Studie: Jeder 3. Schüler depressiv verstimmt

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DAK Studie: Fast jeder dritte Schüler leidet in Deutschland unter depressiven Stimmungen

28.04.2011

Laut einer Studie der Krankenkasse DAK leidet etwa jeder dritte Schüler in Deutschland an depressiven Verstimmungen. Hauptverantwortlich hierfür sind ein ständiger Stress in der Schule und permanenter Leistungsdruck.

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Laut einer neu erstellten Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) leider fast jeder dritter Schüler in Deutschland an depressiven Episoden. Im Vergleich zu Gymnasien sind Schüler/innen an Real- und Hauptschulen deutlich mehr betroffen. Die Hauptursachen sind nach Angaben der Experten vor allem beim Schulstress und Leistungsdruck zu suchen. Das zeige eine Befragung von knapp 6000 Schüler und Schülerinnen zwischen 11 und achtzehn Lebensjahren, die im Auftrag der DAK durch die Lüneburger Leuphana Universität an 25 Schulen in sieben Bundesländern durchgeführt wurde.

Depressive Stimmungen sehr weit verbreitet
Im Studienverlauf gaben 24 Prozent der befragten Schüler an, „oft da zu sitzen und nichts tun zu wollen“. Jeder zehnte Befragte stimmt der Aussage zu „kein Mensch versteht mich“. Dabei steigt der Anteil der Schüler mit depressiven Stimmungen mit zunehmendem Alter stetig an – von 23 Prozent im 11. Lebensjahr auf 33 Prozent im 18. Lebensjahr. Der Anteil von Jungen und Mädchen ist bei den Betroffenen nahezu gleich. Die Probleme der Befragten sind allerdings je nach Schulform unterschiedlich. An Haupt- und Realschulen ist die Zahl der betroffenen Schüler mit 32 Prozent deutlich größer als an Gymnasien mit 24 Prozent. Besonders problembehaftet ergeht es Schüler mit einem Migrationshintergrund. Hier lag der Anteil mit satten 36 Prozent besonders hoch.

„Bei Erwachsenen ist die Zahl der psychischen Erkrankungen in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen“, erklärt Dr. Cornelius Erbe, Leiter des DAK-Geschäftsbereiches Produktmanagement. „Die aktuelle Studie zeigt, dass die Probleme häufig schon im Schulalter beginnen.“ Daher ist es wichtig Eltern und Lehrer für die Symptome einer Depression zu sensibilisieren und Beratungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Schulen sollten zudem gezielt Eltern beraten.

Schulalltag setzt viele Jugendliche unter Stress und Leistungdruck
Den meisten Jugendlichen mit depressiven Stimmungen macht der Schulalltag zu schaffen. Die Jugendlichen leiden deutlich häufiger unter einem belastenden Klassenklima, unter starkem Leistungsdruck (43 Prozent) und Schulstress (23 Prozent) als ihre Mitschüler. Die Betroffenen sind zudem doppelt so oft unzufrieden mit ihren Leistungen als die Jungen und Mädchen ohne erkennbare Probleme. Laut der Studie schätzen die Jungen und Mädchen mit depressiven Stimmungen ihre Lebenskompetenz im Mittel als niedriger ein. 22 Prozent der Schüler mit depressiven Stimmungen schätzen ihre Lebenskompetenz niedrig ein im Vergleich zu lediglich 6 Prozent der Befragten ohne depressive Stimmungen. „Die Betroffenen verfügen häufiger über ungünstige Bewältigungsstrategien im Umgang mit Problemen“, erklärt Projektmanagerin Silke Rupprecht von der Leuphana Universität Lüneburg. „Mehr als doppelt so viele Jungen und Mädchen mit depressiven Stimmungen (37 Prozent) gehen Problemen lieber aus dem Weg, anstatt sie aktiv zu lösen – gegenüber 18 Prozent der Befragten ohne depressive Stimmungen.“ Das Vermeiden von Problemen könne aber zur Stabilisierung der psychischen Probleme beitragen.

Hilfsangebote für Schulen und Eltern
Gemeinsam mit anderen Experten empfehlen DAK und Leuphana Universität, gezielte Präventions- und Interventionsmaßnahmen durchzuführen. So könnte zum Beispiel über spezielle Förderprogramme bei Schülern mit depressiven Stimmungen die Lebenskompetenz verbessert werden. Ziel ist das Erlernen von kreativem Denken und der Fähigkeit, Probleme aktiv zu lösen. Ansatzpunkte für die Schulen können sein: Lehrer und Erzieher benötigen Fortbildungen zum Thema Depressionen bei Schüler. Durch kooperative Lernformen kann die solidarische Verantwortungsübernahme gestärkt werden. Und bei Elternabenden können Themen zu Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Leiden thematisiert werden, um auch Eltern zu sensibilisieren.

Eltern sollten ihre Kinder ernst nehmen
Eltern betroffener Kinder sollten die Gefühle ernst nehmen und das Gespräch suchen. Ein strukturierter und gleichbleibender Alltag hilft den Jugendlichen sich zu orientieren und Stress vorbeugen. Durch Lob und Anerkennung können Kompentenzen und Selbstvertrauen gestärkt werden. Zudem kann ein körperlicher Ausgleich in Form von Sportangeboten in Vereinen Stress vorbeugen.

Die aktuelle Studie „Depressive Stimmungen bei Schülern“ entstand im Rahmen der DAK-Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“. Dabei begleitet und berät die Leuphana Universität Lüneburg für die Krankenkasse bundesweit 30 Schulen, die sich für das dreijährige Projekt beworben haben. Die Gesundheitsziele werden von jeder Schule individuell festgelegt. Grundlage ist eine umfassende Befragung von Schülern, Lehrern und Eltern zum Schulalltag und Schulklima. An den Befragungen im Mai 2008, Mai 2009 und Mai 2010 haben sich insgesamt 5840 Schüler von neun Haupt-, Real- und Regionalen Schulen, drei Gesamtschulen, sieben Gymnasien und sechs Berufsschulen beteiligt. (sb, dak)