Hausmittel gegen Splitter im Finger

Dr. Utz Anhalt
Tipps und Tricks für das einfache Entfernen von Splittern im Finger
Splitter im Finger nerven, schmerzen und können zu Infektionen führen. Darunter fallen verschiedenste Materialien: Holz- und Metallsplitter, Glas, oder auch Dornen von Pflanzen wie Brombeeren, Rosen oder Weißdorn. Im folgenden Artikel zeigen wir auf, mithilfe welcher Tricks und Hausmittel sich ein Splitter aus dem Finger entfernen lässt und worauf Sie dabei achten sollten.

Holzsplitter

Manche Tätigkeiten führen auf Dauer fast zwangsläufig zu Splittern im Finger. Das gilt besonders für die Arbeit mit Holz. Nadelholz splittert generell stärker als Laubholz. Tischler, Zimmerleute oder Arbeiter im Sägewerk kommen ständig mit Holzsplittern in Kontakt, die beim Sägen und Hobeln entstehen. Feinschliff macht diese noch kleiner, spitzer und somit schwerer zu entfernen, wenn sie in die Haut eindringen.

Wer im Beruf mit Holz arbeitet, hat ein besonders hohes Risiko für einen Splitter im Finger. (Bild: deagreez/fotolia.com)

Auch wer mit antiken Holzmöbeln hantiert, wird sich früher oder später Splitter am alten Holz zuziehen, ebenso Umzugsunternehmen. Profis in diesen Bereichen arbeiten deshalb meist mit Handschuhen.

Dornen

Eine weitere Risikogruppe sind Gärtner, auch Hobbygärtner, die sich oft unzureichend vorbereiten. Zum einen gelangen ohne Gartenhandschuhe und feste Kleidung kleine Dornen in die Haut, wenn die Gartenfreunde Brombeerranken entfernen oder Rosensträucher schneiden. Zum anderen bietet Gartenarbeit ein weites Spektrum für Splitter im Holz – angefangen von morschen Brettern in Gartenhütten über das Spalten von Holzscheiten für den Ofen bis zum Bau eines Vogelfutterhauses mit Ästen aus dem eigenen Garten oder dem Anlegen eines Hochbeetes mit den Hinterlassenschaften der gefällten Kiefer.

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Metallspäne

Bei der Arbeit mit Metall entstehen Metallspäne. Während der Körper Eisen- und Holzsplitter als Fremdkörper angreift und diese durch Eiterungen ausgeschieden werden, gilt dies nicht für Splitter aus Buntmetall wie Aluminium oder Messing. Diese sollte unbedingt ein Arzt entfernen, da sie leicht einwachsen und dann zu dauerhaften Entzündungen und Schmerzen führen.

Splitter entfernen mit Hausmitteln

Gewöhnlich versuchen wir, einen Splitter mit einer sterilisierten Nadel und einer Pinzette aus der Haut zu bekommen, doch es gibt viele weitere Methoden, die wir zu Hause anwenden können.

Die Flasche an der Fingerspitze

Befindet sich der Fremdkörper nah an einer Fingerspitze? Dann können Sie eine Flasche mit heißem, aber nicht kochendem Wasser so auffüllen, dass circa 1 cm frei bleibt. Dann drücken Sie die Fingerspitze mit dem Splitter in den Flaschenhals. Durch die Hitze des Wassers kommt er aus der Haut.

Pflaster mit Salicylsäure

Salicylsäure bekommen Sie in der Apotheke und tragen diese auf ein Pflaster auf. Dieses kleben Sie auf die Stelle, wo der Splitter eingedrungen ist. Die Säure sorgt dafür, dass dieser näher an die Hautoberfläche kommt, wo Sie ihn mit Nadel und Pinzette entfernen können.

Das Klebeband

Ist der Splitter noch sichtbar, können Sie versuchen, ihn mit einem starken Klebeband zu entfernen. Normales Tesafilm reicht nicht, geeignet ist zum Beispiel tesa Extra Power Extreme Outdoor oder Original Bundeswehr-Panzerband.

Sie kleben einen Streifen über die betroffene Stelle drücken vorsichtig auf den Splitter, und ziehen es vorsichtig in die Richtung ab, aus der der Splitter in die Haut gelangte. Sind Sie erfolgreich, dann bleibt er am Klebeband hängen.

Das Entfernen eines Holzsplitters geht einfacher, wenn Sie die betroffene Stelle vorher mehrmals in warmem Wasser baden. (Bild: fotoduets/fotolia.com)

Wasser

Handelt es sich um einen Holzsplitter? Dann quillt dieser in Wasser auf. Sie legen dafür die betroffene Hautstelle mehrmals am Tag in eine Schüssel mit warmem Wasser. Kleine Holzstückchen quellen so auf, dass sie aus der Wunde treten. Größere zeigen sich an der Oberfläche und lassen sich mit einer Pinzette entfernen.

Banane und Seife

Sie können etwas Banane zerdrücken, auf die betroffene Stelle auftragen und ein Pflaster zum Fixieren darüber kleben. Das lassen Sie über Nacht auf der Haut. Am nächsten Morgen ist die Haut aufgeweicht und Sie können den Splitter einfacher entfernen. Alternativ funktioniert das auch mit einem Stück Seife.

Öl und Fett

Damit der Splitter sich besser herausziehen lässt, reiben Sie die Stelle mit Öl oder Butter ein. Ob es sich um Oliven-, Sonnenblumen-, Raps- oder anderes Öl handelt, ist gleichgültig.

Wichtig: Steriles Werkzeug

Das größte Risiko bei einem Splitter im Finger sind Infektionen. Deshalb achten Sie unbedingt auf sterile Nadeln und Pinzetten, um ihn zu entfernen. Um Pinzetten und Nadeln zu sterilisieren, reicht es, Sie kurz über ein Feuerzeug zu halten und danach mit einem sauberen Tuch abzuwischen. Am besten tränken Sie das Tuch in Alkohol.

Nasse Watte

Wenn Sie sich vor Nadeln in der Haut ängstigen oder die mit dem Herumstochern in der Wunde verbundenen Schmerzen nicht auf sich nehmen wollen, können sie auch den entsprechenden Finger eines Plastikhandschuhs mit nasser Watte füllen, über den Finger ziehen und den Handschuh mit einem Pflaster festkleben.

Das Ganze lassen Sie dann über Nacht am Finger. Oft löst sich der Splitter so aus der Haut, übrigens auch, wenn er unter
dem Fingernagel sitzt.

Mögliche Komplikationen bei Splitter im Finger

Komplikationen entstehen einerseits durch Erreger, die sich am Splitter befinden, andererseits durch die Immunantwort des Körpers auf einen Fremdkörper, die zu Entzündungen führen kann. Wenn Sie das kleine Stückchen nicht entfernen, setzen sich die Abwehrkräfte des Körpers in Gang.

Sie greifen Bakterien an, die sich am Splitter befinden und stoßen den Fremdkörper ab. Es bildet sich ein Eiterherd. Der bricht nach einer Zeit auf, und der Eiter wie der Splitter kommen aus der Wunde. Sitzt dieser aber tief oder ist besonders groß, entwickelt sich eine chronische Entzündung.

Der Immunabwehr gelingt es nicht, ihn abzustoßen, der Eiterherd vergrößert sich, die Stelle wird rot, heiß und schwillt an. Spätestens, wenn die Stelle sich rötet, der Schmerz pocht und die Haut sich erwärmt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der den Fremdkörper entfernt. Im schlimmsten Fall folgt eine Blutvergiftung, und die kann tödlich enden.

Überprüfen Sie außerdem, ob Sie in den letzten zehn Jahren einen Impfung gegen Tetanus bekommen haben. Wenn nicht, holen Sie diese nach.

Meist hilft eine Pinzette mit gebogenen Spitzen, um den Splitter aus der Haut zu entfernen. (Bild: Lydie stock/fotolia.com)

Splitter entfernen mit der Pinzette

Die gängigste Methode einen Splitter aus dem Finger zu entfernen, besteht darin, diesen mit einer Pinzette herauszuziehen. Das Ende sollte weder zu breit noch zu schmal sein, sich am äußersten Ende verjüngende Pinzetten, um Wimpern zu zupfen, sind ungeeignet. Weniger zu empfehlen sind Pinzetten mit starkem Federzug, mit denen wir Härchen auszupfen, denn beim Herausziehen des Fremdkörpers sollten wir mit Fingerspitzengefühl genau kontrollieren, wie viel Druck wir ausüben.

Die auf Fixieren und Abzupfen angelegten Haarpinzetten richten bei Splittern leicht Schaden an, weil sie schnell Teile davon abbrechen und sich der Rest schwieriger entfernen lässt.

Anatomische Pinzetten mit Stift eignen sich hingegen ausgezeichnet. So genannte Pimple Remover (Pickelentferner) mit gebogenen Nadeln am Ende sind das richtige Werkzeug, um sehr kleine Splitter zu entfernen.

Die Deluxe-Variante sind Präzisionspinzetten mit eingebautem LED-Licht, die den in der Haut eingedrungenen Fremdkörper beleuchten. Bevor Sie sich wegen einem Splitter in der Haut indessen eine solche High Tech Pinzette für circa 20 Euro zulegen, sollten Sie sich überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, gleich zum Arzt zu gehen.

Sorgen Sie für Hygiene

Bevor Sie die Pinzette einsetzen, sterilisieren Sie das Werkzeug und waschen sich außerdem ihre Hände, und auch die des Betroffenen, wenn Sie jemand anders behandeln. Dann trocknen Sie die Haut mit einem sauberen Handtuch, nicht aber die Wunde.

Am besten vergrößern Sie die Sicht auf die betroffene Stelle mit einer Lupe. Jetzt ziehen Sie den Splitter hinaus.
Lässt sich dieser nicht einfach entfernen, dann weichen Sie den Finger zunächst in warmer Seifenlauge ein. Legen Sie die Haut anschließend mit einer kleinen Nagel frei und ziehen Sie den Fremdkörper mit der Pinzette heraus, sobald Teile von ihm aus der Wunde ragen.

Wird ein Splitter im Finger nicht richtig behandelt, droht im Ernstfall eine Blutvergiftung. (Bild: uwimages/fotolia.com)

Splitter im Finger: Wann zum Arzt?

Kleine Splitter lassen sich oft einfach entfernen. Größere Stücke in der Haut, zum Beispiel Glasscherben, rostige Nägel, Angelhaken oder Steinsplitter (Quartz etc.) erfordern einen Arzt. Fahren Sie in die Notaufnahme. Lassen Sie ihre Finger weg! Sie würden die Verletzung vermutlich verschlimmern, wenn Sie mit Pinzette und Nadel hantieren. Glassplitter könnten brechen und tiefer in die Haut hinein drücken, bei unsauberen Metallteilen verteilen Sie wahrscheinlich schädliche Stoffe innerhalb der Wunde und fördern so Infektionen.

Der Hautarzt Klaus Fritz aus Landau rät: „Einige Splitter, beispielsweise aus Metall oder Stein, lassen sich in der Praxis mithilfe eines Lasers zertrümmern.“

Sie sollten die Stellen, in denen größere Fremdkörper stecken, in jedem Fall einem Hautarzt zeigen, der mit ihnen das weitere Vorgehen bespricht.

Blutvergiftung

Die größte Gefahr bei einem Splitter im Finger, den Sie nicht sachgemäß behandeln, ist eine Blutvergiftung (Sepsis). Es handelt sich immerhin um die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Hier wird sinngemäß tatsächlich aus einer Mücke ein Elefant, eine Bagatellverletzung weitet sich zur tödlichen Vergiftung aus.

Ärzte warnen, dass Blutvergiftungen sogar besonders häufig durch vernachlässigte Kleinverletzungen entstehen: Schürfwunden, Schnitte mit dem Küchenmesser in die Haut oder durch das Eindringen von Splittern. In Panik geraten sollten Sie nicht, sondern auf Wundhygiene achten. Die Haupterreger einer Blutvergiftung, Staphylokokken, dringen in das Gewebe ein, wenn und weil eine Wunde nicht desinfiziert ist.

Fieber und Atemnot

Wenn Sie sich einen Splitter in den Finger gezogen haben und in der Folge Fieber, Schüttelfrost, Untertemperatur oder Atemnot auftritt, gehen Sie umgehend zum Hausarzt. Bei Verdacht auf eine Sepsis schickt dieser Sie ins Krankenhaus. Dort bekommen Sie ein Breitbandantibiotikum, das die meisten potenziellen Erreger abtötet, bevor der genaue Auslöser bestimmt ist. Unbehandelt führt eine Blutvergiftung zum Kreislaufzusammenbruch und dem septischen Schock. Die Organe versagen und Sie sterben.

Ein Splitter in der Haut führt generell nicht zu einer Blutvergiftung, sondern diese entsteht, weil Erreger in das Gewebe und das Blut eindringen. Das kann über jede offene Wunde geschehen. Zu einer Sepsis kommt es erst, wenn Sie die Wunde, sprich die Stelle, durch die der Fremdkörper eindrang, öffnen – mit Nadel und Pinzette, oder durch übermäßiges Kratzen. Deshalb sollten Sie unbedingt auf Wundhygiene achten, die Wunde desinfizieren, die Werkzeuge sterilisieren und sich die Hände waschen.

Ist der Splitter entfernt, muss die Wunde desinfiziert werden. (Bild: bmf-foto.de/fotolia.com)

Eine lokale Rötung und Schwellung um die betroffene Stelle zeigt erst einmal nur die Abwehrreaktion des Körpers und keine Blutvergiftung an. Solange sich die Stelle nicht weiter entzündet, handelt es sich nicht um ein Zeichen einer Vergiftung, sondern um den Versuch des Körpers, die Wunde zu heilen.

Wenn Sie einen großen Splitter in einer stark verschmutzten Wunde haben, sollten Sie zum Arzt. Auch bei kleineren Splittern wie Rosendornen sollten Sie die Verletzungen präventiv mit einer desinfizierenden Jodsalbe bedecken.

Ist eine Blutvergiftung indessen bereits ausgebrochen, besteht Lebensgefahr. Sie stellt einen medizinischen Notfall dar und muss umgehend ärztlich behandelt werden. Vergessen Sie Naturheilmittel wie grünen Tee gegen eine Sepsis. Die Bakterien, die die Entzündungsreaktion verursachen, müssen sofort mit einem Antibiotikum bekämpft werden.

Personen mit erhöhtem Risiko

Eine Blutvergiftung in Folge von Krankheitserregern, die durch Bagatellverletzungen wie kleine Fremdkörper, in den Körper gelangen, ist eine besondere Gefahr für Menschen mit schwacher Immunabwehr, sei es durch Alter, HIV, Autoimmunerkrankungen oder Diabetes. Diese sollten bei einem Splitter im Finger besondere Vorsicht walten lassen, bei Reisen, Handwerks- oder Gartenarbeit immer eine desinfizierende Jodsalbe dabei haben und besser zu früh als zu spät einen Arzt aufsuchen. (Dr. Utz Anhalt)