Ohrenschmalz – Entstehung, Funktion und sichere Entfernung

Jeanette Vinals Stein

So entfernen Sie richtig und sicher unangenehmes Ohrenschmalz

Ohrenschmalz (Zerumen) übernimmt wichtige Funktionen zur Gesunderhaltung des Körpers. Dennoch ist vielen Menschen nicht bekannt, wozu es dient und wo es gebildet wird. Auch stellt sich immer wieder die Frage, wie zuviel von der gelb-bräunlichen Absonderung effektiv, aber möglichst sanft beseitigt werden kann. Dieser Artikel soll Einblick in Funktion und Zusammensetzung des Sekrets geben sowie beschreiben, wie durch die richtige Pflege mit natürlichen Mitteln einer Verstopfung der Gehörgänge mit Ohrenschmalz begegnet werden kann. Außerdem erfahren Sie, was zu tun ist, wenn sich doch einmal ein Ohrenschmalzpfropf gebildet hat und wie Sie das gesunde Zerumen von krankhaftem Ohrenausfluss unterscheiden können.

Synonyme

Ohrschmalz, Cerumen, Zerumen, Zeruminalpfropf, Cerumen obturans, Zerumenpfropf, Cerumenpfropf, Epidermispfropf.

Ohrenschmalz dient der Selbstreinigung

Beim Ohrenschmalz, im medizinischen Kontext als Zerumen bezeichnet, handelt es sich um ein körpereigenes Sekret, das der Selbstreinigung der Ohren dient. Ohrenschmalz ist von gelblich-brauner Farbe und bitterem Geschmack und wird in spezialisierten Talgdrüsen des äußeren Gehörgangs gebildet. Es setzt sich aus Schweißdrüsensekret, Härchen, Talg, Hautschüppchen und Schmutzstoffen zusammen.

Ohrenschmalz übernimmt wichtige Funktionen, wie zum Beispiel die Entfernung von Staub, Schmutz, abgestorbenen Hautzellen und Fremdkörpern aus dem Ohr. (Bild: a3701027/fotolia.com)

Seine Aufgabe besteht darin, mithilfe von kleinen beweglichen Härchen Fremdkörper und Verunreinigungen aus dem Ohr in Richtung Ohrmuschel zu transportieren, wo sie dann beim Waschen, Duschen oder Baden mit Wasser entfernt werden.

Die Zusammensetzung des bitteren Sekrets, das sich an den Schleimhäuten des Gehörgangs verteilt, verhindert die Ausbreitung von eindringenden Viren, Pilze oder Bakterien. Ist dieser Selbstreinigungsmechanismus beeinträchtigt, bildet sich ein Ohrenschmalzpfropf, der zu Hörbeeinträchtigungen führen kann, wenn er den Gehörgang verlegt.

Ohrenschmalzpfropf

Wenn das Ohrenschmalz übermäßig produziert oder bei seinem Abtransport behindert wird, bildet sich ein Ohrenschmalzpfropf, der – angewachsen und verhärtet – die Hörfähigkeit beeinträchtigen kann. Behindert wird die Wanderung des Zerumens in der Regel durch den Versuch, die Ohren mit Wattestäbchen oder Handtuchzipfeln zu reinigen. Dabei wird das Sekret bis zum Trommelfell in den Gehörgang zurückgeschoben, was nicht nur zu Schallleitungsschwerhörigkeit, dumpfem Gefühl und Ohrgeräuschen, sondern auch zu Verletzungen und Entzündungen (Otitis externa) im Gehörgang führen kann.

Oftmals tritt eine plötzliche Schwerhörigkeit nach dem Haarewaschen, Duschen oder Baden auf, weil der Ohrschmalzpfropf (medizinisch „Cerumen obturans“) durch den Kontakt mit dem Wasser stark anquillt.

Entfernung von Ohrenschmalzpfropfen beim HNO-Arzt

Die Entfernung von Ohrenschmalzpfropfen wird in der Regel durch einen HNO-Arzt vorgenommen. Zunächst wird mit dem Otoskop, einem speziellen Ohrenmikroskop, der Pfropfen gesichtet, um die Diagnose zu sichern. Zum Schutze des empfindlichen Trommelfells kann unter mikroskopischer Kontrolle die mechanische Entfernung des Ohrenschmalzpfropfens mit einem Hakeninstrument oder mit einer Ohrspülung erfolgen. Sind löcherige Bereiche des Trommelfell bekannt, sollte auf die Spülung verzichtet werden.

Bei der Ohrspülung wird lauwarmes Wasser mit einer Spritze in das Ohr eingeführt, um den Pfropfen herauszuspülen. Vorbereitend wird dieser mit lipoidlöslichen Mitteln (z.B. Glycerin, Paraffinöl oder Pharmapräparate) aufgeweicht.

Mithilfe einer Ohrenspritze kann lästiges Ohrenschmalz ganz einfach herausgespült werden. (Bild: Jenny Sturm/fotolia.com)

Sanfte Ohrenpflege

Für eine sanfte Ohrenpflege, die eine übermäßige Ansammlung von Ohrenschmalz verhindern soll, eignet sich die regelmäßige Reinigung zu Hause, die durch Anwendungen aus der Naturheilkunde ergänzt werden kann. Bei intaktem Trommelfell wird mit einer Ohrenspritze, die in Apotheken erhältlich ist, einmal wöchentlich eine Ohrspülung mit Wasser vorgenommen.

Der Kopf sollte hierbei zur Seite geneigt gehalten werden, während das saubere lauwarme Wasser gegen die hintere Gehörgangswand gespritzt wird. Tritt nach der Spülung vorübergehend Schwindel auf, liegt das vielleicht an der falschen Wassertemperatur, die zu Irritationen im Gleichgewichtsorgan führt. Die Wassertemperatur sollte ungefähr Körpertemperatur betragen.

Eine Sonderform des Ohrenschmalzpfropfs stellt der sogenannte Epidermispfropf dar. Dieser kann bei chronischen Gehörgangsentzündungen entstehen und enthält Hautschuppen, Eiter und Ohrenschmalz. Achtung: Weil der Epidermispfropf steinhart werden kann, sollte eine Entfernung durch einen Facharzt erfolgen, um Gehörgang und Knöchelchen nicht zu verletzen.

Ohrenschmalz lösen mit natürlichen Hausmitteln

Wird zuviel Ohrenschmalz produziert, kann eine beginnende Pfropfbildung durch natürliche Aufweichungsmittel und der Anwendung von Ohrkerzen verhindert werden. Die aufweichende und fettlösende Kraft hochwertiger Öle (z.B. Mandelöl oder Walnussöl) kann mit ätherischen Ölen aus Heilpflanzen kombiniert werden, welche Reizungen vorbeugen und entzündungshemmend wirken (z.B. Kamille, Geranie, Teebaum).

Nach einer Einwirkzeit des Kräuteröls von mehreren Stunden kann die Verwendung einer Ohrkerze den Effekt der Verflüssigung des Ohrenschmalzes zusätzlich verstärken, sodass der Selbstreinigungsmechanismus Unterstützung erhält.

Sicher Ohrenschmalz entfernen lässt sich auf natürliche Weise auch durch ein Dampfbad mit Kamillenblüten, über das jedes Ohr für einige Minuten gehalten wird. Dieses Verfahren hat sich als wirkungsvoll bewährt, um festen Ohrenschmalz in Bewegung zu bringen.

Ohrenuntersuchung
Die ohrenärztliche Untersuchung kann feststellen, ob eine krankheitsbedingt erhöhte Ohrenschmalzproduktion vorliegt. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Ohrenausfluss

Ohrenschmalz, der bei jedem Gesunden in variierenden Mengen zur Selbstreinigung der Ohren gebildet wird, ist von Ohrenausfluss zu unterscheiden, wie er bei Ohrenerkrankungen vorkommt. Wiederholt auftretender Ausfluss von üblem Geruch beispielsweise, der mit Hörminderung einhergeht, lässt an eine chronische Mittelohrentzündung oder eine Ohrgeschwulst denken.

Eitrige Flüssigkeit im Ohr mit Ohrenschmerzen und Lymphknotenschwellung deutet auf ein akut entzündliches Geschehen hin und gehört in fachärztliche Behandlung (HNO).

Zeigt die Absonderung sich bernsteinfarben oder gar blutig, ist mit schweren Ohrentzündungen oder Schädelverletzungen zu rechnen. Bei vorausgegangener Verletzung ist sofort ein Notarzt zu alarmieren. (jvs, zuletzt aktualisiert am 20.2.2018)