Medizin-Mythen: Das hilft bei Erkältungen

Heilpraxisnet

Warmes Bier und Co: Was hilft gegen Erkältungen?

01.02.2015

Husten, Schnupfen, Hals- und Gliederschmerzen: Eine Erkältung macht uns Menschen ganz schön zu schaffen. Häufig sind Bekannte dann mit guten Ratschlägen zur Stelle und empfehlen Hausmittel wie warmes Bier oder heiße Milch mit Honig. Was hilft aber wirklich gegen die Beschwerden?

Mythen über Erkältungen im Umlauf
Vor allem in der kalten Jahreszeit haben viele Menschen an einer Erkältung zu leiden. Wenn dann Kopfschmerzen, Fieber und Halsschmerzen den Alltag bestimmen, sehnt man sich nach Linderung der Beschwerden. Freunde und Bekannte haben dann schnell gut gemeinte Empfehlungen parat und raten zu dem ein oder anderen Hausmittel. So ist immer wieder zu hören, das warmes Bier, heiße Milch mit Honig oder Vitamin C die Beschwerden lindern sollen. Die „Berliner Zeitung“ befasst sich in einem aktuellen Beitrag mit dem Thema und versucht zu erklären, welche Mythen über Erkältungen stimmen und welche nicht.

Kinder erkranken bis zu 13-mal im Jahr
Bei der Krankenkasse AOK heißt es demnach, dass jährlich etwa die Hälfte der Deutschen mindestens an einer Erkältung erkranken. Mit zwei bis drei Erkrankungen pro Jahr ist sie bei Erwachsenen die häufigste Infektionskrankheit überhaupt, Kleinkinder können sich den Angaben zufolge sogar bis zu 13-mal jährlich erkälten. Ärzte bezeichnen die Krankheit meist als „akute Infektion der oberen Atemwege“ und auch als „grippaler Infekt“ ist sie bekannt. Die Auswahl an beworbenen Arzneimitteln, die gegen Erkältungen helfen sollen, ist riesig und auch die Zahl der empfohlenen natürlichen Hilfsmittel ist enorm.

Expertin rät von warmem Bier ab
Der häufig gehörte Ratschlag, bei Erkältungen warmes Bier zu trinken, ist der Zeitung zufolge Humbug. Prof. Erika Baum, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, erklärte demnach, dass hoher Alkoholkonsum die körpereigene Abwehr schwäche und die Wärmeregulation störe. Und auch Helga Strube von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Hannover würde bei einer Erkältung „ganz klar“ von warmem Bier abraten. Durch den Alkohol werde das geschwächte Immunsystem noch zusätzlich beansprucht. Die Expertin rät, viel zu trinken, jedoch kein Bier, sondern Kräutertee, Ingwertee oder heißen Holunder. Manche Tees, wie etwa aus Salbei sind zudem auch geeignete Hausmittel gegen Halsschmerzen.

Vitamin C schützt nicht vor Erkältungen
Auch die Annahme, dass Vitamin C vor Erkältungen schützt, wird von der“Berliner Zeitung“ entkräftet. So konnten in klinischen Studien nur minimale Effekte auf Erkrankungsrisiko und Krankheitsverlauf festgestellt werden. Die nötige Menge des wichtigen Vitamins werde durch eine ausgewogene Ernährung ohnehin aufgenommen, so dass keine zusätzlichen Präparate nötig sind. Die Zeitung erwähnt zudem, dass eine Grippeimpfung gegen Erkältungen nutzlos ist. Es muss dabei zwischen einem sogenannten „grippalen Infekt“ und einer richtigen Grippe unterschieden werden. Auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) heißt es: „Obwohl sich die Symptome ähneln können, unterscheiden sich Verlauf und Schwere der Erkrankung jedoch deutlich.“

Eine Woche oder sieben Tage?
Und auch Antibiotika bringen nichts, denn diese bekämpfen Bakterien und keine Viren, durch die Erkältungen meist ausgelöst werden. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass es zwar viele Mittel gegen die einzelnen Symptome einer Erkältung gibt, doch die eigentliche Ursache – die Schleimhautentzündung – muss man einfach „aussitzen“: Also viel schlafen und sich schonen. Auch das alte Sprichwort: „Erkältungen dauern ohne Arzt eine Woche und mit Arzt sieben Tage“, verdeutlicht dies. Damit ist gemeint, dass es keine Medikamente gibt, die die Krankheit entscheidend verkürzen. Gegen natürliche Hausmittel gegen Schnupfen oder Hausmittel gegen Heiserkeit ist aber dennoch nichts einzuwenden, um so die Beschwerden besser ertragen zu können.

Durch Stress wird das Immunsystem belastet
Da Stress über Stresshormone wie Kortisol das Immunsystem beeinträchtigt, kann dieses Infektionen dann nicht mehr so gut bekämpfen. In Stressphasen ist die körpereigene Abwehr geschwächt. Um also weniger anfälliger für Krankheiten wie grippale Infekte zu sein, gilt es für einen geeigneten Stressabbau zu sorgen. Die Zeitung räumt zudem mit einem weiteren Mythos auf: So werden Erkältungen nicht durch Kälte verursacht, wie oft behauptet wird. Vielmehr handelt es sich bei der Krankheit um eine Infektion mit Viren. Allerdings kann Kälte das Immunsystem schwächen und so anfälliger für die Krankheit machen. Daher sollte man sich im Winter warm anziehen, um das Risiko zu mindern.

Nase hochziehen statt schnäuzen
In manchen Kulturkreisen ist es verbreitet, die Nase hochzuziehen statt sich zu schnäuzen. Dies ist dem Bericht zufolge auch richtig, da beim Schnäuzen ein hoher Druck im Rachenraum entsteht, durch den Krankheitserreger auch in die Nebenhöhlen gelangen können. Und dort kommt es dann zu einer Entzündungsreaktion, welche die Erkrankung weiter verlängert. Der oft gehörte Ratschlag, bei Halskratzen, heiße Milch mit Honig zu trinken, ist ebenfalls richtig. Grundsätzlich kommt Honig eine wichtige Bedeutung in der Naturheilkunde bei Erkältungen zu. Doch auch andere warme Getränke wie Tees können helfen. Salbei, egal ob als Tee oder Bonbon, lindert das Halskratzen und wirkt als Entzündungshemmer.

Nicht in die Hände niesen
Bei einer Erkältung sollte man nicht in die Sauna gehen, denn die hohen Temperaturen sind belastend für den Körper. Doch auch wenn Saunagänge nicht gegen die Krankheit helfen, so kann man damit aber das Immunsystem stärken und ist so besser vor einer Infektion gefeit. Den letzten Mythos, den die „Berliner Zeitung“ thematisiert, ist: Nicht in die Hände niesen. Dies ist ein richtiger Ratschlag, da die Krankheitserreger, die sich dann auf der Hand befinden, schnell auf andere übertragen werden. Taschentuch oder Ellenbogenbeuge sind die besseren Alternative. Für Husten gilt das gleiche. Zudem wird darauf hingewiesen, Taschentücher nur einmal zu benutzen und sie danach sofort in den Mülleimer zu entsorgen. Da Viren auch über die Hände an die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase gelangen sich von dort weiter im Körper ausbreiten, zählt das Händewaschen als die wichtigste Schutzmaßnahme vor einer Erkältung, meinen Experten. (ad)

Bild: Sigrid Rossmann / pixelio.de

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