Allergien: Was bei Heuschnupfen hilft

Sebastian

Wichtige Fragen und Antworten zu Allergie und Pollenflug

02.05.2012

Nach neusten Untersuchungen leiden rund 30 Millionen Menschen in Deutschland an einer Allergie. In vielen Fällen sind die Betroffenen regelrechten allergischen Reaktionen ausgesetzt. Ganz besonders leiden derzeit durch den einsetzenden Pollenflug Allergiker unter Heuschnupfen.

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Kinder wachsen auch heute noch „klinisch rein“ auf und haben so kaum die Möglichkeit, ihr Immunsystem adäquat zu trainieren. Neuste Studien belegen zu Beispiel, dass Kinder auf Bauernhöfen wesentlich weniger an Allergien leiden, als Menschen in urbaner Umgebung. Im Jahre 2002 veröffentlichte eine internationales Forscherteam die sogenannte „ALEX-Studie“. Sie wiesen nach, dass Kinder in ländlicher Umgebung wesentlich seltener unter Asthma und Heuschnupfen leiden. Zudem zeigten die untersuchten Kinder auf dem Land eine atopische Sensibilisierung. Neuere Studien gingen der Ursachen auf den Grund. Sie entdeckte, dass die Positiveffekte durch Rohmilch, Bakterien und regelmäßigen Stall-Kontakt entstehen. „Dem Immunsystem fehlt bei seiner Reifung der Kontakt zu immunaktivierenden Substanzen aus der Natur, beispielsweise Bakterien, die im Stallmist vorkommen“, erklärt auch der Experte und Mediziner Prof. Ludger Klimek vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden. Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels nimmt der Pollenflug beinahe jedes Jahr zu. Zudem führen „Umweltverschmutzung zu aggressiveren Allergenen“, wie Prof. Torsten Zuberbie von der Universitätsklinik Charité Berlin erläutert.

Überreaktionen der Immunabwehr
Eigentlich hat das Immunsystem die Aufgabe, den Körper vor schädlichen Einflüssen von außen zu schützen. Mediziner gehen davon aus, dass bei Allergikern eine zu hohe Sensibilität gegenüber eigentlich harmlosen Substanzen wie Pollen vorliegt. Der Körper reagiert daraufhin bei Kontakt mit einer Entzündungsreaktion mit Hilfe der Abwehrzellen, um den vermeintlichen Eindringling wieder zu entfernen. Die Folge: tränende Augen, juckende Hautstellen, Niesen, laufenden Nase und Schnupfen.

Allergien können auch erst im Erwachsenenalter auftreten
Im Laufe des Lebens kann jeder Mensch eine Allergie entwickeln. Bis heute sind die genauen Umstände nicht abschließend geklärt. Fakt ist, dass genetische Positionen mit eine Rolle spielen. So erkranken zum Beispiel Kinder von allergischen Eltern häufiger ebenfalls an einer Allergie.

Homöopathie bei Pollenallergie
Nach Meinung von Dr. Karl-Heinz Friese aus Weil können Allergien auch mit Hilfe der Homöopathie behandelt werden. Zum Einsatz kommen beispielsweise Mittel wie Allium cepa, Euphrasia und Ghalphimia glauca. Die Therapien werden vor und während der Pollernsaison eingesetzt. Laut dem Arzt lassen sich „Frühblüher-Allergien beispielsweise mit Ameisensäure-Injektionen prima dämpfen.“ Bis auf die Techniker Krankenkasse (TK) werden die Behandlungskosten allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und müssen daher privat abgerechnet werden. Die TK übernimmt aber die Therapiekosten auch von homöopathisch durchgeführten Behandlungen, wenn diese durch einen Arzt verordnet werden. Verordnungen durch Heilpraktiker sind hiervon ausgenommen.

Naturheilkunde mit ganzheitlichem Ansatz
Neben der Homöopathie können auch Anwendungen der Naturheilkunde zum Einsatz kommen. In der Naturheilkunde betrachten Heilpraktiker die Pollenallergie generell nicht als ein Problem der Nase, sondern des gesamten menschlichen Körpers. Dementsprechend existieren zahlreiche Konzepte, die darauf ausgerichtet sind, Überreaktionen des menschlichen Immunabwehrsystems wieder „in die gesunde immunologischen Regulationsprozess zurückzuführen“. In den meisten Fällen wird die Eigenbluttherapie, Hypnose, Bachblütentherapie und Darmsanierung von Heilpraktikern oder Naturheilkunde-Ärzten durchgeführt.

Hyposensibilisierung aus der konventionellen Medizin
In der konventionellen Medizin wird in der Regel auf die Hyposensibilisierung gesetzt. Während dieser schulmedizinischen Behandlung wird der Immunabwehr das Allergen nach und nach mit immer höheren Dosen per Injektion oder Tablette zugeführt. Es wird davon ausgegangen, dass somit nachträglich eine immunologische Gewöhnung einsetzt. Vor einigen Jahren lag die Gesamtzeit der Therapie noch bei drei Jahren. Heute werden bereits sogenannte Kurzzeit-Immuntherapien angeboten, die etwa sechs bis acht Wochen dauern. Während der Behandlung verspüren viele Patienten allergische Reaktionen und Kreislaufbelastungen wie Schwindel. Erfolgreich ist die Hyposensibilisierung durchaus bei der Bienengift-Allergie (90 Prozent) und bei der Pollenallergie (80 Prozent). Bei der Hausstauballergie liegt laut Medizinerkreisen die Erfolgsquote bei rund 75 Prozent.

Nach Hyposensibilisierung können sich neue Allergien bilden
Kritisiert wird aber die Hyposensibilisierung, weil sich nach einer Behandlung oftmals andere Allergien neu bilden. Prof. Ludger Klimek sagt, Allergien kommen „selten allein“ und verweist auf weitere Studien, die Patienten über einen längeren Zeitraum beobachtet haben. Jeder dritte, der eine Hyposensibilisierung durchnahm, entwickelt im weiteren Leben eine andere Allergie. „Eine Hyposensibilisierung erzeugt eine Gewöhnung an bestimmte Allergene, sie ändert aber nichts daran, dass das Immunsystem die Umwelt fehlinterpretiert“ sagt daher Dr. Erwin Häringer aus München. Seiner Meinung nach kann hier die Naturmedizin regulierend eingreifen.

Neben der Pollenallergie existieren noch weitere Allergien wie Arzneimittel, Bienengift- und Nahrungsmittelallergie. Diese sind sehr gefährlich, weil unter Umständen zum anaphylaktischen Schock führen können. Wird allerdings Heuschnupfen nicht behandelt, kann sich die Allergie auf die Bronchien ausweiten und zu Reaktionen auf andere Atemwegsschleimhäute führen. (sb)