Hebammen künftig ohne Geburtshilfe?

Fabian Peters

Teure Berufshaftpflicht: Viele Geburtshelferinnen geben Tätigkeit auf

10.05.2012

Immer mehr Hebammen stellen die Geburtshilfe ein, da die hiermit verbundenen Kosten der Berufshaftpflicht eine zu hohe finanzielle Belastung darstellen, berichtet der Nachrichtensender „ntv“. Zahlreiche Hebammen geben demnach den Kernbereich ihres Berufes auf und konzentrieren sich auf Leistungen wie Geburtsvorbereitungskurse oder die Wochenbettbetreuung.

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Die Prämien für die Berufshaftpflicht der Hebammen, die Geburtshilfen anbieten, erreichen derzeit bereits eine Summe von knapp 3.700 Euro im Jahr. Ab Juli ist laut „ntv“ eine weitere Anhebung auf 4.200 Euro vorgesehen. Eine finanzielle Belastung, die viele Hebammen dazu treibt, das Angebot der Geburtshilfe einzustellen. Die Hebammen protestieren seit Jahren erfolglos gegen den massiven Anstieg bei den Versicherungskosten.

Teure Berufshaftpflicht für Geburtshelferinnen
Bereits im Jahr 2010, als die Beiträge der Berufshaftpflicht für die Geburtshilfe-leistenden Hebammen von 2.370 Euro auf 3689 Euro angestiegen waren, entschlossen sich viele, den Kernbereich ihres Berufes aufzugeben. Mit der nun geplanten Erhöhung auf einen jährliche Beitrag von über 4.200 Euro, wird sich der Trend vermutlich weiter verstärken, so die Einschätzung des Deutschen Hebammenverbandes (DHV). Durch die enormen Versicherungskosten werde das Einkommen der Geburtshilfe-leistenden Hebammen derart geschmälert, dass sie nicht länger bereit sind ihr Angebot aufrecht zu erhalten. Das Einkommen der Geburtshelferinnen „war schon immer schlecht“ und nachdem die „Haftpflicht so einen enormen Anstieg gemacht hat, sind viele eingeknickt“, berichtet einen betroffene Hebamme gegenüber „ntv“.

Steigende Versicherungskosten Ursache der Beitragserhöhungen
Die beruflichen Belastungen der Hebammen sind im Verhältnis zu ihrem Einkommen immens. Sie stehen den Schwangeren in den Wochen um den Geburtstermin quasi jederzeit zur Verfügung. Mit den deutlich gestiegenen Kosten für die Berufshaftpflicht hat sich die Relation zwischen Aufwand und Einkommen soweit verschoben, dass viele nicht länger bereit sind die Geburtshilfe anzubieten – zumal die Beiträge für die Berufshaftpflicht offenbar kontinuierlich weiter steigen. Die Ursache für den massiven Anstieg der Beiträge liegt laut Katrin Rüter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in den drastisch gestiegenen Versicherungskosten. So haben sich die Ausgaben der Versicherer bei der Berufshaftpflicht der Geburtshelferinnen in den letzten Jahren durchschnittlich um fast 15 Prozent pro Jahr erhöht, erläuterte Rüter. Zwar machen die Hebammen nicht mehr Fehler als früher, doch die Krankenversicherungen geschädigter Kinder nehmen die Haftpflichtversicherung der Hebammen deutlich häufiger in Regress, so die Aussage der Expertin. Zudem seien die Heil- und Pflegekosten kontinuierlich gestiegen, was einen überproportionalen Anstieg der Ausgaben zur Folge hatte.

Schwere Verhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen
Die Hebammen fordern angesichts der Kostenexplosion bei den Beiträgen zur Berufshaftpflicht staatliche Regelungen, die weiteren Beitragserhöhungen eine Grenze setzen. Die betroffene Geburtshelferin Jitka Weber erläuterte gegenüber „ntv“, dass hier eine Beschränkung dringend erforderlich sei, „damit diese kleine Berufsgruppe nicht jedes Jahr zig Millionen abdecken muss mit ihrer Versicherung.“ Vor allem die freiberuflichen Geburtshelferinnen haben seit Jahren mit den massiven Beitragserhöhungen bei der Berufshaftpflicht zu kämpfen und beschränken sich daher auf Bereiche, in denen die Beiträge zur Haftpflicht weniger hoch ausfallen, wie beispielsweise Geburtsvorbereitungskurse oder die Wochenbettbetreuung. Um diesen Missstand zu beheben, fordert der Deutsche Hebammenverband auch eine besser Leistungsvergütung durch die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Allerdings wurden die Gespräche mit dem GKV-Spitzenverband „kurz vor Abschluss der seit Monaten andauernden Vertragsverhandlungen zu den Hebammengebühren“ von den maßgeblichen Verbänden wie dem Deutsche Hebammenverband, dem Bund freiberuflicher Hebammen Deutschland und dem Netzwerk der Geburtshäuser unterbrochen, da von Seiten der Krankenkassen taktische Spielchen betrieben würden, so die Pressemitteilung des DHV am Wochenende. „Mit jeder vergangenen Woche sparen die Krankenkassen, während die Hebammen zu wenig Geld bekommen “, betonte Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes.

Hebammen hoffen auf Unterstützung durch die Politik
Generell erhoffen sich die Hebammen von der Politik mehr Unterstützung, denn unter der derzeitigen Situation leide die Versorgung. „Seit Ende Januar haben neun Krankenhäuser die geburtshilfliche Abteilung eingestellt. Auf der anderen Seite ist es so, dass immer mehr Geburtshäuser schließen“, erläuterte die Sprecherin des DHV, Dr. Edith Wolber. Welche Versorgungslücken sich auftun würden, wenn alle freiberuflichen Geburtshelferinnen ihre Tätigkeit einstellen, geht aus den Zahlen der betreuten Geburten hervor. So werden rund 25 Prozent der Geburten (678.000 Neugeborene im Jahr 2010 laut Angaben des Statistischem Bundesamtes) von den freiberuflichen Hebammen begleitet. Allerdings leistet laut DHV heute bereits nur noch ein Viertel der selbstständigen Hebammen Geburtshilfe. (fp)