Immer häufiger sind Pilzinfektionen mit den gängigen Medikamenten nicht mehr zu therapieren, da die Erreger Resistenzen entwickelt haben. Insbesondere für Personen mit geschwächtem Immunsystem ist dies ein erhebliches Risiko. Ein internationales Forschungsteam hat nun einen Fünf-Punkte-Plan entwickelt, um das Problem arzneimittelresistenter Pilze zu bekämpfen.
Fünfzig Fachleute aus sechzehn Institutionen weltweit haben die Ausbreitung von arzneimittelresistenten Pilzen und die maßgeblichen Ursachen für die Entwicklung der Resistenzen analysiert. Basierend auf den Ergebnissen beschreiben sie in dem Fachmagazin „Nature Medicine“ fünf wesentliche Gegenmaßnahmen.
Bedrohlicher Ausbreitung resistenter Pilze
Verschiedene Pilze können Infektionen verursachen und beispielsweise zu Erkrankungen wie Fußpilz oder Nagelpilz führen. Zunehmend treten allerdings persistente und arzneimittelresistente Arten auf, die deutlich schwerere Infektionen verursachen, berichtet das Team.
„Wir erleben einen schleichenden Anstieg arzneimittelresistenter Pilze – von Candida auris auf Intensivstationen bis hin zu Azol-resistentem Aspergillus in der Bevölkerung –, der bereits Menschenleben kostet“, so der Studienleiter Professor Paul Verweij vom niederländischen Radboud Universitair Medisch Centrum.
Candida auris bilde vor allem in Kliniken ein Problem, da der Pilz schwere Blutstrominfektionen verursachen könne, die viele Betroffene nicht überleben, und Aspergillus fumigatus könne beim Einatmen schwere Schäden der Lunge verursachen.
„In den letzten Jahren haben wir Aspergillus fumigatus beispielsweise häufiger auf Intensivstationen bei Grippepatienten beobachtet“, berichtet Professor Verweij.
Wie entstehen die Resistenzen?
Die verschiedenen Pilze entwickeln ihre Resistenz jedoch größtenteils nicht in Krankenhäusern, sondern in der Umwelt, beispielsweise weil Fungizide, die zum Schutz von Nutzpflanzen vor Pilzkrankheiten eingesetzt werden, stark den in der Medizin verwendeten Antimykotika ähneln, erklärt das Forschungsteam.
Die langfristige Exposition in der Landwirtschaft ermögliche es Pilzen, Resistenzen gegen diese Wirkstoffe zu entwickeln. Die resistenten Pilze breiten sich anschließend aus und können insbesondere bei Personen mit geschwächtem Immunsystem zu schweren Infektionen führen, so die Fachleute weiter.
„Die gleichzeitige Verwendung von Antimykotika in Medizin und Landwirtschaft beschleunigt die Ausbreitung von Resistenzen vom Acker bis zur Intensivstation“, ergänzt die Studienautorin Professorin Michaela Lackner von der Medizinischen Universität Innsbruck.
Fünf-Punkte-Plan zur Eindämmung
Die Forschenden leiteten aus ihren Erkenntnissen einen Fünf-Punkte-Plan ab, um die Zunahme resistenter Pilze besser zu überwachen und zu verhindern. Die fünf Punkte umfassen:
- Sensibilisierung,
- Überwachung,
- Infektionsprävention und -kontrolle,
- optimierte Anwendung der Antimykotika
- und Investitionen in die Entwicklung neuer Medikamente.
„Die Bekämpfung von Pilzresistenzen muss mit konkreten Meilensteinen und Finanzmitteln in den Globalen Aktionsplan 2026 integriert werden, sonst riskieren wir, die Fehler bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen zu wiederholen“, so Professor Verweij.
Neue Antimykotika gesucht
Zudem stelle die Entwicklung neuer Antimykotika eine Herausforderung dar, denn die Zellstruktur von Pilzen sei der des Menschen sehr ähnlich. Das bedeute, dass Antimykotika auch menschliche Zellen schädigen und erhebliche Nebenwirkungen verursachen können.
„Deshalb wurden in den letzten 75 Jahren nur fünf neue Klassen von Antimykotika entwickelt“, so Professor Verweij. Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit verschiedener Medikamente sei die Prävention von Resistenzen gegen diese Mittel von entscheidender Bedeutung.
Mit dem Fünf-Punkte-Plan verbinden die Forschenden daher auch einen Handlungsaufruf an die Gesundheitsinstitutionen weltweit, um die weitere Ausbreitung der arzneimittelresistenten Pilze zu verhindern. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Paul E. Verweij, Ana Alastruey-Izquierdo, Karin Amilon, et al.: Closing the gap on antifungal resistance; in: Nature Medicine (veröffentlicht 15.04.2026), nature.com
- Radboud University Medical Center: Global strategy to combat drug‑resistant fungi is about to change (veröffentlicht 15.04.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
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