Mit Zucker-Fett-Steuer gegen Diabetes

Heilpraxisnet

Mit Zucker-Fett-Steuer gegen Diabetes

16.07.2014

Rund zwei Drittel der deutschen Männer sowie etwa die Hälfte der Frauen sind zu dick. Über sechs Millionen Menschen leiden hierzulande an Diabetes. Doch reine Appelle an die Bevölkerung, gesünder zu leben, sind offenbar gescheitert. Experten fordern nun erneut höhere Steuern auf ungesunde Lebensmittel. Andere Länder sind in dem Bereich viel weiter.

Höhere Steuern auf ungesunde Lebensmittel
Der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zufolge sind rund zwei Drittel der Männer (64 Prozent) und etwa die Hälfte der Frauen (49 Prozent) in Deutschland zu dick. Durch Übergewicht und Adipositas erhöht sich auch das Diabetes-Risiko. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) seien die Erkrankungszahlen zwischen 1998 bis 2011 um 38 Prozent gestiegen. Aufgrund der steigenden Zahl von Zuckerkranken in Deutschland – inzwischen über sechs Millionen Menschen – haben Diabetes-Verbände nun von der Politik erneut höhere Steuern auf ungesunde Lebensmittel wie Fast Food, Chips und Süßes gefordert. Dies teilte die DDG am Dienstag in Berlin mit. Eine an Zucker und Fettstoffen reiche Ernährung gilt als hohes Diabetes-Risiko.

Präventionserfolge bei Alcopops und Zigaretten
Wie der DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs mitteilte, könnte der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf besonders kalorienreiche und ballaststoffarme Produkte ein sinnvoller Weg sein. Parallel zu dieser Zucker-Fett-Steuer sollten gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse bewusst gering besteuert werden. Bisher gilt für viele Lebensmittel ein Steuersatz von sieben Prozent. Die sichtbaren Präventionserfolge bei Alcopops und Zigaretten werden von der DGG als Hauptargument für den bereits seit Jahren kontrovers diskutierten Steuerhebel genannt. Denn diese Alkoholika seien nach den Preissteigerungen weniger gefragt und der Tabakkonsum von Teenagern erheblich gesunken, erläuterte Garlichs. Hingegen seien reine Appelle an die Bevölkerung, auf gesunde Ernährung zu achten und Übergewicht zu vermeiden, nachweislich gescheitert.

Jeden Tag erkranken 700 Menschen neu an Diabetes
Nach DDG-Angaben erkranken in Deutschland jeden Tag mehr als 700 Menschen neu an Diabetes. Unter ihnen sei eine große Zahl an Kindern und Jugendlichen, die erst durch falsche Ernährung zuckerkrank wurde (Typ 2). Bei den über 70-Jährigen sei bundesweit inzwischen fast jeder Dritte Diabetiker. Im Vergleich zum Typ-2-Diabetes kommt der Typ 1, bei dem eine Fehlsteuerung des Immunsystems und erbliche Faktoren zum Entstehen beitragen, wesentlich seltener vor. Für die Betroffenen der chronischen Stoffwechselkrankheit können die Spätfolgen hart sein. Dabei gehe es nicht nur um Tabletten und Insulin-Spritzen. Den Angaben der Gesellschaft zufolge gibt es pro Jahr 40.000 Amputationen, 2.000 Neuerblindungen und 2.300 neue Nierenkranke mit Dialyse durch Diabetes. Dies verursache auch hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

Deutschland liegt in der Prävention hinterher
Am 11. Juli hat der Bundesrat die schwarz-rote Bundesregierung aufgefordert, einen Nationalen Diabetesplan zu erarbeiten. In der Länderinitiative wird auch vorgeschlagen, noch in diesem Jahr ein Präventionsgesetz vorzulegen. Zudem gibt es auch auf Ebene der EU sowie der UN Bemühungen um mehr Vorbeugung. Doch mit Blick auf den jüngsten Gipfel gegen nicht übertragbare Krankheiten, der in der letzten Woche in New York im Rahmen der UN-Generalversammlung stattfand, hatte die DDG betont, dass Deutschland in der Prävention von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes deutlich hinter der internationalen Entwicklung zurück liege.

Steuern und andere Maßnahmen in zahlreichen Ländern
Beispielsweise hat Mexiko bereits eine Steuer für Nahrungsmittel eingeführt, die mehr als 275 Kalorien pro 100 Gramm enthalten. In Frankreich gibt es seit 2012 eine „Cola-Steuer“ für mit Zucker angereicherte Getränke. Und in Lettland sind an Schulen und Kindergärten ungesunde Lebensmittel und Getränke verboten. Zudem haben der DGG zufolge einige südamerikanische Länder mit der Brotindustrie Vereinbarungen getroffen, den Salzgehalt zu reduzieren, da ein hoher Salzkonsum als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt und mit Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall in Verbindung gebracht wird. Auch in Finnland und Ungarn wurden verschiedene Formen der Zucker-Fett-Steuer eingeführt. In manchen Ländern, wie Norwegen oder Schweden wird an Kinder gerichtete Werbung verboten oder wie in Australien alle Formen der Tabakwerbung einschließlich des Sponsorings. (ad)

Bild: lichtkunst.73 / pixelio.de