Erweiterte Impfempfehlung gegen Meningokokken

Astrid Goldmayer

Impfempfehlung vom Berliner Impfbeirat wegen Todesfällen durch Meningokokken erweitert

19.07.2013

Der Berliner Impfbeirat hat die öffentliche Impfempfehlung angesichts einer steigenden Zahl von Meningokokken-Erkrankungen für das Land Berlin erweitert. Demnach sollen sich vor allem Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben, gegen die Bakterien impfen lassen. Meningokokken können gefährliche Infektionskrankheiten verursachen, die in Berlin in diesem Jahr bereits drei Todesopfer gefordert haben. Auch in New York und Paris kommt es immer häufiger zu Meningokokken-Infektionen. Die neue Regelung des Berliner Impfbeirates wird voraussichtlich ab dem 27. Juli 2013 in Kraft treten.

Impfung gegen Meningokokken für alle Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben, sinnvoll
Wie die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mitteilt, breiten sich Meningokokken-Erkrankungen verstärkt in der Hauptstadt aus. Betroffen seien vor allem Männer, die mit Männern Sex (MSM) hätten. In diesem Jahr haben sich bereits 18 Personen mit den Erregern infiziert, von denen bei sieben die besonders gefährliche Untergruppe C nachgewiesen wurde. Davon sind drei Patienten verstorben und einer dauerhaft schwer erkrankt. Angaben der Berliner Senatsverwaltung zufolge gehören diese vier Betroffenen zur Gruppe der MSM. Weitere Krankheitsausbrüche unter Männern habe es auch in New York und Paris gegeben.

Um einem weiteren Ausbruch der Meningokokken-Erkrankungen vorzubeugen, sollen sich nun vor allem Männern, die zur Gruppe der MSM gehören, impfen lassen. Die ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) empfahl bislang allen Kindern bis zum vollendeten 18. Lebensjahr eine einmalige Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C. Unter den Erwachsenen sollten sich laut STIKO Personen mit Immundefekten wie Menschen mit HIV und Reisende in bestimmte Länder gegen die Erreger impfen lassen. Eine spezielle Impfempfehlung für Männer gibt es von der STIKO bisher nicht. Aufgrund der zunehmenden Ausbreitung von Meningokokken-Erkrankungen hat das Land Berlin am vergangenen Mittwoch eine Empfehlung zur Impfung für MSM ausgesprochen. Der dafür verwendete Impfstoffe soll eine Komponente gegen Meningokokken der Gruppe C enthalten. Eine solche Impfung sei allgemein sehr gut verträglich, teilt die Berliner Senatsverwaltung mit.

Die Impfempfehlung soll vorläufig bis zum 31. Januar 2014 gelten und anschließend auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Das Land Berlin spricht sich zudem für die Schaffung einer bundeseinheitlichen Regelung für den Impfschutzes für MSM durch die STIKO aus.

Meningokokken können schwere Infektionserkankungen verursachen
Meningokokken sind Bakterien, die den Nasen-Rachen-Raum des Menschen besiedeln. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch Tröpfcheninfektion beispielsweise durch Anhusten, Niesen oder Küssen. Mit Hilfe kleiner Fortsätze sind die Bakterien in der Lage, sich an die Schleimhäute des Nasenrachenraumes über Wochen oder Monate anzuheften. Insbesondere wenn das Immunsystem geschwächt ist, vermehren sich die Meningokokken und durchdringen die Schleimhäute. Bei etwa zwei Drittel der erkrankten Patientinnen und Patienten führt die Infektion zu einer Hirnhautentzündung und bei einem Drittel zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis).

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis vier Tage. Das Spektrum der Krankheitsverläufe reicht von leichten Infektionen mit wenig Symptomen bis hin zum Tod, der innerhalb weniger Stunden eintreten kann. Patienten, die an einer Hirnhautentzündung leiden, klagen über ein starkes Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, hohem Fieber, Erbrechen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Krämpfen oder Bewusstseinsstörungen. Zu den typischen Symptomen gehört außerdem Nackensteifigkeit (sie steifer Nacken), durch die die Betroffenen beginnen, im starken Hohlkreuz ihren Kopf in das Kissen zu bohren.

Ein lebensbedrohlicher Krankheitsverlauf wird unter anderem durch Bewusstseinstrübung, punktförmige Hautblutungen und Kreislaufkollaps angezeigt. Wenn die Bakterien in die Blutbahn übertreten und den Körper mit ihren Giftstoffen überschwemmen, entwickelt sich eine lebensbedrohliche Sepsis, die eine sofortige stationäre Behandlung erfordert.

Entscheidend für die Überlebenschancen ist eine möglichst früheinsetzende Therapie mit Antibiotika. Zur Vorbeugung einer Meningokokken-Infektion hilft nur eine Impfung. Zehn bis 20 Prozent der Betroffenen leiden dauerhaft an Schäden durch die Erkrankung. Rund zehn Prozent der Patienten mit Meningokokken der Gruppe C sterben an der Infektion.

Experten gehen davon aus, dass zehn Prozent der Bevölkerung die Bakterien in sich trägt, ohne an einer Infektion zu erkranken. Unter MSM sollen es sogar 40 Prozent sein, so dass diese Gruppe sehr wahrscheinlich ein deutlich erhöhtes Krankheitsrisiko aufweist. (ag)

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