Ohrkerzen

ohrkerzen
Susanne Waschke

Das Aussehen einer Ohrkerze ähnelt einem dicken Strohhalm. Sie ist circa 20 Zentimeter lang und besitzt einen Durchmesser von ungefähr sechs Millimetern. Es sind mittlerweile die verschiedensten Ohrkerzen auf dem Markt. Je nach Art der Herstellung bestehen diese zum Beispiel aus Baumwolle, Leinen und Bienenwachs. Je nach Anwendungsbereich werden den Ohrkerzen Kräuter, Gewürze oder ätherische Öle zugesetzt.

Inhaltsverzeichnis:
Ohrkerzen
Geschichtlicher Rückblick
Wirkungsweise der Ohrkerzen
Ablauf einer Ohrkerzenbehandlung
Nebenwirkungen der Ohrkerzentherapie
Anwendungsbereiche für eine Ohrkerzen

Geschichtlicher Rückblick

Es existiert kein gesicherter Ursprung der Ohrkerzentherapie. Sicher ist jedoch, dass diese schon lange zur Behandlung eingesetzt wird. Die Schamanen benutzen die Ohrkerze zur Zeremonie und bei verschiedenen Ritualen. Die Herstellung der Ohrkerzen war damals eine mystische Angelegenheit und längst nicht jeder Schamane war dazu befugt. Über den wirklichen Ursprung der Ohrkerzenbehandlung sind nur wenige Details bekannt. So könnte dieser nach bisherigem Forschungsstand in Mittel- oder Nordamerika, in Asien, China oder auch im Ural sein. Jedoch ist bekannt, dass Ohrkerzen damals als Hausmittel eingesetzt und auch selbst hergestellt wurden. Erst 1985 kam die Ohrkerze nach Europa und wird heute immer häufiger in naturheilkundlichen Praxen zur Therapie verwendet.

Ohrkerzen werden erst seit rund 30 Jahren auch in Deutschland vermehrt eingesetzt. Bild: Kzenon/fotolia.com

Wirkungsweise der Ohrkerzen

Für die Wirkungsweise der Ohrkerzentherapie existieren keine klinischen Studien. Jedoch gehört diese Therapie zum Portfolio vieler naturheilkundlich orientierter Praxen. Die Ohrkerze wird auf den äußeren Gehörgang aufgesetzt und angezündet. Dabei entsteht ein Unterdruck, der Reize an das Trommelfell aussendet. Dieses wird dabei in leichte Vibration versetzt, was einer Trommelfellmassage gleich kommt. Die, von der Ohrkerze ausgehende Wärme, wirkt sehr entspannend, einmal auf das Ohr und zusätzlich noch auf den gesamten Organismus. Ablagerungen im Gehörgang lösen sich, was zu einer Hörverbesserung führen kann. Das Innenohr, in dem sich das Gleichgewichtsorgan befindet, wird durch die Schwingungen besser durchblutet. Auch haben die Vibrationen und die Wärmeentwicklung eine positive Auswirkung auf die Nasennebenhöhlen.

Der Reiz der Ohrkerze breitet sich über die Eustachische Röhre (Verbindung zwischen Mittelohr, Nase und Rachen) bis hin zum Rachen aus. Dort befindet sich lymphatisches Gewebe, wie zum Beispiel die Gaumenmandeln. Auch diese können von einer Ohrkerzenbehandlung mit profitieren.

Die Ohrkerzentherapie kann auch eine positive Wirkung auf die Psyche erzielen. Beim Verbrennen der zugesetzten Kräuter oder Öle entsteht Rauch. Der Riechvorgang beeinflusst unser limbisches System im Gehirn. Duftstoffe lösen dort eine chemische Reaktion aus, was daraufhin unsere Gefühle, unser Gedächtnis und unsere Stimmung beeinflussen kann. Je nach Zusatz wird der Parasympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems) stimuliert oder beruhigt, was Einfluss auf unseren Kreislauf, den Blutdruck und die Atemfrequenz hat. Somit kann durch die Anwendung von Ohrkerzen Beruhigung, aber auch Anregung von Körper und Geist eintreten.

Je nachdem, welche Kräuter oder ätherischen Öle der Ohrkerze beigemischt sind, üben diese noch eine zusätzlich Wirkung aus. So ist zum Beispiel eine Ohrkerze, die Lavendel enthält sehr gut zur Entspannung geeignet. Zugesetzter Weihrauch wirkt gegen die verschiedensten Erreger und Honig unterstützt die Ohrhygiene.

Ablauf einer Ohrkerzenbehandlung

Meist wird eine Ohrkerzenbehandlung in der Praxis eines Heilpraktikers durchgeführt. Dieser macht sich vorher ein Bild des Patienten, fragt nach Allergien, dem Blutdruck, Kreislaufproblemen und natürlich nach akuten Erkrankungen. So darf eine Ohrkerzenbehandlung niemals bei akuten Ohrenentzündungen und vor allem nicht bei perforiertem Trommelfell durchgeführt werden. Fieber gilt ebenso als Kontraindikation. Hochentzündliche Erkrankungen des Atemtraktes und der Ohren gehören in die Hand eines Facharztes.

Der behandelnde Therapeut informiert vor der Ohrkerzentherapie den Patienten über eventuelle Reaktionen, die während oder nach der Behandlung eintreten können. Dies sind eine leichte Erstverschlimmerung der akuten Beschwerden, Hautreizung, Tränen der Augen und leichte Zahnschmerzen. Die Reaktionen klingen jedoch meist schnell wieder ab.

Der Patient liegt während der Behandlung ganz entspannt, in Seitenlage, auf einer Behandlungsliege und wird, je nach Wunsch, zugedeckt. Der Therapeut sitzt neben dem Patienten und hält dabei die Ohrkerze fest. Die Ohrkerze wird sanft auf den Gehörgang gesteckt und dabei das umliegende Gebiet mit einem Tuch abgedeckt, damit eventuelles austretendes Wachs nicht zu Verletzungen führen kann. Die Ohrkerze wird am oberen Ende angezündet, was den Beginn der eigentlichen Behandlung darstellt. Mm unteren Ende besitzt die Ohrkerze eine Markierung, die das Ende des Brennvorgangs anzeigt. Ist das Ende der Kerze erreicht, so wird diese in ein Gefäß mit Wasser gegeben, um die Flamme zu löschen. Die Behandlung dauert in der Regel eine Stunde. Für jedes Ohr werden circa zwanzig Minuten benötigt und danach ist noch eine Ruhezeit vorgesehen. Am besten ist es, die Ohrkerzenbehandlung am Abend durchzuführen, damit der Patient anschließend zu hause noch etwas nachruhen und die Schlaf fördernde Wirkung bald zum Einsatz kommen kann.

Nebenwirkungen der Ohrkerzentherapie

Von richtigen Nebenwirkungen, wie sie bei Arzneimitteln auftreten können, ist bei den Ohrkerzen nicht zu sprechen. Der Ausdruck Begleiterscheinungen scheint treffender. Wird das Ohr nicht abgedeckt, kann dies zu unangenehmen Verbrennungen führen, die von dem eventuell austretenden Wachs herrühren. Durch den Einsatz von Kräutern und ätherischen Ölen sind bei manchen Patienten auch allergische Reaktionen zu beobachten. Bei Atembeschwerden oder massiver Hautrötung wird die Behandlung sofort abgebrochen. Eine leichte Hautreizung ist eine ganz normale Reaktion, die auch bald nach der Behandlung wieder abklingt. Manchmal tritt im Zuge der Behandlung außerdem akutes Ohrenjucken auf. Die Ursache kann eine schon länger zurückliegende Pilzinfektion sein, die durch die Ohrkerzenbehandlung nochmals aufflackert. Aber auch dies ist eine eher harmlose Begleiterscheinung.

Anwendungsbereiche für eine Ohrkerzen

Eine Ohrkerzentherapie wird vor allem zur Entspannung angewandt. Aber auch die durchblutungsfördernde Wirkung, die von dem Verbrennen der Ohrkerze ausgeht, wird genützt, um Kopfschmerzen und Migräne zu lindern. Bei Nasennebenhöhlenentzündungen, sowohl akut als auch chronisch, kann die Ohrkerzentherapie einsetzt werden. Ebenso wird sie zur Steigerung des Immunsystems und zu Reinigung des Gehörganges verwendet. Bei Tinnitus beziehungsweise Ohrensausen, einer Erkrankung, die heute immer häufiger auftritt, kann eine Ohrkerzenbehandlung unter Umständen ebenfalls eine Minimierung der Beschwerden bewirken. (sw)