Knacken im Rücken / Rückenknacken

Thorsten Fischer

Ein Knacken im Rücken kann für Betroffene entspannend sein, oder den Beginn von schmerzhaften Rückenschmerzen darstellen. Doch was knackt genau im Rücken und ist das Knacken gefährlich? Richtet das Knacken dauerhaft Schaden an oder ist es eher „ein Lösen“ und somit völlig normal? Dieser Artikel setzt sich mit diesen Fragen auseinander.

Inhaltsverzeichnis:
Knacken im Rücken
Synonyme
Symptome beim Knacken im Rücken
Ursachen von Rückenknacken
Schäden durch Knacken im Rücken
Einrenken bei Rückenknacken
Behandlung bei Knacken im Rücken

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Synonyme

Knacken im Rücken, Gelenkknacken im Rücken, Rückenknacken, knackender Rücken, Einfaltdistorsion im unteren Rücken, Tektonische Fixation im unteren Rücken, HVLA Rücken, Dog- Technik, Rücken einrenken, Wirbel rausspringen, Wirbel reinspringen, Knochenreiben im Rücken, Knacksen im Rücken, Knackserei im Rücken, Sehne überspringen im Rücken, Gelenkspaltknacken im Rücken, Knackgeräusch im Rücken, Rücken einrenken, Rücken ausrenken, Wirbelfraktur.

Wenn der Rücken knackt, helfen verschiedene manuelle Therapien.
Wenn der Rücken knackt, helfen verschiedene manuelle Therapien. (Bild: robiuankenobi/fotolia.com)

Symptome beim Knacken im Rücken

Knacken im Rücken kann einseitig oder beidseitig in allen Regionen am Rücken auftreten. Das Geräusch selbst kann ein deutlich hörbares Knacken sein, aber auch ein Plop- oder ein Reibe-, bzw Schnalz- Geräusch. Viele Menschen klagen zum Beispiel über Knacken am mittleren Rücken, wenn sie die Schulterblätter bewegen- dabei handelt es sich aber bei genauem Hinhören meist eher um ein Reibegeräusch. So unterschiedlich die Geräusche sind, so groß sind auch die Variabilitäten der Empfindungen: Manche Menschen empfinden es, als wenn etwas überspringt („Sehne, Band oder Muskel“) oder „wieder reinspringt“ (bzw. „rausspringt“), während andere das Gefühl haben, etwas Verklemmtes würde sich wieder lösen.

Das Knacken kann tief im Rücken oder oberflächlich empfunden werden. Viele Betroffene von Knacken im Rücken schildern, dass es beim morgendlichen Strecken und Dehnen im Rücken regelmäßig knackt oder beim Aufstehen nach langem Sitzen oder beim Nach- Vorn-Beugen. Dies wird aber meist als schmerzfrei und teilweise sogar als entspannend oder lösend beschrieben. Wenn nach dem Aufstehen Rückenschmerzen oder Steifheit im Rücken bestehen, so geben viele Betroffene an, dass es im Anschluss an das Knacken eher besser ist. Teilweise kann das Knacken im Rücken in recht kurzen Zeitabständen auftreten und danach über längere Zeiträume nicht- also recht unregelmäßig und symptomlos sein. Schmerzen im Zusammenhang mit Knacken im Rücken treten zeitlich meist im Anschluss an das Knackgeräusch auf.

Ursachen von Rückenknacken

Es kursieren die wildesten Theorien darüber, was genau beim Knacken im Rücken abläuft und was die Ursachen und Folgen sind.
Eine häufig zu hörende und zu lesende Theorie ist, dass Milchsäurebläschen oder Gasbläschen im Muskel oder im Gelenk bei einer ruckartigen Bewegung platzen oder entweichen. In dieselbe Richtung gehen Erklärungsversuche, die von einem Unterdruck, einem Druckausgleich oder einer Druckanpassung wie beim Öffnen eines Marmeladenglases im Gelenk ausgehen. In der Popularität der Erklärungen rangiert gleich danach die Theorie des Überspringens einer Sehne oder eines Bandes. Die Sehnen oder Bänder sollen demnach übereinander springen oder über einen Knochenvorsprung.

Die dritte Stelle nimmt wohl die Erklärung ein, dass ein Gelenk aus seiner „Fassung“ oder „Halterung“ springt. Dies wird häufig von Betroffenen selbst auch als „ein Wirbel springt raus“ oder „eine Bandscheibe springt raus“ bezeichnet und von ihnen mit einem Bandscheibenvorfall in Verbindung gebracht. Auf gleicher Höhe der Bekanntheitsskala befindet sich der Ansatz, dass das Knacken durch eine Übersäuerung im Gewebe oder in den Muskeln durch zuviel Kaffee, zu massive dauerhafte Zuckeraufnahme oder durch einen Vitaminmangel, bzw. einen Mineralienmangel bedingt ist.

Weitere Theorien sind ein Mangel an Gelenkflüssigkeit, durch den man ein Knochenreiben oder ein Knorpelreiben hört oder es bei ruckartigen Bewegungen zum Einströmen von Gelenkschmiere oder und gleichzeitig dem Entweichen von Kohlenstoffdioxid kommt.
Daneben hört man oft eher von Beschreibungen wie verspannter Muskulatur, Schleudertrauma, einseitiger Haltung, Überanstrengung, ungedehnter Muskulatur oder mangelnder Feinkoordination. Viele Betroffenen fragen sich auch, ob das Knacken im Rücken in Verbindung mit Krankheiten steht wie Rheuma, degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule wie Spondylose oder Spondylarthrose, entzündlichen Erkrankungen der Wirbelsäule wie Spondylitis, Spondylodiszitis oder Morbus Bechterew, Gicht, Osteoporose oder auch Knochenbrüchen. Einige Betroffene geben an, dass sie das Knacken im Rücken geerbt hätten, durch Sätze wie „das hatte mein Vater auch schon“.

Bei so vielen unterschiedlichen und in sich stark differierenden Hypothesen ist es verständlich, dass unklar ist, welche Folgen das Knacken im Rücken haben kann.

Hier gehen die Berichte stark auseinander, dass das Knacken schädlich für die Gelenke, für die Bandscheiben, für die Sehnen und die Bänder sei, oder aber „total ungefährlich“. Schädlich soll es deswegen sein, glaubt man den weit verbreitesten Erklärungen, weil es die Bänder oder die Gelenkkapseln „ausleiert“ oder die Sehnen „überdehnt“. Dadurch wiederum sollen die Gelenke dauerhaft labil werden und die Kraft soll nachlassen. Es wird auch häufig behauptet, dass es durch das Knacken im Rücken zu Mikrofaserschäden (Mikrotraumata) oder dauerhaft zu Folgeschäden wie Wassereinlagerungen oder Abnutzungen an den Gelenken kommen soll.

Schäden durch Knacken im Rücken

Ein grundsätzliches Problem in der Medizin besteht darin, dass den meisten Therapeuten nicht klar ist, dass sie mit Modellen arbeiten. Diese Modelle, die eine Grundlage für die praktische Arbeit (also therapeutische Intervention) liefern sollen, sind also nur Annäherungen an die Wirklichkeit. Wie die Realität in einem komplizierten biologischen Mechanismus wie dem menschlichen Körper aussieht, kann teilweise nur anhand der therapeutischen Wirkungen angenommen werden.

Wenn also ein Arzt, Heilpraktiker, Osteopath, Chiropraktiker oder FDM- Therapeut den Patienten seine Erklärungen bei Fragen zum Knacken im Rücken darlegt, handelt es sich meist um Erklärungen, die ein Therapeut effektiv z.B. zur Visualisierung bei seiner Arbeit nutzen kann, oder die er sich selbst anhand der beobachteten Effekte in der Praxis „erarbeitet“ hat. Der Therapeut eine Tür weiter erklärt es eventuell schon wieder ganz anders.

Der Internist und Allergologe Dr. Donald L. Unger aus dem kalifornischen Thousand Oaks war es wohl neben diesen nebulösen Theorien leid, sich auch ständig von seiner Mutter anhören zu müssen, dass Fingerknacken schädlich sei und Arthritis auslösen könne. Für seinen sechzig Jahre währenden Selbstversuch zur Untersuchung der Folgen von Fingerknacken bekam er 2009 an der Harvard- Universität den Ig- Nobelpreis verliehen. Er ließ die ganzen Jahrzehnte zweimal täglich die Fingergelenke linkseitig knacken, die rechte Seite ließ er unbehelligt. Untersuchungen ergaben, dass er weder links noch rechts Arthritis hatte.

Raymond Brodeur, ein us- amerikanischer Ingenieur, Doctor der Chiropractic und Osteopath hatte am Ergonomics Research Laboratory (ERL, LLC) der Michigan State University (MSU) einstmals die Behauptung aufgestellt, dass nach einem Knacken im Gelenk eine Gasblase sichtbar sei. Diese kommt nach Brodeurs Theorie zustande, wenn durch schnelles Ziehen die Gelenkkapsel sich dehnen und dazu der Druck innerhalb des Gelenks reduziert werden muss. Die Gase gehen in die Blasenform über und lassen so der Kapsel die Möglichkeit, sich weiter zu dehnen. Dann dauert es nach Brodeur eine Zeit, bis die Gase sich wieder lösen und das Knacken erneut ausgelöst werden kann. Für die teilweise enorme Lautstärke des Knackens bei einer so kleinen Gasblase hat Brodeur keine befriedigende Erklärung- wie er auch selbst zugibt. Aber es erklärt auch nicht, warum teilweise das Knacken doch mehrmals hintereinander ausgelöst werden kann.

Nach Brodeurs Angaben sollen Forscher mit Schwingungsmessgeräten festgestellt haben, dass die im Moment des Knackens auftretenden Ausschläge sehr gering sind. Andere Studien sollen, nach Brodeur, ergeben haben, dass es sich bei dem Knacken in Wirklichkeit um zwei Laute handelt. Der erste Ton könnte demnach das gelöste Gas in der Gelenkschmiere sein, der darauf folgende zweite, wenn die Kapsel sich dehnt. Weiterhin könnte es sich um Sehnen handeln, die über die Gelenke laufen und bei einer Beugung oder Streckung im Gelenk etwas ihre Verlaufsrichtung ändern und beim Zurückkehren in die Neutralposition ein Geräusch erzeugen. Wegen der größtenteils aus Vermutungen bestehenden Angaben Brodeurs, kann aber auch er keine definitiven Aussagen zur Schädlichkeit des Knackens machen. Also gibt es bisher keine wissenschaftlich belegbaren Erkenntnisse zur Schädlichkeit vom Knacken im Rücken.

Einrenken bei Rückenknacken

Eine Vielzahl von manuellen Verfahren, wie beispielsweise die Chiropraktik oder die Osteopathie, werten das hörbare Knacken im Rücken als einen Indikator für eine erfolgreiche Technik. Im Volksmund wird das meist „Einrenken“ genannt. In der therapeutischen Fachsprache wird es „Manipulation“, „HVLA- Technik“, „Thrust“, Dog- Technik (an der Brustwirbelsäule), „Lumbar Roll“ (am unteren Rücken), „Kirksville- Crunch“ oder „Impuls- Technik“ genannt. HVLA steht für „ High Velocity, Low Amplitude“ (hohe Geschwindigkeit, geringer Ausschlag). Der Therapeut baut bei diesen Techniken durch ein Heranführen des Rückens an eine bestimmte Position, die übrigens NICHT die Bewegungsgrenze ist, eine fühlbare Barriere auf. Durch einen kurzen Impuls wird diese Barriere überwunden, wobei der hörbare Knack- Laut auftritt.

Manche Therapeuten oder therapeutische Richtungen meinen, dass die kleinen Wirbelgelenke blockiert sind und durch die Technik kurz die Gelenkflächen wieder gelöst werden- was man hört, soll nach diesen Theorien das Eindringen von Luft, Gas oder das Lösen des Meniskus oder der Gelenkkapsel sein. Da das Aufbauen der Barriere und das Auslösen des Knacklautes innerhalb der normalen Bewegungsgrenzen der Gelenke und der umgebenden Gewebe liegt, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass durch solche Techniken oder das dabei entstehende Knacken im Rücken es zu „Überdehnungen“ der Kapseln oder der Bänder kommt.

Der in Kanada praktizierende Schweizer Forscher Dr. Walter Herzog stellte auf dem International Fascia Research Congress (FRC) 2009 in Amsterdam seine Studien vor, die zeigten, dass bei Manipulationen der Halswirbelsäule weniger Stress auf die Halsschlagader gebracht wurde, als beim normalen Drehen des Kopfes. Nach dem Fasziendistorsionsmodell (FDM) des us- amerikanischen Osteopathen und Notfallmediziners Stephen Typaldos, D.O. handelt es sich bei dem „Plop- Laut“ oder „Knack- Laut“ um ein Lösen der sogenannten Faltfaszien oder von sogenannten Tektonischen Fixationen an den Gelenken.

Faltdistorsionen stellen aus Sicht des FDM eine dreidimensionale Verformung der gelenknahen Faszien dar. Durch diese Distorsionen ist das Gelenk nicht mehr gegen Druck- oder Zugkräfte geschützt, weil die Faszie ihre Aufgaben nicht mehr voll erfüllen kann. Je nach Druck- oder Zugkräften, die die Verformung bewirkt haben, wird zwischen Entfaltdistorsionen und Einfaltdistorsionen unterschieden. Typaldos hatte bei Patienten beobachtet, dass sie über Schmerzen tief im Gelenk ohne Bewegungseinschränkung klagten. Das widerspricht dem üblichen Modell einer „Gelenksblockade“, die immer mit einer Bewegungseinschränkung einhergeht.

Wenn Patienten häufig selbst den Rücken quasi „durchknacken“ und dabei Entspannung oder ein erlösendes Gefühl haben, geht man nach dem Fasziendistorsionsmodell von einer sogenannten Tektonischen Fixation aus. Die Betroffenen klagen über Steifheit und Unbeweglichkeit im Rücken, aber ohne Schmerzen. Die Faszienflächen werden als fixiert angesehen und sollen ihre Gleitfähigkeit verloren haben. Die Techniken zur Behandlung der Tektonischen Fixation, bei denen das Knacken im Rücken gewollt ist, dienen dazu, die Gleitflächen zu lösen und wieder gleitfähig zu machen.

Behandlung bei Knacken im Rücken

Wenn ein Knacken ohne Schmerzen oder Steifheit im Rücken auftritt, werden die wenigsten Menschen deswegen die Hilfe eines Arztes oder eines Heilpraktikers in Anspruch nehmen. Meist müssen erst noch andere spürbare Symptome hinzu kommen. Bei akuten Geschehen werden die Betroffenen orthopädisch meist, wenn keine Hinweise auf gravierende strukturelle Hintergründe, etwa einen Bruch oder Bandscheibenvorfall vorliegen, mit einer Injektion mit schmerzstillenden, muskelentkrampfenden und/oder entzündungshemmenden Mitteln versorgt. Weit verbreitet sind in orthopädischen oder notfallärztlichen Berufsgruppen auch Methoden wie die Chirotherapie, Chiropraktik oder mittlerweile auch das Fasziendistorsionsmodell, die gegebenenfalls die Symptomatik mit manuellen Handgriffen behandeln. Klassische Naturheilverfahren sind beispielsweise das Schröpfen, wo mit Gläsern ein Unterdruck und somit eine Mehrdurchblutung erzeugt werden und die Neuraltherapie, bei der an den betroffenen und benachbarten Punkten Injektionen mit Lokalanästhetika zur Harmonisierung gesetzt werden.

Aus Sicht des Fasziendistorsionsmodells muss therapeutisch dieselbe Kraft bei einer Faltdistorsion auf das betroffene Gewebe gebracht werden, wie es im auslösenden Moment der Fall war. Für eine Tektonische Fixation wird durch die Techniken, die die Gleitflächen lösen, der erste Schritt zur grundsätzlichen Behebung gemacht. Im Anschluss werden meist pumpende Techniken oder pumpende Hilfsmittel wie der Masterplumber oder Schröpfgläser benutzt. (tf)