absprechen. Bei einem kleinen Defekt können Sie sowohl moderate Sportarten wie zum Beispiel Golf, aber auch anstrengenderen Sport wie Fußball oder Radfahren betreiben. Bei einem größeren Loch ist das nicht so einfach – besonders, wenn das Loch zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff führt. Erkennbar ist das, wenn Sie im wahrsten Sinne des Wortes blau anlaufen, das heißt, sich Ihre Haut verfärbt. Sie sollten in diesem Fall keinen Sport wählen, der hohe Sauerstoffzufuhr benötigt wie zum Beispiel Langstreckenlauf. Leistungssport ist bei schwereren Herzdefekten nicht möglich, Freizeitsport schon. Die erste Wahl sind leichte Wanderungen.

Einem Loch im Herzen vorbeugen?

Einem Loch im Herzen können Sie nicht vorbeugen, da es meistens angeboren ist. Erworbene Öffnungen im Herzen sind eine Folge von Herzinfarkten. Höchstens können Sie also einem Herzinfarkt vorbeugen, durch regelmäßige Untersuchungen in der kardiologischen Praxis, Verzicht auf Zigaretten und Alkohol und ausreichende Bewegung. (Dr. Utz Anhalt)