Schmerzen beim Heben des Armes
Beschwerden beim Heben des Armes
Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen beim Heben des Armes sind ein weit verbreitetes Beschwerdebild, das schon zum Tagesbeginn mit dem Aufstehen beim morgendlichen Strecken, Anziehen des Unterhemdes oder beim Zähneputzen auftritt.
Mögliche Ursachen in unserer Arbeits- und Körperhaltung
Eine häufige Beziehung besteht bei vielen Betroffenen zu nach vorne gezogenen Schultern. Man nimmt an, dass es dadurch zu einer Verkleinerung der Gleitfläche im Schultergelenk kommt, was biomechanisch zwar erklärbar und logisch, aber bisher nicht medizinisch beweisbar scheint.
Sie können es praktisch selber ausprobieren: Ziehen Sie Ihre Schultern nach vorne oder lassen Sie sich vorne einfallen und versuchen Sie nun die Schultern zu heben und Sie werden sehen, dass es nicht gut geht. Sobald Sie sich aufrichten, haben Sie in der Schulter einen größeren Bewegungsradius und das Schulterheben geht leichter.
Bedingt ist dieses Einfallen nach vorne natürlich in unseren Breiten oftmals durch Arbeit vor dem Bildschirm. Im Laufe des Tages wandern die meisten mit dem Kopf und dem Oberkörper in Richtung Monitor. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass wir mit dieser Haltung entgegen unserer jahrtausendealten Verhaltensmustern leben, auf die unser Organismus (noch) ausgerichtet ist. Unser Körper ist unter anderem wohl nicht für dieses langanhaltende Sitzen gemacht. Desweiteren sind unsere Augen eher für Weitsehen als für Nahsehen gemacht, was zu einer Ermüdung und einem nach vorne gehen in Richtung Monitor führen kann.
Aber auch bei ausgeprägtem Krafttraining oder Bodybuilding, wenn die Brustmuskulatur stark trainiert wurde, kann dies wohl die Schultern nach vorne ziehen und beim Heben des Armes für Beschwerden sorgen. Viele Kraftsportler müssen dann anfangen für einen Ausgleich zu sorgen und trainieren die hintere Schultermuskulatur: Die kleinen sogenannten Aussenrotatoren. Das Gewicht ist dann meist minimal und steht in keinem Verhältnis zu den Riesengewichten, die sie normalerweise beim Bankdrücken gewohnt sind.
Dies alles führt dauerhaft natürlich zu einer Verkürzung der Gewebestrukturen in der Schulter und im vorderen und hinteren Brustbereich. Also ist es wichtig, nicht nur die schmerzende Stelle in der Schulter zu untersuchen und gegebenfalls zu behandeln, sondern auch die gesamte Statik der Region und die Benutzung im Alltag und bei sportlichen und Freizeit- Aktivitäten.
Schulterregion: Zusammenhänge
Gerade die Schulter ist ein sehr weit verzweigtes Netzwerk von Muskeln und Gelenken. Gebildet wird das Gelenk durch Schulterblatt und Oberarm.
Das Schulterblatt selbst ist praktisch auf die Rippen aufgelegt und steht über einen Fortsatz mit dem Schlüsselbein in Verbindung. Vorne an der Schulter gibt es noch den nach seiner Form benannten Rabenschnabelfortsatz (Coracoid). Hier setzt unter anderem der kleine Brustmuskel (M. Pectoralis minor) an und ist so in der Lage das oben erwähnte nach Vorneziehen (Ventralisierung) des Schultergelenks zu bewirken. Der kleine Brustmuskel ist auch ein Einatemmuskel. Bei vielen Betroffenen ist zusätzlich feststellbar, dass sie z.B. durch eine Stress- Situation in einer ständigen Einatmung verbleiben. Sie können nicht mehr loslassen, entspannen den kleinen Brustmuskel nicht mehr und sorgen so möglichweise dauerhaft für die erwähnte Ventralisierung der Schulter. Dadurch können unter dem kleinen Brustmuskel auch die Gefässe geklemmt werden. Sie verlaufen hier wie eine Sanduhr, wobei sich unter dem Muskel das dünnste Stück befindet. Dies kann in der Folge zu Beschwerden in Form von Schmerzen oder einer reinen Bewegungseinschränkung führen.
Weiterhin wird angenommen, dass die oben erwähnten Aussenrotatoren, die auf dem Schulterblatt liegen, reflektorisch gegen die Spannung von vorne anarbeiten müssen. Auch durch sie verlaufen zwei Nerven an der Rückseite des Armes (Nervus Radialis und Nervus Axillaris) und der Trizepsmuskel. Kommt es hier zu einer Einengung, dann gibt es meist ein Ziehen an der Rückseite des Armes beim Heben der Schulter.
Gründliche Diagnostik und Herstellen der Zusammenhänge
Für all diese Zusammenhänge gibt es recht aussagekräftige manuell durchführbare Tests, die in der Durchführung nur ein paar Minuten Zeit benötigen. Das kann für Patienten, Behandler und Ärzte Zeit und für die Krankenkassen Geld sparen- im Gegensatz zu bildgebenden Verfahren. Die man weiterführend einsetzen kann, wenn eine genaue Diagnostik und Therapie nicht möglich oder eine weitere Ausschlussdiagnostik notwendig scheint. Häufig an der Schulter sind sogenannte manuelle Provokationstests. Das bedeutet, ein Tests löst den Schmerz aus, den die Betroffenen kennen.
Dann ist es von seiten des Behandlers angezeigt, die Zusammenhänge in der Schulter herzustellen, die zu der Problematik geführt haben und den Schulterpatienten auch Tipps und Ratschläge für eine normale Benutzung im Alltag mitzugeben.
Denn wenn man schon der Tag bei den ersten Armbewegungen mit Schmerzen oder einer Bewegungsgeinschränkung beginnt, ist die Lebensqualität erheblich eingeschränkt und möglichst schnelle Abhilfe geboten. (Thorsten Fischer, Heilpraktiker Osteopathie, 18. 01. 2010)
