Kornelkirsche – Anbau, Verarbeitung und Heilwirkung

Dr. Utz Anhalt

Herkunft der Kornelkirsche

Ihren Ursprung hat dieses Hartriegelgewächs in Westasien, dem Norden des Irans, Armeniens und der Türkei, dem Kaukasus Südeuropa und dem südlichen Mitteleuropa bis nach Luxemburg und den Süden Deutschlands. Vom Kaukasus aus wanderte sie nach der letzten Eiszeit nach Nordwesten. Sehr häufig ist sie in den Donauauen Ungarns und in Niederösterreich. In Deutschland ist sie weit verbreitet, dabei gehören aber die wenigsten zu den ursprünglichen wilden Sträuchern – die meisten sind angepflanzt.

Die Kornelkirsche ist hierzulande weit verbreitet, wobei es sich meist um angepflanzte Sträucher handelt. (Bild: abcmedia/fotolia.com)

Vorkommen in Deutschland

Von Natur aus wächst die Kornelkirsche besonders im Süden und Westen Deutschlands, bei Köln und Frankfurt am Main, in der Niederrheinischen Bucht, im Saarland und an der Mosel, bei Regensburg, aber auch im Südharz, im Saaletal und bei Dresden.

Ein Wärmefreund

Die Kornelkirsche ist eine Charakterpflanze des Unterholzes in lichten Wäldern; sie liebt sonnige Hanglagen und Waldränder. Weit verbreitet war sie auch in Auwäldern, allerdings außerhalb der Erlenzone in nicht überschwemmten Gebieten. Sie bevorzugt Kalkböden.

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Sie braucht kein pralles Sonnenlicht, sondern wächst als Waldpflanze auch im Schatten größerer Bäume, besonders in Gesellschaft von Salweiden, Wildrosen, Efeu, Heckenkirsche, Hainbuche und Haselnuss.

Goldene Blüten, rote Früchte

Eine Kornelkirsche kann über 8 Meter Höhe erreichen, dazu braucht sie indessen 50 Jahre, nach 20 Jahren ist sie circa 3 Meter hoch. Ihre Stämme werden circa 20 cm dick. Die Rinde der jungen Sträucher ist gelbgrau, bei älteren Bäumen blättert sie ab. Die Triebe sind grünlich behaart und werden später kahl.

Die typischen Blätter sind elliptisch bis spitz und bis zu 10 cm lang. Auf der Oberfläche glänzen sie. Im Herbst färbt sich das Laub gelb bis orange. Die goldgelben Blüten stehen in kleinen Dolden. Hartriegel haben an jeder Blüte vier Blütenblätter.

Kornelkirschen entwickeln zwei unterschiedliche Knospen: Die Blattknospen sind lang gezogen, die Blütenstände kugelig geformt. Die Früchte dieses Hartriegels glänzen rot, sind circa 2 cm lang und bilden um einen Steinkern rotes Fruchtfleisch. Von ihnen trägt der Strauch seinen Namen „Kirsche“, ist aber nicht näher mit den Kirschen verwandt.

Die Früchte schmecken leicht säuerlich und ausgezeichnet. Sie lassen sich roh essen, in Tee kochen, zu Gelees verarbeiten, Saucen oder Nachspeisen zugeben.

Frühe Blüte

Die Kornelkirsche blüht sehr früh, bereits im Februar und frühen März. Deswegen gehört sie in jeden Naturgarten, um die bedrohten Bienen und Wespen zu füttern. Ein Meer von kleinen Blüten setzt dabei einen goldgelben Farbtupfer in die noch karge Landschaft.

Kornelkirschen bilden schon sehr früh im Jahr kleine, gelbe Blüten und bieten dadurch Bienen und Wespen reichlich Nahrung. (Bild: fibonaccci/fotolia.com)

Ein harter Riegel

Ihren Namen erhielten die Hartriegelgewächse von ihrem harten Holz. Das Holz der Kornelkirsche weist einen dunklen Kern und einen rötlichweißen Spint auf. Kein Holz in Europa ist härter – Kornelkirsche sinkt sogar im Wasser.

Botanische Verwandtschaft

Die Pflanzenart gehört zur Ordnung Cornales und zur Familie der Cornaceae, auch Hornsträucher genannt. Die Gattung Cornus, also Hartriegel, enthalten die Kornelkirschen als Untergattung. Dazu gehört unsere Kornelkirsche und ostasiatische Arten wie die Chinesische Kornelkirsche .

In Deutschland wächst neben der Kornelkirsche der Rote Hartriegel mit weicherem Holz. Eine weitere Art, der Schwedische Hartriegel, wächst nur im Norden Deutschlands. Die Asiatische und Chinesische Kornelkirsche wachsen ebenfalls in Deutschland, allerdings fast nur in botanischen Gärten, in letzter Zeit verbreitete sich auch der amerikanische Blumenhartriegel in Privatgärten.

Von anderen Hartriegeln lassen sich Kornelkirschen im Winter gut unterscheiden, weil nur sie die Blütenknospenkugeln entwickeln.

Zuchtformen der Kornelkirsche

Die Kornelkirsche ist ebenso nützlich wie schön, und deshalb gibt es von ihr eine Reihe kultivierter Formen. Häufiger zu sehen sind Alba mit weißen Früchten, Aurea mit gelben Blättern und roten Früchten, Elegantissima, deren Blätter einen gelben oder rosa Rand aufweisen, Nana, eine Zwergsorte.

Andere Formen wurden nicht auf Ästhetik gezüchtet, sondern hin zu ertragreicheren Früchten. Ihre „Kirschen“ wiegen bis zu dreimal so viel wie die der Wildform. Dazu gehören Titus mit mittelgroßen Früchten, die aber schnell wächst oder Devin mit Früchten, die doppelt so schwer sind wie die der wilden Kornelkirsche.

Die beste Fruchtpflanze unter den Kornelkirschen ist Jolico: Die Früchte werden circa 6,5 g schwer, mehr als dreimal so viel wie bei der Wildform, und der Kern beträgt weniger als zehn Prozent. Der Anteil an Vitamin C ist extrem hoch, und ein ebenfalls hoher Anteil an Zucker führt zu einem süßeren Geschmack als bei herkömmlichen Kornelkirschen.

Kornelkirschen, sowohl wild als auch in der Zuchtform sind Überlebenskünstler. Sie haben weder ein Problem mit Hitze noch mit Kälte oder Trockenheit. Sie vertragen lediglich keinen verdichteten Boden und kein Staunässe. Das extrem harte Holz hält sogar Waldbränden stand, und Wildtiere beißen sich daran die Zähne aus.

Das Holz des Heilstrauchs ist so hart und schwer, dass es im Wasser untergeht. (Bild: Harald Biebel/fotolia.com)

Ein ökologischer Superstar

Wer seinen Garten wildtiergerecht anlegen möchte und sich zugleich an Blütenpracht erfreuen wie sein eigenes Obst ernten, hat mit der Kornelkirsche die ideale Wahl getroffen. Gartenbesitzer pflanzen sie meist als Zierde. Die Schönheit ist indessen ökologisch wertvoll: Ihr dichtes Wurzelnetz schützt den Boden vor Erosion. Sie eignet sich also ausgezeichnet, um zum Beispiel das Erdreich in Gärten an Hängen zu festigen.

Ihre Blätter und Triebe dienen diversen Wildpflanzen als Nahrung, vom Hasen bis zum Hirsch. Ihre Blüten sind reich mit Nektar und Pollen und so neben der Salweide die wichtigste Futterkrippe für Bienen und andere Insekten.

Die Früchte ernähren Drosseln, Kernbeißer, Finken, Eichelhäher, Kleiber und viele andere Vogelarten, außerdem bedrohte Bilche wie Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus.

Der Strauch bildet mehrere kleine Stämme und wächst in die Breite wie in die Höhe. Das harte Holz lässt sich gut zurückschneiden, und die Kornelkirsche ist eine hervorragende Heckenpflanze. Sie leidet weder unter Schädlingen noch unter Verbiss und trotzt sogar Vandalismus. Dabei eignet sie sich mit maximal acht Meter Höhe und langsamem Wuchs ausgezeichnet für kleine Privatgärten.

Kornelkirschen ernten

Im September sind die meisten Früchte ausgereift. Wilde Kornelkirschen ernten wir am besten unmittelbar vor der Überreife, weil dann der Zuckergehalt am höchsten ist und sie sich leicht pflücken lassen. Bei zuckerreichen Fruchtformen können wir aber schon in einem frühreifen Zustand ernten.

Bei einem noch kleinen Busch pflücken wir die Früchte einfach ab, bei übermannsgroß gewachsenen Stämmen legen wir ein Tuch auf den Boden vor der Pflanze, schlagen dann mit einer Stange gegen die Äste und sammeln die herunter gefallenen Kirschen ab. Das wiederholen wir in der Reifezeit alle drei Tage.

Wenn die Früchte im September dunkelrot und weich werden, sind sie erntereif. (Bild: groisboeck/fotolia.com)

Eine alte Kulturpflanze

Die Früchte der Kornelkirsche aßen Menschen der Steinzeit in großen Mengen. Das wissen wir aus Pfahlbauten in Italien.

Hunderte von Namen für die Kornelkirsche finden sich vom antiken Rom bis zum Persien des Altertums, und in fast allen Sprachen Mittel-, Süd- und Osteuropas. Das Trojanische Pferd ist in der Ilias aus dem Holz der Kornelkirsche gebaut, und das harte Holz war das Material für Speerschäfte.

Mehr noch: Die mazedonische Phalanx, mit der Alexander der Große Asien eroberte, war nur durch die Kornelkirsche möglich. Kein anderes Holz war hart genug und splitterte nicht, um die sechs Meter langen Lanzen zu fertigen. Folgerichtig umschrieben griechische und später römische Dichter die Lanzen als „Kornelle“. Die antiken Griechen fütterten auch Schweine mit den Früchten.

In Rom war eine Kornelkirsche Teil des Stadtmythos. Sie wuchs auf dem Palatin, und der Sage nach, sollte der mythische Stadtgründer Romulus hier seinen Speer in die Erde gestoßen haben, aus dem dann der Baum wuchs.

Im Barock strukturierte sie die geformten Hecken der Skulpturengärten, sie blühte in Klöstern und Schlossparks. Dort finden sich noch heute beeindruckende Exemplare, so am Hang des Heidelberger Schlosse und im Klostergarten Loccum in Niedersachsen oder der Barockpark in Rheinsberg und im Tiergarten Berlin.

Die Türken stellten Saft aus den Früchten her und nutzten sie, um Mützen rot zu färben; in Deutschland aß man sie roh oder als Kompott. Katholiken stellten aus den Kirschkernen eine Volksversion des Rosenkranzes her. Außerdem dienten die Samen geröstet als günstiger Kaffee-Ersatz. Die Menschen rösteten sie und kochten sie dann auf.

Wilde Kornelkirschen zu sammeln gab armen Menschen auf dem Land ein Zubrot, denn in wärmeren Region Deutschlands kam die Pflanze massenhaft vor. 1918 kostete das Pfund auf dem Viktualienmarkt in München 60 Pfennig.

Noch begehrter war das Holz im traditionellen Handwerk. Kornelkirsche ist erstens sehr hart und zweitens extrem dicht. Es lässt sich gut polieren und schwer spalten. Deshalb galt es für Gegenstände, die Belastungen aushalten mussten als erste Wahl: Für Speichen von Kutschenräder, für Axtstiele, Messergriffe, Steinmetz-und Zimmermannswerkzeug, aber auch für Lineale.

Als Wanderstab war sie begehrt. Das Dorf Ziegenhain bei Jean spezialisierte sich auf das Herstellen dieser „Ziegenhainer“. Für diese Stöcke gab es extra Kornelkirschengärten. Die dort kultivierten Sträucher manipulierten die Hersteller so, dass sich die Äste drehten.

Kornelkirsche als Heilpflanze

Seit dem Mittelalter ist das Hartriegelgewächs als Heilpflanze bekannt. Hildegard von Bingen sah in Bädern aus Rinde, Holz und Blättern ein Mittel gegen die Gicht, die Früchte sollten, ihr zufolge, gegen Magenbeschwerden helfen.

Sie schrieb: „Die Kornelkirsche ist warm, und ihre Wärme ist mild, und sie hat süße Feuchtigkeit in sich. Nimm daher von ihrer Rinde, dem Holz und den Blättern und koche sie in Wasser, und mache daraus ein Bad. Und wer an Gicht leidet, sei es ein Kind, ein junger Mensch oder ein alter, der bade darin oft und umgebe sich in diesen Bädern (mit diesen Blättern). Und das tue er im Sommer, wenn der Baum grün ist, und dem Kind und dem jungen Menschen wird es bestens zur Gesundheit verhelfen. Dem alten Menschen aber wird es ziemlich nützen, jedoch nicht in dem Maße wie dem Kind und dem jungen. Und so werden sie sich besser befinden. Und die Frucht dieses Baumes schadet dem Menschen nicht, wenn man sie ißt, aber sie reinigt und stärkt den kranken und auch den gesunden Magen, sie nützt dem Menschen für die Gesundheit.“

Im 18. Jahrhundert sollten die Früchte gegen Bluthusten helfen und Fieber lindern, außerdem gegen „Bauchfluss“. Aus dem Holz gewonnenes Öl sollte gegen Krebs helfen und ein mit den Beeren gekochter Wein Nierensteine beseitigen. Die Blätter legten Ärzte auf blutende Wunden auf.

Heute wissen wir es genauer: Kornelkirsche enthält Schleim- und Gerbstoffe und hat einen hohen Gehalt an Vitamin C (bis zu 125 mg pro 100 g), außerdem bis zu 3 % freie Säuren.

Die Früchte können beispielsweise zu einer leckeren Konfitüre verarbeitet werden. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Eine Bereicherung der Küche

Unsere Vorfahren nutzten Kornelkirschen in vielfältiger Weise als Nahrung. So mischten sie die getrockneten Blätter mit Sauerkirsch- und Erdbeerblättern und kochten daraus Tee. Auch die getrockneten Früchte waren, ähnlich wie Hagebutten, eine Grundlage für Heißgetränke.

Die vollreifen Früchte lassen sich einfrieren und behalten dabei ihren hohen Gehalt an Vitamin C. Saft, Wein und Likör, sogar Schnaps gehören zu den gängigen Produkten.

Die Früchte eignen sich, getrocknet oder frisch, als besondere Würze für Suppen, aber auch für Gerichte mit Lamm und Reis (im Iran und der Türkei), für Back- und Süßwaren, für Desserts, Quark und Joghurt.

Archäologen vermuten, dass die Mengen an Kornelkirschen in jungsteinzeitlichen Pfahlbauten dazu dienten, alkoholische Getränke herzustellen, die seinerzeit vermutlich auch dazu dienten, Schmerzen zu betäuben. Kornelkirschenschnaps ist in Österreich als „Dirndlbrand“ bekannt und teuer.

Die Kornelkirsche im Garten

Kornelkirsche n sind robust. Sie können die Sträucher mit Wurzelballen im Herbst ebenso wie im Frühjahr erwerben und einpflanzen. Für eine reichhaltige Ernte der Früchte sollten sie sich zwei Pflanzen besorgen, damit ist die Bestäubung gesichert. Außerdem sollten die Büsche warm und sonnig stehen, um viele Früchte hervorzubringen.

Speziellen Dünger braucht die Kornelkirsche nicht, in der Natur gedeiht sie auf nährstoffarmen Böden. Es reicht, im Frühjahr eine Kompostschicht einzulagern.

Achten Sie darauf, dass die Kornelkirsche nicht direkt neben „starken Konkurrenten“ wie Birken oder Ahorn steht. Das Wurzelwerk der Hartriegel ist fein und wird von stärkeren Wurzeln verdrängt.

Einen regelmäßigen Schnitt braucht die Kornelkirsche nur in jungem Alter, und zwar gleich nach dem Pflanzen oder direkt nach der Blüte. Dieser dient dazu, in den ersten Jahren für eine gleichmäßige Krone zu sorgen. Ist der Baum ausgereift, braucht er keinen Schnitt, um eine reichhaltige Ernte zu produzieren.

Sie können bei älteren Kornelkirschen ohne weiteres Äste entfernen und die Stämme weit zurückschneiden, um zum Beispiel ein Beet anzulegen, ohne dass die Pflanze darunter leidet.

Die Kornelkirsche eignet sich nicht nur für Hecken, sondern kann als Blickfang auch mitten im Garten stehen. Da sie langsam wächst, groß, aber nicht zu groß wird, ist sie auch als Hausbaum für kleinere Hinterhöfe und Stadtgrundstücke geeignet. (Dr. Utz Anhalt)

Literatur
Reinhard Witt: Wildsträucher in Natur und Garten 1989