Zungenpilz Ursachen und Behandlung

Nina Reese
Unter dem Begriff „Zungenpilz“ wird normalerweise eine Infektion mit dem weit verbreiteten Hefepilz „Candida albicans“ verstanden, die durch einen weißen Belag auf der Zunge gekennzeichnet ist. Meist treten parallel weitere Beschwerden wie Rötungen, Brennen oder Schluckbeschwerden auf, oft zeigen sich auch blutige Stellen unter den weißlichen Zungen-Knötchen. In den meisten Fällen sind abwehrgeschwächte Personen wie Babys, alte Menschen oder Patienten mit Immunschwächeerkrankungen wie z.B. AIDS von einem Pilz auf der Zunge betroffen. Darüber hinaus kommen weitere Ursachen in Betracht wie z.B. Infektionskrankheiten, ein Diabetes mellitus oder bestimmte Medikamente wie kortisonhaltige Asthmasprays oder Antibiotika. Normalerweise verläuft eine Pilzinfektion auf der Zunge harmlos, dennoch sollte bei entsprechender Symptomatik in jedem Fall zur Abklärung der Ursache ein Arzt aufgesucht werden. Wird die Infektion rechtzeitig erkannt und gezielt therapiert, klingen die Beschwerden meist nach etwa einer Woche ab, wobei verschiedene Hausmittel eine wirkungsvolle Unterstützung bieten können.


Definition von Pilz auf der Zunge

Bei einem so genannten „Zungenpilz“ handelt es sich um eine Infektionskrankheit im Mund- und Rachenbereich, welche durch bestimmte Hefepilze verursacht und medizinisch als „Mundsoor“ bezeichnet wird. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um den weit verbreiteten Pilz Candida albicans, welcher sich als „harmloser Bewohner“ auf den Schleimhäuten vieler Menschen findet. Betroffen sind dabei vor allem die Schleimhäute von Mund und Rachen, des Genitalbereichs und des Verdauungstrakts, möglich ist aber auch eine Besiedlung zwischen Fingern und Zehen sowie auf den Nägeln. Sofern sich der Pilz nicht ausbreitet, stellt er an sich keine gesundheitliche Gefahr dar. Kommt es jedoch unter bestimmten Umständen zu einer übermäßigen, unkontrollierten Vermehrung, kann dies zu sehr unangenehmen Symptomen und in einigen Fällen sogar zu schweren bis lebensgefährlichen Infektionen führen.

So wird die Zunge auf einen vorhandenen Belag untersucht.
So wird die Zunge auf einen vorhandenen Belag untersucht. Bild: eyetronic/fotolia.com

Symptomatik

Typisch für eine Pilzinfektion auf der Zunge sind kleine milchig-weiße Knötchen, die teilweise auch zu größeren, ineinander übergehenden weißen Flecken zusammenlaufen und auf der Zungenschleimhaut haften. Die Beläge lassen sich wegwischen, wobei die Stellen anschließend leicht bluten können. Neben dem Zungenbelag kann es zu weiteren Symptomen kommen, typisch sind zum Beispiel Mundbrennen, leichte Schluckbeschwerden und Mundgeruch, ein „pelziges“ Gefühl auf der Zunge sowie ein trockener Mund, Geschmacksstörungen und starker Durst.

Bei Babys zeigt sich darüber hinaus oft eine Trinkschwäche, zudem tritt häufig parallel ein so genannter „Windelsoor“ auf, welcher zu starken Rötungen, Pusteln sowie nässenden und offenen Stellen im Po-Bereich führt. In selteneren Fällen ist auch die Speiseröhre von der Candida-Infektion im Mund- und Zungenbereich betroffen. Dadurch kann es zu weitere Beschwerden wie Sodbrennen, Erbrechen und Schmerzen hinter dem Brustbein kommen.

Ursachen von Zungenpilz

Ein Zungenpilz wird im Regelfall durch eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans (albicans = weißlich) verursacht und in diesem Fall auch als „Soor“ oder „Candidose“ bezeichnet. Dabei geht von dem Candida albicans an sich keine gesundheitliche Gefahr aus, stattdessen ist er bei den meisten Menschen auch auf gesunder Haut oder Schleimhaut angesiedelt und stellt einen natürlichen Bestandteil der Mundflora dar. Da die Ausbreitung des Pilzes jedoch durch das Immunsystem und im Mund befindliche Mikroorganismen begrenzt wird, entstehen normalerweise also keine Beschwerden. Diese natürliche Balance der Mundflora kann jedoch unter bestimmten Umständen durcheinander geraten, wodurch es zu einer übermäßigen Vermehrung der Candida-Pilze kommt („opportunistische Infektion“). In der Folge entsteht der typische weiße Belag auf der Zunge, im weiteren Verlauf entzünden sich die betroffenen Stellen zudem häufig und schmerzen.

Für ein gestörtes Gleichgewicht der Mundflora kommen verschiedene Ursachen in Betracht, meist sind jedoch abwehrgeschwächte Personen wie Babys bzw. Frühgeborene und alte Menschen oder Patienten mit angeborenen bzw. erworbenen Immunschwächeerkrankungen wie z.B. AIDS betroffen. Darüber hinaus kann ein Zungenpilz auch im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung (wie z.B. Darmkrebs, akute Leukämie, Morbus Hodgkin) auftreten, denn Krebspatienten sind generell anfälliger gegenüber Krankheitskeimen. Da sich die Mund- und Zungenschleimhaut ständig erneuert, teilen sich auch ihre Zellen sehr häufig, wodurch diese – ebenso wie die Tumorzellen – bei einer Chemotherapie oder Bestrahlung schnell angegriffen werden können.

Neben dem kann eine Immunschwäche infolge akuter Infektionskrankheiten (Lungenentzündung, Grippe etc.), Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stress auftreten. Auch wer eine Zahnprothese trägt, ist eher gefährdet, an einem Zungen- bzw. Mundsoor zu erkranken. Denn da die Pilze unter dem Zahnersatz einen guten Nährböden finden, können sie sich hier schnell übermäßig vermehren und dadurch zu Symptomen wie Zungenbelag und Schluckbeschwerden führen.

Hinzu kommen weitere Risikofaktoren für Zungenpilz wie Nikotinkonsum, eine verminderte Speichelproduktion oder bestimmte Medikamente wie z.B. kortisonhaltige Asthmasprays, da diese die Funktion des Immunsystems beeinträchtigen bzw. unterdrücken und somit eine Infektion begünstigen können. Auch eine Behandlung mit Antibiotika kann bei ansonsten gesunden Personen zu einem vermehrten Pilz-Wachstum führen, denn durch diese werden neben den krank machenden auch die „gesunden“ Bakterien im Körper vernichtet, was sich störend auf das natürliche Gleichgewicht der Mundflora auswirkt.

Zungenpilz bei Babys

Ein Pilzbefall der Zunge kommt besonders häufig bei Neugeborenen und Babys vor, denn auch wenn das Immunsystem zwar bereits bei der Geburt arbeitet, ist es zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig entwickelt. Stattdessen muss es in den ersten Lebensjahren erst „lernen“, auf verschiedene Umweltreize zu reagieren. Dementsprechend erkranken ältere Kinder hingegen eher selten. Hier kommt es in der Regel nur zu einer Infektion, wenn die natürliche Abwehr geschwächt ist oder über einen längeren Zeitraum Antibiotika oder Cortison eingenommen werden musste, wodurch das Gleichgewicht der Mundflora gestört wird und der Pilz sich ungehemmt vermehren kann.

Neugeborene infizieren sich jedoch häufig schon während der Geburt, denn bei vielen Frauen findet sich der Candida-Pilz in der Vagina. Gelangt das Baby während der Geburt durch die Scheide nach draußen, kann es sich dadurch anstecken. Um eine Infektion unter der Geburt zu vermeiden, sollten sich schwangere Frauen dementsprechend bei Verdacht auf eine Scheidenpilzinfektion unbedingt entsprechend behandeln lassen, gerade weil dieser im Endstadium der Schwangerschaft recht häufig auftritt. Da sich der Pilz bei Erwachsenen auch im Mund befindet, kann dieser zudem schnell auf das Kind übertragen werden, wenn z.B. ein heruntergefallener Schnuller abgeleckt wird. Hinzu kommen weitere Infektionsquellen wie zum Beispiel nicht ausreichend sterilisierte Flaschensauger oder Beißringe, die bei Säuglingen. Kennzeichnend sind auch hier weißliche Beläge auf der Zunge, die oft an Milchreste erinnern, im Gegensatz zu diesen aber nicht durch Trinken von Wasser o.ä. zu beseitigen sind. Häufig lassen sich die Beläge zu Beginn noch abwischen, später haften sie jedoch fest an der Zunge. Da die Pilzinfektion oft mit Schmerzen einhergeht, zeigen sich zudem Schluckbeschwerden und Trinkprobleme, ebenso ist zum Teil leichtes Fieber zu beobachten.

Häufig tritt bei Babys parallel ein so genannter „Windelsoor“ im Po-Bereich auf, denn da die Haut im Windelbereich sehr empfindlich sowie meist warm und feucht ist, finden Pilze hier einen idealen Nährboden. Besonders schnell entsteht der Soor im Windelbereich, wenn die Windel zu selten gewechselt wird, denn die hautschädigenden Stoffe aus Urin und Stuhl lassen die empfindliche Babyhaut noch schneller wund werden. Ist die Haut angegriffen, siedeln sich die Pilze an den betroffenen Stellen schnell an und führen zu äußerst unangenehmen Beschwerden. Optisch ähnelt Windelsoor auf den ersten Blick dem „normalen“ Wundsein (Windeldermatitis), breitet sich jedoch in Form von kleinen, roten Pusteln weiter aus (z. B. in den Bereich der Leiste). Häufig kommt es außerdem zu offenen und nässenden Stellen oder sogar zu kleinen Bläschen auf der Haut.

Dementsprechend gilt es gerade bei Babys besonders stark auf eine sorgfältige Hygiene zu achten, da diese gerne sämtliche verfügbaren Gegenstände in den Mund nehmen. Da schmutzige Hände den Erreger ebenso übertragen können, sollten sich Mütter zudem vor und nach dem Stillen und Wickeln immer sorgfältig die Hände waschen. Benötigt das Kind einen Schnuller, empfiehlt es sich, diesen zur gründlichen Abtötung der Pilze täglich für 20 Minuten auszukochen und nach der Behandlung zu ersetzen. Auch die Einzelteile von Milchpumpen müssen täglich ausgekocht werden. Ebenso sollten sämtliche Spielsachen, die in den Mund genommen werden können, regelmäßig mit heißem Seifenwasser gereinigt werden, um eine Wiederkehr der Infektion oder eine Übertragung auf andere Kinder zu verhindern.

Behandlung bei Zungenpilz / Medikamente

Zungenpilz zählt normalerweise zu den eher harmlosen Erkrankungen. Dennoch sollte in jedem Fall (und gerade bei Kindern!) zeitnah der Hausarzt bzw. Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden, damit die Ursachen aufgeklärt und gezielt entsprechende Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden können. Der Mediziner verschreibt hier im Regelfall spezielle Antipilzmittel (Antimykotika), die für den Mund- und Rachenbereich geeignet sind. Dazu zählen unter anderem Medikamente mit dem Wirkstoff Amphotericin B oder Nystatin, die örtlich in Form von Mundspüllösungen, Lutschtabletten, Gelen der Suspensionen zum Einsatz kommen.

Zudem empfiehlt es sich, die Zahnbürste und andere Artikel zur Mundhygiene auszutauschen, um das Risiko einer Infektionsverschleppung zu minimieren. Zu diesem Zweck sollten auch Prothesen mehrmals wöchentlich zur Desinfektion in eine gebrauchsfertige Chlorhexidinlösung eingelegt werden. In diesem Zusammenhang ist es ebenfalls ratsam, den Zahnersatz regelmäßig beim Zahnarzt professionell reinigen zu lassen. Ist ein gestilltes Baby betroffen, müssen Mutter und Baby zeitgleich behandelt werden, um eine Übertragung auf die Brustwarzen zu vermeiden. Hier kann der Kinderarzt z. B. ein Mundgel gegen den Soor für das Baby verschreiben, welches die Mutter auch auf ihre Brustwarzen auftragen kann. Würde in diesem Fall stattdessen nur das Kind oder nur die Mutter therapiert, ließe sich die Infektion nicht eindämmen, sondern würde durch das Stillen zwischen beiden ständig hin und her gereicht werden.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder liegt eine systemische Candidose vor, können die Antimykotika auch als Tablette oder Saft eingenommen werden oder intravenös verabreicht werden. Generell ist es bei der Therapie einer Pilzerkrankung wichtig, dass die Mittel für eine gewisse Zeit regelmäßig eingesetzt werden, um die Pilze zuverlässig abzutöten. Wird die Behandlung vorzeitig abgebrochen, besteht hingegen das Risiko, dass diese zurückkehren. Dementsprechend sollten sich Betroffene unbedingt an die Einnahmevorgaben des Arztes halten.

Naturheilkunde-Therapie bei Zungenpilz

Neben dem bietet auch der Bereich der Alternativmedizin einige wirkungsvolle Verfahren und Anwendungen zur Behandlung eines Zungenpilzes. Hier empfiehlt beispielsweise die Pflanzenheilkunde die Verwendung von Myrrhe- oder Ratanhiatinkturen, welche ebenso wie Antimykotika direkt auf betroffenen Hautstellen aufgetupft werden. Wird zeitgleich ein normales Anti-Pilz-Mittel verwendet, sollte sich jedoch im Vorhinein immer mit einem Arzt oder Heilpraktiker beraten werden, um Neben- bzw. Wechselwirkungen zu vermeiden.

Auch homöopathische Mittel können bei der Behandlung einer Candidainfektion im Bereich von Zunge und Mund eine hilfreiche Unterstützung bieten. Hierzu zählen unter anderem bei dicken Belägen auf der Zunge und Mundgeruch Barax und Mercurius solubilis. Kommt es in Verbindung mit einer leicht blutenden und geschwollenen Schleimhaut zu Mundgeruch und Zungenbrennen, kann auch Ratanhia eingesetzt werden. Darüber hinaus kommen je nach Fall auch Kalium chloratum oder Thuja occidentalis in Betracht. Da hier jedoch stets das gesamte Krankheitsbild der betroffenen Person zu berücksichtigen ist, sollte in jedem Fall vor der Einnahme ein erfahrener Homöopath bzw. alternativmedizinisch ausgerichteter Arzt aufgesucht werden.

Aufgrund der infektionsbedingten Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum sollte zudem generell auf saure und scharfe Lebensmittel und Getränke verzichtet werden, um eine Verstärkung der Schmerzen zu vermeiden. Gleiches gilt aufgrund der verschleimenden Wirkung für Milchprodukte. Da sich Pilze von Zucker ernähren, ist es außerdem ratsam, während der Erkrankung auf zuckerhaltige Nahrungsmittel und andere isolierte Kohlenhydrate (Weissmehl, Stärke etc.) sowie Alkohol zu verzichten.

Tritt im Zuge des Zungenpilzes unangenehmer Mundgeruch auf, können auch hier verschiedene natürliche Verfahren eine wirksame Hilfe sein. Bewährt haben sich zum Beispiel Mundspülungen mit Salbeitee, Zitronenwasser oder Apfelessig, ebenso wie das Kauen von Kaffeebohnen, Anissamen oder Ingwer. Ein weiteres hilfreiches Hausmittel gegen Mundgeruch ist das so genannte „Öl ziehen“, welches einfach und unkompliziert zu Hause durchgeführt werden kann. Bei diesem wird ein EL kaltgepresstes Sesam- oder Sonnenblumenöl vor dem Zähneputzen etwa zehn bis 20 Minuten lang im Mund hin und her bewegt, dann durch die Zähne gepresst und schließlich ausgespuckt. Entscheidend ist dabei vor allem, dass das Öl lange genug im Mund behalten wird, damit dieses auch in schwer zugängliche Bereiche eindringen und dort seine antibakterielle Wirkung entfalten kann.

Zentral ist es bei einer Pilzinfektion, dass Betroffene erkennen, dass diese in aller Regel auf eine Schwächung der natürlichen Abwehr zurückzuführen ist. Dementsprechend handelt es sich hierbei immer auch um ein Warnsignal des Körpers, welchem in jedem Fall durch eine sorgfältige ärztliche Untersuchung auf den Grund gegangen werden sollte. Zugleich ist es sinnvoll, sich mit den eigenen Lebensumständen auseinanderzusetzen: Stehe ich unter besonderem Stress? Leide ich unter seelischen Belastungen, Konflikten, Sorgen etc.? Bin ich besonderen Umwelteinflüssen, Bedingungen am Arbeitsplatz o.ä. ausgesetzt, die mir schaden könnten? Fragen wie diese können oft schon helfen, mögliche Gründe für das Ungleichgewicht in der Abwehr entdecken und Veränderungen im persönlichen Bereich vornehmen zu können. Hilfreich sind dabei in vielen Fällen zum Beispiel Übungen und Techniken zum Stressabbau wie autogenes Training, Yoga oder Meditation.

Darüber hinaus bieten sich verschiedene Hausmittel und naturheilkundliche Verfahren an, die das Immunsystem stärken. Hierzu zählen unter anderem verschiedene Heilpflanzen wie Sonnenhut (Echinacea), Taigawurzel (Eleutherokokkus) oder der Lebensbaum (Thuja). Bewährt haben sich zudem Anwendungen wie eine Eigenbluttherapie oder das Heilen mit ätherischen Ölen (Aromatherapie), ebenso kommen Schüssler Salze oder eine auf den Einzelfall abgestimmte Bachblütentherapie zur Stärkung der natürlichen Abwehr in Frage. Um den Körper ganzheitlich und dauerhaft von krankhaften Hefepilzen zu befreien, bietet sich darüber hinaus eine spezielle Anti-Pilz-Diät sowie unter Umständen eine Darmreinigung an, diese Schritte sollten jedoch ebenfalls nicht auf eigene Faust durchgeführt, sondern immer zuerst mit einem Heilpraktiker oder Arzt besprochen werden. (nr)

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