Borreliose: Arbeitsunfähig durch Zeckenbiss?

Fabian Peters

Arbeitsunfähig durch Zeckenbiss? Borreliose bis heute unterschätzt.

(20.08.2010) Die Patientenorganisation „Borreliose-und-FSME- Bund Deutschland“ und die Deutsche Borreliose-Gesellschaft in Berlin warnen ebenso wie das Bundesgesundheitsministerium bereits seit längerem vor der durch Zecken übertragenen Krankheit. Bis heute haben sich rund eine Million Menschen in Deutschland mit Borreliose infiziert.

Genaue Zahlen zu der Anzahl von Infektionen liegen jedoch nur in Ostdeutschland vor, da hier bereits eine ärztliche Meldepflicht für Borreliose besteht. In den westdeutschen Bundesländern soll diese erst in den kommenden Jahren eingeführt werden. Impfungen zum Schutz vor Borreliose gibt es nicht, denn die Bakterien verändern fortwährend ihre Oberfläche und bieten daher keinen Ansatzpunkt für einen wirksamen Impfstoff. Die sogenannte „Deckenschutzimpfung“ hilft nur gegen die Übertragung der „Frühsommer-Allgemeinpolitisch“ (FSME), eine ebenfalls häufig durch Zecken übertragene Krankheiten.

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Zecken, die Borrelia burgdorferi – Bakterien in sich tragen, geben diese bei einem Stich nach ca. ein bis zwei Stunden an den Wirt weiter. Eine Infektion äußert sich bei den Betroffenen oft durch eine ringförmige Hautrötung bzw. Hautausschlag im Bereich des Zeckenstiches, teilweise begleitet von Grippegefühl sowie Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Im Frühstadium der Krankheit ist Borreliose verhältnismäßig gut mit Hilfe von Antibiotika zu therapieren, was bei ca. 90 Prozent der Fälle zu einem Heilungserfolg führt.

Das Problem liegt jedoch in der frühzeitigen Diagnose, denn sollte die Krankheit sich schon in einem fortgeschrittenen Stadium befinden, bestehen nur wenig Behandlungsmöglichkeiten. Borreliose wird so leicht zu einer chronischen Erkrankung mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen. Die Erreger wandern im Körper und befallen zahlreiche Organe, Gelenke, Muskeln, und Nerven. Entzündungen des Nervensystems, des Herzmuskel, der Gelenke oder der Hirnhaut, regelmäßig begleitet von motorischen Störungen, Konzentrationsproblemen und psychischen Störungen, wie z.B. Depressionen und Demenz sind Anzeichen einer chronischen Lyme-Borreliose. Auch Lähmungserscheinungen und Todesfälle waren im Zusammenhang mit Borreliose-Erkrankungen schon zu verzeichnen, sind jedoch die eher seltene Ausnahme. Häufiger endet die Infektion hingegen mit lebenslangen Schmerzen, Arbeitsunfähigkeit und der Zerstörung sozialer Beziehungen, so der Internist Walter Berghoff von der Deutschen Borreliose-Gesellschaft.

Da die Erfolgsaussichten der Behandlung im wesentlichen mit einer frühzeitigen Diagnose zusammenhängen, forderte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU) in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung, „endlich ein gemeinsames Handeln von Ärzten, Wissenschaft und Krankenkassen“, um das bestehende Forschungs-, Diagnose- und Therapiedefizit zu beheben. Probleme bei der Diagnose sind vor allem durch die fehlenden eindeutigen Symptome bedingt. Selbst die als charakteristisch betrachtete Wanderröte tritt nur bei ca. 50 Prozent der betroffenen Patienten auf. Zudem können auch die Tests zur Feststellung der Krankheit fehlerhaft seien, da die Test-Verfahren nicht standardisiert sind und von verschiedenen Herstellern angeboten werden, so der Facharzt im Borreliose Centrum Augsburg, Armin Schwarzbach. Darüber hinaus gibt es nur zwei verschiedenen Testverfahren, die momentan als zweistufiges Testverfahren aufeinander aufbauen genutzt werden. Anfangs erfolgt der ELISA-Test, welcher bei positivem Ergebnis durch den Western Blot-Test verifiziert wird. Der ELISA-Test ist jedoch nur äußerst ungenau und liefert oftmals falsche Ergebnisse, was die frühzeitige Diagnose von Borreliose erheblich erschwert. So haben über 75 Prozent der Patienten mit chronischer Borreliose einen negativen ELISA-Test hinter sich, während der trotzdem durchgeführte Western Blot-Test positiv war. (fp)