Das Reizdarmsyndrom (Colon irritabile, Reizkolon)
Das Reizdarmsyndrom (Colon irritabile, Reizkolon)
In der medizinischen Praxis häufig vorkommende (bei bis zu 20% der Bevölkerung) funktionelle Störung mit typischen Beschwerden im Bereich des Dickdarms, des Magens sowie verschiedenen Allgemeinsymptomen, die in der Mehrheit Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren betreffen. Da es sich beim Reizdarmsyndrom um eine sogenannte „Ausschlussdiagnose“ handelt, müssen organische Erkrankungen (Dickdarm- und Magenkarzinom, Magen- und Zwölffingerdarm-geschwür, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, chronische Pankreatitis und Schilddrüsenfunktionsstörungen) durch umfassende ärztliche Untersuchungen (inkl. Blut- und Stuhluntersuchung, Ultraschall des Bauches, einmalige Spiegelung im Verdauungstrakt) ausgeschlossen werden und die Beschwerden seit mindestens 12 Wochen anhalten. Die Behandlungsmöglichkeiten bestehen aus verschiedenen konventionellen und alternativen Maßnahmen, im Vordergrund steht dabei eine Umstellung der Lebens- und Ernährungsweise.
Das Reizdarmsyndrom ist eine an sich ungefährliche, jedoch sehr unangenehme Erkrankung, die in einigen Fällen zum vollständigen Rückzug der Betroffenen führt. Es besteht keine erhöhte Gefahr für Krebserkrankungen. Das Problem ist eine Übererregbarkeit der Darmbewegung mit krankhaft erhöhter Schmerzempfindlichkeit des Darmes. Außerdem besteht eine gesteigerte Reaktion auf Stress.
Beschwerden im Darmbereich zeigen sich typischerweise als krampfartige Schmerzen unterschiedlicher Stärke, hartem Blähbauch, Durchfall und Verstopfung im Wechsel sowie Schleimbeimengungen im Stuhl. Das Gefühl, sich nicht vollständig entleert zu haben, kann genauso auftreten wie eine spürbare Erleichterung nach dem Toilettengang. Symptome treten überwiegend morgens auf, wohingegen die Nächte meist als beschwerdefrei erlebt werden. Auch in Magen und Speiseröhre können Symptome auftreten, etwa Völlegefühl nach dem Essen, aber auch Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen und Sodbrennen. Darüber hinaus kommen auch allgemeine Symptome vor, nämlich Schlafstörungen, Beschwerden beim Wasserlassen, Kopf- und Rückenschmerzen, Angst und Depression, Menstruations- und funktionelle Herzbeschwer-den.
Allgemeinmaßnamen, die den Rahmen für eine erfolgreiche Behandlung bilden, sind eine gut verdauliche, reizarme und gesunde Ernährung, z.B. mit gedünstetem Obst und Gemüse (Rohkost und Vollkorn verstärken die Beschwerden meist), Sport bzw. leichte Bewegung, Entspannungsver-fahren wie Yoga, Tai Chi, Meditation oder (Selbst)-Hypnose und bei Bedarf Unterstützung durch Psychotherapie. Darüber hinaus werden in der konventionellen Praxis Medikamente zum Abführen, zur Unterdrückung von Durchfall sowie Schmerzmittel verschrieben.
Naturheilkundlich stehen verschiedene erfahrungsmedizinische Verfahren zur Verfügung, die ausprobiert werden können, z.B. Probiotik (z.B. E.Coli-Präparate), Pflanzenheilkunde, TCM und Akupunktur, Osteopathie, Hypnosetherapie, Isopathie oder Homöopathie. (Jeanette Viñals Stein, 24.10.2009)