Innere Haltung – Psychische Resilienz

Als innere Haltung bezeichnet die Psychologie die Einstellung, mit der Menschen ihre Umwelt reagieren, seien es andere Menschen oder Erlebnisse, und wie sie ihre Umwelt bewerten. Diese innere Haltung drückt sich aus in Weltanschauungen, Gefühlen und Handlung. Werte und Normen, Vor- und Nachurteile, Aktivität oder Passivität, Engagement oder Lethargie stehen im Wechselspiel zur inneren Haltung. Zur Übersicht:

  • Innere Haltung ist kein festgelegter Begriff. Er umreißt unsere Einstellungen, mit denen wir in der Umwelt interagieren – im Positiven wie im Negativen.
  • Ein Mangel an innerer Haltung führt dazu, dass Menschen Probleme haben, sich in ihrer sozialen Umwelt zurechtzufinden.
  • Innere Haltung wirkt sich auch auf menschliches Verhalten aus, sie beeinflusst unseren Umgang mit anderen Menschen, besonders gegenüber Untergebenen.
  • Eine innere Haltung wird geprägt durch Lebenserfahrungen, Gedächtnis, Werte, Normen und Ethik.

Wofür ist eine innere Haltung wichtig?

Durch eine innere Haltung konzentrieren wir uns nicht auf unsere Defizite und die unserer Mitmenschen, sondern sehen auch Potenziale und Stärken.

Selbstbezug und Reflexion

Mit einer inneren Haltung beziehe ich mich auf mich selbst und zugleich reflektiere ich mich selbst – meine Werte, meine Normen, meine Handlungen. Ohne einen solchen Bezug zu entwickeln, verliere ich den Boden unter den Füßen.

Haltung statt Gleichgültigkeit

Wenn jemand etwas gleichgültig ist, ließe sich das zwar auch als seine Haltung bezeichnen, eine Überzeugung hat er dann aber nicht. Innere Haltung ließe sich auch als Grundüberzeugung bezeichnen.

Eine Grundüberzeugung

Eine innere Haltung ist keine konkrete Regel, sondern sie umfasst den ganzen Menschen – seinen Körper, seine Psyche, seine Emotionen. Eine innere Haltung ist eine Disposition zum Handeln, die sich in der individuellen Lebenserfahrung entwickelt.

Haltung und Tugend

Innere Haltung umfasst das, was der Begriff Tugend bezeichnet. Eine solche Lebenshaltung trainieren wir sie, sie bedeutet, das anzustreben, was wir für richtig ansehen, und zwar ohne dazu gezwungen zu werden oder ohne “dass es sich so ergibt”, sondern aus dem Wechselspiel von Freiheit und dem, was wir als notwendig erachten. Die Norm dafür ist nicht von außen gesetzt – sonst wäre es keine innere Haltung.

Unsere innere Haltung bestimmt, wie wir auf unsere Umwelt reagieren und mit unserem sozialen Umfeld interagieren. (Bild: mariesacha/fotolia.com)

Ist eine solche Einstellung fixiert?

Innere Haltungen der Umwelt gegenüber sind durch unsere Lebensgeschichte geprägt und lassen sich ändern, wenn wir sie als schädlich erkennen. Zum Beispiel lässt sich eine Grundhaltung, die offen für Neues ist, lernen.

Innere Haltung ohne äußeren Halt

Menschen sind soziale Wesen. Wir existieren in der Kommunikation und Kooperation mit anderen Menschen. Innere Haltung ohne Halt in der Umwelt ist deshalb eine Fata Morgana und typisch für die narzisstisch gestörter Menschen, die sich ein falsches Selbstbild zurecht lügen, um ihrer inneren Haltlosigkeit zu entfliehen. Innere Haltung bedeutet hingegen aktive Auseinandersetzung mit der belebten Welt.

Innere Haltung und Resilienz

Resilienz bezeichnet die Widerstandsfähigkeit, die es ermöglicht, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen. Eine positive innere Haltung, die die eigenen Stärken würdigt und die Schwächen realistisch einschätzt, führt zu einer gesteigerten Resilienz. Es bedeutet auch umgekehrt. Je mehr wir unseren Selbstwert mit einer inneren Haltung bestimmen, umso mehr Resilienz gewinnen wir gegenüber dem Urteil von anderen.

Innere Haltung formt Gedanken

Die innere Haltung, die wir gegenüber der Umwelt einnehmen, beeinflusst unsere Gedanken, Ideen ebenso wie Vorstellungen und Erwartungen, Hoffnungen und Verzweiflung. Innere Haltung fokussiert unsere Aufmerksamkeit. Innere Haltung zu entwickeln könnte jetzt bedeuten, zu erkennen, dass oft die eigenen Gedanken bestimmte Gefühle hervorrufen, nicht die Geschehnisse selbst. Wenn Überzeugungen irrational entstanden seien, ließen sie sich bewusst erkennen und, wenn nötig, ändern, so Ellis.

Die innere Haltung sei entscheidend bei Krisenbewältigungen, die emotionale Reaktion auf Situationen beeinflussbar. (Bild: Paolese/fotolia.com)

Innere Haltung – Wege aus der Krise

Eine positive Innere Haltung hat starke Effekte auf das Leben. Wer nicht glaubt, wirken zu können, der kann sich nicht motivieren, er ist seinen negativen Gefühlen hilflos ausgeliefert. In Krisen hat er keine Kraft – er kapituliert. Eine positive innere Haltung zieht hingegen gerade aus schwierigen Situationen Stärke.
Das sind keine „klugen Sprüche“, sondern die Gedanken und Emotionen verändern Prozesse im Gehirn, wirken sich darauf aus, welche Hormone ausgeschüttet werden, welche Botenstoffe auf die Reise gehen, wie unser Nervensystem sich verhält. Die selbsterfüllende Prophezeiung (engl. self-fulfilling prophecy) hat wenig mit „Schicksal“ zu tun, sondern liegt daran, dass sich unser Gehirn auf das einstellt, was wir über etwas denken und fühlen, ganz egal, ob dies der Wirklichkeit“ entspricht.

Verkürzt gesagt: Wird die Angst vor dem Scheitern übermächtig, können wir recht sicher sein, dass wir scheitern, denn sie führt dazu, dass wir uns auf eine Art und Weise verhalten, mit der wir scheitern müssen. Oder: Wir können kaum jemand von etwas überzeugen, von dem wir nicht überzeugt sind. Das Gute ist: Wir können Gedanken aktiv beeinflussen.

Welche innere Haltung habe ich?

Viele Menschen kennen ihre innere Haltung nicht einmal und können folglich nicht erkennen, wo sich diese positiv oder negativ auswirkt. Fragen Sie sich: “Was will ich?”, “Wofür stehe ich ein?”, “Was sind meine Werte?” , “Was sind meine Motive”?.

Innere Haltung und äußeres Handeln

Wenn die innere Haltung und das äußere Handeln übereinstimmen, wirken wir auf andere lebendig. Andere schenken uns Glauben, wir strahlen Vertrauen aus und Verbindlichkeit.

Innere Haltung und Gewaltfreiheit

Ist die innere Haltung von Wertschätzung geprägt, entsteht die Fähigkeit, mit anderen Menschen vertrauensvoll zusammen zu arbeiten und sich gewaltfrei zu verständigen.

Nehmen Sie sich Zeit, ihre Gedanken zu notieren und reflektieren Sie ihre Notizen, um zum Beispiel Denkmuster zu erkennen. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Innere Haltung und Sprache

Um ihre innere Haltung zu stärken, können Sie ihre Sprache, Gestik und Mimik beobachten. Wer im Ungefähren bleibt, im “Ich weiß nicht…”, im “Naja…”, im “Ziemlich” oder sich hinter “man macht das so” Konstrukten versteckt, der zeigt, dass er keine eigene innere Haltung entwickelt. Und umgekehrt: Klare Aussagen zeigen eine klare innere Haltung. Und die lässt sich auch mit klarer Sprache entwerfen.

Körpersprache

Auch die Körpersprache zeigt die innere Haltung nicht nur, sie stärkt oder schwächt sie auch. Sie können sich selbst beobachten: Gehen Sie gerade aufgerichtet oder lassen Sie den Kopf hängen. Körperhaltung und innere Haltung spielen hier zusammen: Die innere Haltung wirkt sich auf die Körperhaltung aus und die Körperhaltung auf die innere Haltung

Innere Haltung entwickeln

Wie entwickeln Sie eine innere Haltung, wenn Sie sich von den Strömen des Lebens herumgewirbelt fühlen? Sie können es trainieren, mehr über ihre wimmelnden Gedanken und Werte zu erfahren: Führen Sie zum Beispiel ein Tagebuch, nutzen Sie Therapeutisches Schreiben oder Therapeutisches Malen. Musik oder das Aufsuchen vertrauter Orte können ebenfalls Methoden sein, Assoziationen und Erinnerungen an die Oberfläche zu holen und kennen zu lernen. Fragen Sie sich, welche Träume hatten Sie als Kind, als Jugendlicher, als junger Erwachsener? Welche Gefühle verknüpften Sie mit diesen Träumen.

Fragen Sie sich, welche Träume Sie in ihrer Kindheit hatten. Diese – ob erfüllt oder nicht – bergen oft interessante Aspekte zu ihrer inneren Haltung. (Bild: Sunny studio/fotolia.com)

Definieren Sie für sich selbst: Was bedeutet für mich Glück, was Erfolg? Wann bin ich stolz und worauf? Was will ich?

Die innere Haltung wertschätzen

Zum einen gibt es Menschen, die wenig innere Haltung entwickelt haben. Dramatisch wird dies bei Klienten, die am Borderline-Syndrom leiden, innere Leere empfinden und daran verzweifeln, dass Sie selbst nicht wissen, wie ihre innere Haltung ist.

Abhängigkeit von außen

Manchen Menschen fällt es schwer, eine innere Haltung zu entwickeln, und damit psychische Resilienz. Der Grund: Ihre Stimmung ist stark abhängig von der Umwelt. Dazu gehören die, denen unbedingt wichtig ist, dass die Umwelt sie und ihre Leistung anerkennt. Dazu gehören auch Menschen, deren Selbstbewusstsein, davon abhängt, freundlich behandelt zu werden.Oder diejenigen, die denken, die Umwelt sei ihnen etwas schuldig.

In manchen Seminaren zur “inneren Haltung” geht es weniger um die Persönlichkeit des Einzelnen, sondern eher um Entsprechung “gängiger” Normen, zum Beispiel im Falle einer Bewerbung. (Bild: Freedomz/fotolia.com)

Fazit

Eine innere Haltung zu entwickelt stärkt die Widerstandskraft der Psyche und erfüllt ihr Leben, indem es sich beruhigt: Sie gehen gelassener auf andere Menschen zu, weil Sie wissen, was Sie selbst für falsch und richtig halten. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Zutt, Jörg: "Die innere Haltung. Eine psychologische Untersuchung und ihre Bedeutung für die Psychopathologie insbesondere im Bereich schizophrener Erkrankungen", in: Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie, Vol.73 No. 5-6, 1923, karger.com
  • W. Vopel, Klaus: Was mir wichtig ist: Werteklärung mit Jugendlichen, iskopress, 2007

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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