Sommergrippe – Ursachen, Naturheilkunde und Behandlung

sommergrippe
Susanne Waschke

Eine Sommergrippe ist meist keine „echte Grippe“ (Influenza), sondern ein grippaler Infekt. Diese Erkrankung ähnelt in der Symptomatik stark der „Wintergrippe“ (grippaler Infekt im Winter). Der Unterschied besteht hier jedoch in den auslösenden Erregern, da jeder Virus einen bestimmten Lebensraum benötigt, um existieren zu können und dieser im Sommer anders ist, als im Winter. So sind für die sommerliche Erkrankung meist Coxsackie-, Entero-, und Echoviren, für den grippalen Infekt im Winter vor allem Rhino- und Coronaviren verantwortlich. Diese Erreger werden vor allem durch Tröpfchen- (anhusten, annießen), aber auch durch Schmierinfektion (kontaminierte Gegenstände wie zum Beispiel Türklinken) weitergegeben.

Echte Grippe – Influenza

Eine „echte Grippe“ wird ausgelöst durch Influenzaviren. Diese sind ebenfalls durch Tröpfeninfektionen, aber auch durch kontaminierte Gegenstände übertragbar. Wenn die Grippe ausbricht, so geschieht dies meist plötzlich und heftig, fast schon aus dem Nichts heraus. Schlagartig beginnender Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl, massive Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Fieber sind hier mögliche Symptome. Allerdings kann eine Grippeinfektion auch völlig beschwerdefrei Verlaufen. Mit einem Schnelltest lässt sich die Influenza diagnostizieren und so von einer Sommergrippe unterscheiden. Eine Influenza gehört in ärztliche Hände und kann bei Bedarf mit speziellen, antiviral wirkenden Medikamenten behandelt werden. Bei einer „echten Grippe“ ist Bettruhe unbedingt erforderlich.

Frau im Krankenstand mit Tee und Medikamenten. Erkältung, Schnupfen und Grippezeit
Eine Sommergirppe ist in der Symptomatik kaum von einer echten Influenzainfektion zu unterscheiden. Bild: Gina Sanders/fotolia.com

Symptome der Sommergrippe

Die Sommergrippe findet, wie ihr Name schon verrät, im Sommer statt. Auch wenn das sommerliche Klima nicht an Erkältungen denken lässt, so ist es trotzdem möglich, sich in der warmen Jahreszeit einen Infekt einzufangen. Die Klimaanlage im Auto, Zug oder Flugzeug, nasse Kleidung, die nach dem Baden nicht gewechselt wird, Zugluft, zu viel Sonne – all das kann einen grippalen Infekt auslösen. Im Sommer das Bett zu hüten, ist hier zwar keine angenehme Sache, aber wichtig, um den Infekt schnell in den Griff zu bekommen. In der Regel ist die Sommererkältung dann nach ein paar Tagen vorbei. Die Symptome ähneln sehr denen, der winterlichen Variante. Dazu gehören Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen, eventuell Fieber. Im Sommer kommen hin und wieder noch Magen-Darmbeschwerden, wie Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit und Erbrechen hinzu.

Gerade, weil sich die Viren bei warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit wohlfühlen und sich dabei auch schnell vermehren, ist die Ansteckungsgefahr dort sehr groß, wo sich im Sommer viele Menschen befinden. Dies ist zum Beispiel im Freibad, bei Festen, aber auch in öffentlichen Verkehrsmitteln der Fall. Hier werden die durch Tröpfchenübertragung weitergegebenen Viren schnell verbreitet. Ebenso haften diese natürlich auch an Haltegriffen im Bus, an Türklinken und Treppengeländern. Auch gemeinsam genutztes Geschirr kann zu einer Ansteckung führen.

Prävention

Die beste Prävention, um sich zu schützen, sind ein gutes, intaktes Immunsystem und ausreichende Hygiene. So sollte regelmäßiges Händewaschen zur Routine werden. Eine gesunde Abwehr, bei der die Viren die Schleimhautbarriere in Mund und Rachen nicht überwinden können, schützt in der Regel vor der unangenehmen Grippe. Stress, Klimaumstellung, Rauchen und Alkohol können das Immunsystem negativ beeinflussen und so die Ansteckung erleichtern. Aber auch Zugluft, nasse Badekleidung und zu langes Sonnenbaden überfordern mitunter die Immunabwehr. Temperaturunterschiede zwischen der Hitze draußen und herunter gekühlten Räumen sollten vermieden oder zumindest geeignete Kleidung getragen werden. Häufig sind auch im Sommer die Abende etwas kühl. Hier ist an einen leichten Sommerpulli oder eine Strickjacke zu denken. Im Auto sollte darauf geachtet werden, dass die Klimaanlage nicht zu kalt eingestellt wird. Mehr als acht Grad Unterschied zur Außentemperatur sind eindeutig zu viel. Am besten sind zwei bis drei Grad Differenz.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sehr wichtig, um die Schleimhäute stets feucht zu halten. Zugluft trocknet diese aus und macht sie empfindlicher und aufnahmebereiter für Erreger. Auf keinen Fall sollten Getränke eiskalt zu sich genommen werden. Besser und gesünder sind lauwarmer Tee oder Wasser, welches nicht im Kühlschrank gelagert wurde.

Eine gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von stillem Wasser, eventuell angereicht mit etwas Zitrone oder Ingwer, sind gute Präventionsmaßnahmen, da sie das Immunsystem stärken. Das präventiv wirkende Vitamin C steckt vor allem in Paprikaschoten, Broccoli, Rosenkohl, schwarzen Johannisbeeren, Sanddornbeeren, Kiwis und Zitrusfrüchten. Häufig reicht aber die Ernährung nicht aus, um genügend Vitamine zuzuführen. Hier helfen gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel, die aber nicht leichtfertig selbst ausgesucht, sondern von der Apotheke oder einem erfahrenen Therapeuten zusammengestellt werden sollten.

Tägliche Bewegung an der frischen Luft puscht das Immunsystem und sollte im Sommer am besten in den kühleren Morgenstunden oder am Abend, wenn die Temperaturen schon etwas zurück gegangen sind, erfolgen.

Aus der Naturheilpraxis stammen Empfehlungen, wie die kurmäßige Einnahme eines Echinacea Präparates, die Eigenbluttherapie oder Kneipp´sche Anwendungen. Ebenso hilfreich ist Colostrum, das über einen längeren Zeitraum eingenommen, durchaus das Immunsystem stärkt. Das Lutschen von Cystustabletten fördert ebenfalls die Abwehrkräfte, am besten dann gelutscht, wenn Menschenmengen nicht vermieden werden können.

Behandlung

Die Behandlung benötigt nicht zwingend eine schulmedizinische Therapie. Häufig reichen naturheilkundliche Präparate und Hausmittel aus. Tritt jedoch nach drei Tagen keine Besserung ein oder besteht Fieber, das 39 Grad Celsius übersteigt, ist der Gang zum Arzt unumgänglich.

Auf jeden Fall ist Ruhe angesagt. Je mehr Auszeit sich die Betroffenen gönnen, desto schneller kann der grippale Infekt ausheilen. Auch ist an genügend Flüssigkeit, in Form von Tee oder stillem Wasser zu denken. Bei Halsschmerzen helfen Lutschpastillen mit Salbei, Gurgeln mit Salbeitee oder einem Glas Wasser mit einem Tropfen Teebaumöl darin. Die Schärfe eines Ingwertees hilft einerseits gegen die Halsbeschwerden, andererseits wirkt sie auch anregend auf das Immunsystem. Des Weiteren können Quark- oder Zitronenwickel die Halsschmerzen lindern. Die Homöopathie hat ebenso verschiedene Mittel parat. Auch die bereits erwähnten Cystustabletten sind eine gute Möglichkeit, den Halsschmerzen zu Leibe zu rücken.

Kamillen-Aufguss zum Inhalieren. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia)
Kamillen-Aufguss zum Inhalieren. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia)

Bei Schnupfen hilft Inhalieren mit Meersalz oder Himalajasalz, das zwei- bis dreimal täglich durchgeführt wird. Zusätzlich sollten die Nasenschleimhäute mit einem geeigneten Nasenspray auf Meersalzbasis befeuchtet werden. Auch bei Schnupfen kennt die Homöopathie viele geeignete Mittel, die nahezu nebenwirkungsfrei zum Einsatz kommen können.

Obwohl die Sommergrippe meist dann statt findet, wenn die Temperaturen hoch sind, sollten trotzdem Zugluft und kalte Füße vermieden werden. Bei Husten helfen Quarkwickel und Hustensäfte, die Thymian, Primelwurzel oder Efeublätter enthalten. Spezielle Hustenteemischungen unterstützen das Abhusten. Sind Hausmittel gefragt, so ist hier der selbstgemachte Zwiebelsirup zu empfehlen. Hilft das Alles nicht, ist eventuell der Wirkstoff Acetylcystein, bekannt als ACC, aus der Apotheke das Mittel der Wahl. Bleibt das unter 39 Grad Celsius und fühlen sich die Betroffenen noch wohl, kann mit Wadenwickeln versucht werden, dies in den Griff zu bekommen. Ferner helfen fiebersenkende Medikamente aus der Apotheke.

Wird die Erkrankung von Magen- Darmbeschwerden begleitet, ist genügend Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig. Darüber hinaus wird eine eintägige Nahrungskarenz angeraten, vor allem wenn Durchfall und Erbrechen die Erkrankung begleiten. Danach wird solange Schonkost gegeben, bis sich Magen und Darm erholt haben. Zwieback, Haferschleim, Karottensuppe und schwarzer Tee sind vielleicht nicht gerade delikat, aber hilfreich. Teesorten, wie Kamille, Anis und Fenchel unterstützen den Heilungsprozess. Halten Durchfall und/oder Erbrechen länger als zwei Tage an, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Helfen naturheilkundliche Methoden und Hausmittel bei der Behandlung nicht, sollte generell ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Ältere Patienten oder Betroffene, die bereits an chronischen Krankheiten leiden, gehören in erfahrene medizinische Hände. Auch bei kleinen Kindern ist nicht zulange eigenmächtig zu therapieren, vor allem dann, wenn die Kleinen mehrere Tage hohes Fieber haben und/oder sehr geschwächt sind.

Die Auslöser für eine Grippe sind Viren. Jedoch kann aufgrund einer sogenannten Superinfektion mit Bakterien, ein Antibiotikum nötig werden. „Super“ heißt in diesem Zusammenhang nicht „toll“, sondern bedeutet „obenauf“. Hier war das Immunsystem durch die Viren so geschwächt, dass Bakterien freien Lauf hatten und zusätzlich in den Körper eindringen konnten.

Die Symptome einer Sommer- und einer Wintergrippe unterscheiden sich zwar nicht so sehr, jedoch werden die Betroffenen im Winter häufig schneller gesund, als wenn sie im Sommer erkranken. Das liegt meist daran, dass sich die Kranken in der kälteren Jahreszeit eher ins Bett legen, Ruhe walten lassen und sich auch durch geeignete Kleidung warm halten. Im Sommer hingegen ist der Mensch oft eher leichtsinnig, was auch in der Sache der Natur liegt: Die Sonne scheint, draußen herrschen Temperaturen, bei denen die Patienten lieber ans Aus- als ans Ankleiden denken. Bei einer Sommergrippe ist jedoch ebenso Ruhe und passende Kleidung nötig, um die Erkältung auszukurieren und vor allem nicht gleich wieder krank zu werden. (sw)

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